3. April 2013

David Safier - Muh !

Autor: David Safier
Titel: Muh !


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-463-40603-9
Erschienen: 2012
Seiten: 330



Eine Kuh auf der Suche nach dem Glück
"Kuh sera, sera. Was sein soll, soll sein, soll sein. Die Zukunft, die kennt kein Schwein..." Dieses Lied singt die ostfriesische Kuh Lolle, deren Traum vom glücklichen Leben wie eine Blase auf der heissen Milch zerplatzt: Nicht nur, dass ihr geliebter Stier Champion sie mit einer anderen betrügt, nein, der Bauer auf ihrem Hof beschliesst auch noch, alle Kühe schlachten zu lassen. Die Rettung kommt in Gestalt eines charmanten italienischen Katers. Er verrät Lolle, dass es ein Land auf dieser Welt gibt, in dem Kühe nicht zu Bolognese verarbeitet werden: Indien.
Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen, der harten Hilde und dem lieben Radieschen, flieht Lolle von dem Bauernhof. Begleitet werden sie dabei nicht nur von Kater Giacomo, sondern auch von Susi, ausgerechnet jener blöden Kuh, die Lolle den Stier ausgespannt hat. Und auf der Suche nach dem ganz grossen Glück erlebt die kleine chaotische Herde jede Menge gefährliche Abenteuer.
 
 
 
 
Die Kühe sind los - so hiess doch mal ein Kinderfilm (?) und genau so ist es. In seinem typischen orange-gelben Umschlag und kurzem Titel hat uns David Safier nur eins zu sagen: Muh.
 
Lolle, Hilde, Radieschen, Susi und Champion sind Kühe (bzw. ein Stier) mit ziemich menschlichen Zügen: die eine spinnt ein wenig, die andere ist sehr lieb, aber schrecklich naiv, eine weitere ist streitsüchtig und meckert bloss und der Stier scheint die Treue nicht immer so ernst zu nehmen. Doch wie uns eine Reise verändern kann, verändert es auch die Kühe. Sie müssen als Herde zusammenfinden, gemeinsam Gefahren meistern und so entdeckt jeder und jede in verschiedenen Situationen ihre Stärke, Wünsche oder Gefühle. Äusserst sympathisch war mir auch Kater Giacomo, obwohl ich bis zum Schluss nicht kapiert habe, warum er einen italienischen Akzent hat, aber angeblich von einem Frauchen aus New York kommt...Naja, auf jeden Fall ist seine Akzente von Bella Italia oft witzig (ich könnt aber auch verstehen, wenn es Leute gibt, denen das eher auf die Nerven geht). Old Dog, der gefürchtete ehemalige Hund des Bauernhofs, der nach dem Verlust seiner Liebe sehr böse wurde und vom Hofe verscheucht wurde, verfolgt Lolle sogar bis in ihre Träume und nimmt die Rolle des unsichtbaren Feindes ein.
 
Anders als bei anderen Safier-Büchern (oder generell Büchern) kamen diesmal kleine Geschichte hinzu, die so eine Art Legende darstellten. So glauben die Kühe an ihre Kuhgöttin Naia und so schrieb der Autor einige Kurzgeschichten über die Entstehung der Kuhwelt, wie der Mond (aus Käse) in den Himmel kommt und über die Milch der Verdammnis hinter den Bäumen am Ende der Welt...Tja, doch diese Kühe blicken über den Tellerrand und entdecken die Welt hinter dem Wald, hinter welchem sie den Tod erwarteten - jedoch nicht fanden. Doch der Autor hat einige Überraschungen bereit für die Kühe und für die Leser.
 
Auch versuchte sich Safier im Reimen und liess die Kühe abwechslungsweise kleine Liedchen trällern. Diese kleinen Verse erinnern meist an bekannte Lieder (man bedenke das Beispiel vom Klappentext: Kuh sera sera...). Trotz meiner Anerkennung, dass er reimen kann und die Strophen ganz witzig, gefiel mir dies weniger, weil es mir irgendwie nicht in die Textsorte passte. Sein Schreibstil war ansonsten flüssig und leicht, wie gewohnt. Einfache Worte mit Witz gepfeffert und auch mit etwas Ironie und Zickenkriegen (Entschuldigung, ich meine Kuhkriegen) verfeinert, die besonders Hilde und Susi miteinander austauschen.
 
Im Grossen und Ganzen ist es wieder mal ein toller Unterhaltungsroman, der mal an einen Kinderfilm errinnert, mal das Verhalten der Kühe an ChickLit grenzt, und mit einer hübschen Erkenntnis zum Schluss: das Glück bedeutet für jeden was anderes und lässt sich auch nicht immer in materiellen Werten finden - oder in einem spezifischen Land.
 
 
Ein kuhles Buch
 
 
 
4 von 5 Lese-Echsen
 


David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der letzten Jahre. Seine ersten beiden Romane "Mieses Karma" und "Jesus liebt mich" erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller. Außerdem arbeitet David Safier als Drehbuchautor. Für seine TV-Serie "Berlin, Berlin" gewann er den Grimme-Preis sowie den International Emmy (den amerikanischen Fernseh-Oscar). David Safier lebt in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.

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