18. Februar 2012

José Saramago - "Eine Zeit ohne Tod"

Autor: José Saramago
Titel: Eine Zeit ohne Tod

Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-24342-4
Erschienen: 2007
Seiten: 253


Inhalt:

Und wenn einfach keiner mehr sterben würde?

Es ist der 1. Januar in einem nicht näher bezeichneten Land. Da geschieht, wofür es kein Beispiel in der Geschichte gibt: An diesem Tag stirbt niemand. Und auch am folgenden Tag nicht und am darauffolgenden. Selbst die Königinmutter, bei der es aussah, als würde sie den Jahreswechsel nicht mehr erleben, verharrt im Sterben. Eines Tages findet der Direktor des nationalen Fernsehens einen Brief auf dem Tisch, über dessen Erhalt er umgehend den Ministerpräsidenten in Kenntnis setzt. Der Brief stammt vom Tod...


Meine Meinung:

Die Idee hat mich ziemlich beschäftigt und fand die Gedankengänge im Buch auch sehr überlegenswert. Warum dieser Wunsch nach Unsterblichkeit? Wir vergessen dabei, welche Probleme in diesem Fall auf uns zukommen. Ewig leben muss nicht Glück bedeuten: die Erde wird rasant überbevölkert sein, die Schwerkranken sterben nicht, obwohl es für sie eher eine Erlösung aus ihrer Qual wäre und was passiert mit all den Berufen, die mit dem Tod arbeiten (Krankenpfleger und Ärzte, die den Tod bekämpfen? Bestattungsunternehmen, die keine "Kundschaft" mehr haben und somit arbeitslos werden?). Denn in diesem Land werden die Leute immer noch älter, es ist nicht alles in der Zeit eingefroren. So muss man kein Mathegenie sein, um zu begreifen, dass in kurzer Zeit unzählbar viele Rentner das Land bevölkern und die Altersheime sowie auch alle Wohnungen überfüllt sind...
Eine Hoffnung: in den Nachbarländern wird noch immer gestorben. So kommt es bald dazu, dass Familien ihre kranken, schwachen Grosseltern erlösen und sie über die Grenze zum sterben schmuggeln. Dies wiederum bringt neue Probleme...

In der zweiten Hälfte verändert José Saramago allerdings den Blickwinkel. Nun schreibt er nicht mehr allgemein über die Menschen in dieser Situation, sondern aus der Sicht des Todes (in seiner Vorstellung eine Frau, schwarzer Umhang und entweder als Skelett oder unsichtbarer Nebel). Denn der Tod schreibt ja einen Brief, um die Lage zu erklären. Was danach alles geschieht, möchte ich hier ungern verraten. Doch die Überlegungen bleiben spannend. Ich hatte bloss das Gefühl als wären es zwei Geschichten, die schlicht miteinander verknüpft wurden. Ausserdem ist das Ende sehr sehr komisch und hat mich persönlich nicht zufriedengestellt...aber das ist vielleicht Geschmackssache.

Der Schreibstil ist wie immer schwierig (einfache Sätze sind weniger Saramagos Stärke), aber seine Gedanken mal was anderes!

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:
José M. Sousa Saramago wurde am 16. November 1922 in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Wie er in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur am 10. Dezember 1998 in Stockholm ausführte, waren seine Großeltern väterlicherseits – Jerónimo Melrinho und Josefa Caixinha – noch analphabetische Schweine-züchter gewesen. Obwohl Josés Mutter bis ans Lebensende weder schreiben noch lesen lernte, kaufte sie ihrem wissbegierigen Sohn ein Buch, als er zwölf Jahre alt war. Den Besuch des Gymnasiums musste er 1936 allerdings vorzeitig abbrechen, weil seine Eltern das Schulgeld nicht länger aufbringen konnten. José wechselte auf eine technische Realschule und absolvierte eine Schlosserlehre. Abends saß er häufig in einer öffentlichen Bibliothek.
1944 heiratete er die Malerin Ilda Reis. Drei Jahre später wurde seine Tochter Violante geboren, die Saramagos einziges Kind blieb.


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