27. Januar 2013

Philippe Pozzo di Borgo - Ziemlich beste Freunde

Autor: Philippe Pozzo di Borgo
Titel: Ziemlich beste Freunde
(les intouchables)


Verlag: Hanser Berlin
ISBN: 978-3-446-24044-5
Erschienen: 2012
Seiten: 247





 
Der bewegende autobiographische Bericht Philippe Pozzo di Borgos, der den Stoff für einen sensationellen Kinoerfolg lieferte. Der Autor ist Geschäftsführer der Firma Champagnes Pommery, als er mit dem Gleitschirm abstürzt und querschnittsgelähmt bleibt. Er ist 42 Jahre alt und braucht einen Intensivpfleger. Der arbeitslose Ex-Sträfling Abdel kriegt den Job. Mit seiner lebensfrohen und authentischen Art wird Abdel zu Philippes "Schutzteufel". Zehn Jahre lang pflegt er ihn und gibt ihm die Lebensfreude zurück.
 
"Er hat mich befreit, wenn ich gefangen war, beschützt, wenn ich schwach war. Er hat mich zum Lachen gebracht, wenn ich nicht mehr konnte. Er ist mein Schutzteufel."
Philippe Pozzo di Borgo über seinen ehemaligen Pfleger und Freund Abdel Sellou
 
 
 
Erst wusst ich nicht, von wem ich nun das Buch lesen soll: von Phillipe Pozzo di Borge oder von Abdel Sellou? Ist das Buch zum Film zu nahe am Film? Welches der Bücher ist das "wahrste"? Schlussendlich hat der Zufall entschieden und zwar indem ich eine schöne gebundene Ausgabe für einen kleinen Preis auf einem Aktionstisch fand. Und zwischen Vampir-Jugendliteratur, Mondkalender und alten Krimis wollt ich es einfach nicht liegen lassen, denn dorthin gehört es einfach nicht!
 
 
So leicht das Buch sich in der Hand vielleicht anfühlt, so schwer wiegt sein Inhalt. Das Schicksal von Phillipe Pozzo di Borgo berührt; sein Unfall und die daraus resultierente Lähmung, sein Alltag, seine Familie, sein Freund und Pfleger und sein Humor und Optimismus trotz diesem unglaublichen Leidensweg.
 
Anders als erwartet, schreibt er in diesem Buch sehr wenig über Abdel Sellou (etwa das letzte Viertel), obwohl dieser immer wieder mal erwähnt wird. Viel mehr schreibt er jedoch über sein Leben vor und nach dem Unfall und über seine tiefe Liebe zu Béatrice, seiner verstorbenen Frau, die obwohl sie selbst an Krebs leidete und mehrere Fehlgeburten durchleiden musste, immer an seiner Seite war und mit ihm zusammen kämpfte. Besonders die Beschreibung der vielen erfolglosen Versuche eine Familie zu gründen trieben mir die Tränen in die Augen. Schlussendlich adoptierten sie Kinder, die sie wie ihr eigen Fleisch und Blut lieben und aufziehen und denen Phillipe auch sein Buch widmete.
 
Der Schreibstil ist dabei etwas eigen; meist einfache, kürzere Sätze. Momentaufnahmen und Gedankenfetzen. Einfache und komplizierte Wörter paaren sich zu harmlos-scheinenden, aber tiefschürfenden Wahrheiten. Einiges bleibt mir wahrscheinlich unverständlich, mangels Lebenserfahrung, doch auch so spürt man den Wert dieses Buches.
 
Einige Worte zur Verfilmung:
Ich sah erst den Film, danach las ich das Buch. Die Verfilmung basiert zwar auf der Wahrheit, dennoch ist die Geschichte unterhaltsamer und lustiger gestaltet (der Leidensweg alleine ist wohl zu schwere Kost und nicht massentauglich). Bis in die Details gibt es Übereinstimmungen, aber viele Details stammen auch von den Regisseuren. Schlussendlich wird im Film, der mittlerweilen zu meinen Lieblingsfilmen gehört, mehr die Freundschaft zwischen Phillipe und Abdel dargestellt und Béatrice und die Kinder, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt.
Ausserdem habe ich mich in den Soundtrack verliebt, weil das Klavier einfach so schön passt und die richtige Mischung von Melancholie und doch glücklicher Melodie besitzt...eben wie ein trauriges Lächeln...
 
  
 
Sowohl der Film wie auch das Buch (die Bücher) sehr wertvoll - nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch ein Stück echtes Leben, trotz dessen trauriger Seiten...
 
 
 
Der ehemalige Geschäftsführer des Champagnerherstellers Pommery Philippe Pozzo di Borgo, wurde zum Tetraplegiker, als er am 27. Juni 1993 beim Paragliding abstürzte und sich dabei so schwer an der Wirbelsäule verletzte, dass er seitdem vom Hals abwärts querschnittgelähmt ist.
 
Nachdem 1996 Philippes erste Ehefrau an Krebs gestorben war, fiel der damals 45-Jährige in eine tiefe Depression und dachte an Selbstmord. Sellou half ihm aus dieser Depression und beide unternahmen zusammen viele Reisen. Aus der Angestelltenbeziehung entstand eine tiefe Freundschaft und eine der letzten gemeinsamen Reisen führte sie 2003 nach Marrakesch. Dort lernte Philippe seine zweite Ehefrau kennen und lebt heute mit ihr und seinen zwei Töchtern in der Nähe der marokkanischen Hafenstadt Essaouira. Auch Sellou fand in Marokko seine Frau und ist heute Vater von drei Kindern und Betreiber eines Masthähnchenbetriebs in Algerien.
 

1 Kommentar:

Haykuhi Gevorgyan hat gesagt…

Der Film gehört auch zu meinen Lieblingsfilmen :)
Ich wusste aber gar nicht, das er auf einer waren Begebenheit beruht. ^^
Liebe Grüße
Haykuhi von Books-and-art