28. Mai 2013

Mari Strachan - Nachts singt die Welt

Titel: Nachts singt die Welt
Autor: Mari Strachan



Verlag: Diana Verlag
ISBN: 978-3-453-35489-0
Erschienen: 2009
Seiten: 349



 
Die zwölfjährige Gwenni Morgan hat rotes Haar, jede Menge Fantasie - und nichts als Unsinn im Kopf. Das findet zumindest ihre Mutter, deren grösste Sorge ist, was die Nachbarn denken. Und was die Nachbarn in einem walisischen Dorf in den Fünfzigerjahren von einem Kind halten, das kein Fleisch essen will, behauptet fliegen zu können und ständig komische Fragen stellt, ist nicht schwer zu erraten. Doch Gwenni hat auch Verbündete: ihren Vater, ihre Schulkameradin Alwenna, ihre Grossmutter und Mrs. Evans, auf deren kleine Töchter sie manchmal aufpasst und die ihr Bücher schenkt. Als Mrs. Evans' Mann eines Tages spurlos verschwindet, will Gwenni ihre Freundin helfen und stellt Nachforschungen an. Sie kann nicht ahnen, welche Lawine sie damit lostreten wird. Denn mit ihren neugierigen Fragen befördert Gwenni Dinge ans Licht, die sowohl die Dorfbewohner als auch ihre eigene Familie lieber weiter totgeschwiegen hätten.
 
 
 
Gwenni, liebe Gwenni...ein bezauberndes Mädchen, das uns in ihre Welt einlädt. Schon der Titel hat mich magisch angezogen, denn ich wollte mir ihr fliegen. Leider wurde es nicht der Höhenflug, den ich mir wünschte, aber dennoch ein unterhaltsamer Ausflug.
 
Die Geschichte wird ausschliesslich aus Gwenni's Sicht erzählt. Der Leser sieht ihre Welt durch ihre Augen, liest ihre Gedanken und hört, was die Leute zu ihr sagen. Auch deswegen denke ich, ist es sehr einfach, sich in die Hauptfigur einzufühlen. Der Schreibstil ist einfach gehalten und liest sich angenehm. Dabei konzentriert sich die Autorin sehr auf Gerüche, Düfte, Klänge und Farben. Diese Eindrücke findet man leider nicht oft in Romanen, doch hier werden sie fast in den Vordergrund gestellt. Gwenni riecht den Regen im Gras, das Blut im Stoff, die Vanillekekse einer Dorfbewohnerin, das Parfüm ihrer Mutter, das Abendessen, welches sie nicht mag...Allerdings fehlten mir dafür die visuellen Beschreibungen. Von einigen örtlichen Angaben abgesehen, ist der Leser sehr frei, sich dieses walisische Dorf vorzustellen. Zu frei, meiner Meinung nach. Wer das Land noch nie bereist hat, wird wohl Schwierigkeiten haben, sich wirklich die Häuser dort in dieser Landschaft und dieser Zeit vorstellen zu können. Diese Schwäche sehe ich jedoch bei der Autorin, da sie sich mehr auf die Kleidung der Leute oder teilweise das Wetter konzentriert, und eben die Düfte und Klänge. Dabei gehen jedoch Informationen zu Häusern, Strassen, etc. vergessen, die auch nur klein am Rande erwähnt hätten werden können.
 
Die erste Hälfte des Buches plätschert ruhig vor sich hin. Ein Bach in einer eher flachen Landschaft, wo die Welt noch in Ordnung ist, die Leute ihr Alltagsleben leben. Gwenni besucht Mrs. Evans und ihre Töchter, geht zur Schule, trifft Alwenna und wird von  ihrer Mutter ausgeschimpft, weil sie sich ihren Rock schmutzig gemacht hat. Erst in der zweiten Hälfte des Buches verwandelt sich der Bach in einen reissenden Fluss, der durch die Höhen und Tiefen von Geheimnissen rauscht und alles mit sich reisst, was man nicht sichert. Wie der Klappentext schon erahnen lässt, sticht Gwenni mit ihren Fragen zu dem verschwundenen Mann in ein Nest, das noch mehr Geschichten beinhaltet.
 
In einer Ortschaft, in der jeder jeden kennt (oder zu kennen glaubt), hat auch jeder seine Geheimnisse. Diese sind meist bekannt und dennoch redet keiner darüber, weil man vor den anderen ja gut dastehen möchte. Doch jeder hat so seine Leichen im Keller....Gwenni muss dabei herausfinden, dass auch ihre Familie Geheimnisse hat, die sogar sie selbst und ihre Schwester, ihre Mutter und ihr Vater betreffen...und sogar mit dem verschwundenen Mann zusammen hängt.
 
Schlussendlich kam ich leider erst gegen Ende richtig in die Geschichte, weil ich anfangs etwas zu lange auf die Spannung warten musste und einige Kleinigkeiten vermisste. Dennoch ist es ein schönes, ruhiges Buch, das mit viel Fantasie gefüllt ist und auch schwierigere Themen (die ich hier nicht verraten möchte, sonst verliert der Roman sowieso an Spannung) angeht.
 
 
 
3,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Mari Strachan lebt mit ihrem Mann in Wales, wo sie einen grossen Teil ihrer Freizeit mit Lesen verbringt. "Nachts singt die Welt" (im Originaltitel übrigens "Die Welt summt in b-Moll", was ich auch sehr hübsch finde) ist ihr erster Roman, der von Presse und Lesern begeistert aufgenommen wurde.
Mehr auf: Mari Strachan

Keine Kommentare: