24. Januar 2012

Ilija Trojanow & Susann Urban - "Fühlend sehe ich die Welt"

Autoren: Ilija Trojanow & Susann Urban
Titel: Fühlend sehe ich die Welt
(Die Aufzeichnungen des blinden Weltreisenden James Holman)

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-89029-757-6
Erschienen: 2010
Seiten: 331


Inhalt:

Um die Welt mit einem der mutigsten Reisenden aller Zeiten

Er hat auf eigene Faust und abenteuerlichen Wegen die Welt umrundet und wurde zum weitestgereisten Mann des 19. Jahrhunderst - und er war blind. Der Brite James Holman ist eine Ausnahmegestalt unter den historischen Entdeckungsreisenden. Seine detail- und ereignisreichen Aufzeichnungen waren zu Lebzeiten Bestseller - heute, 150 Jahre nach seinem Tod, gilt es, den unerschrockenen Reisenden mit seinem unvergleichlichen Gespür für die Welt wiederzuentdecken.


Meine Meinung:

Mit 25 Jahren verliert der britische Marineleutnant James Holman (1786-1857) sein Augenlicht. Doch anstatt sich in sein Schicksal als Militärinvalide zu fügen, erfüllt er sich einen Kindheitstraum: die Umseglung der Welt.

Nur schon dafür sei ihm aller Respekt gezollt. Ich ziehe den Hut vor einem blinden Mann, der tatsächlich alleine (oft nur mit "Vor-ort-Reiseführern" und ab und zu einem Freund) sehr sehr weit gereist ist und das in seinem Jahrhundert, wo man nicht schnell ins Flugzeug sitzt und um den halben Globus jettet.

Das Buch an sich hat mich jedoch enttäuscht. Wie es scheint, haben die Autoren (hauptsächlich Ilija Trojanow) Teile aus den Büchern Holmans ausgewählt und diese zu einem Roman zusammengestellt mit gelegentlichen Kommentaren (Vergleiche zu heute, Erläuterungen zu Währungen und Eingeborene oder eigene Ansichten).
Die alte Sprache und der "recherchierte" Schreibstil wirkte für mich hingegen einschläfernd, obwohl ich an Reiseliteratur und sogar Sachbücher gewohnt bin, sie wie einen Roman zu lesen.

Holman schreibt über viele Begebenheiten, die nur sein Begleiter ihm erzählt haben kann oder allgemeine Fakten (z.B. wie hoch der Turm, wie gross diese Farm, etc. ist....also Zahlen!). Ausserdem kommen Beschreibungen hinzu, die mich verwirrten: "farbenfrohe Tücher in Indien" z.B....wie soll das ein Blinder SEHEN?!
Ich kann mir vorstellen und es war vom Autor auch einmal erwähnt, dass Holman selten seine Sehschwäche betonte, da er ja nicht als Invalide gelten wollte, sondern im Gegenteil bewies, dass man trotz Handycap noch einiges bewirken kann.

Auch lockern die Autoren mit ihren (ebenso oft sachlichen) Kommentaren die Sache nicht gerade auf. Einziges Highlight: einige Bilder, meist Portraits und Skizzen von J.Holman, plus 3 Weltkarten mit eingezeichneter Route (da im Buch 3 grosse Reisen beschrieben sind).

Unterm Strich hat es meinen Geschmack nicht getroffen, auch wenn die Taten hinter dem Buch garantiert Lob verdienen. Also Hut ab für den Mann und seine Reisen...aber leider leider nur wenige Sterne für die schriftliche Umsetzung...

Fazit:
2,5 von 5 Lese-Echsen





Autoren:

Ilija Trojanow entstammt einer bulgarischen Familie, die 1971 über Jugoslawien und Italien in die Bundesrepublik Deutschland floh, wo sie politisches Asyl erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia, wo der Vater eine Anstellung als Ingenieur erhalten hatte.Nachdem er dieses Studium abgebrochen hatte, gründete er 1989 in München den Kyrill-und-Method-Verlag, 1992 den Marino-Verlag, die beide auf Afrikanische Literatur spezialisiert waren.

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Susann Urban ist - nach einem Studium der Germanistik und lehrreichen Jahren im Buchhandel - als freie Übersetzerin und Lektorin tätig.       

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