8. Mai 2012

Kate Morton - "die fernen Stunden"

Autor: Kate Morton
Titel: Die fernen Stunden

Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-29094-5
Erschienen: 2010
Seiten: 716


Inhalt:

Ein geheimnisvoller Brief, ein verfallenes Schloss, eine unerfüllte Liebe...

London 1939: Als die ersten Bomben auf die Stadt fallen, befindet sich die zwölfjährige Meredith mit einer Gruppe evakuierter Kinder auf dem Wen nach Kent. Dort soll sie Zuflucht bei einer fremden Familie finden. Staunend und eingeschüchtert zugleich zieht sie auf das herrschaftliche Milderhurst Castle, wo die siebzehnjährige Juniper mit ihren Zwillingsschwestern und ihrem Vater, dem bekannten Schriftsteller Raymond Blythe, lebt. Sie tauchtein in eine Welt der Geschichten und der Fantasie - bis ihre Eltern sie zwei Jahre später nach Hause zurückholen und der Kontakt zu Juniper unvermittelt abreisst. Meredith zerbricht beinahe am Verlust ihrer engsten Vertrauten, für den sie keine Erklärung findet. Nie ist sie nach Milderhurst zurückgekehrt, doch jetzt, Jahrzehnte später, führt eine geheimnisvolle Spur ihre Tochter Edie zu den alten Blythe-Schwestern. Hinter den düsteren Schlossmauern kommt mehr ans Licht, als Edie sich je hätte vorstellen können - doch vielleicht ist es noch nicht zu spät, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu versöhnen.


Meine Meinung:

Wie schafft es Kate Morton bloss, mich immer und immer wieder dermassen für ihre Geschichten zu begeistern? Ihre Romane beinhalten nicht nur eine Geschichte, sondern sprudeln über von mehreren Schicksalen, von verschiedenen Leben, von Blickwinkeln und Momenten, die sie einfach gekonnt miteinander vernetzt, sodass ich nun das Gefühl habe schon 10 Bücher von ihr gelesen zu haben, obwohl es "nur" drei waren.

"Die fernen Stunden" entführen in ein England im Krieg, wobei dieser jedoch mehr Hintergrundkulisse bildet als effektiv im Mittelpunkt steht. Edie, die Tochter, führt durch das Buch, indem meist aus ihrer Sicht in der Ich-Form erzählt wird und wie sie Schritt für Schritt den Geheimnissen der Vergangenheit auf die Spur kommt. Immer wieder entführt Kate Morton den Leser jedoch wieder zurück in die Kriegsjahre und zeigt ein kleines Stückchen, was damals geschehen war, meist aus der Sicht der jeweiligen Hauptperson dieser "Szene". Die Autorin versteht es dabei hervorragend, dem Leser viele Informationen zuzuspielen, und dennoch nichts zu verraten und die Spannung zu weiten, indem sie dem Leser ein Puzzlestück gibt, ohne dass man weiss wie das Bild schlussendlich aussehen könnte. Auch die Zeitsprünge sind absolut nicht verwirrend, da gut mit Kapitelüberschriften und Jahreszahlen gekennzeichnet. Ich konnte mir das Buch schon wie in einem Film vorstellen, die Detektivsuche von Edie, die immer mehr auch über ihre eigene Mutter erfährt und dann diese Rückblenden  als die Blythe-Schwestern noch jung waren....in Schwarz-weiss....echtes Kopfkino eben!

Was mich jedes Mal bei ihren Bücher verblüfft, ist die Tatsache, wie sie mit viel Beschreibung dennoch nicht diesen Zuviel-Effekt erreicht, sondern schlicht eine sehr gute Beobachterin sein muss. Sie zeichnet die Figuren mit viel Gefühl, sodass man sie einfach lieben muss - selbst die "Bösewichte"!

Anfangs könnte der Roman etwas schleichend gehen, könnten einige Kritiker sagen. Doch es kam niemals das Gefühl auf, dass es langatmig wäre, sonder lullte mich herrlich in die Geschichte ein, sodass ich die Welt von Milderhurst Castle entdecken und lieben lernen durfte. Schliesslich braucht es diesen Aufbau, um danach alle Auflösungen der Rätsel zu verstehen: die Verbindungen zwischen den Figuren, die Gefühle füreinander, die Situatioen und die Ereignisse, die eins zum anderen führten. Kate Morton zündet am Schluss ein regelrechtes Feuerwerk von Rätselauflösungen - Rätsel, die dem Leser bis zum Schluss nicht einmal bewusst waren! Und wenn man denkt: meine Güte, ach so war das! Tolles Ende! Dann ist es immer noch nicht Schluss, nein, Kate Morton haut noch ein Geheimnis raus, und das auch noch ohne, dass es aufgesetzt oder sensations-suchend wirkt!

Schlussendlich hat mir "der verborgende Garten" immer noch am besten gefallen von ihr. Aber auch dieses Buch hat eigentlich nur 2 Minuspunkte, die sich jedoch gegenseitig ausschliessen:
1. Es ist zu dick und somit zu schwer, um es ständig bei sich zu tragen. Also kein Buch, dass man so leicht einsteckt.
2. Trotz seiner Länge und Dicke, könnte es dennoch ewig so weitergehen! Es war einfach so gut, dass es wieder "zu kurz" war...

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:
Kate Morton wuchs in den Bergen in Queensland, Australien auf und ist die älteste von drei Schwestern. Sie studierte Theaterwissenschaften und Englische Literatur. Ihr erster Roman wurde in dreizehn Länder verkauft und avancierte schnell zum Bestseller.
Morton verriet in einem Interview, dass sie bereits ein Drittel einer anderen Geschichte geschrieben hatte, ehe die Blythe-Schwestern, um welche es sich in ihrem neuen Roman handelt, im Kopf "herumzuspuken" begannen. Sie entschied, die Arbeit an ihrem neuen Roman abzubrechen und die Geschichte der Blythe-Schwestern weiter auszubauen. Ob sie die Arbeit an ihrem nicht vollendeten Roman fortsetzt, gab sie nicht bekannt.
Kate Morton lebt mit ihrem Mann David, einem Komponisten, und ihren zwei Söhnen, Louis und Oliver, in Brisbane.

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