21. April 2012

Rebecca Stott - "Und Blut soll dich verfolgen"

Autor: Rebecca Stott
Titel: Und Blut soll dich verfolgen

Verlag: Karl Blessing
ISBN: 978-3-89667-338-1
Erschienen: 2007
Seiten: 406


Inhalt:

Isaac Newton war der grösste Wissenschaftler aller Zeiten - und ein Mörder?

Kaum hat Lydia Brooke ihre Arbeit an der Biografie über Isaac Newton aufgenommen, beginnen unerklärliche Schattenlichter durch das Haus zu irren, und immer wieder sieht sie aus den Augenwinkeln einen Mann in karmesinroter Robe. Der Unbekannte beobachtet sie beim Schreiben. Lydia, Spezialistin für das siebzehnte Jahrhundert, soll das Opus Magnum der auf mysteriöse Weise ums Leben gekommenen Elizabeth Vogelsang vollenden. Es fehlt nur noch das letzte Kapitel - dieses allerdings, so hatte es die Historikerin zu Lebzeiten angekündigt, würde die Welt der Wissenschaft schockieren. Denn Elizabeth war es gelungen, Newtons Geheimdossiers zu entschlüsseln. Sie allein wusste, ob der Alchemist etwas mit den Todesfällen zu tun gehabt hatte, die 1667 seine unerwartete Berufung als Fellow ans Trinity College erst ermöglichten.

Doch als Lydia die Fakten für die Biografie zusammenzusuchen beginnt, muss sie feststellen, dass alle relevanten Aufzeichnungen verschwunden sind. Wollte da jemand verhindern, dass der Ruf des bedeutensten englischen Wissenschaftlers befleckt wird? Musste Elizabeth deshalb sterben? Plötzlich wird Lydia klar, dass auch sie in grosser Gefahr schwebt...


Meine Meinung:

Irgendwie weiss ich nicht warum, aber irgendwie konnte mich dieses Buch nicht fesseln. Ich könnt nich mal sagen warum.

Die Geschichte wird aus Lydias Sicht erzählt, als würde sie Cameron Brown (u.a. ihr Geliebter und auch Sohn von Elizabeth Vogelsang) alle Geschehnisse aus ihrer Erinnerung erzählen. Anfangs gefiel mir das sehr gut, weil ich mir dabei immer eine Frau mit Weinglas in der Hand vorstellte, bequem auf einem Lesesessel ich auf dem Sofa daneben und sie erzählte mir ihre Geschichte. Diese hervorgerufene Fantasie wirke beruhigend und war eine angenehme Vorstellung und Athmosphäre.
Später dann, als gewisse Ereignisse sich zutragen, wird die Geschichte etwas rasanter und verliert leider diesen Charme.

Dass Isaac Newton möglicherweise ein Mörder gewesen sein soll, ist nicht einfach aus der Luft gegriffen - möglicherweise nicht einmal fiktiv! So recherchierte die Autorin, u.a. Professorin an der Anglia Ruskin University in Cambridge, in vielerlei Bibliotheken, um diesen Roman zu schreiben. Wie sie selbst in einem Nachwort schreibt:
"Alle Figuren aus dem siebzehnten Jahrhundert, die in diesem Roman vorkommen - Studenten, Fellows, Alchemisten, Ratsherren, Chemiker und Apotheker -, haben gelebt und sind dokumentiert [...] Isaac Newton hinterliess eine Fülle von Auskünften über seine eigene Person, einige Bereiche seines Lebens sind jedoch nicht gut ausgeleuchtet, und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern [...] In Und Blut soll dich verfolgen habe ich die sorgfältist recherchierten Todesfälle in Trinity, Isaac Newtons Alchemie und Ezekiel Foxcroft zu einer Geschichte über Günstlingswirtschaft und Mord verwoben. Diese Geschichte ist Spekulation. Ob sie aber auch Fiktion ist, werden wir nie erfahren."

Im ganzen Buch merkt man, dass es nicht einfach ein fiktiver Roman ist, sondern teils mit Fussnoten versehen und auch am Schluss mit Nachweisen und sogar einer Zeittafel über Ezekiel Foxcroft und Isaac Newton. Dies alles ist leicht verständlich, man muss also nicht selbst in Cambridge studiert haben, um diese Geschichte zu lesen. Dennoch ist auch der Schreibstil manchmal etwas "erläuternd", obwohl die Autorin auch beweist, dass sie detailhaft und verträumt beschreiben kann.
Diese "Formbarkeit" ihres Schreibstils rechne ich ihr hoch an, weil Wissenschaftler oft nicht aus ihren "starren Formen" herauskommen.

Dass Isaac Newton ein Mörder gewesen sein könnte, wird in diesem Buch sehr wissenschaftllich behandelt und am Schluss ist es zwar Interpretationssache, doch Newton kommt vielleicht nicht ganz so gut weg. Ezekiel Foxcroft spielt dabei eine sehr interessante Figur - um nicht zu sagen Schlüsselfigur, doch zuviel verraten möchte ich ja nicht.

Unterm Strich fand ich die Geschichte über die Mordserie in den 1660ern verknüpft mit einem skandalösen Buch in der heutigen Zeit sehr interessant (auch wenn man bedenkt, dass es tatsächlich so oder ähnlich gewesen sein könnte!). Auch die darin verwickelte Liebesgeschichte zwischen Lydia und Cameron ist glaubhaft und alles andere als musterhaft. Dennoch empfand ich es öfters langatmig und hinausgeschoben, sodass mich das Buch erst gegen Schluss bei der Auflösung richtig fesselnd konnte.

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autorin:
Die britische Schriftstellerin Rebecca Stott wurde 1964 in Cambridge geboren, wo Ihr Vater Lehrer für Englisch am Fitzwilliam College war. Ihre Eltern und Großeltern waren Schotten und Mitglieder einer protestantischen Sekte, die alles weltliche wie Fernsehen, Radio, Zeitungen, Ferien, Haustiere, Popularmusik u.ä. aus ihrem Leben verbannte. In den 1970ern verließ die Familie die Sekte und Rebecca Stott bekam einen Platz in der Brighton and Hove High School für Mädchen. Anschließend studierte sie Englisch und Kunstgeschichte an der Universität von York. Sie machte ihren Magister und ihre Promotion, und 1984 kam ihr Sohn Jacob zur Welt.

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