21. Mai 2013

Jacqueline Sheehan - Ein Hauch von Ewigkeit

Autor: Jacqueline Sheehan
Titel: Ein Hauch von Ewigkeit




Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-442-37586-8
Erschienen: 2012
Seiten: 414



 
Manchmal muss man sehr weit reisen, um die Liebe wieder zu finden...
 
Anna O'Shea ist an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, wo die Dinge einfach besser werden müssen, denn schlimmer kann es gar nicht mehr werden. Frisch geschieden landet sie nach einem schrecklichen Rückflug von einem Kurztrip nach Irland wieder in den USA - und erfährt, dass ihr einziger Bruder einen schweren Unfall hatte. Er liegt im Krankenhaus, und sie muss sich um seinen Sohn kümmern. Nachdem sie ihren Joseph unter ihre Fittiche genommen hat, hofft sie auf ein paar Stunden Schlaf, bevor die Familie zu einer Krisensitzung zusammenkommt.
 
Doch alles kommt anders, als sie nachts aufwacht und sieht, wie Joseph in ihrem noch nicht ausgepackten Koffer wühlt und ein Päckchen in Händen hält, das Anna von einer mysteriösen Fremden in Irland überreicht bekommen hat. Anna und Joseph zerren an dem Päckchen, und dann passiert das Unvorstellbare: Sie werden durch Zeit und Raum geschleudert - und erwachen im Irland des 19. Jahrhunderts. Obwohl die Umstände mehr als verstörend sind, entdecken sowohl Anna als auch Joseph für sie vollkommen neue Stärken und Fähigkeiten. Und sie verlieben sich, jeder auf seine Weise, in das Land und seine Menschen. Und welches Geheimnis umgibt Madigan, den irischen Wolfshund, den beide in ihr Herz schliessen?
 
 
 

Anfangs Durchschnitt, in der Mitte langatmig, gegen Ende wieder rasanter. Diese einfache, kurze, etwas traurige Bilanz muss ich nach diesem Roman ziehen.

Trotz eigentlich gutem Schreibstil, konnte mich die Geschichte nicht richtig packen. Zuerst ist es noch spannend, da viele Dinge auf einmal passieren: das Fundament wird gelegt. Anna bekommt ein mysteriöses Päckchen von einer fremden Frau, als sie mit einer Freundin in Irland ein Schloss besichtigt. Zurück in den Staaten erfährt sie vom Unfall, fährt sofort ins Krankenhaus zu ihrem Bruder und trifft dort auf ihre Mutter. Auch erfahren sie, dass Joseph, ihr Neffe, in einem anderen Bundesstaat in Untersuchungshaft sitzt wergen einem Jugendstreich, der ausser Kontrolle geraten ist. Anna holt Joseph und nimmt ihn erstmals zu sich nach Hause und kommt endlich zu etwas Schlaf. Allerdings nur zu wenigen Stunden, weil Joseph aufsteht und wie gesagt, in ihrem Koffer wühlt. Das Päckchen, um welches sie sich dann streiten, zieht sie beide in einen Zeitstrudel, der sie ins Meer wirft und an verschiedenen Orten an Stränden Irlands des Jahres 1844.

Anna und Joseph werden von verschiedenen Leuten gefunden und in unterschiedlichen Häusern aufgenommen. So entstehen 2 unterschiedliche Geschichten, die sich erst wieder auf den letzten Hundert Seiten des Romans treffen - leider. Die Liebesgeschichten entwickeln sich unterschiedlich schnell, wobei aber besonders eine der beiden enormen Einfluss auf die Zukunft hat bzw. das ganze Rätsel der Geschichte auflöst bzw. Ursprung für das ganze Durcheinander ist. Die Zeit scheint zu verschwimmen und die Auflösung wirkt zum Schluss simpel und somit fast logisch.

Ein bitterer Beigeschmack hat jedoch der gesamte Mittelteil. Die Autorin hat zwar viele gute Ideen und scheint alles sehr genau recherchiert zu haben. Leute, die sich für das Irland des 19. Jahrhunderts interessieren, wie man damals gewaschen, Zähne gezogen, gereist, gekocht und Vieh gehalten hat, der ist hier gut bedient. Die Kulisse der Geschichte ist gut gelungen, umso enttäuschender waren dafür die Charakteren.
Anna war mir zwar sympathisch, aber nicht immer. Besonders gegen Schluss verstand ich ihr Verhalten nicht mehr. Auch Joseph's Verhalten fand ich nicht immer authentisch. Beide finden sich erstaunlich schnell mit der neuen Situation ab, leben sich in der Vergangenheit meiner Meinung nach zu gut ein und wollen erst überhaupt nicht zurück in die Zukunft. Zeitweise ist Anna eine starke, selbstständige Anwältin aus dem Amerika unserer Zeit und im nächsten Kapitel ist sie eine hilflose, naive, dreckige Magd, die sich in den starken Mann auf Pferd anhimmelt. Joseph ist in der Zukunft ein typischer "Eltern-sind-mir-egal-ich-bin-erwachsen-und-weiss-es-somit-besser-Teenager" im alten Irland aber erstaunlich gefühlvoll, wird erwachsen. Genauso schwankend ist die Beziehung zwischen den beiden: erst sind sie bloss verwandt, Anna schwelgt in Erinnerungen an den Kleinkind-Joseph, der nun unnahbar wirkt. Am Schluss werden sie als Herz und eine Seele dargestellt. Sympathisch waren mir hingegen die irischen Personen in den Nebenrollen.

Unterm Strich also eine gute Idee, die leider jedoch weniger gut umgesetzt wurde. Ein Roman für Mittelalter-Irland-Fans, für meinen Geschmack aber nichts. Ich hoffe meine Rezi ist nicht allzu verwirrend, doch diesmal war es eine Gefühlssache, die ich nur schwer beschreiben kann. Das Buch hat wohl einfach nicht meinen Nerv getroffen...

 
 
2,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Jacqueline Sheehan wuchs in Neuengland auf und lebt heute in Massachusetts. Sie arbeitet als Autorin und Psychologin. Ausserdem leitet sie verschiedene Schreibseminare. Sie hat bereits zwei Romane und zahlreiche Essays und Artikel veröffentlicht.
 

Keine Kommentare: