6. Januar 2013

Jason F. Wright - Mittwochsbriefe


Autor: Jason F. Wright
Titel: die Mittwochsbriefe

Verlag: Wilhelm Heyne
ISBN: 978-3-453-40651-3
Erschienen: 2008
Seiten: 284








 Innerhalb einer einzigen schicksalsschweren Nacht sterben Jack und Laurel, die seit fast vierzig Jahren glücklich verheiratet waren. Schweren Herzens finden sich ihre drei Kinder zusammen, um die Begräbnisfeierlichkeiten zu organisieren. Jeder hat sein eigenes Problem im Gepäck: Matthews Ehe ist ungewollt kinderlos und entsprechend angespannt. Samantha wiederum ist bereits geschieden und muss sich als alleinerziehende Mutter durchkämpfen. Und Malcolm ist um seiner Jugendliebe willen mit dem Gesetz in Konflikt geraten und bereits vor Jahren in Brasilien untergetaucht.

Im Keller ihres Elternhauses stossen die drei unvermutet auf einen Schatz: Kistenweise Briefe des Vaters an die Mutter, die er ihr jahrzehntelang jeden Mittwoch geschrieben hat. Sie bieten wunderbar romantische Liebeserklärungen an Laurel und zugleich eine rührende Geschichte der Familie. Die Lektüre ist zunächst enorm tröstlich. Doch dann taucht ein Brief auf, der die Familie in ihren Grundfesten erschüttert und Malcolm in den Abgrund zu stossen droht.


Eine Liebeserklärung an die Liebe. Eine Liebeserklärung an Mütter und Väter. Eine Liebeserklärung ans Briefeschreiben. Eine Liebeserklärung an Geschwister. Dieser Roman ist so voller Liebe, dass es ziemlich kitschig klingt. Doch die Geschichte ist, wenn auch romantisch und emotional, doch nicht so kitschig wie erwartet - oder fühlt sich jeden Falls nicht unangenehm an.

Jack und Laurel sind, obwohl früh in dem Buch verstorben, omnipresent und werden erst zum Schluss begraben. Die Geschichte spielt sich also zwischen ihrem Tod und der Beerdigung ab, zeichnet verschiedenste Wege der Verarbeitung, des Trostes und den Zusammenhalt einer Familie.

Obwohl ich erst Mühe hatte, in die Geschichte zu kommen, entwickelt sich mit der Zeit ein wohliges Gefühl. Es ist eben ein ruhiger Roman trotz aufwirbelnden Ereignissen. Die Hintergründe der Kinder, Freunde und weiteren Angehörigen werden mehr oder weniger erzählt, erklärt und verweben sich gegenseitig, wie das Leben eben so ist. Dass Samantha geschieden und alleinerziehende Mutter ist, kommt hingegen nur am Rande vor. Sie übernimmt eher die Rolle der Schlichterin und Vermittlerin zwischen ihren Brüdern, die scheinbar grössere Probleme haben. Denn neben Jack und Laurel ist besonders das "Problem" Malcolm das Hauptthema im Buch. Die Sache mit seiner Jugendliebe, das Gerichtsverfahren und das Geheimnis aus den Mittwochsbriefen machen ihn quasi zur Hauptfigur und so wird die Geschichte auch zu vielen Teilen aus seiner Sicht erzählt.

Der Schreibstil liest sich locker und flüssig. Ist somit lebensnah und wirkt unscheinbar, was ihn leicht zu lesen macht. Der Schatz dieses Romans liegt aber nicht nur inhaltlich in den Mittwochsbriefen, meiner Meinung. Die Briefe von Jack an Laurel könnten wohl das kälteste Herz erwärmen, zeigen Menschlichkeit (im Guten wie im Schlechten) und sind wohl das Wertvollste hier. Sie strahlen regelrecht aus dem Buch...und wie sollte es dann anders sein, dass dieser Roman auch mit einem Brief aufhört.

Das Ende, ohne wie immer nichts verraten zu wollen, hat mich dann doch etwas erstaunt. Leider tendiert es schwer zum Happy End in der Form, wie wir es von Hollywood kennen, was mir nicht immer gefällt. Die Auflösung einiger Rätsel liessen mich meine Stirn etwas runzeln, doch unterm Strich wurde das Ende glücklicherweise nicht zu "schmalzig".


 
 
3,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 

 
 Jason F. Wright arbeitet als freier Journalist, Redner und politischer Berater. Bereits sein erster Roman "das Weihnachtsglas" war ein Bestseller in Amerika. Er lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen vier Kindern in Virginia.
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