8. Mai 2013

Ann Eriksson - Mehr als ein Sommer

Autor: Ann Eriksson
Titel: Mehr als ein Sommer



Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-16668-8
Erschienen: 2010
Seiten: 281



 
Eine Geschichte voller Liebe, Kojoten und kaputter Traktoren
 
Das hat Trevor gerade noch gefehlt: Ausgerechnet er, der Reisen und fremde Menschen hasst, stolpert auf einem Geschäftstrip in die Arme einer schrulligen alten Dame - und damit geradewegs in ein Abenteuer, das sein geordnetes Leben völlig auf den Kopf stellt. Denn die kauzige Lady reist nicht allein: Im Gepäck hat sie die Asche ihrer drei verstorbenen Ehemänner. Und den Plan, die perfekte Ruhestätte für sie zu finden - um jeden Preis.
 
Zurück in Kanada ist Trevor froh um seinen gewohnten Alltag. Doch die Zeit mit der alten Dame lässt ihn nicht los - und sie hat ihn verändert: Plötzlich begreift er, was es wirklich heisst zu lieben...
 
 

Alles beginnt am Frankfurter Flughafen und endet, nach einer amüsanten aber chaotischen "Pause" in Ägypten, daheim in Kanada. Der Leser begleitet Trevor durch seine wohl komischsten Jahre: Erst auf Reisen mit Constance Ebenezer, einer alten Dame mit ungewöhnlichem Gepäck. Danach durch ein Gefühlschaos auf dem kanadischen Lande mit Angela.

Der Schreibstil ist sehr flüssig. Besonders gefallen hat mir, dass der Roman nicht voller Klischees war. Hier und da vielleicht etwas Bekanntes, doch im grossen Ganzen war es endlich wieder einmal eine Geschichte, die ich so oder ähnlich noch nicht gelesen habe.

Leider reisen Trevor und Constance nicht so lange miteinander als ich es wünschte. Ich hätte liebend gerne Constance weiter auf ihrer Suche nach den besten Ruhestätten ihrer in verkaufsüblichen Blechdosen transportierten Asche ihrer Ehemänner zu finden. Hätte sie gerne weiter zu Land und Luft um den Globus begleitet. Hätte gerne weiter ihrer schrägen, aber wahren Geschichten gelauscht. Doch Trevor reist zurück nach Kanada, wo er sich schwer tut, die Beziehung mit Angela wirklich eine Beziehung zu nennen. Bis er ihre Familie kennenlernt, als er auf ihrer Farm bei der Feldarbeit aushilft. So kommen weitere Figuren: Angelas Eltern, Bruder, Kojoten und Trevors eigener, verschwundener Bruder in die Geschichte. Und sie sind mir alle ans Herz gewachsen.
Die zweite Hälfte des Buches entwickelt sich somit zu einer Sommer-Liebesgeschichte, wobei Constance nur noch in Form von Briefen auftaucht. Sie bzw. ihre Geschichte und Altweiber-Weisheiten geistern Trevor weiter durch den Kopf und durch die Briefe erfahrt er und der Leser, in welche Länder es sie weiter verschlagen hat.

Dieser Roman zeigt meiner Meinung auf lockere, unterhaltsame Art wie eine Begegnung ein ganzes Leben verändern kann. Wie einige Tage mit einem fremden Menschen, den eigenen Alltag umkrempeln kann und wie man durch die Geschichte einer anderen Person selbst sein Leben überdenkt. Diesen ernsteren Kern, Fragen über den Tod und was danach geschieht, Entscheidungen im Leben und wie wertvoll liebende Menschen sind, wurde hier von der Autorin in einen hübschen Sommerroman verpackt.

 
 
4 von 5 Lese-Echsen
 
 
Ann Eriksson stammt wie Trevor aus Kanada und verlebte ihre Kindheit und Jugend in allen drei kanadischen Prärieprovinzen ihres Buches. Neben dem Schreiben ist die überzeugte Umweltschützerin als biologische Beraterin tätig und liebt die Natur und das Reisen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern auf Thetis Island, British Columbia.
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