30. April 2013

Emily Brontë - Sturmhöhe

Autor: Emily Brontë
Titel: Sturmhöhe


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-42225-8
Erschienen: 1991
Seiten: 413



 
Das Findelkind Heathcliff wird auf dem Gutshof der Familie Earnshaw zusammen mit Earnshaws Kindern Hindley und Cathy wie ein eigenes erzogen. Nach dem Tod des Vaters jedoch wird Heathcliff von Hindley brutal unter das Gesinde verstossen und mit blindem Hass verfolgt. Mitgefühl und Verständnis findet Heathcliff nur bei Cathy, für die er eine tiefe Zuneigung fasst. Als ihm in Edgar Linton, dem Sohn des Gutsnachbarn, ein Nebenbuhler erwächst und er zufällig Zeuge einer Bemerkung Cathys wird, sie würde sich nie herablassen, Heathcliff zu heiraten, verlässt er ohne Abschied das Haus.
 
Nach drei Jahren kehrt er als reicher Mann aus der Fremde zurück. Er fordert die mit Linton verheiratete Cathy für sich, da nur er sie liebe und er allein ihre Liebe würdig sei. Doch Cathy verlässt ihren Mann nicht, und Heathcliff beginnt ein böses Spiel...
 
 


Emily Brontë und ihre Schwester Charlotte (der Autorin von "Jane Eyre") kein unbekannter Name der englischen Literatur. Ihr Erstlingsroman "Sturmhöhe" brauchte mehrere Anläufe, um überhaupt gedruckt und schliesslich wahrgenommen zu werden. Grosse Beachtung wurde ihm auch später nochmals zuteil mit der Verfilmung der Geschichte.

Ich begann das Buch voller Enthusiasmus, im Bewusstsein ein Buch zu lesen, dass man zumindest vom Namen her kennen sollte. Eine Geschichte voller Leidenschaft, die Berühmtheit erlangte. In der Mitte erlebte ich jedoch einen ziemlich abrupten Leseunterbruch und hatte wenig Lust weiterzulesen. Dies liegt möglicherweise am Schreibstil, der der Zeitalter entsprechend "kompliziert und höflich formulier" ist und somit nicht ganz so flüssig wie die aktuellen Bestseller heute. Auch hat der Knecht auf dem einem Anwesen einen sehr ungebildeten Dialekt, der nicht immer einfach zu lesen ist. (Auszug: "Was wollen SE? Der Härr is drunnen uf der Schafweid. Gehn Se hinnen um de Schaine rum, wenn Se mit ihm sprechen wolln." --> und dieser Auszug gehört noch zu den leicht verständlichen). Ausserdem habe ich selten einen Roman gelesen, in welchem so oft geflucht wurde. Dies ist in diesem Fall jedoch weiter nicht schlimm, in dem Sinne, dass wohl nicht die gleichen Kraftausdrücke dazumal wie heute verwendet wurden, wenn auch mit em gleichen Ziel.

Die Geschichte wird hauptsächlich von Ellen Dean, der Haushälterin (und eine Art Kindermädchen und Freundin von Cathy) erzählt, die alles miterlebte und dabei mehr oder weniger unparteiisch war, oder es zumindest versuchte zu sein, musste sie doch dem jeweiligen Gutsherrn gehorchen und nach Sitten und Regeln handeln. Sie ist ehrlich gesagt auch die einzige Figur, die mir sympathisch war. Selten habe ich es erlebt, dass mir so viele Figuren nicht besonders gefielen. Allerdings muss ich sagen, dass alle Figuren sehr lebhaft in ihren Rollen sind, voller Emotionen und garantiert nicht zweidimensional, was eindeutig für das Talent der Autorin spricht. Doch muss ich auch erwähnen, dass mich einige Figuren, oder besser gesagt die Reaktionen einiger Figuren, nervten. Die Naivität und gleichzeitig dieses stürmische, herrische Getue der jungen Cathy. Das sture, egoistische Verhalten von Hindley. Das von leidenschaftlicher Rache getriebene Gemüt von Heathcliff. Zum einen mochte ich diese gewaltigen Gefühle, zum anderen waren sie mir manchmal zu übertrieben. Doch auch das könnte man neben dem Schreibstil zur damaligen Zeit anrechnen (18.-Anfang 19. Jahrhundert).

Unterm Strich möchte ich kein so weltweit angesehenes Werk kritisieren, doch traf es nicht ganz meines Lesergeschmack. Die Geschichte ist spannend und wahrlich nicht so romantisch, kitschig wie man es sich vielleicht erhoffen könnte. Sie hat eher einen sehr düsteren Charakter und erzählt von Liebe und Hass, von Hilfe und Rache, von Leben und Tod. Auch wenn es zeitweise langatmig war, bin ich froh es nun zu kennen.

 
 
3,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
 
Emily Jane Brontë (1818-1848) wuchs als Tochter eines Geistlichen mit ihren ebenfalls literarisch hochbegabten Schwester Charlotte ("Jane Eyre") und Anne sowie ihrem Bruder Branwell vollkommen abgeschieden im väterlichen Pfarrhaus in Yorkshire auf. Sie schrieb auch unter dem Pseudonym Ellis Bell (unter anderem Gedichte, zusammen mit ihrer Schwester). Sie gilt unbestritten als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der englischen Literatur.
 
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1 Kommentar:

TolysProdukttesterBlog hat gesagt…

Hallo :)
Mir ging es genauso wie du. Ich fand die meisten Charaktere überhaupt nicht sympatisch. Insbesondere Catherine. Heathcliff ist mir zu rachsüchtig und Edgar Linton mehr als langweilig. Ich jedoch hatte keine Probleme beim Lesen durch die veraltete Sprache, vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich solche Buch schon des öfteren gelesen habe.
Nachdem ich mit dem Buch fertig war, war ich schon ziemlich geschockt, wie intrigant und fies die Charaktere zueinander sind. Vielleicht bin ich mit meinen 14 Jahren einfach noch zu jung und naiv für ein solches Buch, werde es aber sicher in ein paar Jahren nochmals lesen um zu sehen, ob sich meine Meinung ändert ;-)
LG Fitore