5. Juni 2013

Nelson Mandela - Bekenntnisse

Autor: Nelson Mandela
Titel: Bekenntnisse




Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05416-4
Erschienen: 2010
Seiten: 458 (inkl. Anhang)




 
Nelson Mandela ist eine Legende unserer Zeit. Jetzt hat er sein privates Archiv geöffnet.
 
Die "Bekenntnisse" bieten einen Zugang zu dem Privatmann hinter der Person des öffentlichen Lebens. Sie reichen von bewegenden Briefen, die Mandela in den finstersten Stunden seiner 27-jährigen Haftzeit schrieb, bis zum Entwurf für eine unvollendet gebliebene Fortsetzung zu seiner Autobiografie. Er zeichnet im Tischkalender seiner Zelle auf Robben Island unruhige Träume auf, schreibt Tagebuch in den Zeiten der Kämpfe gegen die Apartheidpolitik zu Beginn der 1960er-Jahre oder unterhält sich mit Freunden. Noch als Präsident notiert er seine Gedanken und reflektiert über prägende Erfahrungen und bedeutsame Erlebnisse. Auf diesen Seiten ist Mandela weder Ikone noch Heiliger. Hier ist er Mensch. Die "Bekenntnisse" bieten eine rare Gelegenheit, den Menschen Nelson Mandela kennenzulernen, über seine eigenen Worte: direkt, klar, privat.
 

Dieses Buch kann ich nicht wie einen Roman beurteilen, genauso wenig wie Mandela für die meisten Leute kein "normaler Mensch" ist. Und doch werden dem Leser hier Blicke auf den Menschen Mandela gewährt, die unserem Alltag nicht immer fremd sein müssen.

Wie schon im Klappentext beschrieben, beinhaltet das Buch verschiedene Briefe, aufgezeichnete Gespräche, Notizen und Kalendereinträge. Dabei reichen die Inhalte von lieben Worten an die Familie, bis zu Gedankenstützen für Reden. Von Strategien im Kampf gegen Rassismus, bis zu banal erscheinenden Ereignissen, wie zum Beispiel dass er Milch für den Tee im Gefängnis bekam. Dabei tauchen einige Personen öfters und namentlich auf: Zum einen Ahmed Kathrada, ein sehr naher Freund Mandelas, der mit ihm im Gefängnis war. Zum anderen Richard Stengel, der gemeinsam mit Mandela an dessen Biografie "der lange Weg zur Freiheit" schrieben. Hinzu kommen Politiker, Freunde, Familienmitglieder, Wärter und Officers der Gefängnisse, etc.

Alle Texte wurden so gut es ging chronologisch geordnet und in Kapitel unterteilt, die grob gesagt folgendermassen unterteilt werden können: Vorgeschichte, Gefängnis, Entstehung der Legende, Präsident, aktuelle Lage. Der Schreibstil weicht natürlich von Unterhaltungsliteratur ab. Mandela schreibt jedoch sehr aussagekräftig und wortgewandt. Keine Applaus-haschende Reden, keine aufhetzenden Parolen, aber mit alltäglichen Worten sehr tiefgründige Gedanken und starke Aussagen. Aber in Gesprächen auch mal ein Lächeln, ein Gähnen oder eben Diskussionsfetzen, die jeder (auch unbewusst) täglich sagt: ähm, weisst du, ja eben, genau....und unvollständige Sätze.

Der Anhang umfasst gute 50 Seiten und gibt nicht nur über alle möglichen Persönlichkeiten Auskunft (besonders über Rang, Position und Lebenseckdaten). Auch zeigt eine Zeittafel mit vielen Infos die Geschichte Südafrikas zu Mandelas Zeiten. Vervollständigt mit Karten des Landes und Literatur- und Bildnachweisen, ist es ein wertvolles Nachschlagewerk für Begeisterte und Anhänger von Nelson Mandela. Oft wird in den Kapiteln auf den Anhang verwiesen. Es gab kaum eine Seite ohne Fussnote. Ich muss persönlich aber gestehen, dass ich schlicht zu faul war, jede Fussnote (Person, Organisation) im Anhang nachzublättern.

Zum Anschluss möchte ich eine kleine (meine Lieblings-)Geschichte aus dem Buch zitieren, mit der Mandela mit einfachen Worten Weisheiten kund tut:

(aus Nelson Mandela, Bekenntnisse, Seite 241)

Ich stellte die Kraft des Friedens in einem Kontrast zum Einfluss der Gewalt und erzählte die Begebenheit von einem Streit zwischen der Sonne und dem Wind. Die Sonne sagte: "Ich bin stärker als du", und der Wind hielt dagegen: "Nein, ich bin stärker als du." Deshalb beschlossen sie, ihre Stärke mithilfe eines Reisenden zu erproben, der sich eine Decke übergeworfen hatte. Und sie einigten sich darauf, dass derjenige, dem es gelang, den Reisenden so weit zu bringen, dass er die Decke ablegte, der Stärkere sein würde. Der Wind begann. Er fing an zu wehen, und je stärker er wehte, desto fester wickelte sich der Reisende die Decke um den Körper. Und der Wind wehte und wehte, aber es gelang ihm nicht, den Reisenden so weit zu bringen, dass er die Decke ablegte. [..] Schliesslich gab der Wind auf. Dann schickte die Sonne ihre Strahlen los, zunächst sehr milde, dann strahlte sie kräftiger, und mit zunehmender Wärme bekam der Reisende das Gefühl, die Decke sein jetzt unnötig, denn eine Decke ist zum Wärmen da. Und so beschloss er, sie etwas lockerer zu tragen, sie zu lockern, aber die Sonnenstrahlen wurden immer wärmer, und schliesslich warf er die Decke fort. So gelang es durch eine sanfte Methode, den Reisenden zum Ablegen der Decke zu bewegen. Und das ist der Inhalt der Parabel, dass man durch Friedfertigkeit auch die entschlossensten Menschen, die sich am stärksten für Gewaltanwendung einsetzen, zum Umdenken bringt[...]"

 
Etwas mühsam zu lesen, weil schwere Kost. Aber ein sehr wertvolles Werk!
 
 
4,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
Nelson Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Distrikt Transkei in Südafrika geboren. Er schloss sich 1944 dem African National Congress (ANC) anund engagierte sich viele Jahre lang im Widerstand gegen die Apartheidpolitik der herrschenden National Party, bis er im August 1962 verhaftet wurde. Mandela war mehr als 27 Jahre lang in Haft, und während dieser Zeit wurde er für die Antiapartheidbewegung zu einem immer mächtigeren Symbol des Widerstands. Mandela wurde 1990 aus dem Gefängnis entlassen, erhielt 1993 den Friedensnobelpries und wurde 1994 in den ersten demokratischen Wahlen Südafrikas zum Präsidenten gewählt.
 
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