22. Mai 2017

Literarische Papier-Rosen selbstgemacht

Ihr wollt ein Geschenk hübsch herrichten, einen besonderen mal etwas anderen Blumenstrauss einer Buchliebhaber-Freundin überreichen, euer Instragram literarisch-fantastisch aufbessern - dann aufgepasst mit diesem Hingucker:

Papier-Rosen aus kopierten Buchseiten

das literarische einfache DIY für diesen Monat.

Ähnliches Foto



Die folgende Beschreibung habe ich via Pinterest auf dem Blog 100layercake.com gefunden, die Fotos sind demnach auch nicht meine. Aber die Anleitung und Bilder waren so schön, dass ich es unnötig fand, es nochmal selbst zu wiederholen.

Schritt 1: Rosenblätter ausschneiden
Ihr braucht mindestens 4-5 verschiedene Grössen. Schneidet sie möglichst ohne Schablone, so wird jedes Rosenblatt einzigartig, wie in der Natur eben. Um keine echten Buchseiten zu zerschneiden, könnt ihr natürlich eine Doppelseite eures Lieblingsbuches kopieren und dieses Papier verwenden.

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Schritt 2: Rosenblätter formen
Um einen möglichst natürlichen Look zu kreieren, biegt die abgerundeten Ecken nach hinten (was später nach unten sein wird). Gebt den Blättern Form, indem ihr sie beispielsweise um einen Stift wickelt, oder auch ein Zahnstocher oder Streichholz können zur Hilfe genommen werden. Auch hier gilt: Umso unregelmässiger, umso natürlicher und einzigartiger wird das Resultat.

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Schritt 3: Das Herz der Rose
Für die Mitte schneidet ihr ein weiteres Rosenblatt aus eurem "literarischen Papier" und rollt es um ein Stück Draht oder auch einen Zahnstocher. Dort klebt ihr es an und befestigt somit den Stil in der Mitte der späteren Rose.

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Schritt 4: Rosenblätter ankleben
Klebt nun die verschiedenen Rosenblätter drumherum an. Gibt etwas Leim an die untere Innenseite jedes Rosenblattes und fügt es der Mitte hinzu. Einmal rundherum über mehrere Lagen, sodass die Rose wächst und an Volumen gewinnt.

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Schritt 5: Schöner Abschluss
Nach der ganzen Kleberei könnte eure untere Ansicht der Rose mehr oder weniger hübsch sein. Um dies elegant zu überdecken, reicht ein wenig hübsches Band, wahlweise weiss oder beige im Stile der literarischen Rose - oder grün, um an echte grüne Blätter zu erinnern. Überklebt damit die untere Seite der Rosenblätter um den Stil und gebt der Rose damit auch Halt.

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FERTIG !
Ob als einzelne Rose oder als ganzer Bund - diese Papierblumen sind sicherlich der Hingucker!

diy paper flowers




8. Mai 2017

Martha Grimes - Das Mädchen ohne Namen



Autorin: Martha Grimes
Titel: Das Mädchen ohne Namen


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-46492-0
Erschienen: 2001
Seiten: 416





Als die 17-jährige Andi in einer Pension irgendwo in New Mexico erwacht, ist sie entsetzt. Denn sie kann sich an nichts mehr erinnern: die letzte Nacht, ihre Herkunft, ihr Name, alles scheint wie ausgelöscht. Angst macht ihr auch die Auskunft der redseligen Wirtin, sie sei am Abend zuvor mit ihrem "Daddy" angereist. Instinktiv spürt Andi, dass von diesem Mann, der behauptet ihr Vater zu sein, höchste Gefahr ausgeht. Andy ergreift die Flucht. Doch nach einer Weile fasst sie gemeinsam mit ihrer neuen Freundin Mary einen mutigen Entschluss: Sie vertauscht die Rollen und wird selbst zur Jägerin...


Eine Road-Geschichte, die viel Spannung, ein Geheimnnis und Abenteuer verspricht. Abenteuer waren es viele, ein Geheimnis auch, aber die Spannung war meist tot. Und aus weiteren Gründen, die ich folgend gleich erklären möchte, war dies leider mein Jahresflopp 2017.

Der Schreibstil an sich kann ich nicht bemängeln, denn er liest sich ziemlich leicht und fliessend. Er glänzt nicht von literarischer Brillianz, doch die Autorin bedient sich einiger sehr schöner Metaphern, was mir bei Beschreibungen besonders gefällt. Das Cover möchte ich nicht bewerten. Nur soviel: Ich habe es für die Buchchallenge 2017 von Mandy gelesen, bei der ich dabei bin, und dort werde ich das Buch für den Punkt "hässlichstes Cover" abbuchen, sorry. Was die Schatten zweier Plastikgartenstühlen überhaupt bedeutet soll, bleibt mir schleierhaft.

Zur Geschichte: Andi trifft Mary in einer Apotheke, in der Nacht. Diese erste Begegnung fand ich sehr gelungen und bis dahin gefiel mir der Roman auch sehr gut. Auch als die beiden auf die Suche dieses Mannes ohne Gesicht und Namen gehen, kam das Abenteuer langsam ins Rollen. In wenigen Kapiteln wird man manchmal in die Vergangenheit geführt und erfährt mehr über die Suche von Andi nach ihrer Herkunft, jedoch nie weiter zurück als die Pension, denn sie erinnert sich scheinbar nicht nur an jene Nacht nicht mehr, sondern auch an ihr komplettes Leben davor nicht. Diese wagemutige und etwas unwirkliche Reise mit unbenannten Ziel führt sie an verschiedene Orte mit verschiedensten Erlebnisses. Was mir am Ende des Buches in Erinnerung bleibt: Es sind alles Abenteuer, bei denen Andi und Mary etwas Böses wieder gut herrichten oder zumindest helfen wollen. Kojoten aus Schnappfallen retten, verhungernde Hunde vor schlechten Besitzern und illegalen Hundekämpfen retten, einen korrupten Tierarzt verklagen, einem dubiosen Geschäftsbesitzer das Handwerk legen, eine illegale Wildkatzenfarm schliessen lassen, Kinderpornografie in einem Fall unterbinden... die Liste scheint ein Wirrwarr aus Themen, die die Autorin wohl nicht mag und Aufmerksamkeit darauf richten möchte. Dies an sich finde ich ja löblich, nur der Geschichte hilft es überhaupt nicht, weil es Andi nicht weiterbringt. Die meisten Abenteuer sind Etappen auf einer Reise, die auch ganz komisch endet und mich mit Fragen zurück lässt. Als wäre der Autorin nach vielen Stunden schreiben einfach kein tolles Ende eingefallen, aber all die unschönen Themen wurden ins Reine geschrieben. 

Dieses scheinbar kaum zusammenhängende Chaos aus unliebsamen Themen verdarb mir die Lektüre. Andi scheint nur auf Ärger aus und nicht nach ihrer Herkunft. Meist machten ihre Aktionen und Reaktionen wenig Sinn für mich. Mit Mary hingegen konnte ich mich schon eher identifizieren und mitfühlen. Allerdings soll diese 14-jährig sein, die sich aber als 16-jährige ausgibt, die schon Auto fahren kann und ziemlich erwachsen tut. Viel zu erwachsen und überlegt, als dass es authentisch wirkt. Das gleiche gilt für Andi. Nebenfiguren waren mir durch die Bank durch nicht sehr sympathisch, bis auf eine Person. Dies ist allerdings auch nicht besonders verwunderlich, wenn man den Haufen krimineller Saufburschen in dem Buch, eine ungewaschene Familie und ein paar stereotyp-gezeichnete Frauen auf die Liste setzt. 

Der Roman hätte grundsätzlich Potential, ab und zu Spannungsmomente und durchaus einen brauchbaren Plot. Doch die Autorin hat sich hier irgendwie verschrieben, unfokussiert, ungewollt und am Ende bleibt das grosse Geheimnis nur teilweise gelüftet, was mich erst recht unzufrieden zurück liess. 

Ein guter Drittel des Buches geht es übrigens auch um Wildwasser-Rafting. Wer also daran Interesse hat, zwei Mädels auf Problem-Suche und eine nicht sehr authentische, aber abwechslungsreiche Roadgeschichte... der ist hier sicherlich gut bedient. Mich hat es in eine 1-monatige Leseflaute gestürzt.



0.5 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für martha grimesMartha Grimes wurde in Pittsburgh geboren und studierte an der University of Maryland. Sie unterrichtete lange Zeit kreatives Schreiben an der Johns-Hopkins-University und lebt heute abwechselnd in Washington, D.C. und in Santa Fe, New Mexico. 







10. April 2017

DIY - Lesezeichen falten

So schnell geht ein Monat rum und dank meiner kleinen Leseflaute, kam auch meine Bastellaune nicht so richtig in Schwung. Bis ich diese Lesezeichen fand! Ganz schnell, ganz simpel, einfach falten. Und mit etwas Fantasie gibt es soooo viele Möglichkeiten. Heute zeige ich euch die Grundanleitung, wie ich ein einfaches Ecklesezeichen faltet und 3 Möglichkeiten, wie ihr sie danach gestalten könnt.

Ein Minion, Harry Potter und ein Hase:



Diese Lesezeichen habt ihr in wenigen Minuten gefaltet, falls ihr sie einfach nur weiss lassen wollt. Mit ein paar Minuten mehr und etwas Fantasie, Buntstiften, Kleber und Schere ist eurer Bastellaune kaum eine Grenze gesetzt.

Was braucht ihr dazu?

- Papier (Quadrate)
- Buntstifte
- Kleber
- Schere

Wie wird gefaltet?

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1 Halbiert das Quadrat, indem ihr Spitze auf Spitze legt.

2 Faltet die eine Spitze nach unten, in die Mitte der langen unteren Seite.

3 Nun faltet die Ecke zur oberen Spitze.

4 Wiederholt dies mit der anderen Ecke, hinauf zur oberen Spitze. Nun habt ihr wieder ein Quadrat.

5 Faltet die letzten beiden Schritte wieder zurück bzw. legt die Falten wieder auseinander. Nun faltet ihr die Ecke in die untere Mitte wie auf dem Bild gezeigt.

6 Faltet auch die andere Ecke in die untere Mitte. Nun sieht es aus wie ein Briefschlag. 

Somit habt ihr alle Falten, die ihr benötigt. Trotzdem scheint es noch kein Lesezeichen?

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1 Faltet die Ecken wieder auseinander.

2 Nutzt die Knickstellen, die wir durch das vorherige Falten erhalten haben, und legt die Ecke nach oben, wobei ihr dessen Eckspitze zwischen die Papierseiten schiebt, sozusagen in die gebildete "Tasche".

3 Wiederholt diesen Vorgang mit der anderen Ecke. Geschafft! Dies ist nur der Grundkörper des Lesezeichens!

4 Gestaltet das Lesezeichen nach Wunsch. Zeichnet zum Beispiel ein Gesicht darauf.

5 Im Falle des Hasens (oder anderen Tieren) schneidet Ohren, Zungen (oder auch Pfoten, Schwanz, Zähne, Nasen oder Ähnliches) aus und klebt sie an.

6 Fertig ist das Lesezeichen!

Falls euch meine Beschreibungen zu den Bildern zu kryptisch sind, hilft euch das folgende Video, das auch mir zur Anleitung und Inspiration diente:

PS: Wer sich für den Minion interessiert, wird ebenfalls im Video fündig ;)


Auf Youtube findet ihr mehrere Anleitungen und vielerlei Ideen für die Gestaltung der Lesezeichen. Tobt euch aus! In meiner Bastelstunde habe ich neben dem Minion und dem Hasen ausserdem ein Harry-Potter-Kopf für meine HP-Bücher gestaltet - schlicht und einfach schwarz-weiss, aber wie ich finde mit tollem Effekt.

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Mir persönlich gefallen aber auch die Monster mit den Zähnen sehr gut!

Wie verschönert ihr eure Bücher? Lasst es mich in den Kommentaren wissen - gerne auch mit Foto!


30. März 2017

Lisa O'Donnell - Bienensterben



Autorin: Lisa O'Donnell
Titel: Bienensterben


Verlag: DuMont
ISBN: 978-3-832-19728-5
Erschienen: 2013
Seiten: 320


Heiligabend in Glasgow: Die fünfzehnjährige Marnie und ihre kleine Schwester Nelly haben gerade ihre toten Eltern im Garten vergraben. Niemand sonst weiss, dass sie da liegen und wie sie dahin gekommen sind. Und die Geschwister werden es niemandem sagen. Irgendwie müssen sie jetzt allein über die Runden kommen, doch allzu viel Geld verdient Marnie als Gelegenheits-Dealerin ncht. So ist es ihnen ganz recht, als ihr alter Nachbar Lennie, stadtbekannter (vermeintlicher) Perversling, sich plötzlich für sie interessiert. Lennie merkt bald, dass die Mädchen seine Hilfe brauchen. Er nimmt sich ihrer an und gibt ihnen so etwas wie ein Zuhause. Als die Leute jedoch beginnen, Fragen zu stellen, zeigen sich erste Risse in Marnies und Nellys Lügengebäude, und es kommen erschütternde Details aus ihrem Familienleben zum Vorschein, was ihre Lage nur noch komplizierter macht.



Ein düsteres Buch mit spannendem, aber traurigem Klappentext. Und genau dieses Schema zieht sich auch durch den ganzen Roman: düster und traurig, obwohl es durchaus auch witzige Passagen gibt. Die Geschichte regt zum Nachdenken und jeder Leser ist sich am Schluss zumindest in einem sicher: Das Leben bzw. die Kindheit von Marnie und Nelly ist alles andere als begehrenswert.

Die Kapitel sind äusserst kurz, manchmal nur eine einzige Seite, und werden abwechselnd aus der Sicht von Marnie, Nelly oder Lennie beschrieben. Dies ist zum einen interessant, um einen neuen Blick auf die gleiche Situation von allen Beteiligten zu bekommen, da die Persönlichkeiten alle eine sehr eigene und kuriose Hintergrundgeschichte besitzen. Auf lange Zeit wird dieser Sichtwechsel jedoch anstrengend. Die Kapitel scheinen mir zu kurz, und jede Situation aus 3 verschiedenen Sichten wird dann doch zu repetitive. Was mich anfangs noch sehr interessierte, langweilte mich irgendwann und hinderte mich leider auch daran, richtig in die Geschichte abzutauchen, da ich ja immer zwischen 3 Persönlichkeiten hin und her wechselte. Ausserdem waren mir diese Personen nicht alle sympathisch und identifizieren konnte ich mich (glücklicherweise in diesem Falle) auch nicht wirklich.

Marnies Schreibstil sticht sofort ins Auge beziehungsweise differenziert sich sehr stark von den anderen. Sehr direkt, ungehobelt, mit Fluchwörtern und absolut modern und jugendlich (oder wer sagt heute noch "die hat sich zum Obst gemacht?"). Nelly, ihre Schwester, hingegen ist das absolute Gegenteil, benutzt teilweise sogar eher alte Ausdrücke, die wohl nicht mal ihre Eltern benutzt haben dürften. Und genau dies störte mich durch das ganze Buch. Dass die eine Schwester brüsker ist, ungehobelter und aggressiver, im Gegensatz zur anderen Schwester, die lieb, leise, artig und gebildet ist... das ist ja schön und gut. Nur waren die Eltern von Marnie und Nelly zwei drogensüchtige Nichtsnutze, was mehrmals betont wurde. Woher konnte also Nelly diese gehobelte Art auflesen? Wie hat sie diese perfekte Manier von einem violinspielendem blonden Engel gelernt? So ganz ohne Familie und Freunde und auf der gleichen Schule wie Marnie? Fand ich zu überspitzt und deswegen kaum authentisch.

Weiter Figuren, die im Verlauf der Geschichte auftauchen, waren mir auch selten sympathisch, aber zumindest nachvollziehbar. Mit dem ein oder anderen konnte ich mitfühlen oder seine Reaktionen begreifen. Andere waren mir ehrlich zuwider. Allerdings sind die Kreise, in denen die Schwester (zwangsläufig) verkehren, auch nicht mein bevorzugter Kontext. Die schreckliche Spirale von Unheil, in dessen Sog sich Marnie als Gelegenheits-Dealerin versucht, um etwas Brot nach Hause zu bringen und Nelly zu beschützen, geht ihre Jugend komplett den Bach herunter. Am interessantesten fand ich dabei ihre besten Freundinnen, obwohl von einigen Klischees überschattet: eine "Schläger-Lesbe" und ein Ghetto-Prinzesschen. Aber nun gut. Vielleicht mochte ich den Hund von Lennie doch am liebsten.

Was mir besonders gefallen hat, war das Cover. Mir fiel es sofort ins Auge und auch heute noch finde ich die einfache, aber doch aussagekräftige Umsetzung sehr gelungen. Es zeigt Lennie und die Schwestern mit einigen ausschlaggebenden Details zu den Personen, schlicht und schön, was im krassen Gegensatz zur Geschichte und ihrem Leben steht. Doch schlussendlich und ohne spoilern zu wollen, werden sie Besserung finden. Ein Schritt in die richtige Richtung. Kein Happy End im klassischen Sinne, aber doch irgendwie gut, was man ihnen wirklich von Herzen wünscht. Auch wenn ich mit dem Roman nicht ganz warm geworden bin, bot er mir eine reichhaltige Abwechslung, die ich sehr empfehlen kann.


3 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für lisa o'donnell
Lisa O'Donnell ist eine amerikanische Autorin. Für ihr Drehbuch "The Wedding Gift" wurde sei mit dem Orange Screenwriting Pirze ausgezeichnet. Mit "Bienensterben" hat sie sich, nach dem Drehbuchschreiben, das erste Mal einem Roman zugewandt, der sogleich mit dem Commonwealth Book Prize bedacht wurde.




26. März 2017

Carina Herrmann - Meerblick statt Frühschicht

Autorin: Carina Herrmann
Titel: Meerblick statt Frühschicht


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-30838-0
Erschienen: 2016
Seiten: 256



Alleinreisen bedeutet Freiheit und Begegnung - vor allem mit sich selbst

Die faszinierenden Tempelanlagen von Angkor Wat, Schnorcheln auf Bali und ein Trip entlang Australiens legendärer Great Ocean Road: Dies sind nur drei der Highlights, die Carina Herrmann während ihrer gut einjährigen Reise durch Australien und Südostasien erlebte. Doch diese Traumreise ist auch ein Befreiungsschlag. Die junge Frau liess dafür ihren harten Alltag als Krankenschwester in einer Kinderkrebsstation hinter sich, verkaufte all ihren Besitz und machte sich allein auf in die Welt. In diesem Buch schreibt die erfolgreiche Reisebloggerin über Ängste, Sehnsüchte und Mut und nimmt ihre Leser dabei mit auf eine Reise um die Welt zu sich selbst.




Ein Aufruf, seinem Herzen zu folgen. Ein guter Rat, öfters auch sein Bauchgefühl zu hören. Und die Geschichte einer Frau, die trotz grossem Respekt vor dem eigenen Projekt, den Schritt gewagt hat und grossartig belohnt wurde: Mit Abenteuern, Erinnerungen, vielen neuen Freunden und einer neuen Zukunft. Oder zumindest einer anderen Zukunft als die, wenn sie in Deutschland Krankenschwester geblieben wäre.

Schon länger folge ich Carina Herrmann auf ihren beiden Blogseiten Pink Compass und um 180 Grad, wo sie über ihre Erlebnisse berichtet, Tipps verteilt und Frauen aufmuntert, ebenfalls den Mut zusammenzukratzen und sich endlich zu getrauen, den eigenen Traum in die Realität umzusetzen. Das bedeutet nicht in jedem Falle, dass nun jede junge Frau eine Weltreise startet soll, noch dazu allein. Es heisst auch nicht, dass nun all die femininen Rucksacktouristinnen mit einem Reiseblog ihr zukünftiges Brot verdienen sollen. Und es ist auch nicht gesagt, dass die Reisetipps ausschliesslich für Frauen sind, auch wenn wir weiblichen Reiselustigen im Fokus stehen und die Zielleserschaft sind, so finden sicherlich auch Männer Gefallen an Carinas Geschichten, profitieren von ihren Tipps zu bereisten Ländern und können sich in ihrem Schreibstil verlieren.

Carina schreibt von Du zu Du ganz flott daher, wodurch schnell der Eindruck entsteht, man sitzt mit ihr gemütlich in einem Café, nippt am Cappuccino und hört ihren lebhaften Erzählungen zu. Teilweise fühlt es sich sogar noch intimer an, als hätte man ihr Tagebuch gefunden und stöbert nun klammheimlich ein wenig darin. Ehrlich und offen, witzig und frisch weiss Carina von ihrem grossen Sprung ins Abenteuerland zu berichten, sodass man sofort Lust hat, selbst die Koffer zu packen. Was ich allerdings besonders mochte, waren die ehrliche Worte über ihre Gefühlswelt. In diesem Roman hat Carina nicht einfach ihre Reiseroute festgehalten, sondern vor allem auch ihre emotionale Reise. Wie sie sich dabei fühlte, so weit weg von zu Hause in einem neuen Alltag mit neuen Gesichtern, neuen Aufgaben und täglich neuen Eindrücken. Wie sie das alles verarbeitete, was sie an schlechteren Tagen runterzog und was sie wieder aufheiterte. Oft dachte ich, dass sie mir direkt von der Seele schrieb, denn ich konnte so viele ihrer Gefühle in diversen Situationen nachfühlen. Das alles macht sie mir nur noch sympathischer als sie sowieso schon ist auf ihren beiden Blogs. 

Ausserdem finden sich in der Mitte des Buches eine Reihe Fotos: Wundervolle Landschaftsbilder, ein wilder Koala und Carina mit einem Grinsen über beide Ohren. Einblicke ins persönliche Ferienalbum, die sie uns gewährt, was vielleicht nicht jeder tun würde. Anfangs des Buches befindet sich zudem eine Weltkarte, um ihre Route zu verfolgen. Diese Karte ist wohl mittlerweile um eine Routen reicher. 

Wenn ich den Roman zusammenfassen müsste, würde ich das wohl mit dem Untertitel, der sich auf dem Buchcover am unteren Rand versteckt, und mit ihren letzten Worten auf der letzten Seite. Denn diese wenigen Sätze könnten den Inhalt nicht besser widerspiegeln:

Warum ich losreisen musste, um bei mir selbst anzukommen.

Wenn ich nur eines aus den letzten Jahren gelernt habe, dann, dass es mehr Möglichkeiten, Chancen und Wege gibt, als wir uns vorstellen können. Man muss lediglich den Mut haben, sie zu ergreifen. 






5 von 5 Lese-Echsen


Ähnliches FotoCarina Herrmann, Jahrgang 1980, liess ihr altes Leben in Frankfurt hinter sich, reist seit fünf Jahren um die Welt und ermutigt in ihrem Blog andere Frauen, es ihr gleichzutun. "Pink Compass" ist Deutschlands beliebtester Blog für alleinreisende Frauen, die Autorin wird regelmässig als Expertin zum Thema interviewt.