26. März 2017

Carina Herrmann - Meerblick statt Frühschicht

Autorin: Carina Herrmann
Titel: Meerblick statt Frühschicht


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-30838-0
Erschienen: 2016
Seiten: 256



Alleinreisen bedeutet Freiheit und Begegnung - vor allem mit sich selbst

Die faszinierenden Tempelanlagen von Angkor Wat, Schnorcheln auf Bali und ein Trip entlang Australiens legendärer Great Ocean Road: Dies sind nur drei der Highlights, die Carina Herrmann während ihrer gut einjährigen Reise durch Australien und Südostasien erlebte. Doch diese Traumreise ist auch ein Befreiungsschlag. Die junge Frau liess dafür ihren harten Alltag als Krankenschwester in einer Kinderkrebsstation hinter sich, verkaufte all ihren Besitz und machte sich allein auf in die Welt. In diesem Buch schreibt die erfolgreiche Reisebloggerin über Ängste, Sehnsüchte und Mut und nimmt ihre Leser dabei mit auf eine Reise um die Welt zu sich selbst.




Ein Aufruf, seinem Herzen zu folgen. Ein guter Rat, öfters auch sein Bauchgefühl zu hören. Und die Geschichte einer Frau, die trotz grossem Respekt vor dem eigenen Projekt, den Schritt gewagt hat und grossartig belohnt wurde: Mit Abenteuern, Erinnerungen, vielen neuen Freunden und einer neuen Zukunft. Oder zumindest einer anderen Zukunft als die, wenn sie in Deutschland Krankenschwester geblieben wäre.

Schon länger folge ich Carina Herrmann auf ihren beiden Blogseiten Pink Compass und um 180 Grad, wo sie über ihre Erlebnisse berichtet, Tipps verteilt und Frauen aufmuntert, ebenfalls den Mut zusammenzukratzen und sich endlich zu getrauen, den eigenen Traum in die Realität umzusetzen. Das bedeutet nicht in jedem Falle, dass nun jede junge Frau eine Weltreise startet soll, noch dazu allein. Es heisst auch nicht, dass nun all die femininen Rucksacktouristinnen mit einem Reiseblog ihr zukünftiges Brot verdienen sollen. Und es ist auch nicht gesagt, dass die Reisetipps ausschliesslich für Frauen sind, auch wenn wir weiblichen Reiselustigen im Fokus stehen und die Zielleserschaft sind, so finden sicherlich auch Männer Gefallen an Carinas Geschichten, profitieren von ihren Tipps zu bereisten Ländern und können sich in ihrem Schreibstil verlieren.

Carina schreibt von Du zu Du ganz flott daher, wodurch schnell der Eindruck entsteht, man sitzt mit ihr gemütlich in einem Café, nippt am Cappuccino und hört ihren lebhaften Erzählungen zu. Teilweise fühlt es sich sogar noch intimer an, als hätte man ihr Tagebuch gefunden und stöbert nun klammheimlich ein wenig darin. Ehrlich und offen, witzig und frisch weiss Carina von ihrem grossen Sprung ins Abenteuerland zu berichten, sodass man sofort Lust hat, selbst die Koffer zu packen. Was ich allerdings besonders mochte, waren die ehrliche Worte über ihre Gefühlswelt. In diesem Roman hat Carina nicht einfach ihre Reiseroute festgehalten, sondern vor allem auch ihre emotionale Reise. Wie sie sich dabei fühlte, so weit weg von zu Hause in einem neuen Alltag mit neuen Gesichtern, neuen Aufgaben und täglich neuen Eindrücken. Wie sie das alles verarbeitete, was sie an schlechteren Tagen runterzog und was sie wieder aufheiterte. Oft dachte ich, dass sie mir direkt von der Seele schrieb, denn ich konnte so viele ihrer Gefühle in diversen Situationen nachfühlen. Das alles macht sie mir nur noch sympathischer als sie sowieso schon ist auf ihren beiden Blogs. 

Ausserdem finden sich in der Mitte des Buches eine Reihe Fotos: Wundervolle Landschaftsbilder, ein wilder Koala und Carina mit einem Grinsen über beide Ohren. Einblicke ins persönliche Ferienalbum, die sie uns gewährt, was vielleicht nicht jeder tun würde. Anfangs des Buches befindet sich zudem eine Weltkarte, um ihre Route zu verfolgen. Diese Karte ist wohl mittlerweile um eine Routen reicher. 

Wenn ich den Roman zusammenfassen müsste, würde ich das wohl mit dem Untertitel, der sich auf dem Buchcover am unteren Rand versteckt, und mit ihren letzten Worten auf der letzten Seite. Denn diese wenigen Sätze könnten den Inhalt nicht besser widerspiegeln:

Warum ich losreisen musste, um bei mir selbst anzukommen.

Wenn ich nur eines aus den letzten Jahren gelernt habe, dann, dass es mehr Möglichkeiten, Chancen und Wege gibt, als wir uns vorstellen können. Man muss lediglich den Mut haben, sie zu ergreifen. 






5 von 5 Lese-Echsen


Ähnliches FotoCarina Herrmann, Jahrgang 1980, liess ihr altes Leben in Frankfurt hinter sich, reist seit fünf Jahren um die Welt und ermutigt in ihrem Blog andere Frauen, es ihr gleichzutun. "Pink Compass" ist Deutschlands beliebtester Blog für alleinreisende Frauen, die Autorin wird regelmässig als Expertin zum Thema interviewt.



10. März 2017

Gillian Flynn - Gone Girl

Bildergebnis für gone girl gillian flynn
Autorin: Gillian Flynn
Titel: Gone Girl

Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-104-02709-8
Erschienen: 2013
Seiten: 576 (e-book)



"Was denkst du gerade, Amy?" Diese Frage habe ich ihr oft während unserer Ehe gestellt. Ich glaube, das fragt man sich immer wieder: Was denkst du? Wer bist du? Wie gut kennt man eigentlich den Menschen, den man liebt?

Genau diese Fragen stellt sich Nick Dunne am Morgen seines fünften Hochzeitstages, dem Morgen, an dem seine Frau Amy spurlos verschwindet. Die Polizei verdächtigt sogleich Nick. Amys Freunde berichtetn, dass sie Angst vor ihm hatte. Er schwört, dass das nicht wahr ist. Dann erhält er sonderbare Anrufe. Was geschah mit Nicks wunderbarer Frau Amy?




Ein Psychospielchen mit Startschwierigkeiten. Eine erschreckend manipulative Frau, ein für mich schwer zu verstehenden Mann, viele Gerüchte, Geschichten und Sensationslust. Ein grosser, wahnsinniger Plan, der Vorbereitung und Aufbau benötigt - ein Roman mit Ecken und Kanten, der erst einmal von weit her Schwung holen musste.

Ganz ehrlich, war der Roman für mich ein stetes Auf und Ab. Ein hochgelobtes Buch, das ich erst Jahre später las (einfach weil ich aus Trotz nicht immer gleich das Neuste vom Neusten lese, besonders wenn solch ein Hype gemacht wird). Erst fing ich mit zu hohen Erwartungen daran, schliesslich lobten alle die Spannung, die geschliffenen Details und den Thrill dabei. Das Pendel holte weit aus und schleuderte zurück - und mich direkt in eine Leseflaute. Wo blieb die Spannung? Die ersten gut hundert Seiten waren Alltagskram zwischen Eheleuten, die Frau verschwand, aber sonst nichts Aufregendes, kein mitreissendes Lesevergnügen wie erhofft. Ich liess das Buch liegen, fing ein anderes an oder las zeitweise sogar gar nichts. Dann juckte es mich plötzlich wieder, schliesslich musste ich wissen, wo Amy ist, was mit ihr passierte und wie es mit Nick weitergeht. 

Nach der ersten harzigen Phase, durch die man einfach durchhalten muss, kommt die Geschichte langsam in Fahrt. Und dann Peng! Ungefähr in der Mitte des Romanes ein Plot Twist vom Feinsten. Eine Stimme, die die komplette Geschichte um 180 Grad dreht. Plötzlich ist das Spannung, Aufregung, mitreissendes Lesevergnügen. Plötzlich machen diverse Dinge mehr Sinn, man wittert Verrat, hofft auf mehr Rätsel und deren Auflösung, das Herz pumpt im Rhythmus des schneller werdenden Umblätterns. Ohne spoilern zu wollen, doch ich kann es mir nicht verkneifen: Nick tut mir Leid. Das ganze Buch durch. Aus immer mal wechselnden Gründen. Amy mag ich nicht. Am Schluss bin ich sogar richtig wütend auf sie - obwohl sie ja anfangs das Opfer ist! Aber zu viel gesagt...

Eine Geschichte, die irgendwie zeitlos und erschreckend real ist bzw. sein kann. Ein Schreibstil, der erst wie ein ungefährlicher Bach daher kommt, bis man erschreckt feststellt, dass man in die Strömung eines grösseren Flusses geraten ist. Ein Haufen Protagonisten, die echte Gefühle wecken - positive wie negative. Mal war ich wütend mit jemanden, dann auf jemanden. Ich freute mich mit jemanden und für jemanden, nur um denjenigen einige Seiten weiter nichts Gutes mehr zu wünschen. Einige Figuren konnte ich sehr wohl verstehen, mich mit ihnen und ihren Reaktionen identifizieren. Andere waren und blieben mir komplett fremd, auch wenn sie sehr authentisch wirkten. Wie im wahren Leben hatte ich für die einen Personen mehr Sympathie und für andere eben weniger. Aber in diesem Fall kann man sich nie sicher sein, welche Sympathien gesund sind.

Mit dem Ende bin ich ziemlich unzufrieden, ja sogar ein Stück wütend. Es ist zu lasch, zu einfach. Seit die Geschichte an Spannung übersprudelte, wartete ich stets auf die grosse Bombe, den ultimativen Knall, bis zuletzt. Doch da war bloss heisse Luft. Irgendwie sehe ich darin das böse Vergnügen der Autorin, eben nicht das Ende zu schreiben, das die Leser nach solch einer Geschichte wohl erhoffen. Einfach nur um gegenzusteuern. Nennt man das jetzt künstlerische Freiheit? Oder einfach eine Frechheit? Meiner Meinung nach, ist es nicht nur der Wunsch eines anderen Endes, sondern ich finde, dass gewisse Figuren ein anderes Ende verdient haben. 

Falls diese Beschreibungen nun etwas komisch wirken und nur wenig Sinn ergeben, tut es mir Leid. Ich versuche immer, nicht oder möglichst wenig zu spoilern. Wen es nun (noch mehr) juckt, das Buch auch endlich zu lesen, falls ihr es noch nicht kennt: Lest es. Ich kann es empfehlen, auch wenn der Anfang ein gutes Stück Durchhaltevermögen benötigt. 

PS: Das Buch wurde mittlerweile schon verfilmt und natürlich muss ich mir den Film dazu anschauen. Ich kann mir die Geschichte nämlich sehr wohl spannend verfilmt vorstellen. Mal schauen, ob dort der Anfang auch so zäh ist ;)


4 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für gillian flynnGillian Flynn wuchs in Kansas City aus. Sie arbeitete als Journalistin für den "San Francisco Examiner" und "US News & World Report" und war die leitende TV-Kritikerin von "Entertainment Weekly". Die Autorin lebt nach Stationen in Los Angeles und New York heute mit Mann, Kind und Katze in Chicago.

10. Februar 2017

DIY - Candy monster (T-Rex)

Hey Leute,

Ihr glaubt, das war schon alles mit meinem neuen Blog? Ihr habt gar nicht mehr an die Überraschungen gedacht, die ich euch leise angekündigt habe? Ja dann aufgepasst. Neu findet ihr hier auch DIY-Projekte, Ideen für Buchliebhaber, Teetrinker und Kaffeefans, Cookie Monsters und Pantoffelhelden. Ab und zu verspüre ich dieses Kribbeln in den Fingern, das Verlangen nach Farbstiften und Sekundenkleber, Lust auf glänzenden Lack und Holzduft, Papierschnitte und Stoffverarbeitung. Manchmal möchte ich einfach selbst etwas kreieren und auf Pinterest und ähnlichen Seiten findet man mehr Inspiration als Zeit alles einmal auszuprobieren.

In dieser neuen Rubrik, für die ihr oben auch neu eine Seite findet mit allen Links und gesammelten Projekten, rufe ich euch zum gemeinsamen Basteln auf!

Heute: Das Candy Monster! In meinem Fall ein T-Rex.


Zum Lesen gehören Snacks, ob süss oder salzig. Bei mir sind es meist Kekse, Schokolade oder Popcorn. Und bei euch?

ABER: Ein Teller mit Keksen ist euch zu langweilig? Die Bonbons einfach in ein Glas stopfen, ist nicht originell genug? Dann bastelt euch ein Candy Monster - ein Tier, das dem Teller Höhe und Leben schenkt. Eine witzige Präsentation für Süssigkeiten und ganz schnell selbst gemacht.

Was braucht ihr dazu?

- kleinen, möglichst leichten Teller
- Gummitier
- Schere (oder Cutter)
- starker Kleber
- evtl. Farbe & Pinsel

Die Auswahl des Tieres:

Jeder hat sein Lieblingstier, aber nicht alle Tiere eignen sich als Keksteller. Am besten geeignet sind Tiere mit langem Oberkörper oder hohem Hals beziehungsweise Kopf, zum Beispiel Giraffen, sitzende Hasen oder Affen, verschiedenste Dinosaurier... aber eben kein Krokodil, keine Schlange, kein Insekt. Irgendwie logisch, oder? Damit euer Teller später einigermassen stabil ist, eignen sich besonders aufrecht sitzende Tiere oder Vierbeiner (oder stabile Zweibeiner). In meinem Fall ist der T-Rex zwar kein Musterbeispiel, verspricht allerdings trotz seiner Zweibeinigkeit ausreichend Stabilität dank seinem Schwanz als drittes Standbein. Solche Gummitiere erhält ihr übrigens in jedem Spielzeuggeschäft oder Kinderabteilung bei grösseren Händlern. Meist kosten sie auch nicht viel.

Tipps zum Teller:

Besonders falls ihr ein Candy Monster für einen Kindergeburtstag plant, könnten sich Teller aus Plastik oder Kunstoff besser eignen als aus Porzellan oder Glas. Nicht nur, weil diese Teller weniger bis kaum zerbrechlich sind, sondern auch wegen ihrem leichteren Gewicht, was wiederum der Stabilität zugute kommt.

Welcher Kleber?

Je nach eurer Materialauswahl, muss der Kleber Gummi und Porzellan oder Kunstoff zusammenhalten. Ein Papier-Klebestift wird euch also nicht viel helfen, eher der Super-Sekundenkleber, auch wenn dieser meist alles klebt, ausser der Sache, die es sollte. (Ja, wir kennen doch alle diese nervigen Klebereste an den Fingerkuppen). Ich habe den bekannten UHU-Kleber gewählt.

Womit fange ich an?

Zuallererst müsst ihr euer Tier halbieren. Das arme, liebe Tier muss ja später den Teller wie ein Sandwich einklemmen. Je nachdem, ob euer Gummitier innen hohl ist oder nicht, wird das Zerteilen einfacher oder komplizierter. Zum Glück sind die meisten Spielwarentiere innen hohl, was die Sache um einiges erleichtert. Wenn ihr euch sicher und erwachsen genug fühlt, greift zum Cutter. Wenn euch eine Schere besser in den Händen liegt, greift zur Schere. Vielleicht braucht ihr den Cutter oder ein Messer anfangs, um ein Loch in die Gummihaut zu kriegen, wo ihr die Schere danach reinstecken und rundherum schneiden könnt.


Das Wichtige beim Zerteilen ist, dass das Tier nicht genau in der Mitte im Bezug zur Körperlinie zerteilt werden sollte, sondern so in der Mitte, dass der Teller später möglichst waagerecht auf dem Unterteil liegt. Hält deswegen den Teller probeweise neben dem Tier an die Seite und macht euch eine Vorstellung vom gewünschten Resultat, bevor ihr los schneidet (oder immer mal wieder beim Schneiden). Ich habe meinen T-Rex mittig zerteilt, leicht diagonal zu den Beinen und musste korriegieren, damit er einigermassen waagerecht für den Telleraufsatz wurde.
Tipp: Habt ihr einmal zwei Hälften, ist es einfacher zu korrigieren und noch etwas nachzuschneiden, um den Teller möglichst horizontal auszubalancieren.


Teller und Dinosaurier zusammen setzen

Falls euer Tier innen hohl ist, empfehle ich zur Stabilität nun den Innenraum mit Papier oder Zeitung auszustopfen. Das gibt euch ausserdem mehr Klebefläche für den Teller.

Danach gebt ihr grosszügig Kleber auf die untere Hälfte des Tieres und drückt den Teller darauf, möglichst mittig oder gemäss der besten Stabilität. Je nach gewählten Kleber, drückt ihr den Teller leicht an und/oder wartet, bis der Kleber getrocknet ist. Dann könnt ihr das Gleiche mit der oberen Hälfte wiederholen: Papier in den Tierkopf stopfen, grosszügig Kleber drauf und auf den Teller setzen. Dabei müsst ihr nicht nur auf die Tellermitte achten, sondern auch darauf, dass der obere und untere Teil des Tieres optisch wieder ein Ganzes ergeben. Nicht, dass der Kopf plötzlich unnatürlich nach hinten schaut oder der Schwanz an der Stelle der Vorderfüsse ist.


Fertig?

Ist der Kleber vollständig getrocknet? Liegt der Teller stabil auf beziehungsweise "im" Tier? Ja, dann seid ihr fertig! Glückwunsch! Nun könnt ihr Kekse, Bonbons, Chips oder auf was immer ihr Lust habt, solange es nicht zu schwer für die Konstruktion ist, auf dem Teller anbieten.

Denkt aber daran, dass euer neues Candy Monster nicht Spülmaschinen-sicher ist. Ich habe es zwar nicht ausprobiert, würde es aber definitiv nicht empfehlen. Benässt ein Papiertuch oder einen Lappen und putzt damit den Teller, falls Kekskrümmel oder Chips-Fett zurückgeblieben sind. Haltet zum Stabilisieren eine Hand unter den Teller, wenn ihr mit dem Putzlappen von oben Druck gibt, damit euer schönes Bastelprojekt nicht wieder in drei Teile zerbricht.

Euer Candy Monster ist kein unkapputbares Spielzeug, aber immerhin ein Hingucker auf dem Tisch!


Zusatz-Idee:

Falls euch die Farbe eures Tieres nicht gefällt oder ihr euer Candy Monster dem Farbkonzept eurer Inneneinrichtung anpassen möchtet, könnt ihr das Ganze natürlich auch bemalen. Benutzt dafür die für die Materialien (Gummi, Porzellan, etc.) richtige Farbe, damit sie auch haften bleibt. Schaut darauf, dass sie wenn möglich ungiftig ist und sich nicht beim ersten Tropfen Wasser schon verflüchtigt.

Mir persönlich gefiel das Rot des T-Rex und liess es dabei. Ansonsten würde ich das Bemalen vor dem Zusammenkleben von Tier und Teller empfehlen. Ausser ihr wollt auch den Teller in derselben Farbe. In diesem Fall ist das Bemalen wohl nach dem Klebeprozess zu empfehlen.

Und nun wünsche ich viel Spass bei euren Projekten!
Wer macht mit? Welches Tier könnt ihr euch als Süssigkeiten-Teller-Highlight vorstellen?
Ich würde mich auf euer Feedback oder auch Fotos von euren Candy Monster sehr freuen.

Liebe Grüsse,
eure Lese-Echse Mona



5. Februar 2017

Katia Fox - Lieblos

Autorin: Katia Fox
Titel: Lieblos


Verlag: Amazon (E-Book)
ISBN: 978-3739369273
Erschienen: 2016
Seiten: 248




Es müsse einen Grund dafür geben, dass sie so lieblos mit sich umgehe, hatte er Isabelle gesagt... und dass er ihr helfen wolle, diesen herauszufinden.

Aix-en-Provence im Sommer

Isabelle scheint das perfekte Leben zu führen. Sie ist dünn, lebt im Luxus, liebt Louboutins und Marc. Doch als Geliebte eines verheirateten Mannes ist sie entsetzlich einsam und der Fressteufel ihr einziger Freund. Als sie den Olivenhain ihres Vaters erbt, muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen. Briefe ihres Vaters, die sie in dem alten Haus findet, stellen alles in Frage, was sie bisher geglaubt hat, sogar die Liebe scheint im Mas de l'Adret auf sie zu warten...




Ehrlich gesagt, lässt der Roman mich mit gemischten Gefühlen zurück. Anfangs war die Geschichte eher langatmig, ja geradezu zäh. Ab der Mitte ging es plötzlich los und am Ende war es sogar richtig spannend. Das Thema, im Ganzen recht traurig, hinterliess ebenfalls einen bitteren Nachgeschmack.

Zuerst konnte ich mich nicht so recht in die Geschichte einfühlen, konnte mich nicht richtig konzentrieren und die Personen waren mir kaum sympathisch, einfach zu fade das Ganze. Isabelle wird eines regnerischen Tages auf dem gestressten Weg zur Uni in Paris von Marc aufgelesen und erobert. Er macht ihr teure Geschenke, lädt sie an schicke Orte ein und verführt sie mit den Vorzügen des Luxusleben. Schneller als sie es sich versieht, rutscht sie in die Rolle der Geliebten. Und diese Abhängigkeit bleibt bestehen. Tage wartet sie auf eine SMS, einen Anruf, irgendein Zeichen oder eine Einladung von Marc, nur für eine Nacht mit ihm, einige Stunden der Leidenschaft, Momente, in der sie sich wichtig fühlt. Doch diese Wichtigkeit ist nur Illusion, sie nur ein Spielzeug, die Liebe nur einseitig. Bis das Isabelle klar wird und sie sich das auch eingesteht, vergeht viel zu lange, Jahre...um genau zu sein, der Grossteil des Romanes.

Ich möchte ja nicht zu viel spoilern, doch glaube ich auch nicht, wenn ich zuviel vorweg nehme, wenn ich verrate, dass während dieser Zeit als Geliebte, Isabelle einige Freunde verliert, nicht den Job nach der Uni anstrebt, den sie ursprünglich geplant hatte. Hinzu kommen eigene Familienprobleme, die Geschichte mit ihrem Vater wie im Klappentext schon angedeutet wird. Diese Familiengeschichte ist es auch, die mich am meisten interessiert hatte, die ich gut ausgearbeitet, vernetzt und authentisch empfand. Der Teil mit Marc war zwar auch sehr authentisch (obwohl ich nicht von eigenen Erfahrungen sprechen kann), aber doch ein trauriges Kapitel in Isabelles Leben, das mich sogar manchmal mit Wut im Bauch lesen liess. Grosses Thema dabei ist auch Bulimie. Isabelle leidet unter Fressattacken, die anschaulicher wohl kaum beschrieben werden könnten. Wie die Autorin im Nachwort erklärt, las sie sich zur Recherche durch etliche Blogs und Foren, um sich mit dem Thema auseinander zu setzen und gibt auch den Rat, wie man Personen mit Essstörungen helfen könnte.

Diese Themenwahl, die zweite Hälfte des Romanes und die sehr detailliert ausgearbeitete Figur von Isabelle begeisterten mich. Der langezogene Einstieg, bis endlich etwas passierte, das klischeehafte Bild der Luxuswelt, die Beziehung von Geliebten und reichem Mann mit Familie gaben jedoch Punkteabzug. Auch empfand ich den Preis, der ihr Vater für den Fehler in der Vergangenheit zahlte, nicht nur viel zu hoch, sondern auch nicht ganz glaubwürdig. Ich hätte nicht über so viele Jahre gleich gehandelt. Wer sich selber ein Bild davon machen möchte, muss die Geschichte lesen. Auch das Ende der Geschichte fand ich zu schnell zu perfekt. Für mich hätte es nicht so viele Kirschen auf der Sahneglasur der Torte gebraucht. Aber ich bin kein Fan von übertriebenem Happy End, oder eben nur wenn es die Geschichte zulässt und nicht auf Brechen alle glücklich und zufrieden sein müssen als wäre nie etwas gewesen. Das finde ich zu kitschig und nicht lebensecht.

Der Schreibstil liest sich fliessend und angenehm. Die Beschreibungen zeugen von eigener Erfahrung, was sich mit Fotos auf der Website der Autorin bestätigt: Sie selbst liebt die Provence, Olivenhaine und Doggen. Ein Teil der Geschichte spielt in Paris, der andere Teil in Aix-en-Provence und der Autorin gelang es, der pulsierenden Grossstadt wie auch dem lavendel-duftenden Land in Südfrankreich Leben und Farbe einzuhauchen. Die Geschichte wird dazu in Phasen erzählt, zum einen im Jetzt (Aix-en-Provence im Sommer, über wenige Monate) und in Jahresabständen in der Vergangenheit, sozusagen Rückblenden über die Geschichte von Isabelle und Marc. 

Wer also Frankreich, Louboutins und ein Haus in der Provence liebt, fühlt sich in dem Roman ganz zu Hause. Wer sich für das Thema Bulimie und die Einsamkeit betroffener Personen interessiert, wird hier ebenfalls fündig. Für mich war es etwas Neues, im Sinne, dass ich die Autorin noch nicht kannte, aber auch durch den Themeninhalt, der nicht unbedingt in meine Lieblingsgenre passt. Aber es hat mich gut unterhalten, nach dem etwas holprigen Einstieg.




3,5 von 5 Lese-Echsen




Katia FoxKatia Fox, geboren 1964, wuchs in Südfrankreich und in der Nähe von Frankfurt auf. Nach dem Studium der Romanistik und einem Abschluss als Dolmetscherin/Übersetzerin begann die Mutter von drei Kindern mit der intensiven Recherche zum englischen Mittelalter. Aus dieser Leidenschaft entstanden bisher vier historische Romane, davon wurde einer in mehrere Sprachen übersetzt und erschien u.a. in den USA, England, Spanien und Russland.
Mehr auf: Katia Fox

3. Februar 2017

Luis Sellano - Portugiesisches Erbe

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Autor: Luis Sellano
Titel: Portugiesisches Erbe


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453419445
Erschienen: 2016
Seiten: 368



Henrik Falkner weiss kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird. 



Schon das Cover zog mich magisch an - ein gelbes Electrico, an einer bekannten Ecke in Lissabon, einer meiner liebsten Städte. Schnell den Klappentext gelesen, der nicht nur einen Krimi, sondern auch eine verzwickte Familiengeschichte, Geheimnisse und Spannung versprach, schon war das Buch fest in meinen Händen. Bei der Lektüre ging es mir dann ähnlich: Einmal angefangen, konnte ich es nicht mehr aus den Fingern lassen, blätterte weiter bis zum Schluss und war traurig, dass es so schnell zu Ende war. Aber es gibt Hoffnung! Band 2 (Portugiesische Rache) steht schon auf meinem Merkzettel. 

Gleich mit dem ersten Satz wird man in die Geschichte gesogen, einige Seiten weiter, schon wandert man durch die Hauptstadt Portugals. Der wortspielreiche Schreibstil des Autors zeichnet schnell und gekonnt ein Bild von Lissabon, entführt in die enge Gasse des Antiquitätenladens voller KrimsKrams und seiner vielseitigen Bewohner und zeigt, dass auch der Autor der Stadt eindeutig verfallen ist und sie gut kennt. Obwohl viele touristische Plätze vorkommen, sind auch einige weniger bekanntere Strassenecken im Roman, die ich als Lissabon-Kenner dennoch mit grosser Freude wieder entdecke. Für alle anderen gibt es eine anschauliche Karte auf der Innenseite des Buchdeckels mit den wichtigsten Handlungsorten der Geschichten schon eingetragen. Solche kleinen Extras finde ich persönlich immer ein grosses Plus, auch weil ich Karten generell sehr mag.

Der Aufbau der Geschichte ist rasant. Kaum ist man angekommen, trifft man auf die ersten komischen Gestalten, schon passiert ein Unfall, der nicht ganz zufällig scheint, weitere Figuren tauchen auf und der Strudel an Geschehnissen saugt Henrik und den Leser immer tiefer in das Erbe seines Onkels. Wie Tom Hanks in der Verfilmung der Dan-Brown-Bücher, jagt der Hauptprotagonist von einem Hinweis zum nächsten, folgt mehr oder weniger freiwillig der heissen Spur und verwickelt sich immer mehr, sodass er natürlich auch selbst in Gefahr gerät (bzw. schon seit Ankunft auf der Zielscheibe einiger Personen war). So wird es auch kaum langweilig, weil immer wieder neue Wendungen der Geschichte neuen Anschub geben, neue Nebengeschichten oder grausige Details offenlegen oder Vorahnungen des Lesers neu kontextualisiert. 

Einzig an den Personen selbst hätte der Autor vielleicht noch feilen können. Trotz der Arbeit und Liebe, die er in seine Figuren  sicherlich steckte, zeigen mir einige Protagonisten doch zu viel Klischees leider. Der bunte Haufen Mitbewohner bzw. Untermieter, die Henrik in dem Gebäude des Antiquitätenladens antrifft, ist nicht nur höchst interessant gemischt, sondern vor allem ein wilder Mix aus komischen alten Kauz, künstlerischer Verschwiegenen, einer indischen Immigrantenfamilie und einem leicht reizbaren Hippie. Was nach Würze klingt, verpufft leider schnell, aber vielleicht kommen die ja nochmal auf den Plan. Weitere Nebenfiguren, wie beispielsweise die Handlanger von Henriks Gegnern, bleiben meist zweidimensional. Die Frauen, die Henrik auf seiner Suche nach Wahrheit und Vergangenheit antrifft, haben einige mir unnachvollziehbare Reaktionen, wie auch Henrik selbst. Soll er nicht ehemaliger Polizist sein? Wo hat er denn seine Instinkte gelassen, Praktiken aus seiner Polizeiausbildung? Manchmal läuft er mir zu naiv in die nächste Falle, als dass es authentisch wirkt. Auch werden die Zufälle irgendwann zu viele. Doch solange es dennoch spannend bleibt, sehe ich gerne über solche Kunstfehler hinweg. Schlecht unterhalten fühlte ich mich zumindest nie.




4,5 von 5 Lese-Echsen




Ähnliches FotoLuis Sellano ist das Pseudonym eines deutschen Autors. Auch wenn Stockfisch bislang nicht als seine Leibspeise gilt, liebt Sellano Pastéis de Nata (Anm. = portugiesische Vanilletörtchen) und den Vinho Verde umso mehr. Schon sein erster Besuch in Lissabon entfacht seine grosse Liebe für die Stadt am Tejo. Luis Sellano lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Regelmässig zieht es ihn auf die geliebte Iberische Halbinsel, um Land und Leute zu geniessen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen.