16. Dezember 2013

Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr

Autor: Jojo Moyes
Titel: Ein ganzes halbes Jahr




Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-26703-1
Erschienen: 2013
Seiten: 520
(+ Leseprobe eine Handvoll Worte)



 
Louisa Clark weiss, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiss, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiss nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird - und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.
 
Will Traynor weiss, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiss, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiss nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.
 
 
 
"Eine bittersüsse Geschichte über Liebe, Lernen und Loslassen" (Daily Mail) steht auf dem Buchumschlag - und eine bittersüsse Geschichte über Liebe, Lernen und Loslassen ist zwischen den Buchdeckeln zu finden. "Lou und Will werden die Leser genauso in ihr Herz schliessen wie Emma und Dex aus Zwei an einem Tag" (The Independent) - und ich kann nur bestätigen, dass man dieses Buch lesen und lieben muss, wenn man schon die Geschichte von Emma und Dex ins Herz geschlossen hat.
 
Die Geschichte wird hauptsächlich von Louisa erzählt. Drei "Gastkapitel" sind aus Sicht von anderen Figuren (die Eltern von Will und die Schwester von Lou). Dies fand ich sehr interessant, allerdings zu wenig. Mich hätte zudem die Sicht von Will oder auch seinem Pfleger Nathan interessiert. Oder auch öfters aus der Sicht von anderen Figuren geschrieben. Denn "nur" ein Kapitel die Sicht zu wechseln, empfand ich irgendwie unvollständig. Entweder ganz oder gar nicht, und besonders bei diesem Thema wären verschiedene Sichtweisen äusserst aufschlussreich.
 
Ansonsten ist der Schreibstil und der Aufbau des Buches gut gelungen, wenn auch nichts besonderes. Die Personen habe ich schnell ins Herz geschlossen, obwohl mir vereinzelte Figuren lange unsympathisch blieben. Gegen Ende wird es sehr emotional und ich muss zugeben, das Buch mit feuchten Augen fertig gelesen zu haben. So viel sei über das Ende verraten (ohne, dass ich spoilern möchte): Ich bin sehr froh, dass es kein Happy End im Hollywoodstil hat, kein offensichtliches und lange erwartetes "alles-wird-gut-und-wir-haben-uns-alle-lieb-Ende". Denn das ist nicht das Leben. Das ist nicht echt, nicht authentisch. Somit schrieb Jojo Moyes meiner Meinung nach das treffenste Ende überhaupt.
Die Liebesgeschichte zwischen Lou und Will beinhaltet immer mal wieder auch Klischees. Was sich liebt das neckt sich. Zwei absolut verschiedene Personen verschiedener Klassen, etc. verlieben sich....Kennen wir. Lieben wir, ja ok. Dennoch wird es zum Glück erst gegen Ende kitschig, wenn man so will. Und auch hier finde ich, hat die Autorin eine gute Balance zwischen Gefühlsduselei und echtem Leben getroffen. Deswegen berührt der Roman - er ist traurig und süss, echt und verträumt, hart aber wahr und doch zum verlieben!
 
Das Thema über Tetraplegiker und Sterbehilfe ist ernst, aber real. Ich liebe Bücher, die sich mit wahren Problemen des Lebens auseinandersetzen. Auch Jojo Moyes hat es geschafft, über ein heikles Thema fundiert und dennoch in unterhaltsamen Rahmen zu schreiben. Sie hat es zudem geschafft, ihre Meinung nicht das Buch bestimmen zu lassen, sondern eine Problematik aufzuzeigen, mit Einblick verschiedener Sichten und betroffenen Personen. Doch muss jeder Leser selber darüber nachdenken und sich eine Meinung darüber bilden. Inwiefern kann man den Betroffenen umstimmen? Wer muss was akzeptieren lernen? Was definiert ein gutes Leben? Wie können Eltern ihr Kind sterben lassen? Was macht echte Liebe aus?....
 
Einziger Abzug: In der Mitte fand ich die Geschichte manchmal etwas langatmig. Das ist allerdings Geschmackssache und somit meine persönliche Einschätzung.
 
 
 
 
4,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Jojo Moyes, geboren 1969, ist in London aufgewachsen und hat Journalistik studiert. Sie schrieb für die "Sunday Morning Post" in Hongkong und den "Independent" in London und aktuell u.a. für den "Daily Telegraph". Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex.
Mehr auf: Jojo Moyes

Keine Kommentare: