27. März 2012

Thierry Cohen - "Ich hätte es vorgezogen zu leben"

Autor: Thierry Cohen
Titel: Ich hätte es vorgezogen zu leben

Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75205-8
Erschienen: 2008
Seiten: 222


Klappentext:

Eine erfüllte Liebe und ein geglücktes Leben: zu schön, um wahr zu sein?
An seinem 20. Geburtstag bringt Jeremy sich um, weil seine grosse Liebe Victoria ihn nicht erhört. Doch er wacht wieder auf, Victoria weckt ihn zärtlich und gratuliert ihm zu seinem 21. Geburtstag. Jeremy ist glücklich: Zwar kann er sich an das vergangene Jahr nciht erinnern, doch ist er mit der Frau zusammen, die er liebt. Ist das das Paradies? Als er das nächste Mal aufwacht, sind zwei Jahre vergangen, an die er sich nicht erinnern kann. Und er muss feststellen, dass sein anderes Ich, das diese zwei Jahre gelebt hat, anscheinend kein besonders angenehmer Zeitgenosse ist. Jeremy wird in immer grösseren Abständen aufwachen. Und er nimmt den Kampf gegen den "bösen" Jeremy auf, der mittlerweile drauf und dran ist, seine Liebe zu Victoria zu zerstören. Er hat für diesen Kampf genau einen Tag Zeit. Immer wieder. Ein ganzes Leben lang. Wird es Jeremy gelingen, wenigstens seinen Traum von einem glücklichen Leben mit Victoria zu retten?


Meine Meinung:

Der Klappentext untertreibt masslos und lässt eine zwar spannende, aber leichte, unterhaltende Rätseltour erwarten. Ich Wahrheit ist dieser vergleichsweise dünne Roman eine geballte Ladung Gefühle, Gedanken, Fragen an Gott, ans Leben, an sich selbst und noch so viel mehr !!!

Jedes Mal, wenn Jeremy erwacht und wieder weitere Jahre, an die er sich nicht erinnert, vergangen sind, geht man mit ihm auf Entdeckungsreise. Wo wacht er auf? Wer ist bei ihm? In welchem Jahr befindet er sich? ...das sind nur die einfachen Fragen. Er lernt Personen kennen, die er noch nie sah, aber anscheinend seine besten Freunde sind. Er muss erkennen, dass er sich mit seinen Eltern zerstritten hat und seit seinem Selbstmord keinen Kontakt mehr mit ihnen hat. Er entdeckt, dass er Vater geworden ist...und er entdeckt seine schwarze Seite. Seine richtig böse, dunkle, schwarze Seite seiner Seele. Doch er arbeitet gegen die Zeit und hat immer nur einen Tag, um die Konsequenzen seines anderen Ich, dem Monster, zu begutachten, zu analysieren, sich versuchen zu erinnern und Vorkehrungen für das nächste "Erwachen" zu treffen.

Jedes Kapitel ist unvorhersehbar, bringt neue Geheimnisse ans Licht, neue Überlegungen, die wir uns im normalen Leben nie stellen. Die meisten könnte man aber folgend zusammenfassen: Warum haben wir diese Wahl getroffen? Weshalb leben wir unser Leben wie wir es leben?

Die schnörkellose Schrift des Autors, widerspiegelt die Handlungen. Hier geht es nicht um poetisch zu  philosophieren. Hier geht es um konkrete Fragen über das Leben! Denn der Autor kam auf diese Romanidee aus einem traurigen Grund: ein guter Freund, dem er auf der ersten Seite diesen Roman widmet, hat sich selbst umgebracht. So verarbeitete der Autor seine Gefühle, seine Ratlosigkeit, das Fehlen dieses Freundes und wirft schonungslos alle diese Warums und Wieso in die Runde.

So lässt er auch am Ende einige Fragen unbeantwortet, was mir gefallen hat, weil es in diesem Fall einfach dazu passt. Dennoch lässt ein einen Schimmer der Hoffnung, der Abglanz eines Happy Ends bzw. einer zweiten Chance im letzten Satz durchscheinen....überlässt es jedoch der Interpretation des Lesers.

Unterm Strich eine emotionale, berührende und aufwühlende Geschichte aufgrund einer traurigen, wahren Begebenheit aufgebaut. Wertvolle Worte in zwei schlichten Buchdeckeln gesammelt - absolut lesenswert !!!

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen





Autor:
Thierry Cohen schrieb “Ich hätte es vorgezogen zu leben”, seinen ersten Roman, nachdem sich ein guter Freund von ihm umgebracht hat. Was hätte man dem Freund zurufen, was hätte er wissen müssen, damit er von seiner Tat zurückgehalten worden wäre? Der Roman ist Cohens Versuch einer Antwort. Thierry Cohen lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Lyon, wo er eine Werbeagentur leitet.

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