29. Oktober 2012

Carlos Ruiz Zafón - "der Gefangene des Himmels"

Autor: Carlos Ruiz Zafón
Titel: Der Gefangene des Himmels


Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-095402-2
Erschienen: 2012
Seiten: 403


Inhalt:

Barcelona, Weihnachten 1957.

Ein Fremder betritt die Buchhandlung Sempere & Söhne. Er ersteht das teuerste Buch im Laden, eine Ausgabe des "Grafen von Monte Christo", und widmet sie Fermín, über den er mehr zu wissen scheint, als gut ist. Für Fermín und Daniel Sempere, den Helden aus "Der Schatten des Windes", ist es der Auftakt einer dramatischen Geschichte von Verfolgung und Heimsuchung, die sie an schmerzliche Punkte der Vergangenheit führen und ihr ganzes Glück bedrohen wird. Fermín muss sich seiner dunkelsten Zeit stellen und ein anderer werden, um schliesslich ganz er selbst zu sein.


Meine Meinung:

Und wieder einmal ist es Herrn Zafón gelungen, sein Leserpublikum zu begeistern und sicher den ein oder anderen neuen Leser zu gewinnen.

Der dritte Teil (zusammen mit "der Schatten des Windes" und "das Spiel des Engels") erzählt die Geschichte von Fermín, der in den anderen Bücher nur am Rande erscheint und den ich ehrlich gesagt schon vergas. Nicht jedoch Daniel, der Held, der mir von Anfang an sympathisch war und der in "Schatten des Windes" noch als Kind mit seinem Vater den Friedhof der vergessenen Bücher zum ersten Mal betrat. Sein Vater, wie auch andere Figuren (Julián Carax, David Martin, Corelli, Isaac, Isabella...) kommen mehr oder weniger wieder vor und spielen eine kleine oder ein grosse Rolle in der Geschichte von Fermín.
Bei diesem Buch ist mir auch das erste Mal richtig aufgefallen, dass man die anderen Bücher gelesen haben sollte. Sie sind zwar alle einzeln lesbar und man kann sie unabhängig voneinander lesen. Doch besonders beim "Gefangenen des Himmels" sind es nicht nur mehr leere Andeutungen, sondern die tiefe Bedeutung und Vernetzung von Schicksalen und die Kraft dieses von Zafón aufgebaute Netzwerk funktioniert und beeindruckt nur vollständig, wenn man die vorherigen Bücher schon kennt. Ausserdem folgt noch ein viertes Buch mit Daniel und seinen Freunden (und "Feinden"), denn diese Reihe ist bildet ein Quartett.

Der unglaublich malerische Schreibstil von Zafón, die schönen Kleinigkeiten in den Strassen Barcelonas und die Charaktereigenschaften der Figuren sind wahrlich wieder aus der Feder eines Könners, der mit einfachen Worten eine unvergleichliche Atmosphäre schafft, die zum Träumen einlädt.

Auch aufgefallen ist mir, dass es bei diesem Buch sich eindeutig nicht mehr um einen Jugendroman handelt. Denn das Gefängnis von Montjuich ist nicht nur Schauplatz während ziemlich vielen Kapiteln, sondern beherbergt noch die ein oder andere Geschichte, die wohl nicht mehr hier Platz fanden. Die detailgetreuen Beschreibungen, die ich normalerweise so liebe, sind in diesem Fall nicht mehr immer nur schön, sondern können auch ziemlich hässlich werden. Doch das Leben hat nicht nur eine goldene Seite - und zu Zeiten von Bürgerkrieg sowieso nicht.

Da ich diesem Autor sowieso schon längst verfallen bin, erstaunt es wirklich nicht, dass mich dieser Roman überzeugt hat und in meine Lieblingsgalerie darf. Aber auch für Neuleser von Zafón (die soll's anscheinend immer noch geben!) ist es ein repräsentatives Beispiel für seine Schreibkunst (obwohl es inhaltlich vielleicht nicht das Beste ist, um mit Zafón zu beginnen).

Fazit:

5 von 5 Lese-Echsen




Autor:

Carlos Ruiz Zafón ist in Barcelona geboren und wuchs dort auf. Er besuchte die Jesuitenschule Sarrià (Col·legi de Sant Ignasi). Sie hat ihren Sitz in einem in der Stadt gelegenen gotischen Schloss aus rotem Backstein, mit Türmen und geheimen Gängen, die nach seiner Aussage seine Phantasie und die Lust auf das Geschichtenerzählen angeregt haben. Er war zuerst in Barcelona in einer Werbeagentur tätig, ging 1994 nach Los Angeles und konzentrierte sich völlig auf das Schreiben. Neben seiner Arbeit an Romanen ist er als Drehbuchautor und Journalist für die spanischen Zeitungen El País und La Vanguardia tätig.

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PS: Natürlich bin ich überglücklich, dieses Buch mit Signatur zu haben!

 

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