23. Februar 2012

José Saramago - "die portugiesische Reise"

Autor: José Saramago
Titel: Die portugiesische Reise

Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-23892-5
Erschienen: 2003
Seiten: 594


Inhalt:

Der Nobelpreisträger José Saramago auf einer Fahrt durch seine Heimat Portugal: Überall spürt er in sich jenen Einklang, der ihn mit Land und Menschen verbindet, aber oft spürt er auch Missklänge. Er besucht das Bekannte wie das Entlegene, Versteckte. Und sehr genau, ja penibel beobachtet er.

Sein Reiseführer quillt über vor Wissen über Geschichte und Kultur, die Zeit der Weltherrschaft, Maler, Entdecker, Schriftsteller, Heilige und Sünder.


Meine Meinung:

Auch dieses Buch habe ich mich lange gefreut. Als bekennender Portugalliebhaber, der auch Saramagos Bücher mag, dachte ich mir, dass dieses Buch einfach gut sein MUSS!

Leider, leider...wurde ich enttäuscht. Es stimmt! Dieses Buch quillt über vor Wissen über alles, sei es Geschichte oder Kultur Portugals....doch äussert sich diese Geschichte und Kultur ausschliesslich in Form von Kirchen. Ich möchte diesen grandiosen Schriftsteller nicht allzu kritisieren, aber fast 600 Seiten voller Beschreibungen von Kirchen wirkt schnell langweilig und vor allem lässt es schnell jede Kirche gleich wirken. Natürlich ist jedes Gotteshaus, jede Burg oder Statue eines Nationalhelden wieder anders und hat eigene Attribute, dennoch vertrete ich die Meinung, dass dies vor Ort zu geniessen ist. In einem Buch ständig Beschreibungen wie "hier ein Jesus am Kreuz aus Holz geschnitzt aus dem 16. Jahrhundert", "da eine Statue der Heiligen Maria Mutter Gottes aus Marmor" und "da drüben König Afonso (wahlweise auch João, Henrique, Sebastião und wie sie alle hiessen) aus Granit gehauen, sagen wir 18. Jahrhundert".....

Mit Respekt für alle Könige und Nationalhelden, ohne Gotteslästerung betreiben zu wollen und ohne Saramagos Werke schlecht reden zu wollen:
Aber die portugiesische Reise ist ein Staffellauf von Dorfkirche zu Stadtkapelle und weiter zur nächsten Kirche oder Burgkapelle.
Viel mehr hab ich mir erhofft, dass er von den Menschen auf seinem Weg erzählt, das Essen, die Musik...den Alltag diesen Landes. Wohl beschreibt er in seiner bekannt gekonnten Art die Landschaften und hier und da auch eine kleine Bekanntschaft in einem dieser Dörfer, doch gehen diese zwischen allen Kirchen etwas verloren.

Positiv ist eindeutig sein Schreibstil. Sonst eher kompliziert und (besonders was Grammatik betrifft) nicht immer "normal" bzw. bekannt gehabt, so fliessen die Worte in diesem Roman sehr flüssig dahin und wirken trotz einer gewissen Länge und Vernetzung der Sätze, nicht sehr kompliziert.
Ausserdem schreibt Saramago von sich in der dritten Person als "der Reisender", was mich in diesem Fall auch nicht gestört hat (obwohl ich selbst, glaube ich, nicht von mir in der dritten Person sprechen würde).

Unterm Strich ist es eine Art passionierter "portugiesischer-Kirchen-und-Burgen-Reiseführer/-literatur" von einem Nobelpreisträger, der sein Land wirklich gut und vor allem jede Ecke davon kennt. Meine Erwartungen hat es nicht bestätigt, vielleicht auch weil sie zu hoch oder zu verschieden waren. Mein Fehler. Was ich jedoch aus diesem Buch von ihm zitieren möchte:

"Der Reisende ist kein Tourist. Das ist ein grosser Unterschied. Reisen heisst entdecken, alles andere ist nur vorfinden." José Saramago

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:
José M. Sousa Saramago wurde am 16. November 1922 in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Wie er in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur am 10. Dezember 1998 in Stockholm ausführte, waren seine Großeltern väterlicherseits – Jerónimo Melrinho und Josefa Caixinha – noch analphabetische Schweine-züchter gewesen. Obwohl Josés Mutter bis ans Lebensende weder schreiben noch lesen lernte, kaufte sie ihrem wissbegierigen Sohn ein Buch, als er zwölf Jahre alt war. Den Besuch des Gymnasiums musste er 1936 allerdings vorzeitig abbrechen, weil seine Eltern das Schulgeld nicht länger aufbringen konnten. José wechselte auf eine technische Realschule und absolvierte eine Schlosserlehre. Abends saß er häufig in einer öffentlichen Bibliothek.
1944 heiratete er die Malerin Ilda Reis. Drei Jahre später wurde seine Tochter Violante geboren, die Saramagos einziges Kind blieb.


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