29. Juni 2013

Maggie Stiefvater - Rot wie das Meer

Autor: Maggie Stiefvater
Titel: Rot wie das Meer



Verlag: script5
ISBN: 978-3-8390-0147-9
Erschienen: 2012
Seiten: 431

 
Jedes Jahr im November wird die Insel Thisby von Capaill Uisce heimgesucht, Meereswesen, die in Gestalt wunderschöner Pferde Tod und Verderben bringen. Schnell wie der Seewind und tückisch wie das Meer, ziehen sie die Menschen in ihren Bann. Wie viele junge Männer der Insel fiebert auch Sean Kendrick dem Skorpio-Rennen entgegen, bei dem sie auf Capaill Uisce gegeneinander antreten. Nicht wenige bezahlen dafür mit ihrem Leben. Das diesjährige Rennen aber wird sein wie keines zuvor: Als erste Frau wagt Puck Connolly, sich einen Platz in dieser Männerwelt zu erkämpfen. Sie gewinnt den Respekt von Sean Kendrick, der ihr anfangs widerwillig, dann selbstlos hilft. Schließlich fällt der Startschuss und auch diesmal erreichen viele Reiter nicht das Ziel. Ihr Blut und das ihrer Capaill Uisce färben die Wellen des Meeres rot.


Wie konnte ich so lange nichts von Maggie Stiefvater lesen? Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und liess mich nicht mehr los. Und es steht jetzt schon fest: Ich brauche Nachschub. Mehr Bücher, mehr von dieser Autorin.

Die Namen sind etwas gewöhnungsbedürftig (Capaill Uisce wird "KAPpl ISCHke" ausgesprochen), doch Maggie Stiefvater orientierte sich an alten irischen Legenden, wie sie im Nachwort erklärt. Schon seit Jahren wollte sie diesen Mythos von Pferden aus dem Meer in eine Geschichte verwandeln und scheiterte nach eigenen Angaben mehrmals. Doch nun war die Zeit reif und mit "Rot wie das Meer" hat sie sich nun in mein Herz geschrieben.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: abwechslungsweise von Puck und von Sean. Ihre Blinkwinkel ergänzen sich für den Leser ideal und in meinem Kopf spielte sich ein wunderbarer Film ab, ohne Unterbrüche, harmonisch aufeinander abgestimmt, und fliesst zum Schluss ineinander. Das Rennen ist nicht das einzige Highlight des Buches, auch wenn sich natürlich sehr viel darum dreht. Es ist eher der Horizont der Geschichte, auf welchen die Figuren zureiten. Doch in den wenigen Wochen vor dem Rennen, das Training, die Auswahl und das Fangen der Pferde, der ganze touristische Tumult drum herum, etc. bieten ein Feuerwerk an Gefühlen und geben Langeweile keine Chance. Auch eine Liebesgeschichte ist dabei, drängt sich jedoch nicht in den Vordergrund, was ich höchst angenehm finde. Der Leser ahnt schon früh, dass sich da was anbahnt, doch es entwickelt sich zum Glück kein kitschiges Hin und Her. Dennoch wird es gegen Ende leicht kitschig, weil es in gewisser Sicht ein Happy End gibt. Zum Glück kein "alles wird gut, auch wenn's in der Realität nie so ablaufen würde", aber dennoch ein "vieles geht gut, wenn auch nicht so wie erwartet". Ich persönlich finde Happy Ends nicht immer nötig, weil sie tolle Geschichten durch ein unauthentisches ende zerstören. Doch in diesem Buch hoffte ich, dass alles gut geht, wie auch immer. Denn die Figuren (nicht nur die Hauptpersonen) sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Der Schreibstil ist wie die Geschichte: berauschend, stark und fliessend. Die Beschreibungen saugen den Leser in das Buch. Man kann die Figuren nicht nur sehen und hören, sondern auch fühlen und riechen. Man fühlt mit den Pferden und teilt die Gefühle diverser Figuren. Man riecht den Strand, hört die Wellen und spürt die klebrige Glasur von Novemberkuchen zwischen seinen Fingern. Das Rennen zum Schluss, liess mein Herz im Rhythmus der Hufe schlagen.
Ganz allgemein kann man sagen, dass dieser Roman nicht nur für Pferdenarren ist. Es ist keine Geschichte für kleine Mädchen, die vom Glück auf dem Rücken eines Pferdes träumen. Auch wenn diese Leser sicherlich ihre helle Freude daran haben dürften, auch andere Leser (auch welche, die absolut nichts mit Pferden am Hut haben) werden begeistert sein. Trotz vieler pferde-spezifischen Erläuterungen, sind dennoch kaum Fachwörter dabei, so dass es auch für nicht-Pferdeliebhaber alles verständlich ist.
 
Herausheben möchte ich zum Schluss noch der wahnsinnig schöne Druck. Das Buch sieht mit und ohne Umschlag einfach fantastisch aus. Und ich weiss zwar nicht, ob man es auf dem Bild genug erkennen kann, doch das Buch hat ein tolles "Papierrillen-Muster", das nicht nur super aussieht, sondern sich auch angenehm anfühlt. Ich kann mich immer noch nicht entscheiden, ob mir der Buchdeckel oder der Papierumschlag besser gefällt. Die Begegnung mit Maggie Stiefvater an der Leipziger Buchmesse ist dann noch das Sahnehäubchen und ihre Signatur mit Pferdekopf hätte eigentlich einen Rahmen verdient.
 
 
Ein Buch, das Wellen schlägt, Pferde und Herzen springen lässt und den Leser in die wilde See lockt.
 
 
5 von 5 Lese-Echsen
 
 
Maggie Stiefvater wurde am 18. November 1981 geboren. Mit 16 Jahren änderte sie ihren ursprünglichen Namen Heidi offiziell in Margaret. Sie ging auf das Mary Washington College und schloss dies mit einem Bachelor in Geschichte ab.
Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
 
 
 

1 Kommentar:

fantastic-book-blog hat gesagt…

Habe das Buch auch vor kurzem gelesen und fand es einfach traumhaft!!! :) Kann dir da nur zustimmen :)

LG

Shanty