17. Juni 2013

Marie Hermanson - Muschelstrand

Autor: Marie Hermanson
Titel: Muschelstrand



Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-458-35739-1
Erschienen: 2011
Seiten: 299


 
Nach vielen Jahren kehrt Ulrika an den Ort zurück, wo sie als Kind jeden Sommer glückliche Ferien mit der Familie Gattman du deren gleichaltriger Tochter verbrachte. Und sie erinnert sich an die Geschehnisse um das kleine indische Mädchen Maja, das die Gattmans irgendwann adoptierten.
 
Maja war anders. Sie sprach kein Wort, war seltsam unnahbar. Daher erfurht auch niemand, was passiert war, als sie nach sechs Wochen plötzlich verschwunden  war. Ulrika beschliesst, Majas Geheimins zu enträtseln. Doch da ist auch noch Kristina, die zurückgezogen auf einer Schäreninsel lebt und den Schlüssel zu einer schier unglaublichen Wendung der Geschichte zu kennen scheint - der Geschichte dreier Frauen, deren Leben anders verläuft als erwartet.
 
 
Ein Roman, den ich erst einschätzen lernen musste, der mich am Ende aber total verzaubert hat. Eine Geschichte, die nicht wie vom Klappentext erwartet verläuft. Eine Erzählung, die irgendwie so gar nicht Mainstream ist und das macht mich glücklich.

Es erzählt hauptsächlich Ulrika, die anfangs als Erwachsene zurück an den Muschelstrand geht und in Erinnerungen schwelgt. Sie möchte ihren Söhnen das Ferienhaus, die Küste, die Orte ihrer frohen Sommerferien zeigen. Dabei entdecken ihre Söhne jedoch etwas, was die Geschichte fast zu einem Krimiroman dreht, sich dann aber doch wieder dagegen entscheidet zum Glück. Der Hauptteil danach erzählt immer noch Ulrika, allerdings als Mädchen. Sie erzählt von den Gattmans, von Maja, die plötzlich verschwand und nach Wochen genauso plötzlich einfach wieder auftauchte. Dazwischen folgen einzelne Kapitel von Kristina, deren Geschichte parallel verläuft und dem Leser somit zusätzliche Informationen liefert.

Dennoch tappt der Leser länger im Dunkeln. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam, aber prinzipiell deswegen spannend, weil man nicht weiss, wohin das Ganze überhaupt führen soll. Figuren wie Anne-Marie (die Tochter Gattmans und Sommerfreundin von Ulrika), sowie deren Bruder Jens, die Eltern und weitere Randpersonen scheinen mal wichtiger, mal weniger. Immer mal wieder bekam ich das Gefühl, die Geschichte nehme eine Wendung bzw. folgt endlich einem Weg, und dann flutscht die Handlung schon wieder woandershin. Genau beschreiben kann ich das nur schwer, weswegen ich einfach rate, es selbst zu lesen und somit zu erleben.

Der Schreibstil ist ebenso flüssig und passt sich sehr schön an die Figuren. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass Ulrika nur mit ihre Geschichte erzählt (besonders im Hauptteil, als Ulrika an ihre Kindheit zurückdenkt). Leider aber schlichen sich einige Schreibfehler ein und sogar einzelne Grammatikfehler (falsches Geschlecht eines Pronomen oder Artikels), was zwar vorkommen kann. Doch wenn sie etwas öfter auftreten, ärgern sie mich. Vielleicht bin ich da ein zu pingeliger Leser... Auf jeden Fall gehen diese Fehler jedoch auf das Konto der Übersetzung und nicht der Autorin, weswegen es hier zwar erwähnt wird, ich es aber sicher nicht an der Geschichte bemängeln könnte.

 
Ein erst unscheinbarer Roman, der jedoch eine zauberhafte Sommergeschichte beinhaltet.
 
 
4,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Marie Hermanson, geboren 1956 in Göteborg, studierte Literaturwissenschaft und Soziologie an der Universität von Göteborg. Neben dem Studium arbeitete sie als Pflegerin in einer psychiatrischen Klinik. Später arbeitete sie als Journalistin und debütierte dann mit einer Sammlung von Geschichten, der drei Romane folgten.

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