30. Juli 2018

Isabel Beto - an den Ufern des goldenen Flusses

Autorin: Isabel Beto
Titel: An den Ufern des goldenen Flusses



Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499259777
Erschienen: 2012
Seiten: 544







1815: Ein Sturm tobt vor der Küste Venezuelas. Auf der Seuten Deern bangen Janna Sievers und ihr Verlobter Reinmar um ihr Leben. Ihr Ziel: die Stadt Angostura, wo sie mit einer Pferdezucht hr Glück machen wollen. Zu Hause in Hamburg hat Janna immer mit wohligem Schaudern von den Abenteuern des schiffbrüchigen Robinson Crusoe gelesen. Dass sie sein Schicksal einmal teilen würde, hätte sie nie gedacht - bis sie allein an der Küste des fremden Kontinents strandet. Sie ist auf die Hilfe des wortkargen Halb-Indios Arturo angewiesen, um nach Angostura zu gelangen. Dort hofft sie, Reinmar wiederzufinden. Doch Arturo hat sein eigenes Ziel: den Goldschatz eines sagenumwobenen Inkakönigs an den Quellen des Orinocos. Auf einer schicksalhaften Flussfahrt wird sich Jannas Leben für immer verändern....




Eine exotische Reise in den südamerikanischen Dschungel. Konservative deutsche Auswanderer treffen auf Halbwilde und Zwangszivilisierte, der Kulturenschock schlechthin, viel Abenteuer und am Horizont das Glitzern eines Goldschatzes.

Ich lese gerne solche Bücher. Auch wenn es sehr offensichtlich fiktive Romane sind und mit tatsächlicher Auswanderung nicht mehr viel gemeinsam hat - denn ganz ehrlich, heutzutage wird wohl kaum jemand von Deutschland mit dem Schiff über den Atlantik, um nach Venezuela mit Anstandsdame und Pferd reisen, um dort neues Land zu erobern und von einem verlorenen Inkaschatz zu träumen. Doch ich liebe die exotische Szenerie, das Schmöckern in Reise-Erlebnissen, die meist wilden und unerwartenden Geschehnisse solcher Abenteuer. Einfach um in eine andere Welt zu flüchten, in bunten Farben zu träumen und neue Kulturen zu entdecken. Auch die Cover dieser Bücher sind meist sehr farbenfroh und ziehen mich schon automatisch an.

Der Schreibstil ist angenehm und liest sich sehr leicht, trotz alter Begriffe und Gegenstände. Auch eingebaute Fremdwörter aus dem Spanischen, wegen Venezuela und so, sind gut verständlich oder in einem Glossar im Anhang näher erklärt. Ich musste das Glossar zwar kaum konsultieren, auch stört es mich persönlich, während der Lektüre wegen einem einzigen Wort bis zum Ende zu blättern, aber das ist meine eigene Meinung und Einstellung. Für andere ist es sicherlich hilfreich und zumindest sehr aufmerksam von der Autorin. Ihr Schreibstil ist auch sehr bildhaft, farbenfroh und detailliert, aber zum Glück nicht schwer. Das liegt sicher auch daran, dass die Autorin zuvor - und immer noch - malt und selbst Südamerika bereist hat und sich in die dortigen Farben verliebte. Man merkt, dass sie von eigenen Eindrücken schreibt, zum Beispiel beim Gesang eines bestimmten Vogels oder die Speisekarte von Eingeborenen. Sowas beschreibt man einfach authentischer, wenn man es selbst erfahren hat.

An den Ufern des goldenen Flusses ist leider ein leicht irreführender Titel. Denn obwohl es auch um das Gold eines Inkakönigs geht, dreht die Geschichte in der zweiten Hälfte ab und fokussiert sich hauptsächlich auf die Geschichte von Janna, Reinmar und Arturo. Dabei fand ich besonders die Hintergründe von Arturo interessant, wobei mir Reinmar immer unsympathischer wurde. Mit Janna konnte ich gut mitfühlen, auch wenn ich mich mit ihr nicht identifiziere und nicht immer jede Handlung verstand. An wenigen Stellen reagiert sie sehr stereotypisch, auch die anderen Figuren teilweise. Jedoch nie bis an den Punkt, dass es mich weiter störte. Auch ist dieser Roman nicht meiner erster von Isabel Beto und schon zuvor wusste sie, mich gut zu unterhalten und in fremde Länder zu entführen. Dieses Mal mochte ich vor allem der Anfang und das Ende, weil da auch am meisten passierte. Leider gab es in der Mitte einige Kapitel, die doch sehr langatmig wurden und die Geschichte eher bebilderte, aber nicht wirklich voran trieb. Das wäre wohl der einzige Negativ-Punkt, den ich anmerken möchte. Neben dem Fakt, dass es zum Schluss weniger um Gold, aber mehr um Bolivar und Krieg geht. Denn das Buch spielt zeitlich und örtlich in den Rahmenbedingungen echter historischer Geschehnisse, was die Autorin auch zum Ende des Buches anmerkt. Dies wiederum ist ein Pluspunkt, denn ich mag kleine Einblicke in die Historie eines Landes, auch wenn sonst die Geschichte der Protagonisten reine Fiktion ist.




4 von 5 Lese-Echsen



Isabel Beto studierte Kunst in Frankfurt am Main. 
Sie hat grosse Freude daran in ihre Geschichten und Bilder einzutauchen und auf diese Weise fremde Welten zu erkunden. Das Herz der Autorin schlägt für Südamerika. Die Farben des Landes haben sie schon immer begeistert.

Isabel Beto ist ein Pseudonym einer deutschen Autorin.




26. Juli 2018

Robin Sloan - die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Image result for buchhandlung penumbraAutor: Robin Sloan
Titel: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra


Verlag: Heyne
ISBN: 9783453418455
Erschienen: 2015
Seiten: 429 



Clay Jannon ist eigentlich Webdesigner, doch die Rezension hat ihn seinen Job gekostet. So führt ihn eine Stellenanzeige in die durchgehend geöffnete Buchhandlung von Mr. Penumbra. Clay merkt bald, dass dies keine gewöhnliche Buchhandlung ist und hier irgendetwas nicht stimmt. Nach und nach findet Clay heraus, dass Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind. Zusammen mit zwei Freunden macht er sich daran, dieses Geheimnis zu lüften.




Ich liebe ja Bücher über Bücher, über das Lesen, in Buchhandlungen und kurioser Buchhandlungen. Also war dieses Cover und Titel ein MUSS für meine Sammlung - und es wird offiziell in die Liste meiner Lieblingsbücher aufgenommen.

Dass Mr. Penumbra eine nicht ganz normale Buchhandlung hat, ist wohl schon nach dem Klappentext klar. Ich erwartete eine Art Fantasy-Roman, irgendetwas Magisches oder ein Geheimnis, ein Rätsel bezüglich Mr. Penumbras Geschichte. Und obwohl das nicht ganz falsch ist, handelt es sich nicht um Magie oder Fantasie. Die Buchhandlung birgt keine fantastischen Tiere oder Hexen, keine Drachen und keine Schatzkarten. Aber ein Rätsel einer unerwarteten Grösse und Form. Mir persönlich hat vor allem gefallen und in Gedanken nicht mehr losgelassen, dass es wirklich möglich wäre. Wer weiss, ob es eine Buchhandlung mit einem solchen Rätsel gibt, mit seinem speziellen Kunden und speziellen Buchhändler, die ihnen ganz spezielle, unleserliche Bücher ausleihen...?

Man kann sich als Leser schnell mit Clay indentifizieren. Falls nicht mit seiner Person an sich, so doch zumindest auf der Ebene seiner Neugierde. Was läuft hier? Woher kommen diese Kunden, warum soll er deren Erscheinung bis ins Detail in dieses grosse Buch notieren und wieso hat die Buchhandlung kaum andere, normale Kunden? Und dann diese Regel: Er darf die Bücher, dieser spezieller Abteilung, selber nicht lesen. Eine Killer-Regel für alle Neugierigen und somit auch die Leser. Denn seien wir ehrlich - genau das Verbotene hat erst recht den Zuckerguss des Wissensdurst und Duft von Abenteuer. Fast möchte man ins Buch kriechen und selbst in den Büchern blättern.

Eine unerwartete Wendung, aber sehr clever eingefädelt, ist wohl die Mischung von Alt und Neu. Es geht um eine Buchhandlung, die Bücher aus Papier von verstorbenen Autoren verkauft und dann hat man Clay, der mit seinem Webdesigner- und Informatikerwissen mehr Kundschaft für den Laden schaffen möchte und seine neue Freundin, die bei Google arbeitet. Wie passt das zusammen? Das müsst ihr selber lesen! Die Mischung ist jedoch so erschreckend real und gleichzeitig kurios komisch, dass es wohl niemanden unberührt lässt. Und sicherlich auch eines der Hauptmerkmale ist, warum das Buch etwas ganz Besonderes ist.

Der Schreibstil ist wortgewandt, detailreich, aber leicht zu lesen. Die Figuren sind super lebendig und ich konnte mir alle sehr gut vorstellen. Jede Persönlichkeit mit ihren quirligen Angewohnheiten und Merkmalen, ihre Hintergrundgeschichten und Reaktion auf die Geschehnisse in der Erzählung. Mehrmals habe ich für mich gedacht: Das würde einen unterhaltsamen und gleichzeitig lehrreichen Film für Zuschauer jeden Alters geben! Nur um dann wieder zu denken: Der Film kommt nie an das Buch heran. Und auch wenn das ein Vorurteil ist, wird es wohl in diesem Fall auch zutreffen, denn Bücher dieser Qualität kann man kaum in Filme fassen.

Ein fantasievoller Roman, der Buchliebe und Technik verschmilzt, der Alt und Neu gegen und miteinander spielen lässt, Figuren, die mir ans Herzen gewachsen sind und ein wunderschönes Cover mit kuriosem Titel. Was will ich mehr? Absolute Lese-Empfehlung! Band zwei kann ich kaum noch erwarten!






5 von 5 Lese-Echsen





Robin Sloan, geboren 1979 in der Nähe von Detroit, ist ein US-amerikanischer Wirtschaftsinformatiker und Romanautor. Er studierte Wirtschaftswissenschaft an der Michigan State University und arbeitete seither für verschiedene Onlineplattformen, unter anderem Twitter. 


2012 veröffentlichte er seinen ersten Roman der in den USA ein Bestseller wurde. Das Buch wurde in acht Sprachen übersetzt, und ist in über zwanzig Ländern erschienen, so auch auf Deutsch in zwei Auflagen.

Image result for robin sloanWie im Klappentext des Buches angekündigt, schrieb Sloan ein kurzes Prequel mit dem Titel Ajax Penumbra 1969, das von Ereignissen berichtet, die zeitlich vor denen des Buchs liegen.

Die Bibliophilen des Grolier Clubs in New York City - ein Gentleman's Club und ältester bestehender Verein von Buchliebhabern in Nordamerika - luden ihn zu einer Lesung ein. Robin Sloan lebt heute in San Francisco.

18. Juli 2018

Wolf Schneider - Mythos Titanic

Image result for mythos titanic wolf schneiderAutor: Wolf Schneider
Titel: Mythos Titanic


Verlag: Bechtermünz
ein STERN-Buch
ISBN: 978-3860475539
Erschienen: 1996
Seiten: 192 




Das Protokoll der Katastrophe - drei Stunden, die die Welt erschütterten

Weltuntergang? Dass er bevorstehe, haben zu allen Zeiten viele Sektierer geglaubt - heute glaubt es auch manch kühler Kopf. Das Urbild aller Untergänge ist das jähe Ende der Titanic am. 15. April 1912. Nicht nur 129 Frauen kamen auf ihr um, 5Kinder und 4 Milliardäre - es ging auch der schrankenlose Optimismus unter, dem das frotschrittsgläubige Zeitalter sich hingegeben hatte. So ist der Todeskampf der Titanic ein Wendepunkt der Weltgeschichte. Ein Drama ohnegleichen ist er sowieso.



Ein schmales Buch mit vielen Bildern, die damals in Zeitungen gedruckt oder in Fotoarchiven aufbewahrt wurden. Das Protokoll über das Ende des unsickbaren Schiffes erzählt, als würde man eine Dokumentation von National Geographic lesen anstatt im Fernseher ansehen. Anschaulich und chronologisch geortnet, eine schnelle Lektüre über ein grosses wahres Stück Weltgeschichte.

Der Schreibstil ist mitreissend, fesselnd, erzählend. Der Autor ist von der Titanic fasziniert und persönlich sehr interessiert an dem Geschehniss. Das ist nicht nur seiner Recherche nachzuweisen, sondern hört man auch im Schreibstil. Der Autor spielt mit Worten, beschreibt die Atmosphäre sehr anschaulich und detailliert, verliert sich jedoch nicht in den vielen Fakten und überreizt die Einzelheiten auch nicht, sei es um zu beschönigen oder um dramatischer zu wirken.

Das Bildmaterial ist zahlreich und mit vielen Nachweisen aus echten Zeitungsberichten oder sind Fotografien, die für die Nachwelt geschossen wurden, jedoch ohne zu wissen, welches Schicksal das Schiff noch ereilen würde und welchen Wert ebendiese Fotos bekommen würden. Schwarzweisse Aufnahmen von diversen Innenräumen des Schiffes, wie z.B. Restaurants, Rauchsalon, Promenadendeck und die Schornsteine. Aber auch Portraits der Musiker der berühmt gewordenen Orchester das bis zuletzt gegen die Kälte fidelte, der Kapitän, der schon zuvor mit anderen Schiffen Unglück hatte oder Fotos von Milliardären und ihren Frauen, die aus sturem Anstand ein Gentleman zu sein oder auch naiver Gelassenheit auf kein Rettungsboot mehr gelangen und mit all dem Luxus der Titanic untergingen.

Natürlich werden viele Leser das Buch und die Beschreibungen und Fotos darin mit dem Film vergleichen, sich daran erinnert fühlen und Leonardo di Caprio und Kate Winslet in einzelnen Scenzen einsetzen. Die Liebesgeschichte ist jedoch nicht Teil dieser Geschichte, hier geht es um die nackten Fakten, genaue Zeitangaben der Funkmeldungen, Protokoll der Ereignisse rekonstruiert nach Interviews mit Überlebenden und wissenschaftlichen Analysen der gesundenen Schiffsteile.

Mich hat das Buch sehr interessiert, nicht weil ich grosser Titanic-Fan bin oder den Film liebe, auch wenn ich ihn schon mehrmals gesehen habe. Nicht, weil ich das makabre Bedürfnis habe, mich an dem traurigen Schauspiel zu ergözen, sondern einfach, weil mich die Rekonstruktion des ganzen Prozesses, die Aneinanderreihung von Fehlern, die Hintergrundinformation zu einzelnen Geschichten und natürlich die Bilder sehr interessierten. Ein Stück Geschichte für Zwischendurch und Bilder, um dir immer mal wieder klar zu werden, dass der Mensch zwar Grosses schaffte und immer noch schafft, doch die Natur immer stärker bleibt. Wie klein und gleichzeitig grossartig der Mensch sein kann, und welcher Konsequenzen kleinste Entscheidungen innerhalb Sekunden haben können.



5 von 5 Lese-Echsen



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Wolf Schneider, geboren 1925, ist Träger des Medienpreises für Sprachkultur der Gesellschaft für deutsche Sprache. Er war von 1943 bis 1945 Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Washington, Verlagsleiter des Stern, Chefredakteur der Welt, Moderator der NDR-Talk-Show und 16 Jahre lang Leiter der Hamburger Journalistenschule. 

Wolf Schneider hat zahlreiche Sachbücher veröffentlicht, darunter grosse, erzählende Bücher ebenso wie Standardwerke zu Sprache, Stil und Journalismus. Zuletzt erschien 2013  bei Rowohlt Der Soldat. Ein Nachruf.
Er lebt in Starnberg.

12. Juli 2018

Endre Lund Eriksen - Der Sommer, in dem alle druchdrehten... ausser mir

Image result for der sommer, in dem alle durchdrehtenAutor: Endre Lund Eriksen
Titel: Der Sommer, in dem alle durchdrehten... ausser mir


Verlag: Kosmos
ISBN: 978-3440149041
Erschienen: 2017
Seiten: 224 








Der ganz normale Wahnsinn des Lebens

Ich bin zurück auf dem Plumpsklo. Alleine. Hab mich hergeschlichen, nachdem Indiane zu sich nach Hause gegangen ist. Tut mir echt leid, aber ich muss das Gästebuch aus dem Verkehr ziehen. Papa ist erst seit ein paar Stunden schwul, und für den Fall, dass er es sich vielleicht doch noch anders überlegt, kann ich es unmöglich hier liegen lassen, wenn nicht die ganze Welt erfahren soll...

Der 13-jährige Arvid muss den Tatsachen ins Auge sehen: Diese Sommerferien werden sicher alles andere als cool. Spar-Camping-Urlaub mit Papa irgendwo in Norwegen steht auf dem Programm. Einzige Attraktion: das berühmteste Plumpsklo der Welt.

Doch dann kommen Indiane, ein liebeswütiger Hund und jede Menge durchgedrehte Erwachene ins Spiel. Besonders Arvids Vater benimmt sich plötzlich äusserst seltsam... Langeweile? Sieht definitiv anders aus!



Eigentlich fand ich ja nur den Titel lustig, aber auch der Inhalt konnte mich gut unterhalten. Eine schnelle, kuriose Lektüre, die ich in einem Tauschbücherregal aufgeschnappt habe und es auch dort wieder hinterlegen werde. Ein Jugendroman,  der mich auch als Erwachsene zum Schmunzeln gebracht hat.

Arvid ist gerade in seiner wichtige Phase: am Start der Pubertät, er muss cool sein, dabei sein, mit seinen Freunden Abenteuer erleben. Da passt es gar nicht, dass sich eine Eltern getrennt haben und er mit Papa jetzt ins Hinterland campen geht, wo wortwörtlich keine Sau lebt. Nur eben Indiane und ihr schwuler Vater, der anscheinend Arvids Vater ansteckt und auf so manch komische Idee bringt. Auch deren Hündin bringt Arvids Hund Waldo komplett aus dem Konzept und in so manch peinliche Situation.

Unterm Strich ist es eine sehr originelle Erzählung aus Sicht eines 13-Jährigen, der selbst als Softie abgestempelt, coole Abenteuer erlebt, eine Freundin findet, die er natürlich erst komplett doof findet und einen total langweiligen Sommer durchstehen muss, der eigentlich höchst abwechslungsreich ist. Erste Interessen an Mädchen, Verarbeitung von Elterntrennung, Gefühlschaos eines Pubertierenden, Zelten, Grillieren, Fischen... und das aus erster Hand, sozusagen als Tagebuch in kurzen bis längeren Kapiteln, anscheinend im Gästebuch des nördlichsten hinterletzten Plumpsklo in Norwegen. 

Der Schreibstil hat mich sofort eingenommen, weil es tatsächlich so klingt, als würde Arvid seinen Sommer erzählen. Jugendsprache, hallo! Seine Sicht auf Erwachsenendinge, über das Schwulsein, über Mädchen und über liebwütige Hunde sind natürlich kindgerecht und für erwachsene Leser ein müdel Lächeln wert, weil wir es mittlerweilen besser wissen. Doch auch sehr amüsant und meiner Meinung sehr authentisch geschildert.

Eine nette Sommerlektüre für Jugendliche über Jugendliche. Ein Sommer zum durchdrehen... oder eben doch nicht.




4 von 5 Lese-Echsen




Image result for endre lund eriksenEndre Lund Eriksen ist 1977 in Bodo, Norwegen, geboren. Sein erstes Buch schrieb er mit acht Jahren. Schriftsteller gehörte neben Detektiv und Minister zu seinen vorrangingen Berufswünschen. Bereits mit 14 veröffentlichte er eine Kurzgeschichte im Rahmen einer Anthologie für Jugendliche.

Er studierte Literatur- und Theaterwissenschaften sowie Geschichte und machte das Schreiben schliesslich wirklich zu seinem Beruf. Sein erster Roman Beste Freunde, kapiert! wurde in Norwegen mehrfach ausgezeichnet.



30. Juni 2018

Karine Lambert - Haus ohne Männer

Autorin: Karine Lambert
Titel: Haus ohne Männer


Verlag: Diana
ISBN: 978-3453359628
Erschienen: 2017
Seiten: 240 






Keine Männer ! Das ist die Regel.

Die Bewohnerinnen eines verwunschenen Hauses mitten in Paris haben der Liebe abgeschworen. Kater Jean-Pierre ist das einzige männliche Wesen, dem sie Zutritt zu ihrer Welt gestatten. Als die junge Juliette einzieht, stellt sie das Leben der unterschiedlichen Frauen auf die Probe. Denn sie hat die Liebe noch nicht aus ihrem Herzen verbannt...





Leichter lockerer Schreibstil, eine nette und neue Idee, ein Einblick in ein ganz besonderes Haus, ein Blick in 5 Leben unterschiedlicher Frauen, ihrer Geschichte, warum sie dort leben und wie sie damit umgehen. Unterhaltsam, aber kein ich-muss-sofort-wissen-wie-es-weitergeht-Pageturner.

Die Bewohnerinnen sind Giuseppa, eine rasante Italienerinnen, die es mit der Frauenstellung in ihrer traditionellen Familie mit ihrem Vater und Brüdern nicht immer leicht hatte. Juliette, die nur für einen gewissen Zeitrahmen ins Haus gezogen ist, in die Wohnung ihrer Freundin, die eigentlich dort wohnt, aber gerade in Indien weilt. Simone, die viel mehr Selbstvertrauen braucht und ihren besten Freund in der Friendzone sitzt. Rosalie, eine teetrinkende Yoga-Hippie-Tante, die einen grossen Funken Esoterik ins Haus bringt. Und natürlich die sogenannte Königin des Hauses, die Hausbesitzerin, die im Dachgeschoss wohnt zwischen ihrem Bambus und vergangenen Ruhm und Lobgesängen. Eine ehemalige Primaballerina, die mit dem Alter an Grazie verliert und immer von vielen Männern umschwärmt wurde, dann in hohem Alter trotzdem allein blieb. Wie was wo und genau überhaupt, müsst ihr selber lesen.

Die ganze Geschichte plätschert entspannt vor sich hin. Erst lernt man mehr über jede Persönlichkeit kennen, ein bunter Mix an verschiedenen Kulturen und diversen Gründen, warum sie den Männern entsagen... oder eben doch nicht ganz. Der Hintergrund der Königin, wieso sie das Haus ohne Männer erschuff. Und natürlich Klatsch aus der Nachbarschaft, schliesslich spricht sich das herum und jeder kennt das Haus mit den speziellen strengen Regeln. Ein ganzes Haus ohne Männer - und das ausgerechnet noch in Paris, der sogenannten Stadt der Liebe?!

Wie gesagt, nach Schreibstil und Verlauf der Geschichte ist es eine sehr nette und unterhaltsame Sommerlektüre. Etwas für zwischendurch. Etwas Neues mit spritziger Idee, allerdings kein Pageturner. Nach Spannung muss man lange suchen. Doch die Grundidee, die übrigens auf einem wahren Treffen der Autorin mit einer Frau basiert, die den Männern entsagt, ist originell und regt Gedanken an. Funktioniert ein Leben ohne Männer? Ergibt das Sinn? Macht das noch Spass? Klar, jeder kennt einen Mann oder Jungen, von dem wir mal eine Pause brauchen oder uns einfach nicht verstehen wollen. Ex-Freunde, die keine Freunde mehr sind. Kollegen, die man nicht leiden kann. Aber ganz ehrlich, das hab ich auch unter den Frauen. Ex-Freundinnen, Koleginnen... unabhängig des Geschlechts. Deswegen die andere Hälfte der Menschheit generell auszuschliessen, ist da doch eine sehr radikale Massnahme. Das war auch, was mich am Klappentext am meisten angesprochen hat.

Unterm Strich war es unterhaltsam, anregend und vor allem gefühlvoll. Liebe ist ein grosses Wort mit vielen Interpretationen. Dieses Buch zeigt eine Handvoll verschiedener Liebessituationen, Miseren und Glücksfälle, neue und alte Liebe, Liebe zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen Tier und Mensch und vor allem unter Freundinnen. 




3.5 von 5 Lese-Echsen



Karine Lambert ist Fotografin und Schriftstellerin. Nach längeren Aufenthalten in verschiedenen Ländern lebt sie heute wieder in ihrer Geburtsstadt Brüssel. Für das Haus ohne Männer, ein Bestseller in Frankreich, erhielt sie 2014 den Prix Saga Café für das beste belgische Debüt.