12. Juli 2012

Patricia MacDonald - "Traue deinen Augen nicht"

Autor: Patricia MacDonald
Titel: Traue deinen Augen nicht

Verlag: Weltbild
ISBN: 978-3-86800-605-6
Erschienen: 2011
Seiten: 335


Inhalt:

Tess deGraff war neun Jahre alt, als ihre Schwester vor ihren Augen gekidnappt wurde. Kurz darauf wurde Phoebe vergewaltigt und ermordet aufgefunden. Die Aussage von Tess führte zur Verurteilung und Hinrichtung des vorbestraften Sexualstraftäters Lazarus Abott.
Zwanzig Jahre später beweist eine DNA-Probe, dass Lazarus unschuldig war. Tess kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um herauszufinden, was vor zwanzig Jahren wirklich passiert ist. Dabei trifft sie auf den idealistischen Anwalt Ben Ramsey, zu dem sie sich rasch hingezogen fühlt. Aber jemand möchte Tess büssen lassen für den Tod eines Unschuldigen...


Meine Meinung:

Sowas spannendes ist mir schon lange nicht mehr unter die Augen geraten! Aber erst mal alles der Reihe nach.

Das allererste Kapitel erzählt die Entführung von Phoebe, was wie eine Einleitung oder eine Grundbasis für die Geschichte funktioniert. Denn danach geht es ausschliesslich um Tess und der DNA-Probe. Die Autorin verzichtet auf Rückblenden und bedient sich auch sehr wenig an verschiedenen Sichtweisen, sondern erzählt die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht von Tess. Und das ist der Autorin ausserordentlich gut gelungen, denn ich ging mit Tess durchs ganze Buch mit all ihren Emotionen und Reaktionen: Erstaunen, Wut, Trauer, Aufatmen, Nervenkitzel, Angst...und und und...

Das thematisierte Verbrechen ist leider nicht nur Fiktion, auch wenn sich dieses Buch nicht auf wahre Begebenheiten basiert. Doch leider gibt es solche Fälle dennoch auch in der Realität - zu oft, meiner Meinung nach. Zum Glück war ich nie in der Situation mir über Dinge wie die Todesstrafe, Rache oder Trauer nach solchen Begebenheiten und Schicksalen persönlich Gedanken zu machen. Für mich bleibt es spekulativ und ich wahre ohne persönliche Erfahrung eine gewisse Distanz dazu. Dennoch ist es der Autorin gelungen, dass man sich mehr Gedanken darüber macht, wie man sich fühlen muss, wenn es dich selbst einmal treffen sollte und wie man dann reagieren würde.

Die Figuren sind sehr authentisch gelungen. Ob "böse" oder "gute" Personen, sie sind alle realistisch und leben ihren Part in diesem Roman. Eigentlich waren mir alle Figuren irgendwie sympathisch - sogar der Mörder! Denn eigentlich kann an nicht einfach eine Linie machen und die Leute in gut und böse einteilen. Hinter jeder Tat, jeder Reaktion, jeder Vermutung...steckt eine Geschichte, die aus einer anderen Perspektive wieder logisch erscheint, obwohl sie für andere vielleicht nicht nachvollziehbar ist oder sogar grausam.

Das Einzige, was die Autorin sich hätte schenken können: die letzten 10 Seiten und die Andeutungen im Roman mit Tess und dem Anwalt Ben Ramsey. Ich weiss nicht, ob eine Liebesgeschichte positiv in die Gefühlswaage gelegt werden sollte, aber meiner Meinung nach war es nicht nötig. Mir erschien es eher so, dass es den Schluss etwas zu sehr in "Happy End" verwandelt. Mir hätte das Aufklären des Verbrechens gereicht.

Davon abgesehen, kann ich nichts bemängeln und hätte das Buch möglicherweise in einem Rutsch durchgelesen, müsste ich nicht arbeiten gehen oder müde werden. Ein rasanter, spannender Roman, der besonders in der zweiten Hälfte jeden Leser mitreisst!

Fazit:
4,5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:

Patricia MacDonalds düster-hypnotische Familiengeschichten haben Leserinnen und Leser in Amerika und Frankreich gefangen genommen.
Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter im US-Bundesstaat New Jersey.

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1 Kommentar:

Isabel hat gesagt…

Von der Autorin habe ich noch nie was gehört bzw. gelesen, aber das werde ich jetzt ändern. Das Buch hört sich ganz nach meinem Geschmack an und deine tolle Rezi hat mich jetzt wirklich neugierig gemacht.
LG Isabel