22. August 2013

Milena Moser - Möchtegern

Autor: Milena Moser
Titel: Möchtegern


Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-21416-2
Erschienen: 2010
Seiten: 457


 
Schreiben macht glücklich.
 
Die Schweiz sucht den Superstar - und zwar im Schreiben. Zehn Nachwuchstalente mit unterschiedlichsten Motivationen treten gegeneinander an und schreiben sich die Finger wund. Die Jury besteht aus dem bestsellerverliebten Verleger Gianni Wolfensberger, der Literaturkritikerin, Feministin und Vierfachmutter Michelle Schlüpfer und der Autorin Mimosa Mein. Nach ihren frühen Romanerfolgen lebt sie nun, mit fast fünzig, zurückgezogen auf dem Land. Doch ihre neue Rolle als Jurorin wirft sie wieder mitten hinein in ein Literatur- und Medienbetrieb...
 
 
Wir wollen alle das Gleiche: Ein Buch schreiben. Ich schreibe bewusst "wir", weil wir Buchblogger und Vielleser bekanntlich auch gerne selbst einen Roman veröffentlichen wollten. Irgendwie kitzelt es uns doch alle in den Fingern, oder etwa nicht?
 
Milena Moser schuf hiermit einen Roman, der zum einen eine Geschichte bietet über das Schreiben an sich, zum anderen eine Schreibhilfe ist und Anstoss für eigene Texte bietet, aber auch kritisch mit dem Thema Medien umgeht. So ist dieses Buch interaktiv aufgebaut: Nach manchen Kapiteln gibt es eine Schreibaufgabe mit nachfolgend leeren Linien. Aufgaben wie Satzanfänge ("Es war eine regnerische Nacht...") oder Fragen ("Was würde Ihre Figur tun?"). Die Aufgaben sind mit den Kapiteln verstrickt und so kann man eine Figur schaffen, die im gleichen Roman mitspielen könnte. Ein Kandidat der Show, sozusagen. Anfangs habe ich geschrieben, liess später jedoch davon ab, weil ich die Geschichte am Stück lesen wollte. Die Schreibübungen sind sehr toll, unterbrechen allerdings den Lesefluss doch erheblich, was hier einfach erwähnt sein soll.
 
Der Schreibstil von Milena Moser gefiel mir besonders gut. Die Fantasie, die diese Autorin hat, muss ihr Kopfschmerzen bereiten. So viele Ideen schwirren ihr wahrscheinlich durch den Kopf. Sie zeichnet mit vielen Adjektiven wunderbare Bilder, malt mit Worten gekonnt Szenen. Leider hatte ich ab und zu den Eindruck, dass ihr Schreiben doch sehr gezielt ist. Soll heissen: Manchmal merkt man das geschulte, geförderte Schreiben, wie man es in "Kreatives-Schreiben-Kursen" übt und lernt.
 
Die Hauptfigur des Romans ist die Jurorin Mimosa Mein, obwohl auch viel über die einzelnen Kandidaten erzählt wird. So kommt es manchmal zu Blickwinkel-Wechseln, allerdings immer schön in Kapiteln unterteilt, damit kein Durcheinander passiert. Die Kandidaten könnten zudem nicht unterschiedlicher sein. Dabei bedient sich die Autorin zum einen offensichtlich an Klischees, zeichnet jedoch die Feinheiten mit viel Fantasie. Diesen Effekt ist vermutlich gezielt, da der Roman auch kritisch mit den Medien ins Gericht geht. Besonders das Fernsehen und Castingshows, die gerne Images und Kultfiguren schaffen, die dann eben sehr klischeehaft sind. Damit spielt auch Milena Moser (ist übrigens das Namensspiel mit der Hauptperson Mimosa Mein aufgefallen?). Ich denke daher, dass viel persönliche Erfahrung der Autorin in diesem Buch steckt und es deswegen so real wirkt. Das Thema ist zum einen originell neu und gleichzeitig altbekannt, irgendwie keine eindeutige Textsorte (Roman, Kolumne in Buchform, Übungsheft, Kritik...)...aber auf jeden Fall unterhaltsam und mit einer Überraschung am Ende.
 
Ein Roman über das Schreiben und das Fernsehen. Ein Roman, der zum Schreiben anregt, in den Fingern kitzelt, eingepackt in frisch moderner Sprache.
 
 
 
4 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Milena Moser, 1963 in Zürich geboren, ist gelernte Buchhändlerin und Journalistin und zählt zu den erfolgreichsten Autorinnen der Schweiz. Neben Romanen und Sachbüchern veröffentlicht sie auch Kolumnen, Kommentare und Essays. Nach 8 Jahren in San Francisco lebt sie seit 2006 mit ihrer Familie wieder in der Nähe von Zürich und leitet zusammen mit Sybille Berg und Anne Wieser eine Schreibschule.
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