12. Juli 2018

Endre Lund Eriksen - Der Sommer, in dem alle druchdrehten... ausser mir

Image result for der sommer, in dem alle durchdrehtenAutor: Endre Lund Eriksen
Titel: Der Sommer, in dem alle durchdrehten... ausser mir


Verlag: Kosmos
ISBN: 978-3440149041
Erschienen: 2017
Seiten: 224 








Der ganz normale Wahnsinn des Lebens

Ich bin zurück auf dem Plumpsklo. Alleine. Hab mich hergeschlichen, nachdem Indiane zu sich nach Hause gegangen ist. Tut mir echt leid, aber ich muss das Gästebuch aus dem Verkehr ziehen. Papa ist erst seit ein paar Stunden schwul, und für den Fall, dass er es sich vielleicht doch noch anders überlegt, kann ich es unmöglich hier liegen lassen, wenn nicht die ganze Welt erfahren soll...

Der 13-jährige Arvid muss den Tatsachen ins Auge sehen: Diese Sommerferien werden sicher alles andere als cool. Spar-Camping-Urlaub mit Papa irgendwo in Norwegen steht auf dem Programm. Einzige Attraktion: das berühmteste Plumpsklo der Welt.

Doch dann kommen Indiane, ein liebeswütiger Hund und jede Menge durchgedrehte Erwachene ins Spiel. Besonders Arvids Vater benimmt sich plötzlich äusserst seltsam... Langeweile? Sieht definitiv anders aus!



Eigentlich fand ich ja nur den Titel lustig, aber auch der Inhalt konnte mich gut unterhalten. Eine schnelle, kuriose Lektüre, die ich in einem Tauschbücherregal aufgeschnappt habe und es auch dort wieder hinterlegen werde. Ein Jugendroman,  der mich auch als Erwachsene zum Schmunzeln gebracht hat.

Arvid ist gerade in seiner wichtige Phase: am Start der Pubertät, er muss cool sein, dabei sein, mit seinen Freunden Abenteuer erleben. Da passt es gar nicht, dass sich eine Eltern getrennt haben und er mit Papa jetzt ins Hinterland campen geht, wo wortwörtlich keine Sau lebt. Nur eben Indiane und ihr schwuler Vater, der anscheinend Arvids Vater ansteckt und auf so manch komische Idee bringt. Auch deren Hündin bringt Arvids Hund Waldo komplett aus dem Konzept und in so manch peinliche Situation.

Unterm Strich ist es eine sehr originelle Erzählung aus Sicht eines 13-Jährigen, der selbst als Softie abgestempelt, coole Abenteuer erlebt, eine Freundin findet, die er natürlich erst komplett doof findet und einen total langweiligen Sommer durchstehen muss, der eigentlich höchst abwechslungsreich ist. Erste Interessen an Mädchen, Verarbeitung von Elterntrennung, Gefühlschaos eines Pubertierenden, Zelten, Grillieren, Fischen... und das aus erster Hand, sozusagen als Tagebuch in kurzen bis längeren Kapiteln, anscheinend im Gästebuch des nördlichsten hinterletzten Plumpsklo in Norwegen. 

Der Schreibstil hat mich sofort eingenommen, weil es tatsächlich so klingt, als würde Arvid seinen Sommer erzählen. Jugendsprache, hallo! Seine Sicht auf Erwachsenendinge, über das Schwulsein, über Mädchen und über liebwütige Hunde sind natürlich kindgerecht und für erwachsene Leser ein müdel Lächeln wert, weil wir es mittlerweilen besser wissen. Doch auch sehr amüsant und meiner Meinung sehr authentisch geschildert.

Eine nette Sommerlektüre für Jugendliche über Jugendliche. Ein Sommer zum durchdrehen... oder eben doch nicht.




4 von 5 Lese-Echsen




Image result for endre lund eriksenEndre Lund Eriksen ist 1977 in Bodo, Norwegen, geboren. Sein erstes Buch schrieb er mit acht Jahren. Schriftsteller gehörte neben Detektiv und Minister zu seinen vorrangingen Berufswünschen. Bereits mit 14 veröffentlichte er eine Kurzgeschichte im Rahmen einer Anthologie für Jugendliche.

Er studierte Literatur- und Theaterwissenschaften sowie Geschichte und machte das Schreiben schliesslich wirklich zu seinem Beruf. Sein erster Roman Beste Freunde, kapiert! wurde in Norwegen mehrfach ausgezeichnet.



30. Juni 2018

Karine Lambert - Haus ohne Männer

Autorin: Karine Lambert
Titel: Haus ohne Männer


Verlag: Diana
ISBN: 978-3453359628
Erschienen: 2017
Seiten: 240 






Keine Männer ! Das ist die Regel.

Die Bewohnerinnen eines verwunschenen Hauses mitten in Paris haben der Liebe abgeschworen. Kater Jean-Pierre ist das einzige männliche Wesen, dem sie Zutritt zu ihrer Welt gestatten. Als die junge Juliette einzieht, stellt sie das Leben der unterschiedlichen Frauen auf die Probe. Denn sie hat die Liebe noch nicht aus ihrem Herzen verbannt...





Leichter lockerer Schreibstil, eine nette und neue Idee, ein Einblick in ein ganz besonderes Haus, ein Blick in 5 Leben unterschiedlicher Frauen, ihrer Geschichte, warum sie dort leben und wie sie damit umgehen. Unterhaltsam, aber kein ich-muss-sofort-wissen-wie-es-weitergeht-Pageturner.

Die Bewohnerinnen sind Giuseppa, eine rasante Italienerinnen, die es mit der Frauenstellung in ihrer traditionellen Familie mit ihrem Vater und Brüdern nicht immer leicht hatte. Juliette, die nur für einen gewissen Zeitrahmen ins Haus gezogen ist, in die Wohnung ihrer Freundin, die eigentlich dort wohnt, aber gerade in Indien weilt. Simone, die viel mehr Selbstvertrauen braucht und ihren besten Freund in der Friendzone sitzt. Rosalie, eine teetrinkende Yoga-Hippie-Tante, die einen grossen Funken Esoterik ins Haus bringt. Und natürlich die sogenannte Königin des Hauses, die Hausbesitzerin, die im Dachgeschoss wohnt zwischen ihrem Bambus und vergangenen Ruhm und Lobgesängen. Eine ehemalige Primaballerina, die mit dem Alter an Grazie verliert und immer von vielen Männern umschwärmt wurde, dann in hohem Alter trotzdem allein blieb. Wie was wo und genau überhaupt, müsst ihr selber lesen.

Die ganze Geschichte plätschert entspannt vor sich hin. Erst lernt man mehr über jede Persönlichkeit kennen, ein bunter Mix an verschiedenen Kulturen und diversen Gründen, warum sie den Männern entsagen... oder eben doch nicht ganz. Der Hintergrund der Königin, wieso sie das Haus ohne Männer erschuff. Und natürlich Klatsch aus der Nachbarschaft, schliesslich spricht sich das herum und jeder kennt das Haus mit den speziellen strengen Regeln. Ein ganzes Haus ohne Männer - und das ausgerechnet noch in Paris, der sogenannten Stadt der Liebe?!

Wie gesagt, nach Schreibstil und Verlauf der Geschichte ist es eine sehr nette und unterhaltsame Sommerlektüre. Etwas für zwischendurch. Etwas Neues mit spritziger Idee, allerdings kein Pageturner. Nach Spannung muss man lange suchen. Doch die Grundidee, die übrigens auf einem wahren Treffen der Autorin mit einer Frau basiert, die den Männern entsagt, ist originell und regt Gedanken an. Funktioniert ein Leben ohne Männer? Ergibt das Sinn? Macht das noch Spass? Klar, jeder kennt einen Mann oder Jungen, von dem wir mal eine Pause brauchen oder uns einfach nicht verstehen wollen. Ex-Freunde, die keine Freunde mehr sind. Kollegen, die man nicht leiden kann. Aber ganz ehrlich, das hab ich auch unter den Frauen. Ex-Freundinnen, Koleginnen... unabhängig des Geschlechts. Deswegen die andere Hälfte der Menschheit generell auszuschliessen, ist da doch eine sehr radikale Massnahme. Das war auch, was mich am Klappentext am meisten angesprochen hat.

Unterm Strich war es unterhaltsam, anregend und vor allem gefühlvoll. Liebe ist ein grosses Wort mit vielen Interpretationen. Dieses Buch zeigt eine Handvoll verschiedener Liebessituationen, Miseren und Glücksfälle, neue und alte Liebe, Liebe zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen Tier und Mensch und vor allem unter Freundinnen. 




3.5 von 5 Lese-Echsen



Karine Lambert ist Fotografin und Schriftstellerin. Nach längeren Aufenthalten in verschiedenen Ländern lebt sie heute wieder in ihrer Geburtsstadt Brüssel. Für das Haus ohne Männer, ein Bestseller in Frankreich, erhielt sie 2014 den Prix Saga Café für das beste belgische Debüt.



16. Juni 2018

Robert McCammon - Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band II

Autor: Robert McCammon
Titel: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band II


Verlag: LUZIFER
ISBN: 9783958352315
Erschienen: 2017
Seiten: 500



Geht eine Hexe in Carolina um? Das zumindest glauben die Bewohner der kleinen Stadt Fount Royal. Ihr Name ist Rachel Howarth, eine Fremde - wunderschön und mutig. Kein Wunder, dass sie von manchen Einwohnern gehasst wird und den meisten zumindest suspekt vorkommt.

Der fahrende Friedensrichter Isaac Woodward und sein scharfsinniger Gerichtsdiener Matthew Corbett sollen ihr den Hexenprozess machen. Die Beweise sind erdrückend: In ihrem Haus finden sich okkulte Hinweise, sie weigert sich, die Worte des Herrn zu sprechen, und Zeugen berichten von unaussprechlichen Dingen, die sie mit dem Leibhaftigen selbst begangen haben soll.

Aber Matthew zweifelt an den Anschuldigungen. Gibt es so etwas wie Hexerei wirklich? Und wenn Rachel tatsächlich wie ein Dämon durch die Nacht fliegen kann, wieso hat sie sich dann nicht längst selbst aus dem Gefängnis befreit?

In Fount Royal gehen noch weitaus rätselhaftere Dinge vor. Wer ermordete Rachels Ehemann? Wer wäre imstande, eine ganze Stadt zu paralysieren? Und wer würde davon profitieren, wenn die Hexe verbrannt würde?

Es tobt tatsächlich ein Kampf zwischen Gott und Teufel, zwischen Gut und Böse in dieser Stadt, und selbst die Unschuldigen sind nicht länger sicher. Schon bald muss sich Matthew Corbett mit Herz und Hirn dem wahrhaftigen Bösen stellen, das in Fount Royal umgeht...


Endlich geht es weiter mit der Geschichte. Nach einem der brutalsten Cliffhanger, auf die ich je traf, wurde der Hexe endlich der Prozess gemacht und ich lag mit meiner Vorahnung richtig. Das Buch kam jedoch mit neuen Überraschungen um die Ecke und steht dem ersten Band betreffend Spannung, düsterer Stimmung und böswilligen Menschen in nichts nach.

Der Schreibstil war diesmal etwas freundlicher. Ich weiss nicht, ob es daran lag, dass ich mich schon an den Schreibstil und die altertümliche Wortwahl des ersten Bandes gewohnt war oder ob der zweite Band tatsächlich etwas leichter geschrieben war. Auf jeden Fall blättert man nur so durch das Buch, Seite um Seite, ohne sich gross daran zu stören. Natürlich sind einige Reden, egal ob schmutziger Gossenbürger oder der Stadtbürgermeister Bidwell, sehr alt und primitiv, teils mit schmutzigen Worten und gefüllt mit religiösen Beschimpfungen. Doch genau darum geht es ja und gibt der Stimmung seine Authentizität. In einer im Sumpf erbauten Stadt um das Jahr 17OO, in Angst und Schrecken versetzt wegen einer Hexe, da muss der Teufel höchstpersönlich im Spiel sein. Denken zumindest die meisten.

Schon nach dem ersten Band dachte ich jedoch, was Gerüchte und schwatzende, verängstige Völker einer Einzelperson antun können. Ohne spoilern zu wollen, war es wohl klar, dass Rachel mehr Opfer als Teufel ist. Es gehen jedoch mehr als ein Mörder in der Stadt umher. Verschiedene Interessen lassen verschiedene Personen sehr dunkle Handlungen vollbringen. Von einfachem Diebstahl bis zu blutigen Morden ist alles dabei. Wegen Geld und Reichtum, Eifersucht, Angst, späte Rache... auch die Motive sind vielfältig. Matthew deckt zuletzt alles auf, bleibt aber selbst fast auf der Strecke, wortwörtlich und im übertragenen Sinne. Doch generell kann ich sagen: der zweite Band schnürrt sich um die Kehle der Teufelsbrut. Es sterben weitere Personen und die Beschreibungen der Taten und Leichen empfand ich im Vergleich zum ersten Band noch schrecklicher, blutiger und düsterer. Wer also eine zarte Haut hat, ist somit vorgewarnt. 

Band zwei ist grossartig und genauso dicht wie der erste Teil. Die Atmosphäre, die Handlungen, Beschreibungen, weitere Figuren und ihre Hintergrundgeschichten. Das Netz von Details ist unglaublich und musste den Autor ein intensives Mindmapping verlangt haben. Obwohl es möglicherweise kleine Lücken gibt, wird alles im Grossen und Ganzen aufgelöst. Es bleiben somit keine Rätsel oder Fragen offen, nachdem sie im Verlauf der Geschichte angefangen werden, um Verwirrung zu schaffen - etwas, das ich nicht besonders mag. Natürlich wird der Leser trotzdem auf so einige Holzpfade geschickt.

Eine spannende Hexenjagd wird zum atemanhaltenden Krimi, so düster wie Teufels Seele, so hungrig wie ein Bär nach dem Winterschlaf, so mitreissend wie ein Fluss direkt vor dem Wasserfall. Auf jeden Fall empfehlenswert und sicherlich eine der besten Lektüren für Halloween!





5 von 5 Lese-Echsen





Bildergebnis für robert mccammonRobert McCammon ist der Autor der New York Times Bestseller Boy's Life und Gone South, sowie zahlreicher anderer von Kritikern hochgelobter Romane. Mehrere Millionen Exemplare seiner Bücher befinden sich im Umlauf. Robert McCammon ist für sein Lebenswerk mit dem Brak Stoker Lifetime Achievement Award ausgezeichnet worden und hat ausserdem den Grand Master Award der World Horror Convention und den World Fantasy Award erhalten.

Er lebt in Alabama, wo er 1952 auch geboren wurde.










9. Juni 2018

Katja Maybach - Die Stunde unserer Mütter

Image result for stunde unserer mütterAutorin: Katja Maybach
Titel: Die Stunde unserer Mütter


Verlag: Droemer
ISBN: 978-3426516072
Erschienen: 2017
Seiten: 320 




Deutschland 194O:


Maria und Vivien könnten unterschiedlicher nicht sein. Maria zweifelt mittlerweile an ihrer Ehe mit Werner, ihre britische Schwägerin Vivien schmerzt hingegen jede Minute der erzwungenen Trennung von ihrem Mann Philip, der sein Leben riskiert, indem er Juden bei sich versteckt. Während Maria bei jedem Feldpostbrief Werners mit sich ringt, ein paar liebevolle Worte zu schreiben, wartet Vivien nur darauf, zu Phili zurückkehren zu können. Doch je schmerzhafter die täglichen Einschränkungen und je grösser die Gefahren von Denunziation und Anfeindungen werden, desto enger rücken Maria und Vivien zusammen.




Ein trauriges Stück Geschichte aus der Sicht zweier Hausfrauen und ihren Töchtern. Ein Alltag, heute so fremd, doch damals die tägliche bittere Pille. Das Warten und Bangen, das scheinbar normale Leben weiterführen zu wollen und doch ständig mit den Begleiterscheinungen und Konsequenzen des Krieges konfrontiert zu sein.

Katja Maybach orientierte sich für diesen Roman an echten Feldpostbriefen ihres Vaters und dessen privaten Tagebuch. Obwohl die Autorin diese Zeit selbst nicht miterlebt hat, werden Erinnerungen vieler ihrer Familienangehörigen wieder lebendig, wobei sich die Autorin an den gleichen Jahren orientiert: Im Zeitrahmen von 194O bis 1943 etwa. Die Beschreibungen malen ein graues Bild von Lebensmittelmarken, verlassenen Häusern, harte Ausgehregeln, fiese Beleidigungen und der Dunst ständiger Angst, nur verschleiert durch die zum Alltag gewordenen Tränen. Jeder ist vorsichtig, jeder hat Opfer zu betrauern, jeder muss Abstriche machen, jeder geht seiner Sache nach und bleibt ansonsten Daheim. Fürsprecher von Hitler werden zu den grössten Feinden von solchen, die Juden und anderen Nicht-Deutschen helfen. So wiegen sich auch Maria und Vivien in Gefahr, denn obwohl Vivien in Deutschland verheiratet ist und ihre Tochter in demselben Land geboren, bleibt sie doch Ausländerin. Was ihre Tochter durch Unvorsicht auch schwer zu spüren bekommt. Doch auch Maria hat ihr Päckchen zu tragen; eine Ehe, in der sie sich erst noch verlieben muss und Gefühle, die besonders zu Kriegzeiten, schwierig sind zu entwickeln und sich sicher zu sein. Der Zweifel nagt an ihr, doch es gibt Wichtigeres, das bald die Prioritätenliste übernimmt.

Auf dem Klappentext überhaupt nicht erwähnt, aber genauso eine Hauptrolle besitzend wie ihre Mütter, sind die Töchter Anna und Antonia. Schnell sind sie mir ans Herz gewachsen, obwohl mir erst Anna viel sympathischer war als Antonia, doch der Leser erfährt später in der Geschichte mehr über ihre Beweggründe. Auch die Hintergründe der Ehen, von den Männern, lernt man mehr während der Lektüre und beide Geschichten entwickeln sich nicht so, wie ich es erwartet habe, jedoch sehr authentisch, sofern ich das überhaupt beurteilen kann. Gerne hätte ich mehr über Philip erfahren, seine Sicht auch den Krieg, die Ereignisse in seinem Haus, nachdem er seine Frau Vivien zur Schwägerin aufs Land schickt zum Schutz. Gerne hätte ich mehr über die Geschichten der Juden erfahren, denen er geholfen hat. Doch das bleibt nur Kulisse, denn in diesem Roman dreht sich alles um die Frauen.

Trotz vieler sehr trauriger Kapitel, gibt es auch fröhliche Passagen, witzige Gespräche und viele mutmachende Ereignisse. Genauso viele vielleicht, wie es traurige und wütende Szenen gibt. Auch wenn der Roman Fiktion ist, kann man sich sehr gut vorstellen, wie es damals, in den wirklichen Kriegsjahren war. Die Beschreibungen sind mitreissend, der Schreibstil gefühlvoll, die Figuren sehr lebendig. Am Ende hatte ich sogar Tränen in den Augen, vor Trauer und vor Freude, genauso wie ein gutes Buch sein sollte. 



4,5 von 5 Lese-Echsen




Katja Maybach lebte viele Jahr in Paris als Model und Designerin. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Zeitschriften, darunter die italienische Vogue, veröffentlicht. Nach einer schweren Krankheit begann sie erfolgreich, Romane zu schreiben. Heute lebt sie wieder in München, wo sie aufwuchs, und hat zwei erwachsene Kinder. 


31. Mai 2018

Carrie Vaughn - die Banner von Haven

Autorin: Carrie Vaughn
Titel: die Banner von Haven


Verlag: Arctis
ISBN: 9783038801085
Erschienen: 2018
Seiten: 320 




Eine Küstenregion in nicht allzu ferner Zukunft: Nach einer Reihe von apokalyptischen Stürmen ist auf den Ruinen eine neue Zivilisation entstanden. Die Menschen, nun in kleinen Gemeinschaften organisiert, erhalten symbolische Banner, mit denen sie sich das Privileg verdienen können, Nachwuchs zu haben. Enid ist eine junge Ermittlerin, die Zuwiderhandlungen gegen die herrschenden Regeln aufdeckt. Eines Tages soll sie in einem rätselhaften Todesfall ermitteln. In der Gesellschaft, deren strenge Regeln eine Folge der früheren Katastrophen sind, zeigen sich alsbald Risse, und Enid muss sich selbst fragen, für was sie wirklich stehen will.




Eine neue Welt, entstanden nach dem teilweisen Untergang der heutigen Welt. Ein neues Konzept zur kontrollierten Geburtenrate. Ein Krimifall und eine Liebesgeschichte. Die Erzählung hat viele unterschiedliche Gesichter zu bieten, doch nicht alle haben mir gefallen.

Zuerst, der Schreibstil hat mir einigermassen gefallen. Es war leicht zu lesen, floss natürlich und besonders die direkte Reden konnten mich unterhalten. Die Beschreibungen waren zwar nicht die ausgezeichnetsten und fantasievollsten, die ich jemals las, aber auch sehr anschaulich. Fantasievoll war vor allem die Idee zur neuen Welt. Und da beginnt auch schon das Problem...

Manchmal versuche ich neue Genres. Manchmal gefallen sie mir, manchmal weniger. Grundsätzlich war ich mit diesem Buch sehr zufrieden, dennoch hatte ich meine Zweifel bezüglich des ganzen Zukunftsding. Erstens der Titel: Obwohl die Banner - egal ob von Haven oder in anderen Ortschaften - oft genannt werden und sie ein anzustrebendes Ziel für praktisch alle  sind, so geht es in erster Linie um zwei andere Geschichten; den Mordfall und die Liebesgeschichte von Enid und Dak, einem musizierenden Wanderer. Die Geschichte wir somit auch in zwei Zeitabschnitten erzählt. Einmal im Heute, der Mordfall, und dann in der Vergangenheit, Enid und Daks Geschichte. Und natürlich hängen diese Geschichten zusammen am Schluss, doch ich will nichts vorweg nehmen.

Die neue Welt war sehr authentisch, was die Beschreibungen der Landschaft angeht. Beton- und Stahltrümmer, Wüsten, primitive Häuser und Bauernhöfe, die man wieder aufgebaut hat als wäre man nach der Apokalypse zurück ins Mittelalter oder noch früher katapultiert worden. Die Leute leben wieder von Agrarkultur und Fischerei hauptsächlich. Einige Maschinen und Gegenstände haben von der Vorzeit überlebt. Die Autorin nennt als Vorzeit die Zeit vor den apokalyptischen Stürmen, also dem Jetzt und Heute des Lesers. Obwohl die Idee grundsätzlich sehr interessant ist, fand ich die Auswahl der Gegenstände sehr arbiträr. Eine Bohrmaschine, ok. Nutzlose Computer, ok. Aber Implantante zur Verhütung und Impfstoffe, obwohl die dazugehörigen Forscher ausgestorben sind und nur wenige Ärzte das Wissen weitertragen? Wie kommt es, dass es für alle Mädchen, die 18 Jahre alt werden, obligatorisch wird, sich ein Verhütungs-Implantant in den Arm stechen zu lassen, bis sie sich ein Banner verdienen und somit schwanger werden dürfen - jedoch andere einfache medizinische Stoffe, die Verhütungspille, das Kondom...alles ausgelöscht wurde? Ich meine, wir sprechen von apokalyptischen Stürmen, da kann schon was kaputt gehen. Aber mir scheint es, als hätte die Autorin einfach einen Grund erfunden, alles zu limitieren, was sie will und am Leben erhält, was für ihre Geschichte funktioniert. Leider grosser Minuspunkt.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Enid und Dak fand ich etwas schade. Der Aufbau, ihre Abenteuer zusammen und die Entwicklung der Beziehung empfand ich als authentisch, wenn auch naiv, aber gefühlvoll und mitreissend erzählt. Nur das Ende war enttäuschend und irgendwie platt. Der Mordfall war wohl das spannenste an der ganzen Erzählung. Ein Mysterium, ein Rätsel für Enid und den Leser und es passieren unterschiedliche Kleinigkeiten, die die Aufklärung erschweren.

Das Buch konnte mich unterm Strich gut unterhalten. Es gibt jedoch ziemlich Abzüge für die Zukunftswelt, die ich wenig durchdacht und eher willkürlich empfand und den Mix an Genres, die für sich alleine funktionieren, aber zusammengewürfelt an Effekt verlieren. Pluspunkte hingegen für die Figuren, die Beschreibungen und Gespräche.





3,5 von 5 Lese-Echsen



Carrie Vaughn wurde am 28. Januar 1973 in Sacramento, Kalifornien, geboren. 

Image result for carrie vaughnIn ihrer Kindheit zog sie mehrfach um, da ihr Vater Pilot bei der US-Air Force war. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie Englische Literatur in Los Angeles, York, England, und Boulder, Colorado. Danach arbeitete sie im Theater, bis sie sich ganz dem Schreiben widmete. Durch ihre Fantasy-Reihe rund um die Werwölfin Kitty Norville wurde sie bekannt. Sie lebt heute in Boulder.