28. März 2013

Janet Clark - Sei lieb und büsse

Autor: Janet Clark
Titel: Sei lieb und büsse


Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-7573-4
Erschienen: 2013
Seiten: 334



 
Das Spiel ist aus.
Die Maus ist tot.
Die Katze hat gewonnen.
 
Sina ist untröstlich. Weshalb musste ihre Familie ausgerechnet von Berlin nach Kranbach ziehen? Der einzige Lichtblick: Die angesagtesten Mädchen der Schule freunden sich mit ihr an und sogar ihr Schwarm Frederik scheint in sie verliebt zu sein. Aber kurz nach ihrem ersten Kuss verunglückt Rik und fällt ins Koma. Sina findet Halt bei ihren neuen Freundinnen - doch sie weiss nicht, dass hinter deren strahlender Fassade ein tiefer, grausamer Abgrund lauert. Plötzlich nimmt ein übles Spiel seinen Lauf, das Sinas schlimmste Albträume wahr werden lässt. Und ein Ende ist nicht abzusehen.
 


Das Cover wirkt sehr mädchenhaft, doch die Geschichte dahinter ist ein toughes Miststück. Mich hat das Buch auf jeden Fall überrascht, nicht nur weil ich noch nichts von der Autorin kenne, sondern wirklich auch die Geschichte an sich.
 
Der Klappentext wirkt viel harmloser als das, was alles noch geschieht. Diese angesagtesten Mädchen haben natürlich reiche Eltern und/oder ein Saubermann-Image, etc., wobei Sina eher zu den normalsterblichen Durchschnittsmenschen gehört. Ihr Schwarm Frederik hingegen ist zwar nicht reich, aber der Kapitän des Sportvereins und super gutaussehend. Ja, ja, kommt uns bekannt vor und klingt nach 08/15-Teenager-Geschichte. Doch dieser Roman geht weiter...
 
Nach dem ersten Kuss zwischen Frederik und Sina, verunfallt Rik mit dem Fahrrad und fällt ins Koma. Die Polizei geht von einem Unfall aus, doch Sina glaubt nicht daran. Sie macht sich also auf die Suche nach des Rätsels Lösung, obwohl sie schon auf ihren kleinen Bruder aufpassen muss (ihre Eltern sind geschieden: Papa nie daheim, Mama chronisch depressiv und krank). Dazu kommt das neue Leben in Kranbach: neue Leute, neue Lehrer, kurz vorm Abi, Zickenkrieg mit allen Frederik-Verehrerinnen,...der Stress ist vorprogrammiert auch ohne den Unfall.  Auf ihrer Recherche lernt Sina Max kennen, Frederiks Mitbewohner. Über ihn hört sie auch zum ersten Mal von Mia, Frederiks Ex-Freundin, die auf den Tag genau vor einem Jahr Suizid begangen hat.
 
Der Schreibstil hat mich total hineingesogen. Meist wird aus Sicht von Sina geschrieben, dazwischen aber auch als Ich-Erzählerin von einer der angesagten Mädchen (was ich erst nicht ganz kapiert habe oder zumindest nicht sicher war, welche der Mädchen es ist). Dazu kommen Tagebucheinträge von Mia. Damit weiss der Leser in der zweiten Hälfte des Buches immer etwas mehr als Sina und bekommt so einen kleinen Vorsprung. Dennoch tappte auch ich lange im Dunkeln.
 
Der Autorin ist es gelungen ein komplexes Netzwerk an Freundschaften und Feindschaften, sowie Geschichten und Gerüchten in der Schule zu schaffen, das erst chaotisch wirkt, am Schluss jedoch alles logisch ist. Auch wenn der Unfall von Frederik im Vordergrund steht, was die Handlung betrifft: das Thema des Buches ist ein anderes, und meiner Meinung nach viel wichtiger: Mobbing.
 
Dieser Roman dient nicht nur zur Unterhaltung, sondern bringt auch ein wichtiges, aktuelles Thema zur Debatte: Wie weit kann Mobbing gehen? Wer mobbt wen und wie? Welchen Einfluss (welche Macht) haben Soziale Medien wie Facebook und Youtube? Kann Mobbing sogar jemanden in den Tod treiben? In diesem Buch wird klar: Ja! Mobbing ist verletzender als eine offene Wunde am Körper. Und es ist erschreckend wie einfach und aus welchen (auch banalen) Gründen dies geschieht.
 
Eigentlich erinnerte mich das Buch immer wieder an den Film: "Mean girls" (in Deutsch: Girls Club, vorsicht bissig, u.a. mit Lindsey Lohan in der Hauptrolle). Dort ist es auch ein neues Mädchen in der Schule, die sich mit den angesagtesten Mädchen, den "Plastics", anfreundet, obwohl sie die fiesesten Persönlichkeiten der Schule sind. Den Film schaue ich zwar gern, weil er irgendwie auf schadenfreudige Art witzig ist - und eben nur ein Film! Doch nach diesem Buch macht man sich seriösere Gedanken über Mobbing und dessen Konsequenzen...

 
 
4,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
Mit elf Jahren hat Janet Clark ihren ersten Roman geschrieben. Er hatte zwölf Seiten und eine Leserin. Obwohl diese sofort von ihren schriftstellerischen Fähigkeiten überzeugt war, brauchte es viele Jahre und Umwege über diverse Länder udn berufe, bis Janet Clark ihr erstes Manuskript an eine Agentur schickte. Seitdem finden ihre Bücher immer mehr Fans. Heute lebt sie mit ihrem Mann und drei Kindern in München.
 
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