5. Februar 2012

Miquel de Palol - "Im Garten der sieben Dämmerungen"

Autor: Miquel de Palol
Titel: Im Garten der sieben Dämmerungen

Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-351-03213-5
Erschienen: 2007
Seiten: 1128


Inhalt:

In einem tief in den Pyrenäen verborgenen Schloss aus dem 17. Jahrhundert findet sich eine Gruppe privilegierter Leute zusammen, um den Ausgang eines Krieges abzuwarten, der Europa verwüstet. Sieben Tage wird der Aufenthalt dauern, und allmorgendlich versammelt man sich bei erlesenen Getränken in einem Salon und erzählt sich Geschichten aus einer Zeit vor dreissig und vor fünfzig Jahren, als das 20. Jahrhundert seinem Ende zuging. Es sind dramatische, philosophische, erotische Geschichten, Träume, Mord- und Spionagegeschichten, die kunstvoll ineinanderfliessen und immer erkennbarer in eine einzige grosse Erzählung münden: die von einem mächtigen katalanischen Wirtschafts- und Familienclan. Seine Vergangenheit ist mit der Bank Mir verbunden, sein Schicksal mit der Suche nach einem geheimnisvollen Juwel und einer ebenso geheimnisumwobenen Persönlichkeit mit dem Namen Ω. Doch was wie ein Gesellschaftsspiel beginnt, wird allmählich zum Poker. Die Figuren in den Geschichten und ihre Erzähler schieben sich übereinander, wechseln die Identität. Wer erzählt noch die Wahrheit? Und ist Omega gar unter ihnen?


Meine Meinung:

Diesen dicken Schinken von einem Buch ziert ein schönes Cover, das mich sofort ansprach. Auch die Geschichte weckte meine Neugier und liess mich diese "schwere" Lektüre zur Hand nehmen.

Danach hatte ich gemischte Gefühle: zum einen ist die Erzählung gross, wuchtig, spannend....zum anderen aber auch langatmig und verwirrend.
Leider. Denn wie der Autor alle Figuren und solch viele Geschichte so toll ineinander verweben kann, so dass alles auch recht logisch aufeinander passt - dafür ein grosses Kompliment!
Allerdings bekam ich auch das Gefühl, dass der Autor mit Wissen prahlt oder gewollt so alleswissend, clever und toll wirken möchte, was leider weniger authentisch wirkt, also genau das Gegenteil bewirkt.

Anfangs war ich gefangen von der Story, welche im Rahmen von der gleichen Person erzählt wird (jemand, der seine Eltern nicht gekannt hat, oder dies zumindest glaubt...aber zuviel sei hier nicht verraten...). Später folgen immer wieder Kapitel, die von den verschiedenen Personen im Salon oder in der Bibliothek bei einem Glässchen Whisky, Brandy oder Tasse Kaffee erzählt wird. Erst ergibt es für den Leser überhaupt keinen Sinn und scheint ein grosses Wirrwarr von verschiedenen Geschichten in verschiedenen Zeiten, Epochen, Ländern, etc. zu sein. Doch in der zweiten Hälfte fügt sich aller wundersam zusammen...

Allerdings muss man bis in die Hälfte gelangen, denn schon dies verlangt einiges an Zeit. Das war auch u.a. der Grund für den bitteren Nachgeschmack dieser Lektüre: es war einfach dermassen langatmig und wirr, dass es mein Interesse erlöschen liess und langweilte. Das Netzwerk an versteckten Andeutungen und Verlinkung aller Erzählungen ist so verwirrend, dass die Lust am Rätseln vergeht. Normalerweise habe ich keine Probleme, wenn es mehrere Orte, Zeiten und Personen in einer Geschichte gibt, doch dieses Buch überforderte mich ein wenig.

Also sicher eine grosse Geschichte, mit viel Müh verfasst, doch auch mit Müh verdaubar...

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:
Miquel de Palol ist der Sohn eines Hochschullehrers für Archäologie. Aufgewachsen ist er bis zum Alter von 17 Jahren in Valladolid, weil sein Vater an der dortigen Universität lehrte. Für sein Architektur-Studium kehrte er in seine Geburtsstadt zurück. Mit 19 Jahren trat er erstmals als Lyriker öffentlich in Erscheinung.

Als Kolumnist und Literaturkritiker hat Palol über die Jahre an diversen Zeitungen, Medien und literaturwissenschaftlichen Zeitschriften mitgearbeitet wie Tarotdequinze, Serra d’Or, El Pont, La Vanguardia, El País, ABC, El Periódico de Catalunya, El Mundo, El Triangle, Interviu, El Urogallo, diari Avui, und weiteren. Palol ist Mitglied der Associació d’Escriptors en Llengua Catalana (AELC) und in der internationalen Schriftsteller-Vereinigung PEN Club.

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