27. Februar 2012

TAG - Bist du bibliophil?

Soooo meine lieben Leser. Ich hab mir gedacht, meinen Blog ein klein wenig interaktiver zu gestalten. Und zwar habe ich mir von den Buchrezensions-Videos auf Youtube, die ich verfolge, die Sache mit den TAG's abgeschaut und wollte dies nun hier einführen, weil ich es eine nette Idee finde das ganze Was, Wieso, Warum und Wie zu erklären.

Meinen ersten TAG ist mehr eine Checkliste für alle Leseratten und Bücherwürmer, die noch schwarz auf weiss bestätigt haben wollen, dass sie hoffnungslos kein Leben ohne Bücher mehr haben könnten.
Wie viele Fragen kannst du mit JA beantworten?


TAG - Bist du bibliophil?

1.       Du gehst nie ohne Buch aus dem Haus?
Ja. Ausgenommen ich gehe nur kurz was besorgen oder ins Kino oder so. Ansonsten täglich zur Schule und Job, da ich im Zug lese oder man nie weiss, wann man mal irgendwo warten muss...
2.       Dein Bücherregal nimmt ein Grossteil deines Zimmers ein?
Jein. Mein Bücherregal ist sicherlich grösser als das mancher Freunde, doch nimmt es (noch) nicht den Grossteil ein.
3.       Du teilst dein Bett mit Büchern?
Jein. Ich lese gerne im Bett und teile somit logischerweise den Platz mit ihnen. Ansonsten liegen keine Bücher in oder auf meinem Bett, da sie unbequem sind und kaputt gehen können. Dafür hab ich ja das Tischchen neben meinem Bett = Bücherplatz
4.       Du inhalierst den Geruch von Büchern?
Ja. Ich liebe den Geruch von neuen Büchern, wenn sie noch nach Kleber und Druckerfarbe riechen. Oder auch alte Bücher haben einen ganz eigenen Duft, die dann in Bibliotheken zusammenkommen zu einem grossen Bücherduft.
5.       Du streichelst Bücher?
Jein. Wenn das Buchcover eine hervorstehende Schrift oder Verzierung hat, streiche ich gerne darüber. Streicheln im Sinne von Kuscheln und lieb haben, das tu ich dann aber doch nicht.
6.       Du kaufst jedes Mal ein Buch, wenn du im Buchladen bist?
Nein. Und darauf bin ich stolz! Denn eigentlich könnt ich das locker, hab aber gelernt mich langsam unter Kontrolle zu bringen. Meistens versuche ich aber auch erst gar nicht in Buchläden zu laufen, wenn ich weiss, dass ich eigentlich nix brauche, um dieser Gefahr auszuweichen.
7.       Dein SuB ist dreistellig und tendiert zur Vierstelligkeit?
Nein. Gezählt habe ich meinen SuB zwar nicht so genau, aber auf eine vierstellige Zahl werde ich hoffentlich niemals kommen. Dreistellig kann mal passieren =)
8.       Du unterhältst dich mit den Buchfiguren?
Nein. Auf die Idee käme ich nicht einmal...
9.       Du gibst im Monat mehr Geld für Bücher als für Essen aus?
Nein. Die Bücherrechnung ist jeden Monat unterschiedlich, manchmal höher, manchmal weniger. Aber mehr als Essen glaub ich dann doch nicht. Ausser vielleicht in dem Monat, wenn ich teure Schulbücher  fürs Studium kaufen muss.
10.   Du bereist Orte, die in deinen Büchern genannt werden?
Ja. Hab ich schon gemacht. Jedoch nicht gezielt deswegen, sondern eigentlich lese ich Bücher über Orte, die mir gefallen, was auch der Grund ist/war, warum ich dorthin vereiste. Ausserdem ist das bei Fantasy-Romanen und somit fiktiven Orten nicht so einfach ;)
11.   Du hältst Bücher für eine bessere Altersvorsorge als Aktien?
Ja. Denn Aktien schwanken mir zusehr im Wert und wenn man mit dem Buch auch das Wissen darin und die Fantasie meint, ja.
12.   Du zeltest am Tag des Erscheinens eines Buches deines Lieblingsautors vor dem Buchladen?
Nein. Ich geh mir das Buch zwar so bald wie möglich holen, möglicherweise auch am ersten Tag des Erscheinens. Aber dafür meine nicht-vorhandene Campingausrüstung auspacken? Nee.
13.   Deine Familie und Freunde wissen nicht, welches Buch sie dir schenken sollen, weil du schon alles hast?
Ja. Denn mittlerweilen habe ich genug Bücher, dass sie den Überblick verlieren und auch nicht immer wissen, was mir gefallen könnte. Dafür geb ich ihnen auf Anfrage einfach meinen SuB, der bietet schliesslich genug Auswahl.
14.   Du verbindest mit mind. ¼ deiner Bücher ein Ereignis?
Ja. Ich weiss zwar nicht, ob es 1/4 meiner Bücher ist, aber ich erinnere mich an einige Geschichten und weiss noch wann ich sie und wo ich sie gelesen habe. (z.B. weil ich es geschenkt bekommen habe, in die Ferien mitgenommen, ein Thema in der Schule, zu einem Kinofilm...)
15.   Bei dem Wort Buch wirst du schon aufmerksam?
Ja. Ja. JA.
16.   Deine Familie oder deine Freunde wissen nicht mehr wie du aussiehst, weil du ständig ein Buch vor der Nase hast?
Nein. Ich hoffe, so schlimm ist es noch nicht. Sie kennen mich vielleicht in vielen Lesepositionen, aber sie kennen hoffentlich noch mein Gesicht.
17.   Menschen, die  Bücher nicht mögen, magst du auch nicht?
Nein. Natürlich mag ich auch Menschen, die Bücher nicht mögen. Ist einfach ein mögliches Gesprächsthema weniger, aber vielleicht hat man andere gemeinsame Interessen...
18.   Du gehst auf Lesungen alles deiner Lieblingsautoren?
Nein. Würde ich zwar gerne, hab's bis jetzt aber noch nicht geschafft. Liegt vielleicht auch daran, dass meine Lieblingsautoren nicht unbedingt deutscher Muttersprache sind.
19.   Du benutzt Bücher als Kuschelkissen?
Nein. Ich bin zwar einmal beim Lesen so eingeschlafen, dass ich danach den Abdruck des Buches im Gesicht hatte, aber als Kuschelkissen sind sie mir zu unbequem.
20.   Du vergleichst deine Freunde mit Buchcharakteren?
Ja. Das heisst: eigentlich die Buchcharakteren mit meinen Freunden, wenn sie Gemeinsamkeiten haben, was mich an einen Freund erinnert. Allerdings kommt das nicht allzu oft vor.
21.   Deine beste Freunde heissen Karlsen, Heine, Lux & Co. (also wie Verlage zum Nachnamen)?
Nein. Finde ich Blödsinn und muss nicht sein. Wo findet man die überhaupt?
22.   Dein SuB wehrt sich vehement kleiner zu werden?
Ja. Und ich lese und lese und lese....und er wächst und wächst und wächst. Wir alle kennen diesen Fluch.
23.   Du versuchst Buchflatrates mit Buchverlagen auszuhandeln?
Nein. Ich hab auch keinen direkten Kontakt mit Buchverlagen, doch schau ich auf Aktionen, Bücherflohmärkte mit 3 zum Preis von 2 und solchen Angeboten.
24.   Du lernst eine neue Sprache, weil du nicht warten kannst, bis das Buch in Deutsch erscheint?
Nein. Ich lerne gerne neue Sprachen, doch nicht wegen den Büchern. Mein SuB ist schon mit vorhandener deutscher Literatur voll und schon publizierten Übersetzungen, sodass ich nicht auch noch andersprachige extra im Original lese nur wegen meiner Ungeduld.
25.   Wenn du einmal ein Buch angefangen hast, legst du es bis zum Schluss nicht mehr weg?
Jein. Natürlich würd ich das gerne, wenn das Buch so gut ist. Allerdings kann ich das bloss in den Ferien oder mal am Wochenende. Ansonsten muss ich zwangsläufig unterbrechen wegen Schule, Job und anderen Verpflichtungen.
26.   Du verleihst keine Bücher, weil du Angst hast, dass jemand deinen Lieblingen Schaden antut?
Ja. Also ich verleihe zwar Bücher, allerdings sehr wenige und nur an gute Freunde und Familie, denen ich vertraue und ihnen sage, dass ich es gerne unversehrt wieder zurück haben möchte.
27.   Man könnte meinen, dass du eine eigene Bücherei oder Buchhandlung zuhause hast?
Ja. Das sagt zumindest meine Familie und einige Freunde. Eine Bücherei ist es zwar noch nicht, aber das Regal wächst und bekommt vielleicht irgendwann ein Geschwister...
28.   Deine besondere Schätze bekommen einen besonderen Platz in der Vitrine?
Nein. Meine Lieblingsbücher reihe ich zwar griffbereit auf Augenhöhe in eine Linie ein. Doch eine Vitrine besitze ich nicht. Es würde auch zu viel Platz einnehmen.
29.   Wenn dein Partner dich vor die Wahl stellt: ich oder das Buch? Antwortest du: von welchem Buch reden wir?
Nein. Klar käme es zwar darauf an, welches Buch gemeint ist. Doch auch mein Lieblingsbuch hätte es schwer gegen einen realen Menschen. Allerdings wäre jemand, der mich vor diese Wahl stellt auch nicht mein Partner!
30.   Du verbringst mehr Zeit mit Lesen als mit anderen Dingen wie Job, Schule, etc.?
Nein. Ich lese zwar oft und viel und in den Ferien kann das schon mal passieren. Doch generell habe ich noch ein echtes Leben und das Lesen ist mein Hobby. Wichtig, aber ein Hobby.
31.   Du magst keine E-books?
Ja. Ich verstehe zwar die Vorteile, dass es z.B. leichter ist auf Reisen und sicher ein tolles Spielzeug für Technikverliebte. Ich liebe jedoch auch den Gegenstand Buch zu sehr.
32.   Buchverfilmungen magst du nicht und hättest sie besser gemacht?
Jein. Oft enttäuscht ein Film nachdem man das Buch gelesen hat (besonders Fantasy, da ich die Freiheit meiner eigenen Fantasie mag und für eine Figur vielleicht ein ganz anderes Gesicht vorstellte.) Den Film erst zu sehen und danach das Buch zu lesen oder das Buch nicht zu kennen, sind aber auch die Filme nicht schlecht.
33.   Du schreibst ein Buch darüber, wie es mit deinen Lieblingen weitergeht?
Nein. Ich überleg zwar manchmal wie es weitergehen könnte, doch um alles aufzuschreiben hab ich keine Zeit.
34.   Du besitzt immer noch das Buch, das zu als Erstes gelesen hast?
Ja. Wenn es tatsächlich "Der rote Seidenschal" von Federica de Cesco ist, den ich von meiner Mutter bekam, dann hab ich es noch. Wenn es ein anderes Buch war, hab ich's nicht mehr...ist aber auch schon lange her!
35.   Du kennst dich besser mit der aktuellen Bestsellerliste aus als die Buchhändler?
Nein. Denn die Bestsellerliste interessiert mich nur am Rande. Ich lese, was mir gefällt, weil es mir gefällt und nicht weil alle Welt es gerade liest.

Und nun könnt ihr eure JAs zählen und in der folgenden Liste nachschauen in welche Kategorie ihr kommt:
Ich komm gerade zwischen "kritischer Zustand" und "anonyme Bibliophile", je nachdem wie man die Jeins zählt...
(ich hab es als 1/2 gezählt = Total 15 1/2 JAs)

0-5 JAs: Du brauchst dir keine Sorgen machen. Mit dir ist alles in Ordnung. Vielleicht solltest du aber mal öfter ein Buch in die Hand nehmen.

6-10 JAs: Mit dir ist noch alles in Ordnung. Du bist ein ausgeglichener Viel-Leser, der neben Büchern noch viele andere Hobbies hat.

11-15 JAs: Dein Zustand ist kritisch. Aber du kannst immer noch damit umgehen, wenn du mal kein Buch zur Hand hast.

Ab 16 JAs: Bitte besuche sofort ein Treffen der anonymen Bibliophilen!

25. Februar 2012

Bertina Henrichs - "die Schachspielerin"

Autor: Bertina Henrichs
Titel: Die Schachspielerin

Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-35430-2
Erschienen: 2007
Seiten: 191 (inkl. Interviews)


Inhalt:

Im Leben von Eleni ist eigentlich alles in schönster Ordnung: Sie führt eine gute Ehe mti Panos, dem Besitzer der Autowerkstatt, hat zwei wohlgeratene Kinder und liebt ihren Beruf als Zimmermädchen im Hotel Dionysos auf Naxos. Doch dann stösst Eleni bei der Arbeit die Figur einer unbeendeten Schachpartie um. Wohin gehört die kleine Holzfigur? Eleni versteht nichts vom Schach und stellt sie verlegen neben das Brett. In den Tagen darauf wird sie den Gedanken an das geheimnisvolle Spiel nicht mehr los, das für sie eine neue, fremde, aufregende Welt verkörpert. Sie träumt davon, das Schachspielen zu erlernen. Aber gehört sich das für ein einfaches Zimmermädchen? Für Eleni beginnt ein Abenteuer mit unabsehbaren Folgen...


Meine Meinung:

Ein kleines, hübsches Buch für zwischendurch dachte ich mir und so war es dann auch. Weder die Geschichte, noch der Schreibstil oder etwas anderes daran ist kompliziert, dafür leicht locker erzählt...eine ziemlich banale Sache könnte man fast meinen.

Doch dass das Schachspielen nicht einfach ein Spiel ist, merkt man schnell hier. Es ist ausschlaggebend für Streitereien in der Ehe, für komische Blicke von Mitbürgern, von Kopfschmerzen und verlorene Nerven beim Erlernen der Regeln und Taktiken...aber auch neu gewonnene Freunde, Selbstständigkeit, eine neu gefundene Leidenschaft und Talent...

Bertina Henrichs schreibt meist aus der Sicht von Eleni, ab und zu auch aus der Sicht von Kouros (ein alter Lehrer aus Kindertagen von Eleni, dem sie sich anvertraut und schliesslich das Schachspielen von und mit ihm lernt), oder auch mal aus der Sicht vom Ehemann Panos. Und noch mehr Nebenrollen versüssen die Erzählung! Das hat mir besonders gut gefallen: selbst die kleinste Nebenrolle ist eine charakterstarke Person. Die Autorin schafft es mit wenigen Worten und Erwähnungen, dass ich dennoch ein gutes Bild (und Gesichter) im Kopf zu den Personen bekam.

Sehr schade fand ich jedoch am Schluss die Interviews mit der Regisseurin und den beiden Hauptdarstellern der Verfilmung. Zwar ist es sehr nett zu lesen, doch fiel mir dabei auf, dass bei dem Film einige Dinge geändert wurden. Das klingt erst mal normal und wir sind uns langsam gewohnt, dass besonders Hollywood-Produktionen die Geschichte anders fokussieren oder leicht abändern. In diesem Fall haben mich aber diese "Kleinigkeiten" extrem gestört, obwohl ich den Film nicht kenne (Nun aber beschlossen habe, ihn auch nicht zu schauen). Zum Beispiel heisst Kouros, der griechische Lehrer auf der Insel, im Film plötzlich Kröger und ist ein ausländischer Arzt in Pension. Auch entfacht Elenis Liebe zum Schach keine zufällig umgestossene Figur eines französischen Touristenpäarchen, sondern im Film sieht sie anscheinend ein amerikanischen Päarchen Schach spielend im Hotelgarten. (Die Amerikaner müssen einfach immer Mittelpunkt der Welt sein - das nervt mich persönlich!). Und auch habe ich das Gefühl, dass im Film eine Art Liebesbeziehung zwischen Eleni und Kouros entsteht, also der Schülerin und dem Lehrer! (Wieder Hollywood: hauptsache Liebeskitsch).

Aber ich will hier nicht nur kritisieren, denn dies betrifft ja bloss den Film bzw. die wenigen Informationen aus den Interviews am Schluss.

Das Buch ist eine tolle Lektüre für Mittagspause, Vor-dem-zu-Bett-gehen oder Sonntags-morgen-zum-Kaffee...einfach was Nettes für Zwischendurch!

Fazit:
4 von 5 Lese-Echsen




Autorin:
Bertina Henrichs wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Literatur- und Filmwissenschaft und lebt seit langem in Paris, wo sie als Schriftstellerin und Filmemacherin arbeitet. Ihr erster Roman Die Schachspielerin war in Frankreich und Deutschland ein Bestseller, wurde mit dem Corine-Buchpreis für das beste Debüt ausgezeichnet und fürs Kino verfilmt. 2009 erschien ihr zweiter Roman That’s all right, Mama.
Mehr auf: Bertina Henrichs

23. Februar 2012

José Saramago - "die portugiesische Reise"

Autor: José Saramago
Titel: Die portugiesische Reise

Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-23892-5
Erschienen: 2003
Seiten: 594


Inhalt:

Der Nobelpreisträger José Saramago auf einer Fahrt durch seine Heimat Portugal: Überall spürt er in sich jenen Einklang, der ihn mit Land und Menschen verbindet, aber oft spürt er auch Missklänge. Er besucht das Bekannte wie das Entlegene, Versteckte. Und sehr genau, ja penibel beobachtet er.

Sein Reiseführer quillt über vor Wissen über Geschichte und Kultur, die Zeit der Weltherrschaft, Maler, Entdecker, Schriftsteller, Heilige und Sünder.


Meine Meinung:

Auch dieses Buch habe ich mich lange gefreut. Als bekennender Portugalliebhaber, der auch Saramagos Bücher mag, dachte ich mir, dass dieses Buch einfach gut sein MUSS!

Leider, leider...wurde ich enttäuscht. Es stimmt! Dieses Buch quillt über vor Wissen über alles, sei es Geschichte oder Kultur Portugals....doch äussert sich diese Geschichte und Kultur ausschliesslich in Form von Kirchen. Ich möchte diesen grandiosen Schriftsteller nicht allzu kritisieren, aber fast 600 Seiten voller Beschreibungen von Kirchen wirkt schnell langweilig und vor allem lässt es schnell jede Kirche gleich wirken. Natürlich ist jedes Gotteshaus, jede Burg oder Statue eines Nationalhelden wieder anders und hat eigene Attribute, dennoch vertrete ich die Meinung, dass dies vor Ort zu geniessen ist. In einem Buch ständig Beschreibungen wie "hier ein Jesus am Kreuz aus Holz geschnitzt aus dem 16. Jahrhundert", "da eine Statue der Heiligen Maria Mutter Gottes aus Marmor" und "da drüben König Afonso (wahlweise auch João, Henrique, Sebastião und wie sie alle hiessen) aus Granit gehauen, sagen wir 18. Jahrhundert".....

Mit Respekt für alle Könige und Nationalhelden, ohne Gotteslästerung betreiben zu wollen und ohne Saramagos Werke schlecht reden zu wollen:
Aber die portugiesische Reise ist ein Staffellauf von Dorfkirche zu Stadtkapelle und weiter zur nächsten Kirche oder Burgkapelle.
Viel mehr hab ich mir erhofft, dass er von den Menschen auf seinem Weg erzählt, das Essen, die Musik...den Alltag diesen Landes. Wohl beschreibt er in seiner bekannt gekonnten Art die Landschaften und hier und da auch eine kleine Bekanntschaft in einem dieser Dörfer, doch gehen diese zwischen allen Kirchen etwas verloren.

Positiv ist eindeutig sein Schreibstil. Sonst eher kompliziert und (besonders was Grammatik betrifft) nicht immer "normal" bzw. bekannt gehabt, so fliessen die Worte in diesem Roman sehr flüssig dahin und wirken trotz einer gewissen Länge und Vernetzung der Sätze, nicht sehr kompliziert.
Ausserdem schreibt Saramago von sich in der dritten Person als "der Reisender", was mich in diesem Fall auch nicht gestört hat (obwohl ich selbst, glaube ich, nicht von mir in der dritten Person sprechen würde).

Unterm Strich ist es eine Art passionierter "portugiesischer-Kirchen-und-Burgen-Reiseführer/-literatur" von einem Nobelpreisträger, der sein Land wirklich gut und vor allem jede Ecke davon kennt. Meine Erwartungen hat es nicht bestätigt, vielleicht auch weil sie zu hoch oder zu verschieden waren. Mein Fehler. Was ich jedoch aus diesem Buch von ihm zitieren möchte:

"Der Reisende ist kein Tourist. Das ist ein grosser Unterschied. Reisen heisst entdecken, alles andere ist nur vorfinden." José Saramago

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:
José M. Sousa Saramago wurde am 16. November 1922 in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Wie er in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur am 10. Dezember 1998 in Stockholm ausführte, waren seine Großeltern väterlicherseits – Jerónimo Melrinho und Josefa Caixinha – noch analphabetische Schweine-züchter gewesen. Obwohl Josés Mutter bis ans Lebensende weder schreiben noch lesen lernte, kaufte sie ihrem wissbegierigen Sohn ein Buch, als er zwölf Jahre alt war. Den Besuch des Gymnasiums musste er 1936 allerdings vorzeitig abbrechen, weil seine Eltern das Schulgeld nicht länger aufbringen konnten. José wechselte auf eine technische Realschule und absolvierte eine Schlosserlehre. Abends saß er häufig in einer öffentlichen Bibliothek.
1944 heiratete er die Malerin Ilda Reis. Drei Jahre später wurde seine Tochter Violante geboren, die Saramagos einziges Kind blieb.


Mehr auf: José Saramago

18. Februar 2012

The fantastic flying books of Mr. Morris Lessmore

Heute fand ich diesen hübschen, Oscar-nominierten Kurzfilm auf facebook von der Schweizer Buchhandlung Orell Füssli veröffentlicht.

Die Geschichte ist so fantasievoll wie auch süss gestaltet. Einfach toll für jeden Buchliebhaer, weswegen ich den kleinen Film hier auch mit euch teilen wollte:


The fantastic flying books of Mr. Morris Lessmore






By the way:

AND THE OSCAR GOES TO....."The fantastic flying books of Mr. Morris Lessmore" für den besten Animations-Kurzfilm !!!

Joy Fielding - "Lauf, Jane, lauf!"

Autor: Joy Fielding
Titel: Lauf, Jane, lauf!

Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-41333-1
Erschienen: 1992
Seiten: 448


Inhalt:

So beginnt der Alptraum einer Frau, die sich plötzlich blutbefleckt, die Taschen voller Geld, ohne Erinnerungsvermögen auf den Straßen Bostons wiederfindet. Wer ist dieser Mann, den man ihr als ihren Ehemann vorstellt und der sie so aufopfernd umsorgt? Was sind das für Medikamente, die ihr angeblich helfen sollen? Und warum fühlt sie sich plötzlich als Gefangene im eigenen Haus?

Oder sind das alles Hirngespinste einer Geisteskranken? Ihre kleine Tochter, an die sie sich zu erinnern glaubt, ist auch verschwunden. Langsam wächst in Jane der Verdacht, dass sie einem teuflischen Plan ausgeliefert ist. Verzweifelt kämpft sie um ihr Gedächtnis – es wird ein Kampf auf Leben und Tod.

Meine Meinung:

Ein Roman, den ich schon 2x gelesen habe und mich immer wieder fesselt!
Die Situation, blutbefleckt, "reich", aber ohne Erinnerungen sich irgendwo wiederzufinden, ist als Buch spannend, im echten Leben nicht wünschenswert, obwohl es mir sehr lebensnah vorkam.

Joy Fielding versteht es auf ungekünstelte Art eine rasante Geschichte zu schreiben und den Leser in die Mysterien von Janes Albtraum zu entführen. So fiebert man mit der Protagonistin mit, sucht nach Lösungen, versucht das Problem zu verstehen, die Hintergründe und Beweggründe....unmöglich. Dieser Roman ist erfrischend unabsehbar und enthüllt immer neue Überraschungen!

Hätt ich die Zeit und keine anderen Bücher zu lesen, würd ich diesen ein drittes Mal lesen - schliesslich sind alle guten Dinge 3.

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:
Joy Fielding begann schon im Alter von acht Jahren, Geschichten zu schreiben und bald darauf auch kleine Theaterstücke, die sie mit ihren Freunden nachspielte. Mit zwölf schrieb sie ein Drehbuch für einen Fernsehfilm, in dem eine Zwölfjährige ihre Eltern ermordet. Auch als Teenager schrieb sie weiterhin Geschichten. Alle wurden jedoch von Zeitschriften und Verlagen abgelehnt. Ihr Studium der englischen Literatur an der Universität von Toronto schloss sie 1966 mit dem Bachelor ab. Schon während des Studiums hatte sie ihren Plan verworfen, Schriftstellerin zu werden, und spielte stattdessen in ungefähr 20 Studentenfilmen mit.
Sie lebt mit ihrem Mann Warren in Toronto und Palm Beach und hat zwei Töchter, Shannon und Annie.

Mehr auf: Joy Fielding

José Saramago - "Eine Zeit ohne Tod"

Autor: José Saramago
Titel: Eine Zeit ohne Tod

Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-24342-4
Erschienen: 2007
Seiten: 253


Inhalt:

Und wenn einfach keiner mehr sterben würde?

Es ist der 1. Januar in einem nicht näher bezeichneten Land. Da geschieht, wofür es kein Beispiel in der Geschichte gibt: An diesem Tag stirbt niemand. Und auch am folgenden Tag nicht und am darauffolgenden. Selbst die Königinmutter, bei der es aussah, als würde sie den Jahreswechsel nicht mehr erleben, verharrt im Sterben. Eines Tages findet der Direktor des nationalen Fernsehens einen Brief auf dem Tisch, über dessen Erhalt er umgehend den Ministerpräsidenten in Kenntnis setzt. Der Brief stammt vom Tod...


Meine Meinung:

Die Idee hat mich ziemlich beschäftigt und fand die Gedankengänge im Buch auch sehr überlegenswert. Warum dieser Wunsch nach Unsterblichkeit? Wir vergessen dabei, welche Probleme in diesem Fall auf uns zukommen. Ewig leben muss nicht Glück bedeuten: die Erde wird rasant überbevölkert sein, die Schwerkranken sterben nicht, obwohl es für sie eher eine Erlösung aus ihrer Qual wäre und was passiert mit all den Berufen, die mit dem Tod arbeiten (Krankenpfleger und Ärzte, die den Tod bekämpfen? Bestattungsunternehmen, die keine "Kundschaft" mehr haben und somit arbeitslos werden?). Denn in diesem Land werden die Leute immer noch älter, es ist nicht alles in der Zeit eingefroren. So muss man kein Mathegenie sein, um zu begreifen, dass in kurzer Zeit unzählbar viele Rentner das Land bevölkern und die Altersheime sowie auch alle Wohnungen überfüllt sind...
Eine Hoffnung: in den Nachbarländern wird noch immer gestorben. So kommt es bald dazu, dass Familien ihre kranken, schwachen Grosseltern erlösen und sie über die Grenze zum sterben schmuggeln. Dies wiederum bringt neue Probleme...

In der zweiten Hälfte verändert José Saramago allerdings den Blickwinkel. Nun schreibt er nicht mehr allgemein über die Menschen in dieser Situation, sondern aus der Sicht des Todes (in seiner Vorstellung eine Frau, schwarzer Umhang und entweder als Skelett oder unsichtbarer Nebel). Denn der Tod schreibt ja einen Brief, um die Lage zu erklären. Was danach alles geschieht, möchte ich hier ungern verraten. Doch die Überlegungen bleiben spannend. Ich hatte bloss das Gefühl als wären es zwei Geschichten, die schlicht miteinander verknüpft wurden. Ausserdem ist das Ende sehr sehr komisch und hat mich persönlich nicht zufriedengestellt...aber das ist vielleicht Geschmackssache.

Der Schreibstil ist wie immer schwierig (einfache Sätze sind weniger Saramagos Stärke), aber seine Gedanken mal was anderes!

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:
José M. Sousa Saramago wurde am 16. November 1922 in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Wie er in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur am 10. Dezember 1998 in Stockholm ausführte, waren seine Großeltern väterlicherseits – Jerónimo Melrinho und Josefa Caixinha – noch analphabetische Schweine-züchter gewesen. Obwohl Josés Mutter bis ans Lebensende weder schreiben noch lesen lernte, kaufte sie ihrem wissbegierigen Sohn ein Buch, als er zwölf Jahre alt war. Den Besuch des Gymnasiums musste er 1936 allerdings vorzeitig abbrechen, weil seine Eltern das Schulgeld nicht länger aufbringen konnten. José wechselte auf eine technische Realschule und absolvierte eine Schlosserlehre. Abends saß er häufig in einer öffentlichen Bibliothek.
1944 heiratete er die Malerin Ilda Reis. Drei Jahre später wurde seine Tochter Violante geboren, die Saramagos einziges Kind blieb.


Mehr auf: José Saramago

5. Februar 2012

Mary Hooper - "Toten Mädchen"

Autor: Mary Hooper
Titel: Toten Mädchen

Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-40072-2
Erschienen: 2011
Seiten: 317


Inhalt:

Oxford, im Jahre 1650:

Namhafte Mediziner und junge Studenten versammeln sich im Haus des Apothekers Clarke, um der Sezierung einer Leiche beizuwohnen - der der 16-jährigen Anne Green, die wegen Kindstötung zum Tode verurteilt worden war. In Wahrheit wurde Anne vom Neffen ihres Dienstherrn verführt und dann sitzengelassen - doch die Wahrheit hatte vor Gericht niemand hören wollen. Stunden nach Annes Tod ist der junge Student Robert der erste, der es wahrnimmt: Annes Augenlider flattern. Sollte das Mädchen, das noch auf dem Schafott ihre Unschuld beteuert hatte, den Strang überlebt haben?


Die wahre Geschichte von Anne Green, die 1650 in Oxford wegen Kindestötung gehängt wurde. Sie wurde der Welt zurückgegeben und starb erneut im Jahre 1665.


Meine Meinung:

Eine gruselige Vorstellung, wenn man liest, dass diese Geschichte nicht erfunden, sonder wahr sein soll! Besonders zur Zeit der Puritaner und der Hexenverfolgung bedeutete dies ein unfassbares Wunder, das die Leute noch heute in Staunen versetzt....sowie die Autorin, die von Anne Greens Fall im Radio in einer Sendung von BBC hörte.

Im Buch erzählten zum einen Anne Green ihre eigene Geschichte im Rückblick, das heisst, der Leser kann ihre Geschichte nachverfolgen, die sie in ihrem "Koma" oder Halbtod überdenkt. Zum anderen erzählt Robert, der Student mit dem Sprachfehler, die Ereignisse im Apotheker-Haus. Dies geschieht abwechslungsweise, verwirrt jedoch nicht, da die Ansichten klar durch Kapitel getrennt sind.

Die Autorin selbst schreibt am Schluss wie sie zu dieser Geschichte kam, was sie faszinierte und erklärt, dass die Details (Gespräche, Ereignisabfolge, etc.) natürlich von ihr frei erfunden sind und somit nicht eins zu eins verstanden werden dürfen. Die Rahmenbedingungen und alles, was sich aus Aufzeichnungen der Mediziner, dem Gericht und anderen Dokumenten finden lässt, wob sie hinein, um möglichst nahe an die Wahrheit zu gelangen.

Ich war einzig froh, wurde die Sezierung nicht allzu detailgenau beschrieben, obwohl sie nicht weit kamen (bzw. eigentlich nicht wirklich begann). Da mir die Erwähnung von Skalpell und anderen medizinischen Instrumenten (und dann noch vom Mittelalter!) schon meine eigene Haut kribbeln liess...

Das Buch ist einfach toll - obwohl die Gegebenheiten nicht so toll sind/waren.

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen




Autorin:
Mary Hooper begann zu schreiben, als ihre Kinder noch klein waren. Seitdem hat sie zahlreiche Kurzgeschichten für Zeitschriften und über dreißig Kinder- und Jugendbücher verfasst. Daneben gibt sie Kurse in Kreativem Schreiben. Im Jahr 2001 wurde sie für ihr Jugendbuch Megan mit dem North East Book Award ausgezeichnet. Mary Hooper lebt in Hampshire, England.

Mehr auf: Mary Hooper

Ildefonso Falcones - "die Kathedrale des Meeres"

Autor: Ildefonso Falcones
Titel: die Kathedrale des Meeres

Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-502-10097-3
Erschienen: 2007
Seiten: 652


Inhalt:

Der kleine Arnau flieht mit seinem Vater Bernat vor einem brutalen Lehnsherren in das mittelalterliche Barcelona. Die Stadt steht in höchster Blüte, die Viertel wachsen bis hinunter ans Meer. Im Barrio der Töpfer und Hafenarbeiter finden Vater und Sohn Unterschlupf. Während Bernat in der Töpferei seines Schwagers arbeitet, zieht Arnau durch die Strassen und Gassen Barcelonas. Dort erlebt der Junge den Bau von Santa María del Mar, einer riesigen Kirche, die vom Volk für das Volk gebaut wird. Im Schatten des mächtigen Bauwerks erfährt er, welch schweres Los die Arbeit dort ist: Mit den anderen Steinträgern schleppt der Vierzehnjährige die riesigen Felsblöcke vom Montjuïc bis hinunter an den Hafen. Doch während sich die Kathedrale des Meeres in den Himmel reckt, wirft sie auch dunkle Schatten auf das Leben der Menschen. Das Volk leidet unter der Willkür des Adels, die Pest lauert vor den Toren. Und Arnaus Aufstieg zu einem der angesehensten Bürger der Stadt droht ihm zum Verhängnis zu werden: Er wird Opfer eine Intrige, und sein Leben gerät in höchste Gefahr.


Meine Meinung:

Das Buch ist genauso wuchtig wie die Kathedrale, kann ich mir vorstellen. Auf jeden Fall nichts Leichtes für zwischendurch, aber ein historisches Stück von Barcelona.

Vielleicht ist es jemandem von euch auch schon aufgefallen oder es ist bloss meine eigene Einbildung: aber historische Romane, besonders mittelalterliche, haben auch diesen "mittelalterlichen Schreibstil". Nicht dass es altes Deutsch wäre, doch es wirkt einfach trockener, weniger beschwingt, historisch und "alt" irgendwie. Dennoch verläuft die Geschichte recht flüssig und wird somit nicht sehr langweilig.

Allerdings gibt es auch bei diesem dicken Buch einige Kapitel (Tendenz in der Mitte gegen Schluss), die einfach nur langatmig wirken, als wollte der Autor die Geschichte noch nicht beenden und schreibt deswegen nochmals ein paar hundert Seiten. Das ist Schade, denn die Erzählung gefällt mir ansonsten gut und hat weitere Ausschweifungen nicht nötig.

Doch die Karte und die Legende, die sogar die Gebäude nicht nur nummeriert und benennt, sondern auch Auskünfte wie historische Daten angibt, gefallen mir sehr und helfen für das Verständnis.

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:
Falcones arbeitet in Barcelona als Anwalt und leitet dort seine eigene Kanzlei. Neben seiner beruflichen Tätigkeit, bei der er sich in die mittelalterliche Rechtsgeschichte Kataloniens vertiefte, entstand in fünfjähriger Arbeit sein Erstlingswerk Die Kathedrale des Meeres, ein im Mittelalter angesiedelter historischer Roman vor dem Hintergrund des Baus der Kirche Santa Maria del Mar. Falcones ist ehemaliger spanischer Juniorenmeister im Springreiten in Spanien und bis heute aktiver Reitsportler.

Mehr auf: Ildefonso Falcones

Miquel de Palol - "Im Garten der sieben Dämmerungen"

Autor: Miquel de Palol
Titel: Im Garten der sieben Dämmerungen

Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-351-03213-5
Erschienen: 2007
Seiten: 1128


Inhalt:

In einem tief in den Pyrenäen verborgenen Schloss aus dem 17. Jahrhundert findet sich eine Gruppe privilegierter Leute zusammen, um den Ausgang eines Krieges abzuwarten, der Europa verwüstet. Sieben Tage wird der Aufenthalt dauern, und allmorgendlich versammelt man sich bei erlesenen Getränken in einem Salon und erzählt sich Geschichten aus einer Zeit vor dreissig und vor fünfzig Jahren, als das 20. Jahrhundert seinem Ende zuging. Es sind dramatische, philosophische, erotische Geschichten, Träume, Mord- und Spionagegeschichten, die kunstvoll ineinanderfliessen und immer erkennbarer in eine einzige grosse Erzählung münden: die von einem mächtigen katalanischen Wirtschafts- und Familienclan. Seine Vergangenheit ist mit der Bank Mir verbunden, sein Schicksal mit der Suche nach einem geheimnisvollen Juwel und einer ebenso geheimnisumwobenen Persönlichkeit mit dem Namen Ω. Doch was wie ein Gesellschaftsspiel beginnt, wird allmählich zum Poker. Die Figuren in den Geschichten und ihre Erzähler schieben sich übereinander, wechseln die Identität. Wer erzählt noch die Wahrheit? Und ist Omega gar unter ihnen?


Meine Meinung:

Diesen dicken Schinken von einem Buch ziert ein schönes Cover, das mich sofort ansprach. Auch die Geschichte weckte meine Neugier und liess mich diese "schwere" Lektüre zur Hand nehmen.

Danach hatte ich gemischte Gefühle: zum einen ist die Erzählung gross, wuchtig, spannend....zum anderen aber auch langatmig und verwirrend.
Leider. Denn wie der Autor alle Figuren und solch viele Geschichte so toll ineinander verweben kann, so dass alles auch recht logisch aufeinander passt - dafür ein grosses Kompliment!
Allerdings bekam ich auch das Gefühl, dass der Autor mit Wissen prahlt oder gewollt so alleswissend, clever und toll wirken möchte, was leider weniger authentisch wirkt, also genau das Gegenteil bewirkt.

Anfangs war ich gefangen von der Story, welche im Rahmen von der gleichen Person erzählt wird (jemand, der seine Eltern nicht gekannt hat, oder dies zumindest glaubt...aber zuviel sei hier nicht verraten...). Später folgen immer wieder Kapitel, die von den verschiedenen Personen im Salon oder in der Bibliothek bei einem Glässchen Whisky, Brandy oder Tasse Kaffee erzählt wird. Erst ergibt es für den Leser überhaupt keinen Sinn und scheint ein grosses Wirrwarr von verschiedenen Geschichten in verschiedenen Zeiten, Epochen, Ländern, etc. zu sein. Doch in der zweiten Hälfte fügt sich aller wundersam zusammen...

Allerdings muss man bis in die Hälfte gelangen, denn schon dies verlangt einiges an Zeit. Das war auch u.a. der Grund für den bitteren Nachgeschmack dieser Lektüre: es war einfach dermassen langatmig und wirr, dass es mein Interesse erlöschen liess und langweilte. Das Netzwerk an versteckten Andeutungen und Verlinkung aller Erzählungen ist so verwirrend, dass die Lust am Rätseln vergeht. Normalerweise habe ich keine Probleme, wenn es mehrere Orte, Zeiten und Personen in einer Geschichte gibt, doch dieses Buch überforderte mich ein wenig.

Also sicher eine grosse Geschichte, mit viel Müh verfasst, doch auch mit Müh verdaubar...

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:
Miquel de Palol ist der Sohn eines Hochschullehrers für Archäologie. Aufgewachsen ist er bis zum Alter von 17 Jahren in Valladolid, weil sein Vater an der dortigen Universität lehrte. Für sein Architektur-Studium kehrte er in seine Geburtsstadt zurück. Mit 19 Jahren trat er erstmals als Lyriker öffentlich in Erscheinung.

Als Kolumnist und Literaturkritiker hat Palol über die Jahre an diversen Zeitungen, Medien und literaturwissenschaftlichen Zeitschriften mitgearbeitet wie Tarotdequinze, Serra d’Or, El Pont, La Vanguardia, El País, ABC, El Periódico de Catalunya, El Mundo, El Triangle, Interviu, El Urogallo, diari Avui, und weiteren. Palol ist Mitglied der Associació d’Escriptors en Llengua Catalana (AELC) und in der internationalen Schriftsteller-Vereinigung PEN Club.

Mehr auf. Miquel del Palol



3. Februar 2012

Alicia Gaspar de Alba - "die Hexenschrift"

Autor: Alicia Gaspar de Alba
Titel: die Hexenschrift

Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-596-18082-0
Erschienen: 2010
Seiten: 506


Inhalt:

Mexiko, 1683: die junge, schöne Concepción Benavidez wird nach ihrer Flucht aus dem Kloster, in dem sie aufwuchs, in Vera Cruz auf ein Piratenschiff verschleppt. Auf der langen, harten Reise nach Nordamerika wird sie mehrfach vom Kapitän vergewaltigt. Nach der Ankunft in Bosston wird sie an das Ehepaar Nathaniel und Rebecca Greenwood verkauft. Bei den Greenwoods muss Concepción feststellen, dass die Vergewaltigungen während der Überfahrt nicht ohne Folgen geblieben sind: Sie ist schwanger. Sie bringt eine kleine Tochter zur Welt, die sie Jerónima nennt. Doch Rebecca Greenwood, die nach ihrem Sohn keine weiteren Kinder mehr bekommen kann, tauft das kleine Mädchen in Hannah um, und zwischen Concepción und Rebecca entbrennt ein erbitterter Wettstreit um die Liebe des Kindes. Die unerträgliche Situation kann Concepción nur dank der Unterstützung von Rebeccas Vater aushalten, den sie hingebungsvoll pflegt. Kurz vor seinem Tod wird sie schliesslich seine Frau - und ist damit eine freie Bürgerin. Doch den amerikanischen Puritanern ist die Katholikin ien Dorn im Auge, und so wird sie im Zuge der Hexenprozesse von Salem selbst der Hexerei bezichtigt - und die Hauptzeugin ist ausgerechnet ihre Tochter Hannah!


Meine Meinung:

Endlich wieder einmal ein guter, recherchierter Roman über Hexen. Schon auf dem Cover stand "Historischer Roman", doch leider lernte ich dieser Anschrift nicht immer zu trauen. Herausgestellt hat sich, dass das Buch sich nicht ausschliesslich um die Hexenverfolgung dreht, jedoch einen guten Einblick vermittelt in die damalige Zeit, Aberglauben und Gesellschaftsformen miteinbegriffen.

Die Geschichte beginnt auf dem Piratenschifft und dreht sich danach nur noch in Boston, Neuengland, ab. Dabei erzählt Concepción immer wieder mal aus der Vergangenheit aus Mexiko, wodurch es zu einigen Zeitsprüngen kommt, die jedoch nicht weiter irritieren. Auch erzählt die ganze Geschichte Concepción aus ihrer Sicht, ausser ganz am Anfang und ganz am Ende jeweils ein Kapitel aus Sicht ihrer Tochter Jerónima/Hannah.

Der Schreibstil hat mir auch gut gefallen, da er ausführlich und doch flüssig zu lesen war. Mit 500 Seiten wirkt die Geschichte im 2. Drittel kurz etwas langatmig, es kommt jedoch schnell auch wieder in Fahrt, als die Hexenprozsse weiteren Aufschwung geben. Ausserdem beschreibt die Autorin relativ viele Figuren und formt deren Charakter wunderschön (auch wenn ich einige Schicksale nicht teilen möchte!).

Mich hat dieser historische Roman nicht nur in eine vergangene Zeit verführt, sondern auch über die bedingungslose Mutterliebe in allen Ländern, Religionen, Sprachen und Gesellschaftschichten...gelehrt.

Fazit:
4,5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:
Die us-amerikanische Autorin Alicia Gaspar de Alba wurde 1958 an der Grenze von El Paso und Juárez geboren und wuchs im Grenzgebiet der USA zu Mexico in der Barcelona Street auf. Dort lebte sie bis zu ihrem 27. Lebensjahr und besuchte die Eastwood High School.
1985 ging sie nach Iowa City, um dort ihren Doktor in American Studies zu machen und erfreute sich am ungewohnten Schnee, am Black Angel Friedhof und an den schwul/lesbischen Latina-Kommilitonen, aber nicht unbedingt am Studium. Schon ein Jahr später ging sie nach Boston, Massachusetts, wo sie für vier Jahre Übersetzerin bei der Internationalen Braille Press für Blindenschrift tätig war. Zudem unterrichtete sie englische Computerkurse und beschloss, mit allen Mitteln Schriftstellerin zu werden und saß so jeden Morgen an ihrer Schreibmaschine und schrieb Manuskripte.

Mehr auf: Alicia Gaspar de Alba

Jodi Picoult - "Das Herz ihrer Tochter"

Autor: Jodi Picoult
Titel: Das Herz ihrer Tochter

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-4922-6376-4
Erschienen: 2010
Seiten: 504


Inhalt:
(eigene Übersetzung des englischen Klappentextes)

June hat erlebt, was keine Mutter erleben sollte. 12 Jahre zuvor wurde ihr Mann und ihre junge Tochter ermordert. Für ihr noch ungeborenes Kind lebt sie nun weiter.

Doch nun könnte sie auch ihre zweite Tochter verlieren. Claire hat einen Herzfehler und stirbt, wenn sie nicht bald einen Spender finden.
Es scheint wie ein Wunder als sich schliesslich ein passendes Spenderherz findet. Doch dann erfährt June, dass das neue Herz ausgerechnet von dem Mann kommt, der Claire's Schwester damals tötete. Sie dachte, sie würde alles dafür tun, das Leben ihrer Tochter zu beschützen. Aber wie kann sie iher Tochter das Herz eines Mörders geben?


Meine Meinung:

Was soll ich sagen? - Jodi Picoult eben! Auch dieses Buch habe ich auf englisch gelesen und kam erstaunlich gut mit, auch wenn mir sicher Kleinigkeiten entgangen sind.
Dennoch hatte ich am Ende Tränen in den Augen...

Die Geschichte mit Shay Bourne, dem Mörder des Vaters und der Schwester, welche Claire nie kennenlernt, entfacht ein Lauffeuer von Fragen im meinem Kopf. Was bedeutet mir das Leben meiner Tochter? Kann man solch eine Tat verzeihen - oder zumindest akzeptieren lernen? Wie verkraftet man diesen Schicksalsschlag? Und wie erzähle ich meiner Tochter die ganze Geschichte? Soll sie oder ich entscheiden?...Fragen über Fragen!

Diese Geschichte ist mitreissend und emotional und selbst das ist noch untertrieben, denn ich finde keine Worte für diese Misere, die Jodi Picoult hier als Rahmen aufbaut. Mit ihrer gründlichen Recherche wirkt alles so echt, dass ich mich lieber nicht daran erinnern möchte.
Dabei hat man jedoch nicht nur den Konflikt von June oder den Gefühlen Claires, man bekommt sogar ein Gefühl für Shay, obwohl dieser doch der Mörder ist!
Es erinnert mich immer noch stark an den Film "Green Mile" mit u.a. Tom Hanks.

Absolut lesenswert, auch wenn man danach einen Stein im Herzen spürt...

Fazit:

5 von 5 Lese-Echsen



Autorin:
Jodi Picoult wurde 1967 in Long Island, New York, geboren. Sie studierte zunächst in Princeton Kreatives Schreiben, später machte sie in Harvard einen Masterabschluß in Pädagogik. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Texterin und Lehrerin.
Bereits in Princeton lernte Jodi Picoult ihren Ehemann Tim van Leer kennen. Die beiden heirateten, und während sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, schrieb Jodi Picoult auch ihren ersten Roman, der 1992 veröffentlicht wurde. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im idyllischen Hanover, New Hampshire.
Jodi Picoult schreibt ihre Bücher in ihrem Büro im Dachgeschoss ihres Hauses, wo sie mit großer Disziplin so oft wie möglich schreibt, nur unterbrochen von ihren Kindern, die für sie trotz ihres immensen internationalen Erfolgs und ihren regelmäßig erscheinenden Romanen an erster Stelle stehen.

Mehr auf: Jodie Picoult




Nick Hornby - "A long way down"

Autor: Nick Hornby
Titel: A long way down

Verlag: Knaur TB
ISBN: 978-3-4266-1536-2
Erschienen: 2006
Seiten: 400


Inhalt:

Man kann sich einfach nicht in Ruhe umbringen, wenn andere dabei zusehen. Und so kommt es, dass die vier Lebensmüden, die sich Silvester auf dem Dach eines Hochhauses begegnen, nicht springen, sondern sich gegenseitig ihre Geschichten erzählen: die Hausfrau Maureen, der Talkmaster Martin, das Mädchen Jess und der Musiker JJ. Die vier verabreden, mit dem finalen Sprung zu warten. So findet eine Gruppe von Menschen zueinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und die einander doch auf wundersame Weise zu helfen wissen.


Meine Meinung:

Eines meiner ersten Bücher, die ich auf englisch gelesen habe. Meine englische Taschenbuchausgabe zählt jedoch nur 256 Seiten...

Trotz einiger sprachlichen Barriere, also der Tatsache, dass ich nicht jedes Detail verstanden haben werde, haben mich die Geschichten der vier Lebensmüden doch mitgerissen. Unterschiedlicher könnten sie nämlich nicht sein:

(Auszug Amazon)
"Martin, der populäre Frühstücksfernsehmoderator, dessen Ausflug ins Bett einer 15-Jährigen dazu führte, dass die Scheinwerfer für ihn endgültig ausgingen. Die altjüngferliche Katholikin Maureen, die beim einzigen „Fehltritt“ ihres Lebens ein Kind zur Welt brachte, dass seitdem im Wachkoma dämmert. Die rotzfreche Jess, für die der Selbstmord wegen eines Kerls einfach nur ein geiler Abgang zu sein scheint. Schließlich JJ, der Rockmusiker mit Karriereknick..."

Nick Hornby versteht es wieder einmal menschliche Dramen aus dem Alltag ins Scheinwerferlicht zu stellen und den Leser zum Nachdenken anzuregen und ihn gleichzeitig "prächtig" unterhält.

Fazit:
4,5 von 5 Lese-Echsen





Autor:
Nick Hornby, geboren 1957 in Redhill, Surrey, England, lebt mit seiner Familie in London. Nach dem Studium in Cambridge arbeitete er zeitweise als Lehrer. Seit 1983 ist er freier (und zunächst erfolgloser Autor). 1992 schrieb er mit "Fever Pitch" (deutsch: "Ballfieber") einen ersten Bestseller über seine große Leidenschaft Fußball. "High Fidelity", 1995 erschienen, knüpft an den Erfolg des Vorgängers an. Hornby schreibt u.a. für die Sundy Times, für Time Out und das Times Literary Supplement.

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