21. September 2017

Robert McCammon - Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal

Autor: Robert McCammon
Titel: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal


Verlag: Luzifer
ISBN: 9783958351981
Erschienen: 2017
Seiten: 400



Geht eine Hexe in Carolina um? Das zumindest glauben die Bewohner der kleinen Stadt Fount Royal. Ihr Name ist Rachel Howarth, eine Fremde - wunderschön und mutig. Kein Wunder, dass sie von manchen Einwohnern gehasst wird und den meisten zumindest suspekt vorkommt.

Der fahrende Friedensrichter Isaac Woodward und sein scharfsinniger Gerichtsdiener Matthew Corbett sollen ihr den Hexenprozess machen. Die Beweise sind erdrückend: In ihrem Haus finden sich okkulte Hinweise, sie weigert sich, die Worte des Herrn zu sprechen, und Zeugen berichten von unaussprechlichen Dingen, die sie mit dem Leibhaftigen selbst begangen haben soll.

Aber Matthew zweifelt an den Anschuldigungen. Gibt es so etwas wie Hexerei wirklich? Und wenn Rachel tatsächlich wie ein Dämon durch die Nacht fliegen kann, wieso hat sie sich dann nicht längst selbst aus dem Gefängnis befreit?

In Fount Royal gehen noch weitaus rätselhaftere Dinge vor. Wer ermordete Rachels Ehemann? Wer wäre imstande, eine ganze Stadt zu paralysieren? Und wer würde davon profitieren, wenn die Hexe verbrannt würde?

Es tobt tatsächlich ein Kampf zwischen Gott und Teufel, zwischen Gut und Böse in dieser Stadt, und selbst die Unschuldigen sind nicht länger sicher. Schon bald muss sich Matthew Corbett mit Herz und Hirn dem wahrhaftigen Bösen stellen, das in Fount Royal umgeht...



Ich fühle mich betrogen. Um die Auflösung der Rätsel, um das Ende der Geschichte, um meine wertvolle Lesezeit. Sicherlich, die Erzählung war sehr interessant, besonders zum Ende hin äussert spannend. Aber genau deshalb traf mich wohl dieser gigantische Cliffhanger auch so hart.

Es beginnt in einem Sumpf. Der Richter und sein Gerichtsdiener sind durch einen düsteren Wald in einer stürmischen Nacht auf dem Weg nach Fount Royal, um der Hexe dort den Prozess zu machen. Doch bevor sie noch auf die Hexe treffen, finden sie Unterschlupf bei dem übelsten und scheusslichsten Schurken, der sogleich die Stimmung des Romanens festlegt: Düster, böse, nass und kalt, ständig auf der Lauer und nur von kleinen Freuden gesegnet. Das Jahr 1700 muss hart gewesen sein, der Hexenprozess kein Freudenfest, das war mir schon vorher klar. Doch über 400 Seiten liess sich die Sonne im wahrsten Sinne des Wortes kaum blicken. 

Der Schreibstil ist dem historischen Setting getreu mit einem manchmal altertümlichen Wortschatz und umständlichen Redensformen. Dies liess mich aber nur kurz aufhalten und ich wurde dennoch schnell mit der Erzählung warm. Die Beschreibungen sind so ausführlich, dass die Geschehnisse unschwer vor dem inneren Auge zum Kinofilm werden. Fast rieche ich die Pferdeäpfel, die ungewaschenen Sackleinen der armen Bürger, der nasse Wind vom Meer kommend. Ratten scheinen mir um die Füsse zu huschen, während ich von den Gefängnisbedingungen lese und meine Haut kribbelt bei den haarsträubenden Diskussionen ums Feuer der feinen Herren. Denn der Bürgermeister und Fount-Royal-Gründer Robert Bidwell hat ein ziemlich loses Mundwerk und ist in meinen Augen nicht der feine Christ, den er gerne mimt. Aber anscheinend hat so jeder in diesem Buch seine Geheimnisse, jeder hat nur Teilinformationen und viele werden von wilden Gerüchten und ihrer eigenen Todesangst geblendet. Die Geschichte ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass ein verängstigter und ungebildeter Haufen Leute mit Gerüchte mehr Unheil anrichten kann, als eine einzige Hexe - denn ja, ich bin überzeugt, dass Rachel leider das Opfer, nicht Teufels Braut ist. Ob ich damit richtig liege und wer wirklich seine bösen Finger wo überall im Spiel hat, das muss ich im Band 2 lesen.

Und hier kommt der Punkt, weswegen mich das Ende doch sehr verärgerte: Die Spannung ist am Höhepunkt, Matthew Corbett scheint dem Bösewicht heiss auf der Spur, das Urteil über die Hexe ist auf den nächsten Tag angesetzt und der Roman hat noch 5 Seiten, zeigt mein E-Reader. Ich blättere weiter und... "diese Geschichte geht in Band 2 weiter". Wie bitte?!?!?! Ich glaubte erst, mich verlesen zu haben. So trocken und doch so bösartig wie der Teufel selbst. Die weiteren 4 Seiten sind Werbung für andere Bücher. Ich wusste schon, dass es in einem weiteren Teil weitergehen würde. Ich dachte jedoch, nach dem Urteilsspruch der Hexe, nach dem Aufdecken des Bösen. Wie geht es nach diesem Gerichtsfall mit Matthew Corbett und Rachel Howarth weiter (oder nur mit ihm, falls sie doch ins Fegefeuer geschickt würde). Aber einfach so... unbeendet? Ich brenne auf Antworten und muss mich jetzt bis Ende Oktober 2017 gedulden, um weiterzulesen. Der wohl grösste Cliffhanger, den ich jemals antraf und den ich ehrlich gesagt, ziemlich gemein des Autores finde. Nun gut, ich kann es nicht ändern, aber verleitet mich fast dazu, dem Buch einen Abzug bei der Bewertung zu geben. Denn in meinen Augen war dies als Spannungseffekt nicht nötig, ich habe schon während der Lektüre mich dafür entschieden, Band 2 zu lesen - egal wie es ausgeht. Auf diese Weise scheint es mir jedoch eine unfaire Verkaufsstrategie oder eine dunkle Ader des Autors zu sein... oder eine Mischung aus beiden. Auf jeden Fall wirft es einen Schatten auf die sonst tolle, düstere Erzählung und lässt mich mit einem sehr bitteren Nachgeschmack sitzen. 

Nun freue ich mich also auf eine düstere, spannende und hoffentlich erklärende Fortführung, die Krimi, Horror und Geschichte toll vereint und für saisonale Leser ein gefundenes Fressen für Herbst-Winter sein dürfte.



4,5 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für robert mccammonRobert McCammon ist der Autor der New York Times Bestseller Boy's Life und Gone South, sowie zahlreicher anderer von Kritikern hochgelobter Romane. Mehrere Millionen Exemplare seiner Bücher befinden sich im Umlauf. Robert McCammon ist für sein Lebenswerk mit dem Brak Stoker Lifetime Achievement Award ausgezeichnet worden und hat ausserdem den Grand Master Award der World Horror Convention und den World Fantasy Award erhalten.
Er lebt in Alabama, wo er 1952 auch geboren wurde.



18. September 2017

DIY - Bücherregal aus Obstkisten

Nach langer Zeit wieder einmal ein DIY. Diesmal etwas Grösseres, jedoch deshalb nicht Schwierigeres: Ein Bücherregal aus einfachen Holzkisten.


Ihr möchtet auch eins dieser einfachen, rustikalen Bücherregale, die ihr nach Lust und Laune wieder neu arrangieren könnt? Ganz simpel - habt ihr Holzkisten, habt ihr schon die halbe Miete!


Was braucht ihr dafür?
- Holzkisten (z.B. Obst- oder Gemüsekisten)
- Holzfarbe / Lack
- Pinsel
- Plastik, Zeitung oder anderweitige Unterlagen fürs Malen


 Am besten eignen sich Kisten aus Holzlatten, die zum Transport von Obst oder Gemüse gebraucht werden. Vielleicht könnt ihr auf eurem lokalen Markt beim Gemüsehändler danach fragen oder habt vielleicht selbst noch Kisten, die sonst ausgedient haben. Notfalls findet ihr möglicherweise solche Holzkisten auch im Baumarkt.
Ich habe mir für meine Kisten ein Braun ausgesucht, das ich bei Ikea gefunden habe. Den gleichen Lack gibt es auch in weiss oder schwarz. Wer eine grössere Auswahl möchte oder nicht in der Nähe eines Ikeas Zuhause ist, findet auch viele Farben und Lacke im nächsten Baumarkt. Wichtig: soll sich für Holz eignen.


Womit fangt ihr an?
Gleich losstreichen? Nein. Zuerst wusch ich die Kisten einmal gründlich, um Reste des vorherigen Inhaltes (Blätter, Äste, Krümel, Staub, Erde, etc.) loszuwerden. Am besten geht dies mit einem Gartenschlauch im Hinterhof oder eben Garten. Danach lässt man die Kisten mehrere Stunden in der Sonne oder bis zum nächsten Tag trocknen. Ich empfehle die Kisten an einem Tag zu waschen und erst am folgenden Tag zu streichen, damit das Holz wirklich komplett trocknen konnte.

Streichen
Ein grober Pinsel, etwa in der Grösse eurer Handfläche, fand ich persönlich am geeignetsten. Praktisch sind besonders Pinsel mit eher rauen Haaren und in verschiedenen Grössen. Handrollen, die besonders beim Streichen von Wänden ihre Verwendung finden, streichen bei Holzkisten nur bedingt und sehr ungleichmässig. Für kleinere Ecken und Kanten benötigt ihr zudem einen kleinen Pinsel.

Aufgrund der möglichen Ausdünstungen der Farbe oder des Lacks, empfiehlt es sich draussen zu streichen oder zumindest bei geöffnetem Fenster, um die Frischluft zu garantieren. Egal wo ihr streicht, ist zudem eine Unterlage keine schlechte Idee. Dazu könnt ihr alte Zeitungen, grosse Plastiksäcke oder eine eigens dafür vorgesehene Streichunterlage nutzen.

Je nachdem wie rustikal ihr es möchtet und welche Deckkraft eure gewählte Farbe hat, streicht ihr die Kisten mit nur einer Schicht oder in mehreren Schichten (benötigt gegebenenfalls wieder Trockenzeiten dazwischen). Wer es besonder rustikal möchte, kann auch sehr unordentlich streichen. Wer es wild mag, kann die Kisten auch in mehr als einer einzigen Farbe streichen und wer es glänzend mag, kann nach der Farbe auch noch einen Lack drüber malen. Obwohl ich selbst keinen abschliessenden Lack benutzte, kann ich diesen empfehlen, wer die Farbe besser versiegeln und schützen möchte.


Regal bauen
Je nachdem wie viele Kisten ihr habt und welchen Platz ihr für das Regal zur Verfügung habt, könnt ihr nun die getrockneten Kisten aufeinander und nebeneinander schichten. In meinem Fall waren es bloss 3 Kisten, die ich allesamt übereinander anordnete. Mit mehreren und vielleicht sogar unterschiedlich grossen Kisten könnt ihr jedoch ganze Regalwände bauen (Tipp: Grössere Kisten unten, kleinere Kisten oben... wegen der Gewichtsverteilung und Stabilität).


Optional, aber empfehlenswert: Mit Nägeln oder einer Art Dübel die Kisten verbinden oder an der Rückwand befestigen.


Einräumen
Der wohl amüsanteste Schritt für Bücherwürmer: das Regal einräumen! Dazu muss ich wohl wenig sagen. Also schnappt euch eure Bücher, Kerzen, Tassen und Dekoartikel und gibt den Kisten ihren neuen Zweck. Einmal füllen bitte!




Und nun ihr - wie sieht euer Bücherregal aus Holzkisten aus?



14. September 2017

Mary Higgins Clark - Denn vergeben wird dir nie

Autorin: Mary Higgins Clarke
Titel: Denn vergeben wird dir nie

Verlag: Heyne
ISBN: 9783641100780
Erschienen: 2013
Seiten: 290



Ellie Cavanaugh ist ausser sich, als der Mörder ihrer Schwester vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Zumal er nach wie vor behauptet, unschuldig verurteilt worden zu sein. Ellie war seit dem Geschehen zwanzig Jahre zuvor fest von seiner Schuld überzeugt. Jetzt will sie endgültig den Beweis dafür erbringen.




Eine tragische Familiengeschichte, deren Scherben Ellie heute aufsammelt. Ein Drama, das ihr Leben zeichnet und sie bis heute nicht los lässt. Eine Geschichte in der Vergangenheit, die aufgrund der Freilassung des Mörders auch heute wieder brennend interessiert - denn, ist er wirklich der Mörder oder Opfer seines schlechten Rufes? Oder wer sonst hätte Andrea, Ellies Schwester, umgebracht? Ist Ellie zurecht besorgt oder von ihren Albträumen geblendet?

Der Schreibstil liest sich sehr flüssig und besonders zu Anfang war der Roman ein toller Pageturner. Man ist sofort im Geschehen, die Rückblende zum Abend des Mordes setzt den Leser gleich über vieles in Kenntnis und man gewinnt schnell ein Bild von der Situation und den Hauptfiguren. So war mir Ellie auf Anhieb sympathisch und ihre Handlungen absolut logisch, zumal sie Langzeit-Opfer ist dieser ganzen Tragik. Ihre geliebte Schwester wurde ermordet als sie noch recht klein war und dazu war es Ellie, die auch noch die Leiche fand. Ihre Mutter kam mit dem Tod ihrer Tochter nicht zurecht, der Vater entfernte sich, die Familie brach auseinander und Ellie macht sich seit diesem grausamen Abend Vorwürfe, die sich niemand wünscht. Es ist somit nur verständlich, dass sie den Mörder nicht wieder frei wissen möchte und das mit allen Mitteln zu verhindern versucht.

Mit der Zeit wird mir Ellie jedoch zu fanatisch, zu gezielt mit ihrem Hass auf den Mörder. Denn tatsächlich gibt es Indizien, dass es doch jemand anderes hätte sein können. Ihr Verhalten wird mir persönlich zu egoistisch und zeigt, dass sie klar ein emotionales Opfer der Angelegenheit ist, geblendet von ihrer eigenen Trauer. Denn erst am Ende merkt sie, dass auch andere trauern, dass auch andere Personen unter den Umständen gelitten haben und noch immer leiden. Aber eben auch, dass nicht alle diese leidenden Personen auf ihrer Seite stehen, sondern auch unter Ellies Verhalten leiden. Obwohl mir Ellie damit immer unsympathischer wurde, fand ich es interessant, wie die Geschichte aufzeigt, welche Auswirkungen wir alle auf das Leben anderer haben. Auch wenn wir etwas gut meinen oder mit Recht handeln, kann dies für andere unfaire Konsequenzen haben.

Dazu kommen verschiedene Nebengeschichten, die sehr interessant waren, dann aber leider nur kurze Erwähnung fanden. Was ich sehr schade fand, war die Tatsache, dass diese Nebengeschichte nur soweit vertieft wurden, wie sie Indizien für Ellie lieferten. Besonders in der zweiten Hälfte des Romanes kamen noch immer neue Personen und Geschichten hinzu, allerdings nur noch, um den Strick um den Hals des Mörders enger zu knüpfen und Ellie Antrieb zu geben. Dies bewirkte jedoch, dass ich davon leicht gelangtweilt wurde. Nicht, weil die Nebengeschichten langweilig waren, aber weil sie sehr konstruiert wirkten, einfach um in die Geschichte zu passen. Als hätte die Autorin alle Mittel benutzt, um die Erzählung zu ihrem geplanten Schluss zu führen und auf dem Weg die Hingabe für den Weg selbst verloren. Die Details passten zu genau, die Zufälle schienen nicht mehr zufällig, es war immer mehr: Team Ellie gegen die Familie des Mörders.

Das Ende war dann dennoch spannend und toll, weil überhaupt nicht so erwartet. Zwar kam es doch zu einer Art "Happy End" für Team Ellie, aber eben auf einem Weg, den ich so nicht erwartet hätte. Auffällig fand ich, dass das Ende relativ kurz und knackig daherkam, vielleicht auch, weil ich mich davor noch ein wenig langweilte und plötzlich alles aufgelöst werden musste. Ich hatte den Eindruck eines aufgeschreckten Hundes, den man aus dem Schlaf riss und der nun wütend bellt und mit den Zähnen knirscht. 

Grundsätzlich kein schlechter Roman, tolle Figurenentwicklung und gekonnte Verflechtung diverser Geschichten. In diesem Fall jedoch einige kleine Abzüge für die mangelnde Authentizität, weil leider doch etwas gekünstelt gegen Ende und weil ich mir den Schluss etwas anders gewünscht hätte.




3,5 von 5 Lese-Echsen




Ähnliches FotoMary Higgins Clark, geboren 1928 in New York, wuchs in der Bronx auf. Ihr Vater starb, als sie kaum elf Jahre alt war. Die Mutter zog sie und ihre beiden Brüder allein gross. Nach der Highschool machte sie eine Ausbildung zur Sekretärin und war drei Jahre in einer Werbeagentur tätig, bevor sie das Reisefieber packte und sie ab 1949 als Stewardess für PanAm arbeitete. Ein Jahr später heiratete sie ihren Nachbarn Warren Clark. Kurz nach ihrer Hochzeit begann sie, Erzählungen zu schreiben Sie verkaufte die erste im Jahr 1956 für 100 Dollar an eine Zeitschrift. Nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes im Jahr 1964 verfasste sie bald ihr erstes Buch, einen biographischen Roman über George Washington. Sie schrieb immer morgens zwischen 5 und 7 Uhr, bevor die 5 Kinder zur Schulen mussten. Der erste Kriminalroman "Wintersturm" (1975) bedeutete einen Wendepunkt in ihrem Leben und in ihrer Karriere: Er wurde zum Bestseller. Neben dem Schreiben studierte sie Philosophie und schloss 1979 ihr Studium mit Summa cum laude ab.
1966 heiratete sie nochmals und lebt heute in Saddle River, New Jersey.

11. September 2017

Gesa Neitzel - Frühstück mit Elefanten


Autorin: Gesa Neitzel
Titel: Frühstück mit Elefanten


Verlag: Ullstein
ISBN: 9783548377346
Erschienen: 2018
Seiten: 368


Gesa Neitzel wagt sich von Berlin in den Busch. Ihr Ziel: die Ausbildung zur Safari-Rangerin inn Afrika. Das bedeutet fast ein Jahr in einfachen Zeltlagern. Ohne Internet, ohne Badezimmer, ohne Türen - dafür aber mit Zebras, Erdferkeln und Skorpionen. Die Ausbildungsinhalte bestehen aus Fährtenlesen, Überlegenstraining, Schiessübungen. 

Wie schlägt sich eine junge Frau in dieser fremden Welt? Kann sie sich auf ihre Instinkte verlassen? Funktionieren die eigentlich noch? 

Sie erzählt von atemberaubenden Begegnungen mit Elefanten und Löwen, vom Barfusslaufen durch die Savanne, von langen Nächten unterm Sternenhimmel - und von einem Leben, das endlich richtig beginnt.




Neugierde. Eifersucht. Lust, die Koffer zu packen. Respekt vor ihrem Mut. So viele Gefühle keimen auf, als ich Gesas Buch endlich in Händen halte, die ersten Seiten lese und in ihr Afrika abtauche. Schon einige Zeit verfolgte ich ihre Abenteuer auf ihrem Blog, Facebook und Instragram. Und nun können wir endlich ihre Geschichte lesen wie sie dorthin kam und dort blieb - aus erster Hand, aus ihrer eigenen Feder!

Ich liebe es zu reisen und wenn ich gerade nicht selbst die Koffer packen kann, liebe ich es, Reiselektüre zu verschlingen, egal ob Blog oder Buch. In diesem Fall beides. Obwohl mich Afrika nie so sehr reizte wie Gesa und andere Reiseziele immer höher auf meiner persönlichen Präferenzliste standen, konnte sie mir Südafrika sehr schmackhaft machen. Denn ihre Instragram-Bilder von Giraffen und Elefanten, Löwen und Camping-Feuer waren zwar immer sehr schön, aber blieben dennoch so distanziert wie eben eine Tierdokumentation von National Geographic. Ich schaue es mir mit Genuss an, aber bleibe an Ort und Stelle. Ihre Worte zeichnen nun jedoch Bilder, die meine anderen Sinne kribbeln lassen. Fast spüre ich die Erde unter meinen Füssen, den Wind in den Haaren, rieche die Hitze der Savanne, spüre den Mückenstich und höre irgendeinen Vogel, dessen Name ich nicht kenne (sehr sympathisch übrigens, dass auch Gesa sich - zumindest anfangs - nicht als Vogelkundlerin sieht, was sich jedoch in der Ausbildung ändert als sie über 80 Vogelnamen und Gesänge lernen muss). 

Bild könnte enthalten: Feuer, Essen und im FreienIhre Beschreibungen entführen mich in ein fremdes Land von Schönheit. Ihre Erzählstimme klingt, als sässe ich gleich neben ihr am Feuer mit einem Kaffee in der Blechtasse. Ihr Schreibstil ist erfrischend, humorvoll, leicht. Mit Vergnügen lese ich ihr Tagebuch - mit ihrer Erlaubnis! In fast jedem Kapitel finde ich mindestens eine Zeile, ein Zitat, das ich in Erinnerung behalten möchte. Worte, die mich berühren, weil sie mich an Gedanken und Situationen aus meinen Leben erinnern. Fragen, die ich mich selbst schon fragte. Antworten, die ich mir selbst schon geantwortet habe, aber nicht immer glaubte. Zweifel, die auch mir schon kamen. Unterm Strich: Sie spricht mir aus der Seele - und das an mehreren Stellen im Buch, ich habe nicht mitgezählt wie oft.

Bild könnte enthalten: Gras, im Freien und NaturTiere. Klein und gross, dick und dünn. Zu Land, im Wasser oder in der Luft. Raubtiere und Vegetarier... nicht nur die Big 5 (Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe, Leopard), sondern auch die Vielzahl an Vögel und Insekten bishin zur Pflanzenwelt stellt sie uns vor, was ihr über den Weg gekrochen, gerannt, geflogen oder im Weg gestanden ist. Mehr als nur ein aufregender Urlaub, etwas, das ich mir nie vorstellen könnte: Eine Ausbildung zur Rangerin. Wie kommt man auf diesen Gedanken? Woher nimmt sie bloss diesen Mut? Obwohl sie davon erzählt, dass sie es selbst nicht weiss, dass ihr das Herz mehrmals in die Hosen rutschte und ihr das Adrenalin in den Ohren rauschte, sodass sie fast nichts anderes mehr hörte... ich weiss nicht, ob ich auch dazu im Stande wäre. Ohne selbst grundlegendes Pfadfinderwissen barfuss durch die Savanne marschieren auf der Suche nach Löwenspuren? Echt jetzt? Unterm Sternenhimmel schlafen klingt ja schön und romantisch, aber im tiefsten Dunkel der Nacht Leoparden und Wölfe auf der Jagd hören? Ähm, naja... und trotzdem verstehe ich ihre Faszination dafür. 

Um die Privatsphäre ihrer Freunde zu bewahren, die im Buch erwähnt werden, hat sie ihre Namen geändert. Und auch wenn wir heute dank ihrem Blog, Youtube-Kanal und Instagram wissen, dass sie sich vor Ort in Frank verliebte und noch heute mit ihm Safari-Touren unternimmt, störte mich die Namensänderung der Personen kein wenig. Im Gegenteil, trotz dieser Massnahme hatte ich das Gefühl und Vergnügen, all diese Leute selbst kennen zu lernen, so kam es mir zumindest vor. Ob die Person nun wirklich Mathias hiess oder Paul ist doch am Ende eigentlich egal...

Die Bilder im Anhang (für diejenigen, die ihr auf Social Media nicht folgen *hust  * schämt euch *hust  *) runden diesen tollen Erfahrungsbericht aus erster Hand perfekt ab. Eine absolute Lese-Empfehlung - Blog und Buch! Ich werde ihr weiterhin durch den Busch folgen, wenn auch bloss im Internet, ihrer Fährte folgen und schauen, wohin sie ihre Zukunft noch führt, sofern sie uns ihren Spuren folgen lässt.




5 von 5 Lese-Echsen




Gesa Neitzel, das Gesicht hinter WONDERFUL WILD, dem Afrika Reisebog, hatte immer Sehnsucht nach entfernten Orten und war stets bestrebt, ihren ganz eigenen, unkonventionellen Weg zu gehen - darum schmiss sie ihren Fernseh-Job und zog los, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie startete ihren ersten Blog Bedouin Writer in 2012, um ihre Abenteuer mit Freunden zu teilen. Schon bald wurden auch Fremde auf ihre Geschichten aufmerksam und fanden sich in ihren gefühlvollen Texten wieder.

Nach Reisen durch Asien, Europa und Australien, auf denen sie für Essen und einen Schlafplatz arbeitete, verliebte sich Gesa schliesslich auf einem Trip durch Südafrika in die afrikanische Wildnis und beschloss im Jahr 2015 eine Ausbildung zum Ranger in Südafrika zu machen. Jetzt ist sie ausgebildeter Safari-Guide und arbeitet derzeit auf die Qualifikation als "Trails Guide" hin.

Mehr auf:
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*Bilder von Gesa Neitzels Instagramm!



20. August 2017

Mördermädchen - Elizabeth Little

Titel: Mördermädchen
Autorin: Elizabeth Little


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442483471
Erschienen: 2015
Seiten: 448




Janie Jenkins hat alles: Ruhm, Geld und gutes Aussehen. Doch dann wird ihre Mutter ermordet - und alle Beweise sprechen gegen sie. Das Problem: Janie kann sich selbst nicht daran erinnern, was in jener Nacht geschehen ist. Als sie zehn Jahre später aus dem Gefängnis entlassen wird, macht sie sich auf die verzweifelte Suche nach der Wahrheit. Eine Spur führt sie in die kleine Stadt Adeline in South Dakota, wo sie unter falscher Identität Stück für Stück die Vergangenheit ihrer Mutter entschlüsselt. Warum musste diese sterben - und trägt Janie tatsächlich Schuld an ihrem Tod?



Ein frecher Schreibstil, eine Stadt im Nirgendwo, die ganze Presse hinter einer jungen Frau, die selber nicht mehr weiss, ob sie ihre Mutter ermordet hat oder nicht und die Jagd ist programmiert. 

Der Klappentext konnte mich gleich packen, der Inhalt distanzierte sich von vielen anderen Romanen im Regal und das Cover hatte sofort meine Aufmerksamkeit. Die Geschichte wird zwar als Roman deklariert, hat aber definitiv Krimi- und Thriller-Elemente mit dabei, die dem ganzen etwas Pfeffer geben. Ich war sehr darauf gespannt und habe ziemlich schnell angefangen zu lesen. Zuerst war vieles wie erwartet, doch dann hat sich die Atmosphäre leicht verändert, der Fokus leicht verschoben. Nach einer gewissen Zeit bzw. Seitenzahl geht es nämlich nicht mehr nur um die Frage, ob sie ihre Mutter getötet hat und falls nicht, wer war es dann... sondern es wird die komplexe Frage aufgerollt, wer Janies Mutter überhaupt war, denn darüber ist sich die eigene Tochter irgendwann nicht mehr sicher. 

Obwohl rechtsmässig aus dem Gefängnis verlassen, gibt es noch immer Leute, die Janie für eine Mörderin halten und online nun eine Jagd anzetteln, wordurch sie nach Adeline flüchtet und sich dort einer falschen Identität bedient. Das verstärkt das Bild der Mörderin allerdings nur mehr, ohne dass wir wissen, was dazumal überhaupt geschehen ist. Auch war mir Janie anfangs eher wenig sympathisch, durch den Roman wurde sie aber immer sympathisch, weil sie irgendwie menschlicher wurde. Anfangs empfand ich sie zu sehr als Glamour-Girl-Tussi, doch dann kam sie aus dem Gefängnis als taffe Knastbraut, was irgendwie nicht zu ihren 26 Jahren und vorherigem Luxusleben passt. Ihre falsche Identität ist dann die dritte Persönlichkeit, die ich ihr nicht ganz abkaufen möchte und manchmal etwas gekünstelt wirkte, sodass ich doch die Mischung ihrer Identitäten irgendwann interessant und sympathisch fand. Ausserdem konnte ich mich immer besser in sie versetzten im Verlauf ihrer Ermittlungen bezüglich ihrer Mutter, ihrer Zukunft und der damaligen Nacht.

Die Nebenfiguren waren mir zum Grossteil unsympathisch oder einfach zu wenig interessant, manche sogar zu plakativ. Abgesehen von einer Hand voll Personen, waren sie einfach Figuren im Spiel, mehr oder weniger wichtige Teile der Geschichte, aber nicht weiter faszinierend. Erfrischend fand ich hingegen den Schreibstil. Hier und da benutzte Janie eine sehr junge, freche Sprache, schwarzer Humor, Ironie und Sarkasmus fliessen ihr wohl im Blut - aber genau sowas liebe ich zu lesen! An einigen Stellen könnte es jedoch etwas aufgesetzt wirken für den einen oder anderen Geschmack. Ich kann zwar nicht erklären warum, aber an einigen Stellen konnte ich mir Cara Delevigne hervorragend in der Buchverfilmung vorstellen. Und das, obwohl ich kein grosser Fan von ihr bin.

Der Spannungsbogen hält sich gut von Anfang bis Ende. Dazwischen gibt es mehrere kleinere Kapitel, die etwas langatmiger waren und ich mich fragte, wo das Ganze noch hinführen möchte. Doch zum Schluss wird es wieder rasant und das Finale war doch ziemlich unvorhersehbar. Was ich schade fand, ist die Tatsache, dass vieles bezüglich der Mordnacht nicht konsequent aufgelöst wurde. Einige Dinge wurden konkret genannt, andere Rätsel konnte man zwischen den Linien lösen, aber doch einiges blieb ungeklärt betreffend dem Mord. (Oder habe ich das vielleicht überlesen?) Dafür wurden viele Antworten auf die vielen neuen Fragen gegeben, die im Verlauf des ganzen Familiendrama aufgewickelt wurden.

Die Mischung macht's ! In diesem Fall ein Roman mit Teilen aus Krimi, Thriller, High Society und Glamour sowie Familiengeheimnisse.


4 von 5 Lese-Echsen



Elizabeth LittleElizabeth Little ist in St. Louis geboren und aufgewachsen. Sie studierte an der Harvard University und veröffentlichte Artikel in der New York Times und dem Wall Street Journal. 
Nach zwei Sachbüchern wurde ihr Debütroman auf Anhieb ein Los Angeles Times Bestseller. Elizabeth Little lebt mit ihrer Familie in Los Angeles.

Mehr auf: Elizabeth Little