30. Januar 2012

Leonie Swann - "Glennkill"

Autor: Leonie Swann
Titel: Glennkill

Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-46415-9
Erschienen: 2007
Seiten: 376


Inhalt:

Leblos liegt der Schäfer George Glenn im irischen Gras, ein Spaten ragt aus seiner Brust. Seine Schafe sind entsetzt: Wer kann den alten Schäfer umgebracht haben? Und warum? Miss Maple, das klügste Schaft der Herde, beginnt sich für den Fall zu interessieren. Glücklicherweise hat George seinen Schafen vorgelesen, und so trifft sie das kriminalistische Problem nicht ganz unvorbereitet. Unerbittlich folgen sie der Spur des Täters und kommen den Geheimnissen der Menschenwelt dabei nach und nach auf die Schliche - bis es ihnen schliesslich gelingt, Licht ins Dunkel zu bringen und den rätselhaften Tod ihres Schäfers aufzuklären.


Meine Meinung:

Maude, Sir Ritchfield, Miss Maple, Heide, Cloud, Mopple the Whale, Othello, Zora, Melmoth....ganz ehrlich, die Schafe haben tolle Namen!
Und tolle Charaktere eigentlich auch: der eine ist schlau, der andere hat die beste Nase, wieder einer frisst am meisten, ein anderer ist der schnellste Renner....

Man ahnt fast nicht, was für Probleme Schafe nur schon im Alltag haben.
Dass sie uns Menschen nicht verstehen und wir uns komisch verhalten, in den Augen eines Schafes, entzückt anfangs noch. Leider wird es auf fast 400 Steien danach allerdings dermassen breitgetreten, dass ich für nächste Zeit keine Schafe mehr sehen mag.

Der Tod des Schäfers George Glenn ist mysteriös, soviel steht fest. Dass andere Dorfbewohner da mit im Spiel sind, ist naheliegend, doch des Rätsels Lösung ist nicht so einfach. Die Autorin baut eine Vergangenheit auf, ein Ereignis vor 7 Jahren, dass sich mit George und Abraham (kurz Ham genannt) passiert ist. Schon damals passierte ein Mord...doch dieser wurde nie aufgelöst...

In dem Buch ist George nicht der einzige Tote, nicht der einzige mit einem Geheimnis und generell möcht ich sagen: man hätte viel mehr auf die Krimigeschichte eingehen können und weniger Müh auf die Beschreibung der Schafe verwenden sollen. Denn dass das Schaf Zora die Nachdenkliche ist, brauch ich nicht das ganze Buch lang ihre Schafsgedanken (Friss ich jetzt Klee oder doch lieber Löwenzahn?) lesen...

Ab der Mitte war ich gelangweilt und las nur noch weiter, weil ich wissen wollte, wer der Mörder ist. Am Schluss hatte ich jedoch das Gefühl, dass man die Geschichte auch auf 200 Seiten locker erzählen hätte können und die Schafe dabei nicht an Sympathie eingebüsst hätten.

Schade, ich hatte eigentlich gutes über das Buch gehört...

Fazit:
2 von 5 Lese-Echsen





Autorin:
Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Die Idee zu ihrem ersten Roman "Glennkill" entstand in Paris, wo sie sich manchmal nach dem Landleben sehnte - und nach Schafen, mit denen sie auf einer Irlandreise Bekanntschaft geschlossen hatte. Mit "Glennkill" gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Das Buch stand monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten, wurde in 25 Länder verkauft und mit dem renommierten "Friedrich-Glauser-Preis" für das beste Krimi-Debüt ausgezeichnet. Leonie Swann lebt heute in Berlin.  

Mehr auf: Leonie Swann

Paulo Coelho - "Auf dem Jakobsweg"

Autor: Paulo Coelho
Titel: Auf dem Jakobsweg
(Tagebuch einer Pilgerreise nach
Santiago de Compostela)

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06770-5
Erschienen: 1999
Seiten: 275


Inhalt:

Pilgern als Reise zu sich selbst

Die 700 Kilometer lange Strecke von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela, der letzte Abschnitt des sogenannten Jakobswegs, galt im Mittelalter als einer der wichtigsten Pilgerpfade. Diesen Weg durch die rauhen, leeren Landschaften Nordspaniens ging im Sommer 1986 Paulo Coelho. In diesem sehr persönlichen "Tagebuch" erzählt Coelho von Abenteuern, Strapazen und spirituellen Prüfungen. Unterwegs lernt er, seine inneren Dämonen zu besiegen und zu erkennen, dass der Weg zu sich selbst "bei den einfachen Dingen" und mit einer gelassenen Gangart beginnt.

Ein Buch über Veränderungen, das auch den Leser am Ende verändert zurücklässt.

Heute, über zwanzig Jahre später, erinnert sich Paulo Coelho an diesen Weg. In einem Nachwort und einem Interview erläutert er, wie er durch die Pilgerreise den Mut fand, sein Leben komplett zu ändern und seinen Traum, Schriftsteller zu werden, zu verwirklichen.


Meine Meinung:

Das absolute Einsteiger-Coelho-Buch. Wer den Brasilianer noch nicht kennt und/oder sich selbst auf den Jakobsweg machen möchte, der kommt kaum an diesem Buch vorbei, das neben dem "Zahir" und dem "Alchimisten", zu seinen bekanntesten Büchern überhaupt zählt.

Gut, manchmal ist mir der Senhor Coelho doch ein wenig zu religiös und spirituell angehaucht, sodass ich manchmal denke: mach mal vorwärts mit der Geschichte und schreib nicht jeden elenden Gedanken nieder! Ich hab's kapiert, komm zum Punkt, bitte.
Abgesehen davon (was ja wirklich Geschmackssache ist), gefallen mir einige seiner Bücher und auch ich habe mit diesem hier begonnen.

Selber war ich nie auf diesem Weg unterwegs (zumindest nicht bewusst, da das alte Netz der Wege über komplett Europa verteilt ist).
Doch Coelho beherrscht die Worte und beschreibt schön und ansehnlich die landschaftliche Schönheit, wie auch die Charaktere der Personen, die er auf seiner Reise trifft.

Schlussendlich ist es ein wahres und echtes Coelho-Buch ...und ein Wegweiser auch für nachfolgende Bücher (wie z.B. "Zahir" oder "Alchimist").


PS: Wer weniger spirituell unterwegs sein möchte, dem kann ich die Jakobswegreise des deutschen Komikers Hape Kerkeling empfehlen: "ich bin dann mal weg"

Fazit:
3,5 von 5 Lese-Echsen




Autor:
Paulo Coelho wurde 1947 in eine gutbürgerliche brasilianische Familie hineingeboren, sein Vater Pedro ist Ingenieur, seine Mutter Lydia Hausfrau. Er hat eine ältere Schwester namens Sonia. Paulo Coelhos Leben war von Beginn an religiös geprägt. Als siebenjähriger Junge besuchte er die Jesuitenschule San Ignacio in Rio de Janeiro, in der er bei einem schulischen Lyrikwettbewerb einen Preis erhielt. Coelho studierte Rechtswissenschaften gegen den Wunsch seines Vaters, der ihn gerne in seinen Fußstapfen als Ingenieur gesehen hätte, unterbrach 1970 jedoch sein Studium, um als Hippie eine zweijährige Weltreise durch Südamerika, Nordafrika und Europa zu unternehmen.
Coelhos anschließende Tätigkeit als Theater- und Drehbuchautor sowie sein in dieser Zeit währender Drogenkonsum wurden von seinen streng katholischen und konservativen Eltern scharf verurteilt. Sein rebellisches Aufbegehren gegen die Vorstellungen und Ziele seiner Eltern führte aufgrund der Annahme, ihr Sohn sei geistesgestört, zu insgesamt drei Einweisungen in die psychiatrische Anstalt „Casa de Saúde Dr. Eiras“ (1966, 1967 und 1968), wo er auch mit Elektrokrampftherapie behandelt wurde. Die Erfahrung stationärer psychiatrischer Behandlung schilderte er später in seinem Roman Veronika beschließt zu sterben.

Mehr auf: Paulo Coelho

Patrick Süskind - "das Parfum"

Autor: Patrick Süskind
Titel: das Parfum - die Geschichte eines Mörders

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-22800-7
Erschienen: 1994
Seiten: 320


Inhalt:

Jean-Baptiste Grenouille wird 1738 als unehelicher Sohn einer Fischverkäuferin geboren; er überlebt den versuchten Kindsmord seiner Mutter und das entbehrungsreiche Leben als Kostkind sowie die Zeit als Hilfskraft bei einem Gerber, wo er lebensgefährliche Arbeiten verrichten muss. Ausgestattet mit einem absoluten Geruchssinn, ist er selbst jedoch ohne Geruch. »Sie konnten ihn nicht riechen. Sie hatten Angst vor ihm.« Als Mensch ohne Geruch zum Außenseiter verurteilt, erschließt er sich die Welt von Gerüchen und Düften, die er förmlich in sich aufsaugt. So folgt Grenouille über mehrere Pariser Stadtviertel dem Duft eines jungen schönen Mädchens, das er schließlich tötet, um ihren Duft in allen Feinheiten in sich aufzunehmen.
Grenouille erkennt seine Begabung und beschließt, der größte Parfumeur aller Zeiten zu werden. In einer Lehre erwirbt er die Fähigkeit, Düfte zu gewinnen und haltbar zu machen. Erst mit 25 Jahren wird ihm seine eigene Geruchsslosigkeit bewusst und so entwickelt er verschiedene Menschendüfte, die er anwendet, um unerkannt zu leben und seinem Ziel näher zu kommen. Im französischen Parfumzentrum Grasse tötet Grenouille 25 junge schöne Frauen, um ihren Duft zu konservieren. Ihr Duft bewahrt den überführten Mörder vor der Todesstrafe, am Tag der Hinrichtung erscheint er den Menschen in seiner Duftmaske nicht mehr als das hässliche Scheusal, sondern als überaus liebenswerter Mensch: »Er hatte sich eine Aura erschaffen, strahlender und wirkungsvoller, als sie je ein Mensch vor ihm besaß. Und er verdankte sie niemandem ... als einzig sich selbst.

Meine Meinung:

Anno damals musste ich das Buch in der Schule lesen. Richtig gelesen: musste. Nach der Lektüre muss ich aber sagen: ich durfte!

Ein tolles Buch über die Welt der Düfte, über Paris, über einen Aussenseiter...
Dieses Buch ist kein Klassiker, weils in der Schule behandelt wird, sondern weil es wirklich lohnenswert ist!

Auch wenn Grenouille ein ziemlich schräger Typ ist und auch der Schreibstil zwar flüssig, aber auch sehr unerwartet sein kann, liest es sich recht einfach. Die Gedanken, die er sich macht, scheinen uns erst nebensächlich oder unwichtig, aber selbst auf die Idee würden wir wohl nicht kommen. So erzählt die Geschichte von Grenouille das Leben einer Art Genie, auch wenn man das manchmal nicht glauben möchte. Doch seine Nase führt ihn immer weiter...

 
Auch die Verfilmung mit Dustin Hoffmann als Pariser Parfumeurmeister Giusseppe Baldini und Ben Wihshaw als Jean-Baptiste Grenouille ist mehr als gelungen. Nicht nur dass der Hauptakteur meiner Vorstellung des Grenouille erstaunlich nahe kommt, ganz allgemein ist es eine gute Schauspieler-Vorstellung. Dustin Hoffmann kam mir anfangs fehl am Platz vor in diesem Film, spielt jedoch gut und wirklich schlecht reden kann ich diesen Mann nicht, dafür mag ich ihn in anderen Filmen viel zu sehr...
 Also das Buch wie auch der Film sind in diesem Fall beide lohnenswert!

Fazit:



4 von 5 Lese-Echsen

Autor:
Patrick Süskind der als Dramatiker, Prosaschriftsteller, Hörspiel- und Drehbuchautor gleichermaßen erfolgreich ist wurde am 26.März 1949 in Ambach am Starnberger See geboren. Sein Vater ist der Schriftsteller, Übersetzter und längjährige Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung Wilhelm Emanuel Süskind. Nach Abitur und abgeleistetem Zivildienst studierte Patrick Süskind von 1968-1974 in München Geschichte. Sein Auslandsstudium verbrachte er in Aix-en Provence.

Heute lebt der Erfoglsautor, über den trotz seiner literarischen Berühmtheit nur wenig bekannt ist, abwechselnd in München oder Frankreich vorzugsweise aber in Mansarden, offenbar jedoch nicht ganz so isoliert wie seine literarischen Figuren. Trotzdem meidet er öffentliche Auftritte und entzieht sich dem Medienrummel des Literaturbetriebs.

Mehr auf: Patrick Süskind

Robert Harris - "Pompeji"

Autor: Robert Harris
Titel: Pompeji

Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-72148-7
Erschienen: 2007
Seiten: 379


Inhalt:

Auch im Sommer des Jahres 79 n. Chr. kommen die Reichen und Schönen wieder aus Rom nach Pompeji, Stadt der Ausschweifungen und der Intrigen. Doch dann bebt die Erde, und der mächtige Aquädukt Aqua Augusta, der das Wasser von den Hängen des Vesuvs zu den Küstenstädten führt, versiegt. Attilius, aus Rom entsandter neuer Wasserbaumeister, soll den Schaden beheben. Die Zeit drängt, denn Wasser bedeutet nicht nur Leben, sondern für den skrupellosen Geschäftsmann Ampliatus vor allem Geld und Macht. Ausgerechnet dessen Tochter Corelia kommt einer Verschwörung auf die Spur und bittet Attilius um Hilfe. Während die beiden fieberhaft dunkle Machenschaften aufdecken, sendet die Natur weitere Vorboten drohender Gefahr.


Meine Meinung:

Ab und zu ein historischer Roman...das ist nicht nur lehrend, sondern kann auch spannend sein, wie Robert Harris zu beweisen weiss.
Ich war zwar nie in Pompeji, obwohl man heute die Ruinen besuchen kann und sicher jeder zumindest vom Vulkanausbruch schon gehört hat.

Pompeji liest sich wie einen Krimi in alter Zeit. Man hat nicht das Gefühl in einer Geschichtsstunde über den Ausbruch des Vesuvs zu sitzen. Die Geschichte mit dem Geschäftsmann, Attilius und Corelia ermöglicht dem Leser besser und sorgt für einen roten Faden durch das ganze Buch, als wenn man von allen Menschen im Allgemeinen und Ganzen schreiben würde. So kann man sich in einen Zeugen damals hineinversetzen und die tollen Beschreibungen von Harris erlauben es gut, sich in diese damalige Zeit zurückzudenken.

Anfangs schien es zwar ein wenig langweilig. Ein Wasserschaden ist (zumindest heutzutage) nichts allzu weltbewegendes mehr. Und obwohl es für später wichtig ist, scheint es erst überhaupt nichts mit dem Vulkan zu tun zu haben. Mit der Zeit kommt man jedoch schnell in die Geschichte, spätestens wenn man von der Verschwörung liest.

... und das Ende ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Knall !

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:
Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren. Nach seinem Geschichtsstudium in Cambridge war er als BBC-Reporter, als politischer Redakteur des »Observer« und ständiger Kolumnist der »Sunday Times« tätig. Die historischen Hintergründe seiner Romane recherchiert Harris als Historiker exakt. Trotzdem schreibt er keine Sachbücher: Er will die Leser gleichzeitig unterhalten und informieren. Mit »Vaterland« gelangt er 1992 in die internationalen Bestsellerlisten. Robert Harris ist heute ständiger Kolumnist bei der Times. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in einem alten Pfarrhaus in Kintbury bei London.

Mehr auf: Robert Harris

26. Januar 2012

Jodi Picoult - "Zeit der Gespenster"

Autor: Jodie Picoult
Titel: Zeit der Gespenster

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-27190-5
Erschienen: 2010
Seiten: 464
(inkl. Gespräch + Anmerkungen der Autorin)


Inhalt:

Ross Wakeman war für alle nur ein riesengrosser Glückspilz. Wie durch ein Wunder hatte er zahlreiche Unfälle und Gefahren überlebt. Er war überzeugt, nicht sterben zu können - obwohl er sich nichts sehnlicher wünschte. Denn in einem tragischen Unfall hatte er einst seine geliebte Frau Aimee verloren. Fortan hat Ross nur ein Ziel nämlich mit den Geistern der Toten Kontakt aufzunehmen, um endlich wieder mit Aimee sprechen zu können. Vielleicht scheint Ross deshalb den Menschen im kleinen neuenglischen Comtosook der ideale Vertraute, wenn es darum geht, Geister aus ihren Häusern zu vertreiben. Einer der Hilfesuchenden heisst Spencer Pike: Auch er hofft auf Ross, denn er will auf einem indianischen Grundstück ein Bauprojekt realisieren - und stört damit die Ruhe der Geister auch seiner eigenen schauerlichen Vergangenheit.


Meine Meinung:

I love Jodie Picoult! Das Buch kommt eindeutig zu meinen absoluten Lieblingsbüchern!

Also Ross hat Aimee verloren und geht auf Geistersuche. Viele halten ihn für verrückt, nur nicht seine Schwester Shelby. Denn neben Ross und Spencer spielen noch viele weitere Personen in diesem Karussel mit:
Lia, in die sich Ross verliebt, Cecelia, die verstorbene Frau von Spencer, Gray Wolf, ein Abenaki, der mehr als nur ein protestierender Ureinwohner ist, Shelby's Sohn Ethan, der an XP (eine unheilbare Krankheit, bei der der Patient kein Sonnenlicht erträgt, also eine Art Sonnenallergie hoch2), Meredith, Lucy, Ruby....und und und.

Eine Geistergeschichte von besonderer Art und kein billiges "Grusel-Haus-spuk-Gespenst"! Denn während der Lektüre vergisst man doch wirklich, ob man selber an Geister glaubt. Am Ende ist man sogar recht überzeugt, dass es paranormale Phänomene gibt.

Eigentlich will ich hier in meiner Rezension nicht viel mehr verraten, weil sonst die Spannung im Buch darunter leidet. Doch auf so vielen Seiten wird es auf keiner einzigen langweilig, das ist versprochen!
Ein Unfall, ein Krimi, eine Liebesgeschichte, bewegende Schicksale, ein Grundstück mit Vergangenheit, ein Mord, ein Selbstmord (?), ein Familiengeheimnis....

...und wahre Geschichte! Denn Jodi Picoult fand wieder einmal ein todgeschwiegenes Kapitel bei ihrer Recherche: das Eugenik-Projekt in Vermon in den 1920er und 1930er Jahren. Dabei geht es darum, die "perfekte" Ortschaft zu schaffen, indem man nur Einwohner mit "gutem Erbgut" kontrolliert. Denn die Köpfe dieses Projektes glaubten, dass der wachsende Anteil von Problemfällen in der Bevölkerung durch Forschung, Bildung und entsprechender Gesetzgebung reduziert werden könnte. Nun wurde dies mit einem "freiwilligen" Sterilisationsgesetz durchgeführt, dass verhindert sollte, dass "Problemfälle" sich fortpflanzen würden. Unter diese Problemfälle zählten dann die Abenaki (ein "Indianer"-Stamm), sowie uneheliche Kinder, Leute im Gefängnis, Schwachsinnige etc...Die Definition von "guter" DNA entschieden jedoch Ärzte, um ihre perfekte Rasse Mensch zu erhalten...
(Vergleich mit Hitler und den Juden!)

So schafft es Jodi Picoult immer wieder Fakten mit Fiktion zu vermischen und ein gesellschaftliches Tabuthema oder andere Schwachstellen der Menschheit anzusprechen, es jedoch geschickt in einen unscheinbaren Roman zu verpacken mit erfundenen Hauptfiguren...

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:
Jodi Picoult wurde 1967 in Long Island, New York, geboren. Sie studierte zunächst in Princeton Kreatives Schreiben, später machte sie in Harvard einen Masterabschluß in Pädagogik. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Texterin und Lehrerin.
Bereits in Princeton lernte Jodi Picoult ihren Ehemann Tim van Leer kennen. Die beiden heirateten, und während sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, schrieb Jodi Picoult auch ihren ersten Roman, der 1992 veröffentlicht wurde. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im idyllischen Hanover, New Hampshire.
Jodi Picoult schreibt ihre Bücher in ihrem Büro im Dachgeschoss ihres Hauses, wo sie mit großer Disziplin so oft wie möglich schreibt, nur unterbrochen von ihren Kindern, die für sie trotz ihres immensen internationalen Erfolgs und ihren regelmäßig erscheinenden Romanen an erster Stelle stehen.

Mehr auf: Jodie Picoult

Isabel Allende - "die Insel unter dem Meer"

Autor: Isabel Allende
Titel: die Insel unter dem Meer

Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-42138-3
Erschienen: 2010
Seiten: 553


Inhalt:

Die Mulattin Zarité, genannt Tété, ist erst neun Jahre alt, als der junge Plantagenbesitzer Toulouse Valmorain sie als Dienstmagd für seine lebensuntüchtige Frau kauft. Doch in Tété schlummert eine andere Bestimmung als die der willfährigen Sklavin. Selbst als ihr Herr sie in sein Bett zwingt, als man ihr das erste Kint entreisst und ihr Geliebter sie verlässt, um sich den aufständischen Sklaven in den Bergen anzuschliessen, verliert Tété ihr Ziel nicht aus den Augen: die Freiheit für sich und ihre Tochter. Der Konflikt zwischen den aufständischen Sklaven und den weissen Herren in Saint-Dominique eskaliert, und Tété muss eine schwere Entscheidung treffen; sie flieht mit Valmorain, dessen kleinem Sohn Maurice und ihrer Tochter Rosette aus der brennenden Stadt Le Cap nach Kuba und weiter nach New Orleans. In der bunten kreolischen Gesellschaft findet ihr Drang nach Freiheit und Verantwortung für das eigene Leben neue Nahrung, doch müssen Jahre vergehen, bis ihr Traum Wirklichkeit wird.


Meine Meinung:

Dass Isabel Allende eine grossartige Autorin ist, habe ich schon mehrmals gehört und gelesen. Dennoch habe ich mich nie an ihre Bücher getraut, weiss jedoch selber nicht genau warum.

Nun hat mich die Geschichte von Tété gepackt und in die Zeit der Versklavung in der Karibik gebracht. Allerdings geht es dort nicht gerade paradiesisch zu und her, denn Isabel Allende lässt ein buntes Durcheinander der bewegten Zeiten damals auferstehen. Probleme, die wir heute nicht mehr kennen, die damalige Definition von Reichtum und Ansehen, die Sklaverei aus der Sicht der Gutsherren wie auch aus der Sicht der Sklaven...wie zum Beispiel Tété.

Das Buch ist in 2 grössere Teile eingeteilt und deswegen hab ich auch heute noch diese beiden Teile wie zwei eigene Geschichten im Kopf. Erst ihre Zeit in Saint-Dominique als Sklavin auf dem Gut von Valmorain. Die Aufstände, die Feldarbeit, das Haus und die "schwachsinnige Frau" des Herrn, das Chaos in der Stadt und weitere Personen, die später in die Geschichte miteingewoben werden. Dann später die Flucht und der Neuanfang in New Orleans...bis sie endlich ans Ziel ihrer Träume kommt.

Ein gefühls- und geschichtsgeladener Roman von einer tollen Autorin.

Fazit:
4 von 5 Lese-Echsen





Autorin:

Isabel Allende wurde am 2. August 1942 in der peruanischen Hauptstadt Lima als erstes Kind des chilenischen Diplomaten Tomás Allende – eines Cousins des späteren chilenischen Staatspräsidenten Salvador Allende, geboren. Von ihrem achtzehnten Lebensjahr an arbeitete Isabel Allende als Journalistin und moderierte eine chilenische Fernsehsendung. 1962 vermählte sie sich mit dem Bauingenieur Michael Frías, und im Jahr darauf wurde sie von ihrer Tochter Paula entbunden. Ihr Sohn Nicolás folgte 1966.

Mehr auf: Isabel Allende

Reif Larsen - "die Karte meiner Träume"

Autor: Reif Larsen
Titel: die Karte meiner Träume

Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-044811-8
Erschienen: 2009
Seiten: 439


Inhalt:

T.S.Spivet lebt auf einer Ranch im Nirgendwo von Montana inmitten seiner Familie: seiner Schwester Gracie, die ganz eindrucksvoll einschnappen kann, der Mutter Dr. Clair, einer Käferforscherin, und dem Vater T.E.Spivet, einem ruppigen Cowboy. Sein jüngerer Bruder Layton hatte vor einiger Zeit einen Unfall in der Scheune, aber darüber mag niemand sprechen.

T.S.Spivet passt irgendwie gar nicht dorthin, er kann weder richtig reiten oder schiessen noch in Blechnäpfe spucken. Dafür kann er seine Ängste und Wünsche auf die freien Flächen von Karten projizieren. So hält er den Whiskykonsum seines Vaters ebenso in Diagrammen fest wie die Anatomie von Glühwürmchen.

Als dann der Anruf aus Washington kommt, wo ihm für seine Zeichnungen ein Wissenschaftspreis verliehen werden soll, verändert sich sein Leben. T.S. mus sich der Frage stellen, ob man auch eine Karte von einem gebrochenem Herzen, von Einsamkeit, Verlust oder von der Liebe zeichnen kann. Oder gibt es manche Dinge, die sich einfach nur leben lassen?


Meine Meinung:

Ein Juwel unter den Büchern, das man nicht nur lesen, sondern auch betrachten muss. Reif Larsen schreibt nicht nur über die Karten von T.S. , die sind alle im Buch verewigt. Nur wenige Seiten zeigen bloss Buchstaben. Die meisten sind am Rand übersät mit Notizen, Skizzen, Karten...allerlei Hingekritzeltes...aber so schön!

Die Geschichte ist dermassen unglaublich, dass sie einfach nicht wahr sein kann und doch wünscht man sich nichts sehnlicher. Der kleine Junge T.S. macht sich ganz alleine auf den Weg quer durch die USA, um seinen Preis entgegen zu nehmen, obwohl diese Wissenschaftler davon ausgehen, dass er ein Erwachsener ist.

Seine Reise mit dem Zug, die Personen, die er trifft, seine Gedanken und Gefühle sind so selbstverständlich hingeschrieben und faszinierten mich. Als wäre es das absolut Natürlichste und Einfachste auf einen rostigen Zug zu springen und durch ein ganzes Land zu reisen, nicht zu verhungern und allen Gefahren zu entkommen...

Einziger Minuspunkt ist das etwas unhandliche Format, denn das Buch ist fast doppelt so gross wie ein Taschenbuch und eignet sie somit wenig für unterwegs. Doch das nimmt man gerne in Kauf für diese wundervollen Illustrationen ! Denn auch wenn man nichts von Physik, Chemie, Biologie, Mathematik...und mit was sich der Junge noch so beschäftigt, auskennt, so haben diese Tabellen und Zeichnungen einfach ihren ganz eigenen Charme!

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen





Autor:
Larsen studierte Creative Writing an der Columbia University, wo er heute unterrichtet. Noch als Student schrieb er seinen ersten Roman „Die Karte meiner Träume“.  In den USA kämpften zahlreiche Verlage um die Rechte am Buch, das ihnen einen Vorschuss von 900.000 Dollar wert war. Larsen drehte auch Dokumentarfilme. Der Autor lebt in Brooklyn, New York. 

Mehr auf: Reif Larsen

Stefanie Gerstenberger - "das Limonenhaus"

Autor: Stefanie Gerstenberger
Titel: das Limonenhaus

Verlag: Diana
ISBN: 978-3-86800-442-7
Erschienen: 2009
Seiten: 448
(inkl. Gespräch mit Autorin)


Inhalt:

Ein Haus voller Trauer und Zitronenduft birgt ein altes Geheimnis...

Nach dem Tod ihres Zwillingbruders will Lella ihre kleine Nichte Matilde zu sich nach Köln holen, wie sie es Leonardo einst versprochen hatte. Doch der sizilianische Clan ihrer Schwägerin verweigert ihr das Mädchen, denn zwischen den beiden Familien steht eine alte Fehde. In einem Moment der Verzweiflung entführt Lella die kleine Matilde und erhält dabei Unterstützung von Phil, einem deutschen Fotografen. Im "Limonenhaus", dem alten Haus von Lellas Mutter, suchen die drei zunächst Zuflucht. Doch erst als Lella hier auf eine alte Familienbibel mit einigen losen Tagebuchseiten stösst, beginnt sie das schreckliche Ausmass der Familienfehde zu erahnen und welch tragische Geschichte sich dahinter verbirgt. Schon bald sehen sie Lella und Phil in ein Geflecht aus Lügen und alten Geheimnissen verstrickt, das sie jedoch auch mit jedem weiteren Tag immer intensiver aneinander und an die kleine Matilde bindet...


Meine Meinung:

Die Hauptfigur Lella war mir anfangs (trotz meiner Meinung nach blödem Namen) recht sympathisch und ich verfolgte gerne ihre Schritte mit Matilde, die auch wirklich ein süssen Mädchen zu sein scheint.
Auch als sie die Tagebuchseiten entdeckt und die Geschichte an Fahrt bekommt, war ich begeistert...

Leider musste ich dann immer wieder feststellen, dass Stefanie Gerstenberger immer wieder die Geheimnisse andeutet, jedoch nicht weiter darauf eingeht. Es war immer so ein wenig als würde sie die Betonung (wie im Klappentext) auf die Vergangenheit, das Geheimnis, das Unerklärliche legen, die Geschichte spielt sich allerdings vielmehr mit dieser italienischen Familie im Hier und Jetzt ab.

Ich weiss nicht, ob die Autorin selbst erst die Idee mit den Tagebuchseiten verwenden wollte und sich ihre Erzählung etwas verselbstständigt hat im Laufe des Schreibprotzeses oder ob dies bewusst immer mal wieder auf die Seite rutscht.

Schliesslich kann ich nicht sagen, dass das Buch nicht gelungen ist. Ich hatte mir bloss etwas anderes erhofft, da ich sonst auch gerne Familiengeheimnisse lese und dann ein "relativ einfach gestrickter Streit" einer Familie in Italien lesen durfte. Auch darf eine Liebesgeschichte natürlich nicht fehlen, aber zuviel möcht ich nicht verraten...

Die Geschichte ist gut, auch wenn sie manchmal einfach so dahinplätschert, ist es doch unterhaltsam.

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen




Autorin:

Stefanie Gerstenberger, 1965 in Osnabrück geboren, studierte Deutsch und Sport, bis sie erkannte, dass sie keine Lehrerin werden wollte. Nach einem Wechsel in das Hotelfach lebte und arbeitete sie auf Elba und Sizilien, in der Karibik und in San Francisco. Während der folgenden Jahre als Requisiteurin für Film und Fernsehen musste sie viele Drehbücher lesen und begann selbst zu schreiben.

Mehr auf: Stefanie Gerstenberger

Edgar Allan Poe - "Unheimliche Geschichten"

Autor: Edgar Allan Poe
Titel: Unheimliche Geschichten

Verlag: Weltbild
ISBN: 978-3-86800-138-9
Erschienen: 2009
Seiten: 399


Inhalt:

Edgar Allan Poe, vor allem bekannt als Meister des gepflegten Horrors, hat nach einem kurzen Leben ein reiches Oeuvre hinterlassen. Neben seinen lyrischen Werken sind es in erster Linie die Schauer- und Detektivgeschichten, die ihm zu Weltruhm verhalfen. In diesem Buch sind die bekanntesten Erzählungen versammelt und mit stimmungsvollen Illustrationen versehen. Es führt den Leser in eine geheimnisvolle Welt voller Mysterien und Rätsel - in die Welt des Edgar Allan Poe.

Von einem der grössten Erzähler des 19. Jahrhunderts.

Welche Geschichten sind im Buch?:
- der Untergang des Hauses Usher
- im Strudel des Malstroms
- die Maske des Roten Todes
- das ovale Porträt
- der schwarze Kater
- Eleonora
- die Scheintoten
- der Doppelmord in der Rue Morgue
- der entwendete Brief
- die längliche Kiste
- Froschhüpfer
- Ligeia
- Metzengerstein
- das Fass Amontillado
- Berenice
- in den Bergen
- der Fall Valdemar
- das Stelldichein
- das System des Doktors Pech und des Professors Feder
- Gespräch mit einer Mumie
- Morella
Ausserdem im Anhang: Über den Autor


Meine Meinung:

Der Meister der Gruselgeschichten - da muss man wenigsten eine seiner Erzählungen kennen, denn schliesslich zählt er zu den Klassikern. Als Weltbild in seinem eigenen Verlag dann diese Zusammenstellung herausgab, musste ich spontan zugreifen.


Besonders schön fand ich die Illustrationen von Beate Brömse, die auch das Titelbild mit dem Schloss anfertigte. Zu jeder Geschichte gibt es ein oder auch zwei Bilder. (Links: das Stelldichein / Rechts unten: die Maske des Roten Todes). Zu meinen liebsten Illustrationen gehören weiterhin auch: das ovale Portät, Eleonora, Metzengerstein, das Fass von Amontillado und von in den Bergen.

Einige der Geschichten sind gruseliger als die anderen und manche scheinen nicht allzu "schrecklich", die zählen dann eher in die Kategorie Krimi. Trotzdem hatte ich an fast allen meine Freude, wenn man das so sagen kann...

Den Doppelmord in der Rue Morgue kannte ich schon (glaube aus der Schule oder so), hat mich jedoch auch ein zweites Mal gut unterhalten. Weiter fand ich das ovale Porträt und Eleonora die Hauptfrauen sehr gut gelungen, wie auch generell die Geschichten. Das Gespräch der Mumie fand ich eines der spannendsten, sowie die Maske des Roten Todes. Der Froschhüpfer birgt auch einige erheiternde Zeilen und den Untergang des Hauses Usher ist ein prima Einstieg für diese Sammlung.

Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass es Kurzgeschichten sind und sich somit hervorragend für Bus- oder Zugreisen anbietet. Jedesmal, wenn man nur relativ wenig Zeit hat (also nicht daheim auf dem Sofa oder Bett stundenlang ins Buch versinken kann), liest man eine einzelne Erzählung auf dem Arbeitsweg. Häppchenweise ist es sowieso besser verdaubar...

Fazit:
4 von 5 Lese-Echsen





Autor:

Edgar Allan Poe, geboren 1809 in Boston, gestorben 1849 in Baltimore, prägte entscheidend die Genres der Kriminalliteratur, der Science Fiction und der Horrorgeschichte. Seine Poesie wurde zum Fundament des Symbolismus und damit der modernen Dichtung.

Mehr auf: Edgar Allan Poe

24. Januar 2012

Ilija Trojanow & Susann Urban - "Fühlend sehe ich die Welt"

Autoren: Ilija Trojanow & Susann Urban
Titel: Fühlend sehe ich die Welt
(Die Aufzeichnungen des blinden Weltreisenden James Holman)

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-89029-757-6
Erschienen: 2010
Seiten: 331


Inhalt:

Um die Welt mit einem der mutigsten Reisenden aller Zeiten

Er hat auf eigene Faust und abenteuerlichen Wegen die Welt umrundet und wurde zum weitestgereisten Mann des 19. Jahrhunderst - und er war blind. Der Brite James Holman ist eine Ausnahmegestalt unter den historischen Entdeckungsreisenden. Seine detail- und ereignisreichen Aufzeichnungen waren zu Lebzeiten Bestseller - heute, 150 Jahre nach seinem Tod, gilt es, den unerschrockenen Reisenden mit seinem unvergleichlichen Gespür für die Welt wiederzuentdecken.


Meine Meinung:

Mit 25 Jahren verliert der britische Marineleutnant James Holman (1786-1857) sein Augenlicht. Doch anstatt sich in sein Schicksal als Militärinvalide zu fügen, erfüllt er sich einen Kindheitstraum: die Umseglung der Welt.

Nur schon dafür sei ihm aller Respekt gezollt. Ich ziehe den Hut vor einem blinden Mann, der tatsächlich alleine (oft nur mit "Vor-ort-Reiseführern" und ab und zu einem Freund) sehr sehr weit gereist ist und das in seinem Jahrhundert, wo man nicht schnell ins Flugzeug sitzt und um den halben Globus jettet.

Das Buch an sich hat mich jedoch enttäuscht. Wie es scheint, haben die Autoren (hauptsächlich Ilija Trojanow) Teile aus den Büchern Holmans ausgewählt und diese zu einem Roman zusammengestellt mit gelegentlichen Kommentaren (Vergleiche zu heute, Erläuterungen zu Währungen und Eingeborene oder eigene Ansichten).
Die alte Sprache und der "recherchierte" Schreibstil wirkte für mich hingegen einschläfernd, obwohl ich an Reiseliteratur und sogar Sachbücher gewohnt bin, sie wie einen Roman zu lesen.

Holman schreibt über viele Begebenheiten, die nur sein Begleiter ihm erzählt haben kann oder allgemeine Fakten (z.B. wie hoch der Turm, wie gross diese Farm, etc. ist....also Zahlen!). Ausserdem kommen Beschreibungen hinzu, die mich verwirrten: "farbenfrohe Tücher in Indien" z.B....wie soll das ein Blinder SEHEN?!
Ich kann mir vorstellen und es war vom Autor auch einmal erwähnt, dass Holman selten seine Sehschwäche betonte, da er ja nicht als Invalide gelten wollte, sondern im Gegenteil bewies, dass man trotz Handycap noch einiges bewirken kann.

Auch lockern die Autoren mit ihren (ebenso oft sachlichen) Kommentaren die Sache nicht gerade auf. Einziges Highlight: einige Bilder, meist Portraits und Skizzen von J.Holman, plus 3 Weltkarten mit eingezeichneter Route (da im Buch 3 grosse Reisen beschrieben sind).

Unterm Strich hat es meinen Geschmack nicht getroffen, auch wenn die Taten hinter dem Buch garantiert Lob verdienen. Also Hut ab für den Mann und seine Reisen...aber leider leider nur wenige Sterne für die schriftliche Umsetzung...

Fazit:
2,5 von 5 Lese-Echsen





Autoren:

Ilija Trojanow entstammt einer bulgarischen Familie, die 1971 über Jugoslawien und Italien in die Bundesrepublik Deutschland floh, wo sie politisches Asyl erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia, wo der Vater eine Anstellung als Ingenieur erhalten hatte.Nachdem er dieses Studium abgebrochen hatte, gründete er 1989 in München den Kyrill-und-Method-Verlag, 1992 den Marino-Verlag, die beide auf Afrikanische Literatur spezialisiert waren.

Mehr auf: Ilija Trojanow


Susann Urban ist - nach einem Studium der Germanistik und lehrreichen Jahren im Buchhandel - als freie Übersetzerin und Lektorin tätig.       

Mehr auf: Susann Urban    

Danielle Steel - "Vertauschtes Glück"

Autor: Danielle Steel
Titel: Vertauschtes Glück

Verlag: Ullstein
ISBN: 3-548-25967-7
Erschienen: 2003
Seiten: 400


Inhalt:

1913: Die Zwillingsschwestern Victoria und Olivia leben mit ihrem Vater auf einem grossen Landgut an der amerikanischen Ostküste. Sie gleichen einander vom Aussehen so sehr, wie sie vom Wesen her verschieden sind: Während Olivia damit zufrieden ist, den Haushalt zu organisieren und sich um den gebrechichen Vater zu kümmern, sehnt Victoria sich nach Abenteuern. Sie schleicht sich heimlich aus dem Haus, um Veranstaltungen der Frauenrechtlerinnen zu besuchen und sich mit ihrem verheirateten Liebhaber zu treffen. Als Victoria bei einem ihrer Ausflüge im Gefängnis landet, beschliesst der Vater, sie mit seinem Teilhaber, dem verwitweten Charles Dawson, zu verheiraten, um einen Skandal zu vermeiden. Niemand ahnt, dass Victorias Schwester Olivia in Charles verliebt ist, seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hat. Nun scheint es, als wäre er für sie unerreichbar geworden...


Meine Meinung:

Unglaublich, dass ich dieses Buch auf der Strasse gefunden habe. Dank dem trockenen Wetter war es noch in recht guter Verfassung. Dennoch legte ich es erst mal an die Bushaltestelle ein paar Schritte weiter, falls es derjenige, der es verloren hat und evtl. vermisst, wiederfinden kann. Doch es lag noch 2 Tage an der Bushaltestelle, also hab ich es schlussendlich eingesteckt.

Danielle Steel gehört eigentlich nicht zu den Autoren, die ich im Buchhandel in die Hände kriege. Dennoch hat mir dieses Buch sehr gut gefallen, obwohl es erst den Anschein einer "Stereotyp-Geschichte" machte.

Also zwei Schwestern, die sich nahestehen, aber total verschieden sind. Eine wild, die andere ruhig und dann wird die Wilde dazu gezwungen, genau den Mann zu heiraten (damit kein Skandal) in welchen ihre ruhigere Schwester schon Ewigkeiten im Stillen verliebt ist.... schnarch.
Das Ende kann man sich wahrscheinlich auch selber zurecht schreiben, dacht ich est. Doch Danielle Steel beweist mir das Gegenteil.

Die Geschichte verläuft zwar immer wieder mal recht absehbar, doch der Schreibstil mit der die Gefühle und die Kulisse beschrieben wird, hat mich dann alle Vorurteile vergessen lassen. Am Ende war ich sogar in echt froh über das Happy-End, obwohl diese Geschichte natürlich prädestiniert dafür war...

Fazit:
3,5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:

Danielle Steel ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der Welt – mit rund 600 Millionen verkauften Büchern, die in knapp 50 Ländern erschienen sind. Nahezu jeder ihrer 78 Romane schaffte es auf die New-York-Times-Bestsellerliste. Neben dem Schreiben widmet sich die Mutter von neun Kindern intensiv ihrer Familie und engagiert sich für verschiedene soziale Stiftungen. Danielle Steel lebt heute in San Francisco und verbringt mehrere Monate des Jahres in Frankreich.

Mehr auf: Danielle Steel

Wolfgang & Heike Hohlbein - "das Buch"

Autoren: Wolfang & Heike Hohlbein
Titel: das Buch

Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-30642-0
Erschienen: 2010
Seiten: 860


Inhalt:

Seit Jahrhunderten wachen die geheimnisvolen Hüterinnen über das Archiv, in dem das Leben der Menschen aufgezeichnet wird. Doch jetzt ist die Ordnung der Dinge in Gefahr, da Unbekannte in das Bücherlabyrinth eindringen und die Vergangenheit und damit die Gegenwart umschreiben. Leonie, die junge Erbin einer Buchhandlung, begreift nur langsam, dass auch sie der uralten Gemeinschaft der Hüterinnen angehört und dazu ausersehen ist, die Wirklichkeit zu retten.


Meine Meinung:

Jeder Fantasy-Liebhaber kennt den Namen Hohlbein, der schon fast ein Garant für ein gutes Buch ist. Dieses Buch ist eine Zusammenarbeit mit seiner Frau (übrigens ist es allgemein eine Schreiberfamilie, da auch seine Tochter regelmässig zu Stift und Papier greift) und als Taschenbuch ein ziemlich dicker Schinken, auch wenn mir das Cover besonders gut gefällt.

Allerdings bin ich mir von Hohlbein etwas anderes gewohnt. "Das Buch" schäumt zwar wie immer über vor Fantasie und von Wesen und Dingen, die nicht zu dieser Welt gehören. Auch verspricht der Klappentext eine spannende Geschichte, was es schlussendlich auch war.

Dennoch muss ich anmerken, dass leider viel mehr auf Leonie und die Hetzjagd, die sie durch diese Art "Unterwelt" bringt, gelegt. Und trotz aller echt fantasievollen und tollen Figuren, die Idee mit dem Buch, in welchem die Menschheitsgeschichte steht, manchmal auf die Seite rutscht. Kann gut sein, dass das nur meine eigene Meinung ist und sich mit wenigen Meinungen sonst deckt, denn unterm Strich ist es eigentlich ein weiteres, gelungenes Fantasy-Abenteuer aus dem Hause Hohlbein, wenn auch vielleicht nicht mein Liebstes...

Fazit:
3,5 von 5 Lese-Echsen





Autoren:

Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren. Nach Beendigung der Schulzeit absolvierte er eine Ausbildung als Industriekaufmann. Zusammen mit seiner Frau Heike, geboren 1954 in Neuss, gelang ihm 1982 mit dem Roman „Märchenmond“ der literarische Durchbruch. Das Buch wurde international ein Erfolg.

Zusammen, aber auch getrennt, schreiben Wolfgang und Heike Hohlbein vor allem Fantasy- und Science-Fiction-Romane. Sie leben mit ihren sechs Kindern in Neuss.

Mehr auf: Wolfgang & Heike Hohlbein

Mary W. Shelley - "Frankenstein"

Autor: Mary W. Shelley
Titel: Frankenstein

Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-62361-2
Erschienen: 2008 (Original 1970)
Seiten: 345


Inhalt:

Das Original

"In einer düsteren Novembernacht war es so weit: Vor meinen Augen lag das Ergebnis all meiner Müh und Plage... In dem schwachen gelblichen Mondlichte, welches durch die Fensterläden in die Kammer quoll, stand jenes erbärmliche Monstrum vor mir - der fürchterliche Popanz, welchen ich erschuf! Er hielt den Bettvorhang zur Seite und heftete seine Augen - sofern sie diesen Namen überhaupt verdienten - auf mich."


Meine Meinung:

Wie sollte man einen solchen Klassiker überhaupt schlechtreden? Trotz etwas altem Deutsch, packt diese Geschichte jeden und sollte auch von "nicht-Grusel-Fans" gelesen werden. Natürlich ist es schaurig und teilweise ecklig, wenn man sich in die Details der Beschreibungen vertieft. Aber es ist wie bei einem Unfall: schrecklich hinzusehen, aber man kann eben auch nicht weg gucken.

Dafür, dass ich diesen Klassiker für ein paar Münzen auf einem Grabbeltisch auflas, hat es sich mehr als gelohnt. Mittlerweilen gibt es die Geschichte in verschiedenen Auflagen, als Reclam und diverser Verfilmungen, was der Beweis dafür ist, wie es immer wieder sein Publikum auf schaurige Art zu begeistern weiss.

Unheimlich ist auch, wenn man einige der Schauplätze kennt und sich bei einem Besuch in diesen Ortschaften, daran erinnert dieses Buch gelesen zu haben...

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:

Mary Shelley, geborene Mary Godwin, häufig auch als Mary Wollstonecraft Shelley bezeichnet, war eine britische Schriftstellerin des frühen 19. Jahrhunderts. Sie ist als Autorin von Frankenstein oder Der moderne Prometheus (1818), einem der bekanntesten Werke der fantastischen Literatur, in die Literaturgeschichte eingegangen. Zu ihrem Gesamtwerk zählen mehrere Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Essays, Gedichte, Rezensionen, Biografien und Reiseerzählungen.

Mehr auf: Mary Shelley

21. Januar 2012

Heather Gudenkauf - "das Flüstern der Stille"

Autor: Heather Gudenkauf
Titel: das Flüstern der Stille

Verlag: MIRA
ISBN: 978-3-89941-868-2
Erschienen: 2011
Seiten: 368


Inhalt:

Als an diesem Tag im August die ersten Sonnenstrahlen die feuchte Morgenluft durchdringen, stellen zwei Familien nach dem Aufwachen fest, dass ihre kleinen Mädchen über Nacht verschwunden sind.

Die siebenjährige Calli ist ein süsses, verträumtes Kind, das seit seinem vierten Lebensjahr kein Wort mehr gesprochen hat. Petra ist ihre beste Freundin, ihre Seelenverwandte und ihre Stimme. Doch niemand hat die beiden seit dem letzten Abend mehr gesehen.

Auf der verzweifelten Suche der Eltern schlägt die anfängliche Unterstützung schnell in gegenseitiges Misstrauen um. Und bald schon müssen alle der Wahrheit ins Auge sehen: Niemand ist so unschuldig, wie er von sich glaubt - und einer von ihnen könnte ein Mörder sein.


Meine Meinung:

Es kommt immer anders als wie man denkt ...oder so.
Der Albtraum aller Eltern, doch als Roman ein fesselndes Erlebnis!

Obwohl die Autorin die Figuren mit viel Gefühl beschreibt, erzählt sie mehr über deren Charakteren und Vergangenheit, als sich unnötig mit derem Äusseren zu beschäftigen. Angaben wie Haarfarbe, Statur und Merkmalen zur Unterscheidung werden zwar gezeichnet und natürlich werden Calli und Petra genauer beschrieben (jedoch in der direkten Rede, als die Eltern sie der Polizei beschreiben, damit diese sie finden). Dennoch konnte ich mir schnell ein Bild von den Familien machen und habe jetzt noch ihre Gesichter im Kopf - einfach aus meiner eigenen Vorstellung.

Die Geschichte wird in der Ich-Form erzählt, allerdings von vielen verschiedenen Personen. Erst sind es Calli, ihre Mutter Toni (Antonia), dann ihr Bruder Ben, ihre Freundin Petra, ihr Vater Griff....mit der Zeit kommt noch der Polizeichef und Deputy Louis (der ebenfalls ein Jugendfreund von Toni ist), die Eltern von Petra und ein Lehrer von Calli dazu....alle in der Ich-Form!
Erst mag dies verwirren, wenn man die Namen und Beziehungen noch nicht ganz im Kopf hat. Ich muss jedoch sagen, dass ich sehr schnell hinein kam und genau diese Schreibweise sich am Schluss als Vorteil ergibt.
Denn eigentlich bin ich kein grosser Fan von solch vielen verschiedenen Ansichten in Romanen, doch hier war es nicht nur spannend alle verschiedenen Sichtweisen zu erfahren, sondern auch nötig, um alle Puzzleteile zusammenzufügen. Während die Figuren Missverständnisse und somit zu Fehlentscheidungen gelangen oder falsche Schlüsse ziehen.
Die ganze Zeit denkt man dann als Leser (da wir ja etwas mehr Informationen haben): Nein - mach das nicht!

Ganz erstaunlich ist jedoch, dass man ständig mehr Infos als die Hauptfiguren hat, also ständig auf der Fährte des Täters ist und ganz am Schluss stellt sich heraus, dass man selber auf dem Holzweg war. Gezielt führt uns die Autorin durch den Wald, bis die Spannung nicht mehr zu steigern möglich scheint.

Ein absolut fesselndes Abenteuer, das man allerdings nicht in Echt erleben möchte!

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:

Heather Gudenkauf wurde als jüngste von sechs Geschwistern geboren. Mit ihrem ersten Roman “Das Flüstern der Stille” hat die studierte Grundschullehrerin es auf Anhieb auf die Bestsellerlisten von New York Times und USA Today geschafft. Die Autorin lebt mit ihrem Mann, drei Kindern und einem Hund in Iowa.

Mehr auf: Heather Gudenkauf