30. September 2012

Ritch Duncan & Bob Powers - "Ein Werwolf - ein Buch"

Autoren: Ritch Duncan & Bob Powers
Titel: Ein Werwolf - ein Buch
Alles, was ein Werwolf wissen muss

Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47301-4
Erschienen: 2010
Seiten: 315 (inkl. Mondkalender)


Inhalt:

Sind Sie etwa ein Werwolf?
Wenn Sie nur den geringsten Verdacht haben, dann schlagen Sie dieses Buch auf, der nächste Vollmond kommt bestimmt!

Wenn man von einem Werwolf gebissen wurde, dann hat man ein Problem. Es bleiben nur 30 Tage bis zum nächsten Vollmond, bevor man selbst zum Werwolf mutiert. Darauf sollte man vorbereiten sein. Denn wenn man sich zum 1. Mal in dieses wilde, blutdürstige Biest verwandelt, hat man sicherlich die eine oder andere Frage. Jetzt gibt es endlich ein Buch, das Sie durch diese stressige Zeit begleitet. Dieser essentielle Ratgeber enthält alle Informationen, die ein neuer Werwolf braucht, um ein sicheres, glückliches und sehr langes Leben führen zu können. Endlich wird mit all den Märcchen aufgeräumt, und Sie müssen sich nicht mehr allein durchbeissen!
Was passiert bei der ersten Wandlung? Wie kann ich mit einem Werwolf zusammenleben? Wovor sollte ich mich in Acht nehmen?
Hier werden alle wichtigen Fragen beantwortet und Tipps gegeben. Sie finden Einkaufslisten, Tipps zum Verhalten und Schnelltests, mit denen man erfahren kann, ob man die Lykanthropie erwischt hat.


Meine Meinung:

Als ich den Klappentext gelesen habe, musste ich einfach schmunzeln und sah keine Gefahr mir das Buch zu kaufen. Bis zum Ende glaube ich nicht an Werwölfe (gibt halt eben auch Menschen mit stärkerem Haarwuchs, aber...naja). Falls ich doch einmal einem begegnen sollte, werde ich das hoffentlich überleben, schliesslich hab ich mich ja jetzt mittels Buch schlau gemacht! =)

Das Buch selbst wirkt tatsächlich ernst gemeint und obwohl der Sarkasmus und der schwarze Humor ziemlich offensichtlich ist, bedienen sich die Autoren nicht an allzu klischeehaften, offensichtlichen Witzen, sondern haben die vollen 300 Seiten als Sachbuch verkauft!
Das mag ziemlich irritieren, aber genau deswegen auch so real wirken, was dem Buch einen gewissen Gruselfaktor beschert...oder sagen wir einen "angenehmen Schauer über den Rücken". Und wenn man am Abend im Dunkeln liest, löst es zwar keine Albträume aus (für das ist es zu schwach), aber dennoch Fragen im Kopf, die eigentlich totaler Blödsinn sind (aber höchst unterhaltsam).

Der Schreibstil hält sich somit auch an den eher sachlichen Schreibstil von Fachliteratur, ist dank Thema und einigen ironischen Stellen doch lebendig genug, um es als Roman wahrzunehmen.
Unterteilt ist es in drei grössere Teile, die unter sich wiederum in Kapitel eingeteilt sind: im ersten Teil eher über das "willkommen in ihrem neuen Leben, Glückwunsch, Sie sind jetzt ein Werwolf und ihre erste Verwandlung", im zweiten Teil eher das "allgemeine Leben von Werwölfen", im dritten Teil schlussendlich die eher dunkleren Themen "wie man am Leben bleibt, von wem man verfolgt wird und was passiert, wenn man selber zum Mörder wurde".

Illustriert wurde das Buch noch von Emily Flake, einer Zeichnerin, die einige Skizzen von Wolfstypen, Ankettungs- und Sicherheitsmaterialien und Situationen beisteuerte. Allerdings schwarz-weiss, was die "Blut-Fans" jetzt wohl enttäuschen wird, sorry.

Mit der Zeit fand ich den Scherz jedoch etwas zu lang gezogen und zu ernst, was dann eben eher irritierend wirkt oder sogar langweilt. Leichtgläubige Menschen könnte es vielleicht beunruhigen, doch mit Blick auf den Beruf der Autoren, sollte es geklärt sein, dass das Buch nur zur Unterhaltung dient und nicht wirklich ein Ratgeber ist.

Eine ungewöhnliche Lektüre, die eine tolle Abwechslung war, ich mir aber jetzt doch wieder lieber was Kitschiges oder sonst ein anderes Genre zu Gemüte führen möchte...

Fazit:
3,5 von 5 Lese-Echsen




Autoren:

Ritch Duncan ist ein Stand-up-Comedian und Autor. Er kreierte den beliebten Werwolf-Blog "WhatIsHappeningToMe".

Bob Powers hat bereits mehrere humoristische Bücher geschreiben und steuert regelmässig Beiträge für Radio, ComedyCentral.com und zum NewYork Times Humor-Blog bei.

Beide leben in New York City.

Mehr auf: Interview mit Ritch Duncan

27. September 2012

Alex Capus - "Léon und Louise"

Autor: Alex Capus
Titel: Léon und Louise

Verlag: Carl Hanser
ISBN: 978-3-423-14128-4
Erschienen: 2011
Seiten: 315


Inhalt:

Eine grosse Liebe, gelebt gegen die ganze Welt: Das ist die Geschichte von Léon und Louise.
Sie beginnt während des Ersten Weltkriegs an der französischen Atlantikküste, wo die beiden sich zum ersten Mal begegnen. Doch dann reisst sie ein Fliegerangriff mit Gewalt auseinander. Sie halten einander für to. Léon heiratet, und Louise, von leidenschaftlichem Temperament und unstillbarem Unabhängigkeitsdrang, geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen.

Eine wunderbare Geschichte zweier Menschen, die nie zusammenkamen und doch ein hinreissendes Liebespaar geworden sind.


Meine Meinung:

Obwohl ich mir dieses Buch wohl eher nicht selbst gekauft habe (sondern in diesem Fall geschenkt bekam) hat es mich sehr gut unterhalten. Wieder einmal ein Beweis, dass ein unscheinbares Cover eine doch grosse Geschichte dahinter verbergen kann.
(Der umgekehrte Fall - also schönes Cover, aber blöde Geschichte - gibt es ja leider auch...)

Die Geschichte wird aus der Sicht eines Enkels von Léon geschrieben und ist somit auch recht "Léon-lastig". Dass es jedoch nicht Léon selbst ist, der über die Geschehnisse berichtet, wird nur an einigen wenigen Stellen sichtbar, sonst könnte man auch meinen, dass es ein aussenstehender Erzähler ist. Eigentlich wird das ganze Leben von Léon erzählt, von dem Zeitpunkt als er etwa 20 Jahre jung ist (und Louise traf) bis zum Tod seiner Frau als er selbst schon über 60 Jahre alt ist.
Somit könnte man das Buch eine "fiktive Biographie" nennen.

Louise ist sein wichtigster Gegenpart und auch aus ihrem Leben wird einiges berichtet, wenn auch viel weniger. In einigen Kapiteln (gegen Ende) verschwindet sie sogar ganz oder tritt nur noch in Form ihrer Briefe an Léon auf. Dennoch hatte ich als Leser das Gefühl sie zu kennen. Für mich unerwartet, wurde auch Yvonne (die Frau von Léon) und ihre Kinder näher in den Fokus gerückt, wodurch man gegen Ende des Buches kurz sogar mehr über diese Frau liest, als über Louise.

Ganz allgemein hat mir der Anfang ausnahmsweise besser gefallen als das Ende. Meistens ist es anders rum: dass ich Startschwierigkeiten hab mich in das Buch hineinzufühlen, das Ende jedoch alles wieder gut macht. Bei diesem Roman begann ich die Lektüre sehr optimistisch, doch mit der Zeit ist das Lesevergnügen leider etwas abgeflaut...

Die Personen und die Situationen sind sehr autenthisch und mit dem geschichtlichen Hintergrund des Ersten und Zweiten Weltkrieges auch nahe an der Realität. An den Schreibstil musste ich mich jedoch erst gewöhnen, da er zwar doch flüssig zu lesen ist, jedoch eine meiner Meinung nach etwas "alt-deutsche-Erzählungs-Aura" hat.

Schlussendlich ist es eine sehr nette Geschichte, die sicher vielen gefällt, die mich persönlich aber nicht direkt vom Hocker gehauen hat. Schlechtreden kann ich Capus' Werk dennoch nicht.

Fazit:
3 von 5 Lese-Echsen





Autor:

Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte und Philosophie in Basel. Zwischen 1986 und 1995 arbeitete er als Journalist bei verschiedenen Schweizer Tageszeitungen.
Er lebt heute als freier Schriftsteller in Olten (Schweiz).

Mehr auf: Alex Capus

23. September 2012

Katherine Webb - "das geheime Vermächtnis"

Autor: Katherine Webb
Titel: Das geheime Vermächtnis

Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-35546-0
Erschienen: 2011
Seiten: 542


Inhalt:

An einem düsteren Wintertag machen sich Erica und Beth auf den Weg zu dem Landsitz ihrer verstorbenen Grossmutter. Diese hat ihr Erbe mit einer Bedingung verknüpft: Wollen die Schwestern Storton Manor behalten, müssen sie selbst dort einziehen. Erica und Beth sind darüber alles andere als glücklich, denn die Erinnerungen an die unbeschwerten Sommertage ihrer Kindheit werden überschattet vom mysteriösen Verschwinden ihres Cousins Henry. Bis heute weiss niemand, was damals wirklich geschah, und die Familie zerbrach an dem tragischen Schicksalsschlag.
Als Erica die Hinterlassenschaften ihrer Grossmutter ordnet, wird ihr klar, dass Henrys Verschwinden nicht das einzige Geheimnis ist, das die alten Mauern von Storton Manor bergen. Auf einem vergilbtem Foto erkennt sie ihre Urgrossmutter Caroline mit einem unbekanntem Baby. Wer ist dieses Kind, und was ist aus ihm geworden? Stück für Stück folgt Erica den geheimnisvollen Spuren, bis sie sich schliessich mit einem schrecklichen Verrat konfrontiert sieht...


Meine Meinung:

Nun gut, ich habe eine gewisse Schwäche für solche Bücher, obwohl sie sich schnell mal ähnlich sind. Immer scheint es einen alten Brief oder ein vergilbtes Foto zu geben, das auch ein Geheimnis deutet, welches meist eine verbotene Liebe, ein uneheliches Kind oder sonstige zerstörte Träume und Verrat in der Familie beinhaltet.
Ich liebe es in eine Familiengeschichte einzutauchen, sie über Generationen kennen zu lernen und die Konsequenzen ihrer Fehler mitzuverfolgen. Soll nun nicht heissen, dass ich mich an den Problemen der anderen gütlich tu, sondern ich liebe einfach diese "Familiengeheimnisse" - ist ja schliesslich fiktiv.

Sehr gefallen hat mir, dass auch in diesem Buch die für dieses Genre recht typischen Rückblenden genutzt wurden. Allerdings kam es mir sehr lange so vor, als handle es sich um zwei komplett verschiedene Geschichten. Es wird nicht nur der Alltag von Erica und Beth (aus der Sicht von Erica als "Ich-Erzähler" übrigens) beschrieben, sondern auch das Leben von Caroline, die damals noch in Amerika (New York und später im damaligen Wilden Westen) lebte, später aber nach Storton Manor kam, welches in England liegt. Diese Mischung von britischem Herrenhaus und etwas sandigem Wilden Westen war gut gelungen, aber stellte auch, wie gesagt, nicht nur geographisch eine etwas grosse Distanz her.

Schliesslich wurde mir sogar die Hauptperson in der Vergangenheit (also Caroline) richtig unsympathisch. Doch eigentlich ist das auch interessant, wenn man mal nicht alle Charaktere mag, denn für die Geschichte funktioniert es gut und es wirkt autenthisch.
Übers ganze Buch konnte ich mir des Rätsels Lösung wieder neu zusammenreimen und schlussendlich blieb es relativ absehbar. Dennoch hielt es auch einige Überraschungen bereit und selbst wenn man mit den Grundvermutungen richtig lag, wurde es nicht langweilig.

Dieses Buch gehört zwar leider auch in die Kategorie: "am Anfang eher lahm, gegen Ende dann rasant". Doch wird dem Leser anfangs den Personen und deren Hintergrundgeschichte und Beziehungen zueinander erklärt, was für später sehr hilfreich ist und auch wieder typisch für dieses Genre. Trotzdem hätte es ein wenig detailarmer sein dürfen...

Fazit:
3,5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:

Katherine Webb, geboren 1977, wuchs im ländlichen Hampshire auf und studierte an der Durham University Geschichte. Verfalle Schlösser üben seit ihrer Kindheit eine unwiderstehliche Anziehung auf sie aus. Nachdem sie eine Zeit in London und Venedig verbracht hat, lebt sie heute in einem Cottage nahe Newbury, Berkshire.

Mehr auf: Katherine Webb

14. September 2012

Literarische Dinner Party (TAG)

Was haltet ihr davon Buchfiguren zur einer Party einzuladen?
Welche Mischung funktioniert wohl und welche Charaktere würdet ihr gerne treffen?

Diesen TAG fand ich bei der lieben Buchling Janine und musste ihn einfach mitmachen.
Allerdings war's dann doch nicht so einfach, wie ich erst dachte...

Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen!

Hier die Regeln:
Du musst 11 Gäste einladen, die jeweils eine bestimmte Eigenschaft mitbringen müssen.

Ein Charakter der...

1) kochen kann/gerne kocht
Da kam mir sofort Minny in den Sinn aus "Gute Geister" (Katheryn Stockett). Wer das Buch oder den Film kennt, weiss auch über ihren legendären Schokokuchen Bescheid... =)

2) der Geld hat, die Party zu finanzieren
hmmm...fiel mir nicht so leicht, aber schlussendlich kam ich zu Julia Forrester aus "das Orchideenhaus" (Lucinda Riley). Sie erbt nämlich nicht nur ein grossen Anwesen, wo man die Party auch gleich schmeissen könnte. Bei schönem Wetter wär es fantastisch in einem solch wunderbaren Garten!

3) der eine Szene verusrachen könnte
Ohne Frage - Nathanael Ayers! Der schizophrene aber geniale Geigenspieler und Musiker aus "der Solist" (Steve Lopez) ist einfach ein Original! Ob er über Raucher flucht und ziemlich derb über Afroamerikaner lästert (obwohl selbst schwarz) oder uns ein liebes Ständchen auf einem Streichinstrument bringt. Unterhaltsam ist er auf jeden Fall!

4) der lustig/ komisch ist
Trotz eher schwarzem Humor und Sarkasmus...muss Bartimäus aus der gleichnamigen Reihe (Jonathan Stroud) kommen. Der liebe Dämon, der eigentlich das Herz am rechten Fleck hat, kennt einfach zu allem einen Spruch und seine Kommentare sind einfach zum wegschmeissen lustig.

5) der sehr sozial/ beliebt ist
Dafür musste ich länger suchen und auf Anhieb kam mir Peter Pan in den Sinn. Doch dann entschied ich mich für Catherine aus "der Duft der Mondblume" (Di Morrissey). Die Australierin, die in Hawai ihr Glück findet, sich mit den Einheimischen super versteht und sich für sie einsetzt. Sie ist zwar somit nicht automatisch eine Heilige, aber dennoch sozial und beliebt (obwohl sie sich nicht nur Freunde macht in dem Buch).

6) ein Bösewicht ist
Will ich jemand Böses an meinem Tisch haben? Na dann wenigstens einer, mit dem mal gut reden kann. Also dachte ich an Dracula aus "der Historiker" (Elizabeth Kostova). Denn eigentlich ist er gar nicht so böse, wie die Legenden besagen, denn er sucht nur etwas Gesellschaft...gönnen wir ihm =)

7) Ein Ehepaar, was nicht zu romantisch ist
nicht zu romantisch? Schade. Aber ein von Herzen gutes Paar sind Harold und Maureen Fry von "die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" (Rachel Joyce). Sie gehören noch zu den guten, alten Päarchen, die auf einer Bank sitzen und Händchen halten und jeder wünscht sich, genauso eine Liebe fürs Leben zu finden. Ausserdem haben die 2 sicherlich viel zu erzählen.

8) einen Helden/ eine Heldin
Wie definiert man überhaupt einen Helden? Jemand, der auf dem Pferd daherkommt und eine Prinzessin rettet? Hab ich nicht gefunden. Dafür würde ich gerne Natale von "der Junge, der Träume schenkte" (Luca Di Fulvio) an meinen Tisch einladen. Ein Geschichtenerzähler tut jeder Runde gut, und jemand der damit noch Träume schenkt ist mir immer willkommen.

9) Einen unterschätzten Charakter
Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, was damit gemeint ist, aber einer meiner Lieblingsfiguren ist Eliza aus "der verborgene Garten" (Kate Morton). Sie spielt eigentlich nicht die Hauptrolle, und dennoch ist sie Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Der Grund für vieles, was geschieht und die "inoffizielle Hauptfigur" irgendwie. Über Eliza könnt ich einfach noch bücherlang weiterlesen!

10) Einen Charakter deiner Wahl
Schwierig, schwierig. Da gibt's so viele! Interessant wäre sicherlich ein Zauberer oder ein sonstiges, magisches Wesen. Männer und Frauen sind sehr ausgeglichen vertreten bei mir, aber vielleicht könnte man alterstechnisch die Tafelrunde noch auffrischen. Also lade ich Daniel aus "der Schatten des Windes" (Carlos Ruiz Zafon) ein, der zwar noch sehr jung ist, aber auch schon viel erlebt hat und zu meinen Lieblingsfiguren gehört.


Tja, und wer ladet ihr ein?


Rachel Joyce - "die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry"

Autor: Rachel Joyce
Titel: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry


Verlag: Krüger
ISBN: 978-3-8105-1079-2
Erschienen: 2012
Seiten: 378


Inhalt:

"Ich werde laufen. Die Wanderung, das ist der Sinn."


Eigentlich will Harold Fry nur einen Brief einwerfen an seine frühere Kollgein Queenie Hennessy, die im Sterben liegt. Doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und auch am Postsamt, aus der Stadt hinaus und immer weiter, 87 Tage, 1000 Kilometer. Zu Fuss von Südengland bis an die schottische Grenze zu Queenies Hospiz. Eine Reise, die er jeden Tag neu beginnen muss.

Für Queenie. Für seine frau Maureen. Für seinen Sohn David. Für sich selbst. Und für uns alle.


Meine Meinung:

Mit grossen Erwartungen begann ich das Buch zu lesen, hab ich doch schon so viel Gutes darüber gehört und konnte kaum warten es selbst in Händen zu halten. Dies wird wohl auch der Grund gewesen sein, warum ich anfangs ein klein wenig enttäuscht war...
Doch ich bin selbst Schuld: zu grosse Erwartungen! Denn der Anfang ist gut, sehr gut sogar, nur eben erst der Anfang und deswegen noch "ruhiger". Doch egal wie gross die Reise wird, auch die grösste Reise fängt erst mit einem anfänglichen, kleinen Schritt an.

Schnell schliesst man Harold ins Herz, zieht mit ihm die Segelschuhe an und läuft - zumindest gedanklich - mit ihm jeden Kilometer. Er trifft auch interessante Personen. Menschen mit Problemen, Menschen mit Freude und eben ganz normale Menschen wie du und ich. Rachel Joyce schafft es jedoch, auch die normalsten Personen als etwas Besonderes zu erscheinen und uns zu zeigen wie wunderbar - und wunderbar einfach - das Leben sein kann und was wirklich zählt!

Ihr Schreibstil liest sich sehr fliessend und ihre Wortwahl trifft genau ins Herz. Mit einfachen Mitteln, ohne kitschig zu wirken, schafft sie emotionale Momente, sei es Freude, Wut, Verzweiflung, Optimismus, Glaube, Verbundenheit, Schuldgefühle oder Angst...

Es gab einen Moment, als ich mich sehr an Forest Gump erinnerte und ich dachte nur: Lauf Harold, lauf!
Und er lief...für Queenie, für Maureen, für David...und für mich...
Ein Buch, welches einen herrlichen Film geben könnte, obwohl ich jetzt schon weiss, dass der Film dem Buch niemals gerecht werden kann.

Ein ganz grosses Lob muss ich für das Ende aussprechen: eines der besten Enden, die ich seit langer Zeit (oder jemals) gelesen habe!!!
Gefühlvoll, aber kein kitschiges HappyEnd. Ein realistisches Ende, das einen gleichzeitig mit Tränen in den Augen und einem Lächeln im Gesicht das Buch zuklappen lässt. In Gedanken bei Harold, Maureen und Queenie. Traurig, dass es zu Ende ist, aber glücklich es gelesen zu haben...

Fazit:
5 von 5 Lese-Echsen




Autorin:

Rachel Joyce hat über 20 Original-Hörspiele für die BBC verfasst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Daneben hat sie Stoffe fürs Fernsehen bearbeitet und auch selbst als Schauspielerin für Theater und Film gearbeitet.
Dies ist ihr erster Roman, der in über 30 Sprachen auf der ganzen Welt gelesen wird.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Cloucestershire auf dem Land.

Mehr auf: Rachel Joyce - Harold Fry

6. September 2012

Neuigkeiten

Hallo ihr Lieben!

Dies ist mein erster Post, den ich in Paris schreibe.
Richtig gelesen: Paris. Ich bin nämlich zurzeit in Frankreich für mein Studium.
Dementsprechend möchte ich auch die Disziplin haben, französische Bücher zu lesen. Trotzdem wollte ich aktuelle Romane lesen, die ich euch dann hier unter deutschem Titel (falls übersetzt) vorzustellen. Falls es jedoch etwas ruhiger hier wird, wisst ihr nun warum...





 


Dann hab ich auch noch zu meinem baldigen Geburtstag jetzt schon Bücher bekommen (vor der Abreise), die ich teils mitgeschleppt habe, aber teils auch daheim warten müssen.
Dazu zählen:
Die Tintenherz-Trilogie ! Die aussergewöhnliche Pilgerreise des Harold Frys und andere...






Und dann hab ich auch noch diese tollen Lesezeichen (Papier) aus Thailand bekommen !

 
 
Habt ihr viele Lesezeichen oder benützt ihr immer das Gleiche?
Was haltet ihr von Schmucklesezeichen - also solche, die zu schön sind zu benutzen, aber super im Regal (im Buch) aussehen?
 
 
Nachtrag 14. September 2012:
Leider, leider hat das mit Paris nicht geklappt. Die Geschichte Warum, wär für hier nun etwas zu lang und kompliziert. Aber somit lese ich weiterhin deutsche Romane und kann hoffentlich meinen SuB etwas abbauen ;)
 
Auf Wiederlesen!

Steve Lopez - "der Solist"

Autor: Steve Lopez
Titel: Der Solist

Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-4423-7336-9
Erschienen: 2009
Seiten: 320


Inhalt:

Eine bewegende wahre Geschichte von Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und der Magie der Musik

Auf dem Weg in sein Büro bei der Los Angeles Times hastet Steve Lopez durch das Armenviertel der Stadt, als er Nathaniel Ayers hört, der sich auf einer Violine, die nur noch zwei Saiten hat, das Herz aus seiner Seele geigt. Lopez bleibt stehen, spricht mit ihm und schreibt eine Kolumne über den verstörten, aber brillanten Musiker, der ein hochbegabter Student des Elitekonservatoriums Juilliard School war, bevor er an Schizophrenie erkrankte. Damit beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft, die das Leben beider Männer grundlegend verändert.

Meine Meinung:

Eine wahrlich berührende Geschichte. Das Leben schreibt eben doch noch die besten Geschichten, obwohl es in diesem Falle ein trauriges Schicksal ist...

Nathaniel Ayers ist anders...er verflucht Radfahrer und Raucher, schimpft über andere Irre und misstraut jedem. Dennoch kommt diese Freundschaft zwischen ihm und Lopez zustande. Warum setzt sich Lopez so sehr für diesen Verrückten ein?

Was diese beiden Menschen sich gegenseitig geleistet haben nennt man: Menschlichkeit.
Es ist egal, was du machst und wer du bist - solange du den anderen mit Respekt behandelst und jedem eine Chance gibst. Der erste Eindruck ist nicht immer richtig und vom ersten Eindruck, kann man nicht die ganze Geschichte eines Menschen kennen. Und bei manchen lohnt es sich besonders, ihre Geschichte zu hören...oder zu verfilmen: wie geschehen mit diesem Buch. In den Hauptrollen: Oscar-Preisträger Jamie Foxx und Robert Downey jr. !

Der Schreibstil liest sich flüssig, aus der Ich-Position von Steve Lopez geschrieben. Somit erhält man auch ausschliesslich seine Sicht, die jedoch schon genug spannend ist. Die Sicht von Nathaniel zu verstehen, wäre sowieso zu kompliziert. Denn Ausschnitte seiner Gespräche verwirren den Leser schon genügend.

Die Erzählung sensibilisiert für Obdachlose, für das Problem in Skit Row (Armenviertel/Strasse in L.A.), aber auch für Krankheiten, die oft stigmatisiert wurden / werden oder zu spät erkannt. Nathaniel bekommt die Diagnose Schizophrenie. Doch jeder Fall ist individuell er bei ihm liegt die Grenze zwischen Wahnsinn und Genie eben sehr nahe.

Als Geschichte hat mich zwar der Roman nicht unbedingt aus den Socken gehauen, aber der Inhalt, die Problematik an sich, hat mich doch sehr berührt und auch auf den Film neugierig gemacht.
Das Buch ist sehr zu empfehlen, da es nicht nur Unterhaltungs- sondern besonders Wissenswert hat!

Fazit:
4 von 5 Lese-Echsen





Autor:

Lopez stammt ursprünglich aus Pittsburg und studierte an der San José State University. Lopez ist der Autor dreier Romane: Third and Indiana, The Sunday Macaroni Club und In the Clear, außerdem schrieb er eine Zusammenfassung seiner Arbeit für The Philadelphia Inquirer mit dem Titel Land of Giants.
Die Beziehung zwischen Ayers und Lopez wurde am 22. März 2009 in einer Episode des Nachrichtenmagazins 60 Minutes behandelt.

Mehr auf: Steve Lopez über Nathaniel (L.A. Times)

1. September 2012

Elizabeth Kostova - "die Schwanendiebe"

Autor: Elizabeth Kostova
Titel: Die Schwanendiebe

Verlag: Bloomsbury Berlin
ISBN: 978-3-8270-0903-6
Erschienen: 2010
Seiten: 667


Inhalt:

Der Psychiater Andrew Marlow liebt seinen Beruf und sein unabhängiges Leben. Doch als der berühmte Maler Robert Oliver sein Patient wird, ist es damit vorbei. Der Künstler hatte versucht, ein Gemälde in der National Gallery of Art in Washington mit einem Messer zu attackieren. Und nun schweigt er beharrlich.
Béatrice de Clerval ist eine junge Malerin im ausgehenden 19. Jahrhundert in Paris, die sich einem neuen STil zuwendet: dem Impressionismus. Als ihr Mentor Olivier Vignot ihre aussergewöhnliche Begabung erkennt, reicht er eines ihrer Gemälde unter Pseudonym im berühmten Salon de Paris ein.
Was hat das Schicksal dieser Künstlerin, deren Briefe man bei Robert Oliver findet, mit dessen zerstörerischer Tat zu tun? Marlow begibt sich auf eine Spurensuche, die ihn quer durch die USA, nach Mexiko und bis nach Paris zu einem mysteriösen Bild führt.


Meine Meinung:

Leider klingt der Klappentext spannender als das ganze Buch.

Elizabeth Kostova konnte mich mit ihrem Roman "der Historiker" sofort begeistern und verführte mich auch zum Kauf dieses Buches von ihr. Allerdings hat diese Autorin leider eine 180-Grad-Wendung geschafft...

Der Schreibstil ist zwar gut, leicht zu lesen aber dennoch auch nicht anspruchslos. Das Hauptproblem bei diesem Roman liegt generell nicht an der Sprache, sondern im Inhalt: die Geschichte hat kaum Handlung. Und dies ist leider nicht mit "es ist eben ein ruhigen Roman" zu erklären, sondern über 600 Seiten einfach nur langweilig.

Ein Kompliment an die Autorin dafür, dass sie die einzelnen Personen sehr genau beschrieben hat. Man liest aus verschiedenen Perspektiven, verschiedene Abschnitte über das Leben von Robert Oliver (jeweils die Lebensabschnitte, welche die Person mit dem Künstler verlebte) und dazu kommen noch Zeitsprünge, die Teile aus dem Leben der Künstlerin Béatrice erzählen. Diese ganze Hin und Her ist zwar stets am Kapitelanfang vermerkt, doch der Leser tappt sehr lange im Dunkeln und es fühlt sich so an als lese man viele verschiedene Geschichten und hofft, dass diese sich irgendwann zusammenfügen. Dies passiert schlussendlich auch, jedoch viel zu spät und dann nicht sehr sensationell.

Die Geschichte ist sehr gefühlsbetont, sehr detailliert und gekonnt geschrieben. Allerdings ist es mir rätselhaft, wen seitenlange Schilderungen über das Malen wirklich interessiert. Ich selbst male als Hobby auch gerne, aber selbst professionnelle Künstler werden die Beschreibungen über Perspektiven, Farbwahl und Pinselführung wenig zum malen animieren...

Ich las das Buch zu Ende, weil ich zu den Personen gehöre, die sehr sehr schwer ein Buch auf die Seite legen können, ohne das Ende zu kennen, wenn man die Lektüre schon begonnen hat. Nun kann ich zwar ruhig schlafen, weil ich das Ende kenne, allerdings hätte ich die Zeit auch besser und lieber mit einem anderen Roman verbringen können, denn die Geschichte bleibt über 600 lange Seiten gleich "ruhig" und nicht einmal die Lösung des Rätsel - die "Heilung" bzw. das Motiv von Robert Oliver ist spektakulär gelungen.

Fazit:

0,5 von 5 Lese-Echsen





Autorin:

Elizabeth Kostova hat an den Universitäten von Yale und Michigan studiert. Ihr erster Roman "der Historiker" belegte den ersten Platz der US-Bestsellerlisten und wurde in 44 Sprachen übersetzt. Eine Verfilmung ist in Vorbereitung.

Mehr auf: Elizabeth Kostova