16. Juni 2018

Robert McCammon - Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band II

Autor: Robert McCammon
Titel: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band II


Verlag: LUZIFER
ISBN: 9783958352315
Erschienen: 2017
Seiten: 500



Geht eine Hexe in Carolina um? Das zumindest glauben die Bewohner der kleinen Stadt Fount Royal. Ihr Name ist Rachel Howarth, eine Fremde - wunderschön und mutig. Kein Wunder, dass sie von manchen Einwohnern gehasst wird und den meisten zumindest suspekt vorkommt.

Der fahrende Friedensrichter Isaac Woodward und sein scharfsinniger Gerichtsdiener Matthew Corbett sollen ihr den Hexenprozess machen. Die Beweise sind erdrückend: In ihrem Haus finden sich okkulte Hinweise, sie weigert sich, die Worte des Herrn zu sprechen, und Zeugen berichten von unaussprechlichen Dingen, die sie mit dem Leibhaftigen selbst begangen haben soll.

Aber Matthew zweifelt an den Anschuldigungen. Gibt es so etwas wie Hexerei wirklich? Und wenn Rachel tatsächlich wie ein Dämon durch die Nacht fliegen kann, wieso hat sie sich dann nicht längst selbst aus dem Gefängnis befreit?

In Fount Royal gehen noch weitaus rätselhaftere Dinge vor. Wer ermordete Rachels Ehemann? Wer wäre imstande, eine ganze Stadt zu paralysieren? Und wer würde davon profitieren, wenn die Hexe verbrannt würde?

Es tobt tatsächlich ein Kampf zwischen Gott und Teufel, zwischen Gut und Böse in dieser Stadt, und selbst die Unschuldigen sind nicht länger sicher. Schon bald muss sich Matthew Corbett mit Herz und Hirn dem wahrhaftigen Bösen stellen, das in Fount Royal umgeht...


Endlich geht es weiter mit der Geschichte. Nach einem der brutalsten Cliffhanger, auf die ich je traf, wurde der Hexe endlich der Prozess gemacht und ich lag mit meiner Vorahnung richtig. Das Buch kam jedoch mit neuen Überraschungen um die Ecke und steht dem ersten Band betreffend Spannung, düsterer Stimmung und böswilligen Menschen in nichts nach.

Der Schreibstil war diesmal etwas freundlicher. Ich weiss nicht, ob es daran lag, dass ich mich schon an den Schreibstil und die altertümliche Wortwahl des ersten Bandes gewohnt war oder ob der zweite Band tatsächlich etwas leichter geschrieben war. Auf jeden Fall blättert man nur so durch das Buch, Seite um Seite, ohne sich gross daran zu stören. Natürlich sind einige Reden, egal ob schmutziger Gossenbürger oder der Stadtbürgermeister Bidwell, sehr alt und primitiv, teils mit schmutzigen Worten und gefüllt mit religiösen Beschimpfungen. Doch genau darum geht es ja und gibt der Stimmung seine Authentizität. In einer im Sumpf erbauten Stadt um das Jahr 17OO, in Angst und Schrecken versetzt wegen einer Hexe, da muss der Teufel höchstpersönlich im Spiel sein. Denken zumindest die meisten.

Schon nach dem ersten Band dachte ich jedoch, was Gerüchte und schwatzende, verängstige Völker einer Einzelperson antun können. Ohne spoilern zu wollen, war es wohl klar, dass Rachel mehr Opfer als Teufel ist. Es gehen jedoch mehr als ein Mörder in der Stadt umher. Verschiedene Interessen lassen verschiedene Personen sehr dunkle Handlungen vollbringen. Von einfachem Diebstahl bis zu blutigen Morden ist alles dabei. Wegen Geld und Reichtum, Eifersucht, Angst, späte Rache... auch die Motive sind vielfältig. Matthew deckt zuletzt alles auf, bleibt aber selbst fast auf der Strecke, wortwörtlich und im übertragenen Sinne. Doch generell kann ich sagen: der zweite Band schnürrt sich um die Kehle der Teufelsbrut. Es sterben weitere Personen und die Beschreibungen der Taten und Leichen empfand ich im Vergleich zum ersten Band noch schrecklicher, blutiger und düsterer. Wer also eine zarte Haut hat, ist somit vorgewarnt. 

Band zwei ist grossartig und genauso dicht wie der erste Teil. Die Atmosphäre, die Handlungen, Beschreibungen, weitere Figuren und ihre Hintergrundgeschichten. Das Netz von Details ist unglaublich und musste den Autor ein intensives Mindmapping verlangt haben. Obwohl es möglicherweise kleine Lücken gibt, wird alles im Grossen und Ganzen aufgelöst. Es bleiben somit keine Rätsel oder Fragen offen, nachdem sie im Verlauf der Geschichte angefangen werden, um Verwirrung zu schaffen - etwas, das ich nicht besonders mag. Natürlich wird der Leser trotzdem auf so einige Holzpfade geschickt.

Eine spannende Hexenjagd wird zum atemanhaltenden Krimi, so düster wie Teufels Seele, so hungrig wie ein Bär nach dem Winterschlaf, so mitreissend wie ein Fluss direkt vor dem Wasserfall. Auf jeden Fall empfehlenswert und sicherlich eine der besten Lektüren für Halloween!





5 von 5 Lese-Echsen





Bildergebnis für robert mccammonRobert McCammon ist der Autor der New York Times Bestseller Boy's Life und Gone South, sowie zahlreicher anderer von Kritikern hochgelobter Romane. Mehrere Millionen Exemplare seiner Bücher befinden sich im Umlauf. Robert McCammon ist für sein Lebenswerk mit dem Brak Stoker Lifetime Achievement Award ausgezeichnet worden und hat ausserdem den Grand Master Award der World Horror Convention und den World Fantasy Award erhalten.

Er lebt in Alabama, wo er 1952 auch geboren wurde.










9. Juni 2018

Katja Maybach - Die Stunde unserer Mütter

Image result for stunde unserer mütterAutorin: Katja Maybach
Titel: Die Stunde unserer Mütter


Verlag: Droemer
ISBN: 978-3426516072
Erschienen: 2017
Seiten: 320 




Deutschland 194O:


Maria und Vivien könnten unterschiedlicher nicht sein. Maria zweifelt mittlerweile an ihrer Ehe mit Werner, ihre britische Schwägerin Vivien schmerzt hingegen jede Minute der erzwungenen Trennung von ihrem Mann Philip, der sein Leben riskiert, indem er Juden bei sich versteckt. Während Maria bei jedem Feldpostbrief Werners mit sich ringt, ein paar liebevolle Worte zu schreiben, wartet Vivien nur darauf, zu Phili zurückkehren zu können. Doch je schmerzhafter die täglichen Einschränkungen und je grösser die Gefahren von Denunziation und Anfeindungen werden, desto enger rücken Maria und Vivien zusammen.




Ein trauriges Stück Geschichte aus der Sicht zweier Hausfrauen und ihren Töchtern. Ein Alltag, heute so fremd, doch damals die tägliche bittere Pille. Das Warten und Bangen, das scheinbar normale Leben weiterführen zu wollen und doch ständig mit den Begleiterscheinungen und Konsequenzen des Krieges konfrontiert zu sein.

Katja Maybach orientierte sich für diesen Roman an echten Feldpostbriefen ihres Vaters und dessen privaten Tagebuch. Obwohl die Autorin diese Zeit selbst nicht miterlebt hat, werden Erinnerungen vieler ihrer Familienangehörigen wieder lebendig, wobei sich die Autorin an den gleichen Jahren orientiert: Im Zeitrahmen von 194O bis 1943 etwa. Die Beschreibungen malen ein graues Bild von Lebensmittelmarken, verlassenen Häusern, harte Ausgehregeln, fiese Beleidigungen und der Dunst ständiger Angst, nur verschleiert durch die zum Alltag gewordenen Tränen. Jeder ist vorsichtig, jeder hat Opfer zu betrauern, jeder muss Abstriche machen, jeder geht seiner Sache nach und bleibt ansonsten Daheim. Fürsprecher von Hitler werden zu den grössten Feinden von solchen, die Juden und anderen Nicht-Deutschen helfen. So wiegen sich auch Maria und Vivien in Gefahr, denn obwohl Vivien in Deutschland verheiratet ist und ihre Tochter in demselben Land geboren, bleibt sie doch Ausländerin. Was ihre Tochter durch Unvorsicht auch schwer zu spüren bekommt. Doch auch Maria hat ihr Päckchen zu tragen; eine Ehe, in der sie sich erst noch verlieben muss und Gefühle, die besonders zu Kriegzeiten, schwierig sind zu entwickeln und sich sicher zu sein. Der Zweifel nagt an ihr, doch es gibt Wichtigeres, das bald die Prioritätenliste übernimmt.

Auf dem Klappentext überhaupt nicht erwähnt, aber genauso eine Hauptrolle besitzend wie ihre Mütter, sind die Töchter Anna und Antonia. Schnell sind sie mir ans Herz gewachsen, obwohl mir erst Anna viel sympathischer war als Antonia, doch der Leser erfährt später in der Geschichte mehr über ihre Beweggründe. Auch die Hintergründe der Ehen, von den Männern, lernt man mehr während der Lektüre und beide Geschichten entwickeln sich nicht so, wie ich es erwartet habe, jedoch sehr authentisch, sofern ich das überhaupt beurteilen kann. Gerne hätte ich mehr über Philip erfahren, seine Sicht auch den Krieg, die Ereignisse in seinem Haus, nachdem er seine Frau Vivien zur Schwägerin aufs Land schickt zum Schutz. Gerne hätte ich mehr über die Geschichten der Juden erfahren, denen er geholfen hat. Doch das bleibt nur Kulisse, denn in diesem Roman dreht sich alles um die Frauen.

Trotz vieler sehr trauriger Kapitel, gibt es auch fröhliche Passagen, witzige Gespräche und viele mutmachende Ereignisse. Genauso viele vielleicht, wie es traurige und wütende Szenen gibt. Auch wenn der Roman Fiktion ist, kann man sich sehr gut vorstellen, wie es damals, in den wirklichen Kriegsjahren war. Die Beschreibungen sind mitreissend, der Schreibstil gefühlvoll, die Figuren sehr lebendig. Am Ende hatte ich sogar Tränen in den Augen, vor Trauer und vor Freude, genauso wie ein gutes Buch sein sollte. 



4,5 von 5 Lese-Echsen




Katja Maybach lebte viele Jahr in Paris als Model und Designerin. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Zeitschriften, darunter die italienische Vogue, veröffentlicht. Nach einer schweren Krankheit begann sie erfolgreich, Romane zu schreiben. Heute lebt sie wieder in München, wo sie aufwuchs, und hat zwei erwachsene Kinder. 


31. Mai 2018

Carrie Vaughn - die Banner von Haven

Autorin: Carrie Vaughn
Titel: die Banner von Haven


Verlag: Arctis
ISBN: 9783038801085
Erschienen: 2018
Seiten: 320 




Eine Küstenregion in nicht allzu ferner Zukunft: Nach einer Reihe von apokalyptischen Stürmen ist auf den Ruinen eine neue Zivilisation entstanden. Die Menschen, nun in kleinen Gemeinschaften organisiert, erhalten symbolische Banner, mit denen sie sich das Privileg verdienen können, Nachwuchs zu haben. Enid ist eine junge Ermittlerin, die Zuwiderhandlungen gegen die herrschenden Regeln aufdeckt. Eines Tages soll sie in einem rätselhaften Todesfall ermitteln. In der Gesellschaft, deren strenge Regeln eine Folge der früheren Katastrophen sind, zeigen sich alsbald Risse, und Enid muss sich selbst fragen, für was sie wirklich stehen will.




Eine neue Welt, entstanden nach dem teilweisen Untergang der heutigen Welt. Ein neues Konzept zur kontrollierten Geburtenrate. Ein Krimifall und eine Liebesgeschichte. Die Erzählung hat viele unterschiedliche Gesichter zu bieten, doch nicht alle haben mir gefallen.

Zuerst, der Schreibstil hat mir einigermassen gefallen. Es war leicht zu lesen, floss natürlich und besonders die direkte Reden konnten mich unterhalten. Die Beschreibungen waren zwar nicht die ausgezeichnetsten und fantasievollsten, die ich jemals las, aber auch sehr anschaulich. Fantasievoll war vor allem die Idee zur neuen Welt. Und da beginnt auch schon das Problem...

Manchmal versuche ich neue Genres. Manchmal gefallen sie mir, manchmal weniger. Grundsätzlich war ich mit diesem Buch sehr zufrieden, dennoch hatte ich meine Zweifel bezüglich des ganzen Zukunftsding. Erstens der Titel: Obwohl die Banner - egal ob von Haven oder in anderen Ortschaften - oft genannt werden und sie ein anzustrebendes Ziel für praktisch alle  sind, so geht es in erster Linie um zwei andere Geschichten; den Mordfall und die Liebesgeschichte von Enid und Dak, einem musizierenden Wanderer. Die Geschichte wir somit auch in zwei Zeitabschnitten erzählt. Einmal im Heute, der Mordfall, und dann in der Vergangenheit, Enid und Daks Geschichte. Und natürlich hängen diese Geschichten zusammen am Schluss, doch ich will nichts vorweg nehmen.

Die neue Welt war sehr authentisch, was die Beschreibungen der Landschaft angeht. Beton- und Stahltrümmer, Wüsten, primitive Häuser und Bauernhöfe, die man wieder aufgebaut hat als wäre man nach der Apokalypse zurück ins Mittelalter oder noch früher katapultiert worden. Die Leute leben wieder von Agrarkultur und Fischerei hauptsächlich. Einige Maschinen und Gegenstände haben von der Vorzeit überlebt. Die Autorin nennt als Vorzeit die Zeit vor den apokalyptischen Stürmen, also dem Jetzt und Heute des Lesers. Obwohl die Idee grundsätzlich sehr interessant ist, fand ich die Auswahl der Gegenstände sehr arbiträr. Eine Bohrmaschine, ok. Nutzlose Computer, ok. Aber Implantante zur Verhütung und Impfstoffe, obwohl die dazugehörigen Forscher ausgestorben sind und nur wenige Ärzte das Wissen weitertragen? Wie kommt es, dass es für alle Mädchen, die 18 Jahre alt werden, obligatorisch wird, sich ein Verhütungs-Implantant in den Arm stechen zu lassen, bis sie sich ein Banner verdienen und somit schwanger werden dürfen - jedoch andere einfache medizinische Stoffe, die Verhütungspille, das Kondom...alles ausgelöscht wurde? Ich meine, wir sprechen von apokalyptischen Stürmen, da kann schon was kaputt gehen. Aber mir scheint es, als hätte die Autorin einfach einen Grund erfunden, alles zu limitieren, was sie will und am Leben erhält, was für ihre Geschichte funktioniert. Leider grosser Minuspunkt.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Enid und Dak fand ich etwas schade. Der Aufbau, ihre Abenteuer zusammen und die Entwicklung der Beziehung empfand ich als authentisch, wenn auch naiv, aber gefühlvoll und mitreissend erzählt. Nur das Ende war enttäuschend und irgendwie platt. Der Mordfall war wohl das spannenste an der ganzen Erzählung. Ein Mysterium, ein Rätsel für Enid und den Leser und es passieren unterschiedliche Kleinigkeiten, die die Aufklärung erschweren.

Das Buch konnte mich unterm Strich gut unterhalten. Es gibt jedoch ziemlich Abzüge für die Zukunftswelt, die ich wenig durchdacht und eher willkürlich empfand und den Mix an Genres, die für sich alleine funktionieren, aber zusammengewürfelt an Effekt verlieren. Pluspunkte hingegen für die Figuren, die Beschreibungen und Gespräche.





3,5 von 5 Lese-Echsen



Carrie Vaughn wurde am 28. Januar 1973 in Sacramento, Kalifornien, geboren. 

Image result for carrie vaughnIn ihrer Kindheit zog sie mehrfach um, da ihr Vater Pilot bei der US-Air Force war. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie Englische Literatur in Los Angeles, York, England, und Boulder, Colorado. Danach arbeitete sie im Theater, bis sie sich ganz dem Schreiben widmete. Durch ihre Fantasy-Reihe rund um die Werwölfin Kitty Norville wurde sie bekannt. Sie lebt heute in Boulder.




21. Mai 2018

Karen M. McManus - One of us is lying

Image result for one of us is lyingAutorin: Karen M. McManus
Titel: One of us is lying



Verlag: cbj
ISBN: 9783570165126
Erschienen: 2018
Seiten: 445





Eine Highschool, ein Toter, vier Verdächtige...

An einem Nachmittag sind fünf Schüler in der Bayview High zum Nachsitzen versammelt. Bronwyn, das Superhirn auf dem Weg nach Yale, bricht niemals die Regeln. Klasschenschönheit Addy ist die perfekte Homecoming-Queen. Nate hat seinen Ruf als Drogendealer weg. Cooper glänzt als Baseball-Spieler. Und Simon hat die berüchtigte Gossip-App der Schule unter seiner Kontrolle. Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Simon wollte am Folgetag einen Skandalpost absetzen. Im Schlaglicht: Browyn, Addy, Nate und Cooper. Jeder der vier hat etwas zu verbergen - und damit ein Motiv.




Ein rasanter Jugendthriller, der zwar sehr mit Klischeefiguren spielt, trotzdem aber einen interessanten Spannungsbogen aufweist und sehr zu unterhalten weiss.

Ich bin ja grundätzlich vorsichtig mit gehypten Büchern. Dabei war One of us is lying, zu Deutsch einer von uns lügt, keine Ausnahme. Wie viele Fotos habe ich auf Instagram und Blogs von diesem Buch gesehen? Zu viele für meinen Geschmack und trotzdem hat es mich neugierig gemacht. Als ich es dann als Monats-Schnäppchen im meinem E-Reader-Shop gesehen habe, musste ich es mir dann doch runterladen. Und ich wurde nicht enttäuscht, sogar im Gegenteil, überraschend mitgerissen.

Die vier bzw. fünf Hauptfiguren könnten nicht klischeehafter sein: ein Nerd, ein Püppchen, ein hübscher Sportjunge und ein Aussenseiter. Dazu kommt das Opfer Simon, der auch seine Geheimnisse hatte. Dass all diese gemeinsam zum Nachsitzen versammelnt werden, ist von Anfang an komisch und passt irgendwie nicht, sei es für sie selbst im Buch oder eben auch für den Leser, der dank Klappentext schon weiss, dass einer nicht mehr lebendig aus dem Nachsitzen kommt. Grundlage gegeben und weiter nicht spannend, aber schonmal eine neugierig machende Grundidee. Dadurch, dass die Figuren sehr klischeehaft und zusammen schnell und eher oberflächlich vorgestellt werden, hatte ich nicht von Anfang an Sympathien - für niemanden davon. Das wird sich im Verlauf der Geschichte jedoch ändern.

Wer es getan hat, müsst ihr selber lesen. Ich kam nach etwa zwei Drittel des Buches auf die Spur des Täters. Zum einen dank detailkleinen Indizien, zum anderen eine als Idee. Doch ich war bis zur Auflösung auch nicht sicher, hatte bloss so eine Vorahnung. Und die Auflösung ist ein kleiner Knall, wenn man keine Vorahnung hat. Auf jeden Fall einfallsreich!

Der Schreibstil ist angenehm und die Erzählung wird aus der Sicht der vier Hauptverdächtigen abwechselnd erzählt, was mir sehr gefiel. So bekommt der Leser kleine Informationen, die andere Hauptfiguren erst später erhalten, wodurch der Leser mehr weiss, aber doch nicht zu viel. Ausserdem finde ich Erzählungen, besonders mit Rätseln und Geheimnissen, immer interessanter aus verschiedenen Sichten, weil es das umso autenthischer macht und neue Blickwinkel auf Ereignisse gibt. Das Ganze hat mich ausserdem sehr stark an Pretty Little Liar und ein wenig an Gossip Girl erinnert: Highschool Gerüchte, polizeiliche Untersuchungen wegen Mord, junge Erwachsene auf Spurensuche parallel zur Polizei obwohl sie selbst in der Schusslinie stehen und die ganze Schule zerreist sich das Maul über die brodelnde Gerüchteküche. Auch deshalb kann ich mir dieses Buch sehr gut verfilmt vorstellen - egal ob Netflix-Serie oder als Film. Wäre sicherlich unterhaltsam, wenn auch nicht ganz neu.

Abgesehen von einigen Schwachstellen bezüglich Indizien, die ein wenig allzu auffällig waren oder ungeklärt bleiben, sind es dennoch bloss Kleinigkeiten und das ganze wirkt nicht künstlich und konzipiert. Trotz meinem Vorurteil gegenüber dem Hype konnte mich die Geschichte sehr unterhalten und ist sehr empfehlenswert. Besonders für Liebhaber von Pretty Little Liars und Gossip Girl, weil genau auf dieser Schiene läuft auch dieser Highschool-Mord ab.




4,5 von 5 Lese-Echsen




Karen M. McManus hat einen Bacherlor-Abschluss in Englisch am College of the Holy Cross absolviert und einen Master-Abschluss in Journalismus an der Northwestern University. Wenn sie nicht gerade in ihrer Heimatstadt Cambridge, Massachusetts, ihrer Arbeit nachgeht oder sich dem Schreiben widmet, bereist sie mit Vorliebe mit ihrem Sohn die Welt.

Image result for karen m mcmanus buchOne of us is lying ist ihr Debütroman, der auf Anhieb die New York Times-Bestsellerliste stürmte.





10. Mai 2018

Laura Kneidl - Verliere.mich.nicht

Autorin: Laura Kneidl
Titel: Verliere mich nicht


Verlag: LYX
ISBN: 978-3-73630-639-4
Erschienen: 400
Seiten: 2017





Sie fürchtet sich vor der Liebe. Doch noch mehr fürchtet sie, ihn zu verlieren...


Mit Luca war Sage glücklicher als je zuvor in ihrem Leben. Er hat ihr gezeigt, was es bedeutet, zu vertrauen. Zu leben. Und zu lieben. Doch dann hat Sage' dunkle Vergangenheit sie eingeholt - und ihr Glück zerstört. Sage kann Luca nicht vergessen, auch wenn sie es noch so sehr versucht. Jeder Tag, den sie ohne ihn verbringt, fühlt sich an, als würde ein Teil ihrer selbst fehlen. Aber dann taucht Luca plötzlich vor ihrer Tür auf und bittet sie, zurückzukommen. Doch wie soll es für die beiden eine zweite Chance geben, wenn so viel zwischen ihnen steht?



YA vom Feinsten. Bin ich zu alt dafür geworden? Obwohl mir der Schreibstil sehr gefallen hat, ist mir die Geschichte einfach zu langweilig, obwohl Buch eins noch sehr gute Basis gelegt hat. Doch die Spannung fehlt leider komplett...

Bei diesen beiden Bänden handelt es sich um perfekte Exemplare des Genres Young Adult - also für junge Erwachsene. Meist leicht kitschige Liebesgeschichten von Schülern und Studenten. Oft können mich die wundervollen Covergestaltungen und interessant klingenden Klappentexte noch dazu verleiten, solche Bücher zu lesen. Auch werden Romane dieses Genres regelmässig gehypet, so dass man kaum daran vorbei kommt. Doch bei oder nach der Lektüre bin ich zu oft leider etwas enttäuscht oder sogar gelangweilt. Grund dafür: Das immer wieder gleiche Aufbausystem, die vorhersehbare Entwicklung der Charakteren. Lässt man die feingeschliffenen Details mal weg, ist es doch immer der gleiche Plot. Zwei junge Menschen, meist aus unterschiedlichen, ja sogar komplett gegensätzlichen, Welten und Hintergründen verlieben sich gegen alle Logik. Doch dann finden sie nicht direkt zusammen wegen diesem oder jenem Was-auch-immer, nur um dann am Ende nach grossem Gefühlschaos doch zusammen zu finden. Tadaaa!

Dies ist leider auch der Fall bei Laura Kneidls Berühre mich nicht und Verliere mich nicht. Den ersten Teil fand ich ja noch sehr unterhaltsam und durchaus gefühlvoll. Der zweite Band hingegen hatte seine Längen. Nach meinem Geschmack, hätte man die beiden Bücher zusammenlegen können, etwa  zweihundert Seiten kürzen können und es wäre ein toller junger Roman daraus geworden. Der böse Cliffhanger am Ende des ersten Buches, war einfach nur konstruiert und marketingtechnisch notwendig, um die Spannung und Kauflust für Band zwei aufrechtzuhalten. Viele kleine Ereignisse im zweiten Band sind zwar sehr süss und gefühlvoll, jedoch relativ unnötig, um zum Schluss zu kommen.

Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte niemandem zu nahe treten, denn ich weiss, vielen haben diese Bücher sehr sehr gut gefallen. Die Autorin hat eindeutig Talent, ihr Schreibstil ist locker leicht und sehr angenehm zu lesen. Auch hat sie Feingefühl für die Figuren und beschreibt Ereignisse sehr detailreich und aussagekräftig. Das Einzige, was mich stört, ist die nicht vorhandene Spannung, die dramatischen Beschreibungen wie: Ich kann nicht mehr ohne ihn Leben! Oder: Für ewig wird dieses Missgeschick mein schwarzen Loch im restlichen Leben sein. Mein Gott, regt euch ab, ihr seid 17-jährig und habt noch sehr viel Stück Leben vor euch... obwohl, ist das nicht schon wieder authenthisch für Teenager? Ich weiss es ehrlich nicht, aber viel kann ich nicht mehr damit anfangen, obwohl ich früher solche Romane auch sehr mochte. Sie können mich heute nur noch kurzweilig unterhalten, aber nicht mehr wirklich berühren. Schade eigentlich.

Wer also auf Gefühlsachterbahn, süsses und kitschiges Ping-Pong-Spielen bzw. um den heissen Brei tanzen mag, der ist mit diesen beiden Büchern sicherlich wahnsinnig glücklich! Die Figuren sind sehr empathisch gezeichnet, die Ereignisse toll beschrieben, das Schreibtalent der Autorin gesichert. Bloss das Genre ist wohl nicht mehr mein Ding...




3 von 5 Lese-Echsen



Laura Kneidl schreibt Romane über unverfrorene Dämonen, rebellische Jäger, stilsichere Vampire und uniformierte Luftgeborene. Sie wurde 199O in Erlangen geboren und entwickelte bereits früh in ihrem Leben eine Vorliebe für alles Übernatürliche. Inspiriert von zahlreichen Fantasy-Romanen begann sie 2009 an ihre eigenen Buchprojekte zu arbeiten, seitdem wird ihr Alltag von Büchern, Katzen, Pinterest und Magie begleitet.
 

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