18. Mai 2012

Carolina de Robertis - "Die unsichtbaren Stimmen"

Autor: Carolina de Robertis
Titel: Die unsichtbaren Stimmen

Verlag: Krüger
ISBN: 978-3-8105-0799-0
Erschienen: 2009
Seiten: 462


Inhalt:

Alles beginnt mit einem Wunder: Aus einem Baum, aus schwindelnder Höhe, fällt ein Mädchen. Man nennt sie Pajarita, "kleiner Vogel". Aus dem verschlafenen Nest am Río Negro verschlägt es die junge Frau nach Montevideo, wo sie ganz allein vier Kinder grosszieht.
Ihre Tochter Eva geht nach Argentinien, lebt als Dichterin in den Kreisen der Bohème von Buenos Aires und findet ihre grosse Liebe.
Evas Tochter Salomé schliesst sich den Rebellen im Kampf gegen die Militärdiktatur in Uruguay an und verschwindet für viele Jahre hinter Gefängnismauern.
Pajarita, Eva, Salomé - sie alle haben eines gemeinsam: den Hang zur Unabhängigkeit, den unbändigen Drang zu einem selbstbestimmten Leben - gegen alle Widerstände.


Meine Meinung:

Was für ein energiegeladener Debütroman!
Carolina de Robertis schafft eine herrliche Kulisse von Uruguay und Argentinien. Sie beschreibt die Orte, nicht nur Montevideo und Buenos Aires, sodass ich selbst die Strassen sogar riechen kann, obwohl ich nie dort war. Eine Frau, die mit Worten zu spielen weiss.

Am fesselnsten ist die Familie selbst. Das Buch wurde in drei Teile geteilt, sodass jede Frau (Pajarita, Eva, Salomé) ihr eigenes Leben zu ihrer eigenen Zeit aus ihrer eigenen Sicht erzählen kann. So erfährt man von Generation zu Generation ihre Ängste kenne, ihre Träume, ihre Wünsche, ihre Sehnsüchte, ihre Kraft und die Gefahren, die ihnen drohen. Mit dieser Technik schafft die Autorin eine unglaubliche Nähe zu den Protagonisten und obwohl man erst das Gefühl hat 3 Geschichten zu lesen, verbinden sich diese wieder zu einer grossen und grossartigen Geschichte bis zum Schluss. Carolina de Robertis regt zum Denken an und zeigt auf ihre Weise, was der "Kleber" in einer Familie ist und ausmacht.

Ihr Schreibstil blüht nur so von Beschreibung, jedoch immer ohne aufdringlich oder gekünstelt zu wirken. Poetisch und aussagestark reisst sie den Leser über Land, durch die Strassen von Buenos Aires über den Río de la Plata und in Montevideo umher.

Um die Mitte meiner Lektüre plätscherte die Geschichte dann ein wenig vor sich hin, wie ein Bach, der zwar schön ist, aber nicht unbedingt als spannend zu bezeichnen wäre. Das liegt nicht daran, dass Evas Geschichte langweiliger wäre als die der anderen. Möglicherweise hatte ich eine kleine Leseflaute, was also nicht Grund des Buches war. Ich war keineswegs gelangtweilt, sondern einfach fröhlich mit dem Gefühl nicht weiterzukommen. Wie Radio, den man im Hintergrund laufen lässt: Man mag die Lieder, sich vom Moderator berieseln, ohne eigentlich genau hinzuhören und sich dafür zu interessieren.
Das Ende ist dafür wieder umso gefühlsgeladen an Energie, dass man nach der letzten Seite noch nachdenklich sitzen bleibt.

Unterm Strich ein grandioser Autoren-Start aus Südamerika!

Fazit:

4 von 5 Lese-Echsen





Autorin:

Carolina De Robertis wuchs in England, in der Schweiz und in Kalifornien auf. Sie begann ihre berufliche Laufbahn als Übersetzerin fiktionaler und literarischer Texte. Daneben war sie zehn Jahre für verschiedene Frauenrechtsorganisationen tätig.
Sie lebt heute in Oakland, Kalifornien.

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Kommentare:

Katta hat gesagt…

klingt äußerst vielversprechend :>

lost pages hat gesagt…

Schön hast du es hier. Bin gleich mal Leser geworden :)