30. April 2013

Emily Brontë - Sturmhöhe

Autor: Emily Brontë
Titel: Sturmhöhe


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-42225-8
Erschienen: 1991
Seiten: 413



 
Das Findelkind Heathcliff wird auf dem Gutshof der Familie Earnshaw zusammen mit Earnshaws Kindern Hindley und Cathy wie ein eigenes erzogen. Nach dem Tod des Vaters jedoch wird Heathcliff von Hindley brutal unter das Gesinde verstossen und mit blindem Hass verfolgt. Mitgefühl und Verständnis findet Heathcliff nur bei Cathy, für die er eine tiefe Zuneigung fasst. Als ihm in Edgar Linton, dem Sohn des Gutsnachbarn, ein Nebenbuhler erwächst und er zufällig Zeuge einer Bemerkung Cathys wird, sie würde sich nie herablassen, Heathcliff zu heiraten, verlässt er ohne Abschied das Haus.
 
Nach drei Jahren kehrt er als reicher Mann aus der Fremde zurück. Er fordert die mit Linton verheiratete Cathy für sich, da nur er sie liebe und er allein ihre Liebe würdig sei. Doch Cathy verlässt ihren Mann nicht, und Heathcliff beginnt ein böses Spiel...
 
 


Emily Brontë und ihre Schwester Charlotte (der Autorin von "Jane Eyre") kein unbekannter Name der englischen Literatur. Ihr Erstlingsroman "Sturmhöhe" brauchte mehrere Anläufe, um überhaupt gedruckt und schliesslich wahrgenommen zu werden. Grosse Beachtung wurde ihm auch später nochmals zuteil mit der Verfilmung der Geschichte.

Ich begann das Buch voller Enthusiasmus, im Bewusstsein ein Buch zu lesen, dass man zumindest vom Namen her kennen sollte. Eine Geschichte voller Leidenschaft, die Berühmtheit erlangte. In der Mitte erlebte ich jedoch einen ziemlich abrupten Leseunterbruch und hatte wenig Lust weiterzulesen. Dies liegt möglicherweise am Schreibstil, der der Zeitalter entsprechend "kompliziert und höflich formulier" ist und somit nicht ganz so flüssig wie die aktuellen Bestseller heute. Auch hat der Knecht auf dem einem Anwesen einen sehr ungebildeten Dialekt, der nicht immer einfach zu lesen ist. (Auszug: "Was wollen SE? Der Härr is drunnen uf der Schafweid. Gehn Se hinnen um de Schaine rum, wenn Se mit ihm sprechen wolln." --> und dieser Auszug gehört noch zu den leicht verständlichen). Ausserdem habe ich selten einen Roman gelesen, in welchem so oft geflucht wurde. Dies ist in diesem Fall jedoch weiter nicht schlimm, in dem Sinne, dass wohl nicht die gleichen Kraftausdrücke dazumal wie heute verwendet wurden, wenn auch mit em gleichen Ziel.

Die Geschichte wird hauptsächlich von Ellen Dean, der Haushälterin (und eine Art Kindermädchen und Freundin von Cathy) erzählt, die alles miterlebte und dabei mehr oder weniger unparteiisch war, oder es zumindest versuchte zu sein, musste sie doch dem jeweiligen Gutsherrn gehorchen und nach Sitten und Regeln handeln. Sie ist ehrlich gesagt auch die einzige Figur, die mir sympathisch war. Selten habe ich es erlebt, dass mir so viele Figuren nicht besonders gefielen. Allerdings muss ich sagen, dass alle Figuren sehr lebhaft in ihren Rollen sind, voller Emotionen und garantiert nicht zweidimensional, was eindeutig für das Talent der Autorin spricht. Doch muss ich auch erwähnen, dass mich einige Figuren, oder besser gesagt die Reaktionen einiger Figuren, nervten. Die Naivität und gleichzeitig dieses stürmische, herrische Getue der jungen Cathy. Das sture, egoistische Verhalten von Hindley. Das von leidenschaftlicher Rache getriebene Gemüt von Heathcliff. Zum einen mochte ich diese gewaltigen Gefühle, zum anderen waren sie mir manchmal zu übertrieben. Doch auch das könnte man neben dem Schreibstil zur damaligen Zeit anrechnen (18.-Anfang 19. Jahrhundert).

Unterm Strich möchte ich kein so weltweit angesehenes Werk kritisieren, doch traf es nicht ganz meines Lesergeschmack. Die Geschichte ist spannend und wahrlich nicht so romantisch, kitschig wie man es sich vielleicht erhoffen könnte. Sie hat eher einen sehr düsteren Charakter und erzählt von Liebe und Hass, von Hilfe und Rache, von Leben und Tod. Auch wenn es zeitweise langatmig war, bin ich froh es nun zu kennen.

 
 
3,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
 
Emily Jane Brontë (1818-1848) wuchs als Tochter eines Geistlichen mit ihren ebenfalls literarisch hochbegabten Schwester Charlotte ("Jane Eyre") und Anne sowie ihrem Bruder Branwell vollkommen abgeschieden im väterlichen Pfarrhaus in Yorkshire auf. Sie schrieb auch unter dem Pseudonym Ellis Bell (unter anderem Gedichte, zusammen mit ihrer Schwester). Sie gilt unbestritten als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der englischen Literatur.
 
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23. April 2013

Rhonda Byrne - the Magic

Autor: Rhonda Byrne
Titel: The Magic / Secret


Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-65718-8
Erschienen: 2012
Seiten: 302



Ein Wort verändert die Welt

Seit mehr als zweitausend Jahren hat man die Worte eines heiligen Textes missverstanden. Fast alle, die sie gelesen haben, haben sie verdreht und mit einem Geheimnis umgeben. Nur ganz wenige Menschen haben im Lauf der Zeit begriffen, dass diese Worte ein Rätsel sind - ein Rätsel, das von uns gelöst werden will. Wenn Sie einmal seinen Schleier gelüftet haben, wird Ihnen die ganze Welt neu erscheinen.



Da bin ich wohl dem Cover in die Finger und eigentlich war der Klappentext auch irgendwie verlockend...Es klang so mythisch, geheimnisvoll mit einer Prise Wahrheit. Das war es dann auch, aber ganz anders als ich es erwartet hätte.

In The Magic (oder im Original The Secret) begleitet Rhonda Byrne euch auf eine 28-tägige Reise, in welcher man seine Träume erfüllen kann, glücklicher wird und sogar auch anderen Personen helfen kann, ihr Leben zu verbessern. Das Geheimnis heisst: Dankbarkeit.
Ich habe dieses Wort nun in allen Variationen (Dankbarkeit, dankbar sein, danke, etc.) auf jeder einzelnen Seite mehrmals gelesen (sorry, mitgezählt habe ich nicht, aber das gäbe eine dreistellig bis vierstellige Zahl). Die Autorin erklärt sehr vehement, warum es wichtig ist, sich immer für alles zu bedanken.

Der Schreibstil gleicht somit auch einer Dauer-Esoterik-Werbesendung, was mir ziemlich schnell ziemlich auf den Keks ging. Allerdings habe ich auch keinen Ratgeber erwartet, sondern ein Roman. Somit habe ich ihn innerhalb 2 Tagen gelesen, und nicht jeden Tag ein Kapitel - so wie eben die 28-tägige Reise aufgebaut ist mit täglichen Übungen. Die direkte Anrede ("Sie werden schon bald die positiven Veränderungen in Ihrem Leben bemerken...") und die ständigen Wiederholungen ("Denken Sie immer an das magische Wort Danke Danke Danke"), ist mir persönlich zu viel, obwohl es in dieser Weise natürlich erst recht nicht mehr aus dem Kopf geht.

Grundsätzlich ist der Inhalt des Buches sehr wertvoll. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man sich immer bedanken sollte und nicht ständig alles für gegeben hinnehmen. Gleichgültigkeit, oder noch schlimmer ständiges Jammern über fehlende Dinge, bedeutet negative Energie, die wieder auf uns zurückprallt. So wie man in den Wald ruft....jaja...oder in den Worten von Rhonda Byrne:

"Wer da hat [an Dankbarkeit], dem wird gegeben, dass er die Fülle habe. Wer aber nicht hat [keine Dankbarkeit], dem wird auch das genommen, was er hat."

Ob man nun an magische Kräfte im Universum glaubt oder nicht. Ob man eine bessere oder schlechtere Erziehung genossen hat. Und ob man offen für Neues und Unerklärliches ist oder nicht...das überlasse ich euch. Die Übungen, um Danke zu sagen (laut, still, auf Papier, für bestimmte Dinge, für andere Personen, für "normale, unbemerkte" Alltagsdinge, etc.) waren mir persönlich zu übertrieben, allerdings sicher nichts Schlechtes. Also habe ich einfach meine eigenen Lehren daraus gezogen:

- Wer glücklich und dankbar ist, mit dem, das er hat, wird auch glücklich leben bzw. bekommt sogar noch mehr.
- Wer ständig über Fehler mault, über fehlendes Geld oder Ähnlichem jammert, andere kritisiert und nie zufrieden und somit auch nicht dankbar ist, der wird auch nicht mehr glücklich bzw. man zieht die Probleme immer mehr an.
- Sich zu bedanken ist nicht nur eine Wohltat für sich, sondern zaubert auch ein Lächeln auf das Gesicht der Person, bei der man sich bedankt.
- Mit einer positiven Einstellung und positiven Denken, wird positive Energie freigesetzt, die wiederum zu positiven Ergebnissen führt.

Unterm Strich: Optimismus ist besser als Pessimismus und man soll dankbar sein, für das, was man kriegt. Punkt Ende. Die Ausführungen von Rhonda Byrne sind hilfreich, oft für mich aber auch Binsenweisheiten oder sogar Geschwafel um den heissen Brei (selbst wenn der Brei die Wahrheit ist).

 
Buchinhalt = wertvoll
Buchform = mir persönlich zu sehr "Esoterik-Dauerwerbung"
 
 
3 von 5 Lese-Echsen
 


Rhonda Byrne ist eine australische Drehbuchautorin und Produzentin. Bekannt wurde sie durch den Dokumentarfilm The Secret über das „Gesetz der Anziehung“. Es folgte das Buch zum Film, ebenfalls unter dem Titel The Secret. Er wurde ein Weltbestseller, übersetzt in 47 Sprachen.
Die Autorin setzte ihr Werk 2010 mit The Power fort. Dieser Band stand ebenfalls auf der Bestsellerliste der New York Times und ist inzwischen in 43 Sprachen erhältlich.

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22. April 2013

Einmal in der Buchhandlung übernachten

Liebe Leser,

über was bin ich da wieder gestolpert? Ein Artikel mit Titel "Eine Nacht im Buchladen".
Schnell überflogen meine Augen den Text, nur um noch einmal, aber genauer zu lesen.
Und ich wollte es euch nicht vorenthalten:

In Bischofszell und in Basel (sorry, beides in der Schweiz) werden Übernachtungen in einer Buchhandlung angeboten. So können sich Leseratten nach Ladenschluss in der Buchhandlung einsperren lassen, dort in den Büchern stöbern, sich auf bereitgestellte Matratzen lümmeln und Apéro gibt es auch noch (auf Wunsch sogar Frühstück mit Kaffee und Croissant).


Wer nun denkt, die armen neuen Bücher seien nun hilflos Dieben und Eselsohrenknicker und dergleichen ausgesetzt, vergisst eines: Eine solche Büchernacht leisten sich wohl nur Leseratten. Also Personen, die Bücher über alles lieben. Dies ist auch der Grund, warum am nächsten Morgen die Buchhandlung wohl nicht wie ein Schlachtfeld aussieht oder geklaut wird. Irgendwie scheint es zu funktionieren, und für Notfälle liegt die Nummer für die zuständige Mitarbeiterin beim Telefon bereit. Ein ist sicher: Geschlafen wird dort in dieser Nacht kaum - schliesslich hat man für eine private Lesenacht bezahlt.

Wer den ganzen Artikel lesen möchte, findet ihn HIER
(dort sind auch die Kontaktdaten der Buchhandlungen zu finden)

Ich fand es schlicht eine tolle Idee und wollte fragen, ob ihr auch sowas kennt? Gibt es in Deutschland solch ein Angebot? Was haltet ihr davon?

Liebe Lesegrüsse,
eure Lese-Echse

20. April 2013

Sebastian Fitzek - der Nachtwandler

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Der Nachtwandler



Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-50374-4
Erschienen: 2013
Seiten: 312


 
WER BIST DU, WENN D SCHLÄFST ?
 
Wegen massiver Schlafstörungen wurde Leon in seiner Jugend psychiatrisch behandelt. Seit langem gaubt er sich geheilt - doch als eines Nachts seine Frau unter mysteriösen Umständen verschwindet, keimt ein schrecklicher Verdacht in ihm: Ist er, wie damals, im Schlaf gewalttätig geworden?
Um seinem nächtlichen Treiben auf die Spur zu kommen, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn - und entdeckt beim Betrachten des Videos Unfassbares: Sein schlafwandelndes Ich steigt durch eine ihm unbekannte Tür seines Zimmers hinab in die Dunkelheit...
 
 
Es steht Psychothriller drau - und Psychothriller ist drin.
 
Wie krank kann ein menschliches Hirn sein und auf solche Ideen kommen? Es ist erschreckend wie viele Menschen wohl mit solchen "komischen Gedanken" durch die Welt laufen. Auch wenn dieser Roman eine rein fiktive Geschichte erzählt, beschränkt sich der Autor am Schluss nicht nur auf eine kurze Danksagung, sondern vermittelt sein Wissen und Interesse an Schlafstörungen.
Unheimlich sind die Taten von Schlafwandelnden wohl nicht nur für ihre Mitmenschen, sondern auch umso verstörender für die Betroffenen selbst.
 
Das Buch lebt von Spannung. Die Nerven sind zum Zerreissen gespannt, besonders weil der Autor wieder einmal ein Kapitel beendet im Stil: "und als Leon es schliesslich erblickte / als ihm schliesslich klar wurde, was er da in Händen hält...stockte ihm der Atem". Oder so ähnlich, und ich wurde fast wahnsinnig vor Neugier und böser Vorahnungen. Ihr kennt sicher auch das gemischte Gefühl, zum einen wollt ihr es wissen und zum anderen doch lieber nicht. Wie ein Unfall, der eigentlich unschön anzuschauen ist und doch kann man seinen Blick nicht davon abwenden.
 
Durch den Roman wird man ausschliesslich von der Hauptfigur Leon geführt, der zumindest scheinbar immer im wachen Zustand Indizien finden, was er anscheinend im Schlaf getan haben soll. Doch die gefundenen Spuren, das Verschwinden und wieder Auftauchen von Gegenständen, die Dinge, an die er sich mal erinnert und mal wieder nicht...das alles treibt nicht nur Leon in den Wahnsinn, auch der Leser wird grausam in die Irrwege des Labyrinths gesogen.
 
So war ich auch zufrieden, das Buch unterwegs untertags zu lesen und nicht im Bett vor dem Einschlafen. Wie einige von euch vielleicht wissen, bin ich kein eingefleischter Thriller-Leser und lese weniger Bücher dieses Genres, auch wenn mir immer mal wieder was Spannendes in die Hände gerät. Auch dieser Griff zu einem Autor, dessen Werke mir vorher noch unbekannt waren, hat sich als Glücksgriff herausgestellt und ich habe an diesem Roman absolut nichts auszusetzen. Mal abgesehen davon, dass ich jetzt  unbedingt unters Bett und unter den Schrank schauen muss, bevor ich mich schlafen lege... *grins
 
 
 
Krank, aber super spannend
 
 
5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren undlebt bis heute in seiner Heimatstadt. Er studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen, promovierte im Urheberrecht und arbeitete dann als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands.

Fitzeks Werke sind bislang in 18 Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren wird er auch in England und den USA verlegt. Seine Gesamtauflage liegt bei bisher 3,5 Millionen verkauften Bücher.

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13. April 2013

Kate Morton - die verlorenen Spuren

Autor: Kate Morton
Titel: die verlorenen Spuren


Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-29100-3
Erschienen: 2013
Seiten: 605


 
Eine unheilvolle Lüge,
eine verbotene Sehnsucht,
ein geheimes Verbrechen
 
Als Laurel nach langer Zeit anlässlich des neunzigsten Geburtstags ihrer Mutter Dorothy in ihr Elternhaus zurückkehrt, holen sie schon bald verdrängte Erinnerungen ein. Der Gedanke an den geheimnisvollen Fremden, der fünfzig Jahre zuvor Unheil über ihre Familie brachte, lässt sie nicht mehr los. Sie ist entschlossen, endlich das Rätsel um die Vergangenheit ihrer Mutter zu lösen. Ein Foto aus dem Jahr 1941 scheint der Schlüssel zu sein: Es zeigt Dorothy in London. Arm in Arm mit einer Frau namens Vivien. Warum zerbrach die Freundschaft der beiden Frauen? Und wer ist Jimmy, den Doroty wohl sehr liebte und doch vor der Familie verbarg? Auf der Suche nach Antworten muss Laurel erfahren, dass sie sich immer in ihrer Mutter getäuscht hat...
 
 
 
Kate Morton schafft es immer wieder mich in die Vergangenheit zu locken, um die Gegenwart zu verstehen. Sie macht es mir ausserdem schwer, mich zu entscheiden, welches Buch mir von ihr am besten gefällt - weil sie schon wieder einen genialen Roman geschrieben hat...
 
Ihr Schreibstil fliesst wie ein unbemerkter Bach friedlich von Seite zu Seite, plätschert vor sich hin, ists hübsch anzusehen, aber auch schnell vergessen, wenn man erst einmal in die Geschichte eintaucht. Und das geschieht ziemlich schnell. Ein dicker Schinken von 600 Seiten und dann auch noch dieses Genre, kann einige Leser abschrecken, was ist zwar verstehe. Doch denen entgeht meiner Meinung nach ein grosses Werk einer meiner Lieblingsautoren. Sie versteht es wie keine zweite, mich die Figuren fühlen zu lassen, mich in einer Zeit daheim zu fühlen, die ich gar nie erlebt habe und höchstens aus Schulbüchern kenne. Sie entführt in Traumwelten genauso wie zu alten, traurigen Schauplätzen. Doch egal wo und wer - ihre Personen leben in den Büchern. Sie begleiten meine Gedanken selbst noch, wenn ich das Buch zur Seite lege. Allerdings ist mir dies in den letzten 200 Seiten nicht mehr gelungen, als ich das letze Drittel in einem Rutsch verschlungen habe.
 
Das Ende ist der Wahnsinn. Es werden durch das Buch immer Schritt für Schritt kleine Rätsel und Ungereimtheiten aufgelöst. Mal erscheint eine Situation in anderem Licht, nachdem man die Sichtweise einer anderen Person erfahren hat. Mal war mir eine Figur unsympathisch, nur um im nächsten Kapitel wieder mein Mitgefühl zu bekommen. Manchmal war ich regelrecht hin und her gerissen, ob ich eine Person mag oder nicht. Verurteilte innerlich dessen Tat, nur um Seiten weiter dessen Beweggründe zu verstehen und dafür eine andere Person wieder nicht zu verstehen. Schlussendlich sind der Autorin wieder einmal Persönlichkeiten aus der Feder geflossen, die nicht nur schwarz-weisse Kleckse in einem Roman bleiben. Das Netz an Beziehungen, Schicksalen und Gefühlen ist geschickt geknüpft und lässt absolut viele Überraschungen offen. Vermeindliche Feinde entpuppen sich als Freunde, Freunde werden zu Gegnern und geliebte Menschen sogar zu Unbekannten...
 
Mir brennt es auf der Zunge, das Ende zu erzählen, weil mir bei der Lektüre - ungelogen - die Kinnlade einen Stock hinunter geklappt ist. Es kitzelt mich in den Fingern von "meiner Entdeckung" zu schreiben, doch noch viel wunderbarer ist es, diese Entdeckung(en) selbst zu erleben.
Das Buch ist gar nicht so dick, wie es wiegt und war leider viel zu früh fertig. Jetzt heisst es wieder warten...auf den nächsten verdienten Bestseller von Kate Morton...
 
 
Super Schmöcker, der alles beinhaltet: Spannung, Emotionen, Freundschaft, Liebe, Verbrechen, Geheimnisse, 2. Weltkrieg, Familie, funktionierende und fehlgeschlagene Pläne...
 
 
5 von 5 Lese-Echsen
 
 
Kate Morton wuchs in den Bergen in Queensland, Australien auf und ist die älteste von drei Schwestern. Sie studierte Theaterwissenschaften und Englische Literatur. Ihr erster Roman wurde in dreizehn Länder verkauft und avancierte schnell zum Bestseller.
Morton verriet in einem Interview, dass sie bereits ein Drittel einer anderen Geschichte geschrieben hatte, ehe die Blythe-Schwestern, um welche es sich in ihrem neuen Roman handelt, im Kopf "herumzuspuken" begannen. Sie entschied, die Arbeit an ihrem neuen Roman abzubrechen und die Geschichte der Blythe-Schwestern weiter auszubauen. Ob sie die Arbeit an ihrem nicht vollendeten Roman fortsetzt, gab sie nicht bekannt.
Kate Morton lebt mit ihrem Mann David, einem Komponisten, und ihren zwei Söhnen, Louis und Oliver, in Brisbane.

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3. April 2013

David Safier - Muh !

Autor: David Safier
Titel: Muh !


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-463-40603-9
Erschienen: 2012
Seiten: 330



Eine Kuh auf der Suche nach dem Glück
"Kuh sera, sera. Was sein soll, soll sein, soll sein. Die Zukunft, die kennt kein Schwein..." Dieses Lied singt die ostfriesische Kuh Lolle, deren Traum vom glücklichen Leben wie eine Blase auf der heissen Milch zerplatzt: Nicht nur, dass ihr geliebter Stier Champion sie mit einer anderen betrügt, nein, der Bauer auf ihrem Hof beschliesst auch noch, alle Kühe schlachten zu lassen. Die Rettung kommt in Gestalt eines charmanten italienischen Katers. Er verrät Lolle, dass es ein Land auf dieser Welt gibt, in dem Kühe nicht zu Bolognese verarbeitet werden: Indien.
Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen, der harten Hilde und dem lieben Radieschen, flieht Lolle von dem Bauernhof. Begleitet werden sie dabei nicht nur von Kater Giacomo, sondern auch von Susi, ausgerechnet jener blöden Kuh, die Lolle den Stier ausgespannt hat. Und auf der Suche nach dem ganz grossen Glück erlebt die kleine chaotische Herde jede Menge gefährliche Abenteuer.
 
 
 
 
Die Kühe sind los - so hiess doch mal ein Kinderfilm (?) und genau so ist es. In seinem typischen orange-gelben Umschlag und kurzem Titel hat uns David Safier nur eins zu sagen: Muh.
 
Lolle, Hilde, Radieschen, Susi und Champion sind Kühe (bzw. ein Stier) mit ziemich menschlichen Zügen: die eine spinnt ein wenig, die andere ist sehr lieb, aber schrecklich naiv, eine weitere ist streitsüchtig und meckert bloss und der Stier scheint die Treue nicht immer so ernst zu nehmen. Doch wie uns eine Reise verändern kann, verändert es auch die Kühe. Sie müssen als Herde zusammenfinden, gemeinsam Gefahren meistern und so entdeckt jeder und jede in verschiedenen Situationen ihre Stärke, Wünsche oder Gefühle. Äusserst sympathisch war mir auch Kater Giacomo, obwohl ich bis zum Schluss nicht kapiert habe, warum er einen italienischen Akzent hat, aber angeblich von einem Frauchen aus New York kommt...Naja, auf jeden Fall ist seine Akzente von Bella Italia oft witzig (ich könnt aber auch verstehen, wenn es Leute gibt, denen das eher auf die Nerven geht). Old Dog, der gefürchtete ehemalige Hund des Bauernhofs, der nach dem Verlust seiner Liebe sehr böse wurde und vom Hofe verscheucht wurde, verfolgt Lolle sogar bis in ihre Träume und nimmt die Rolle des unsichtbaren Feindes ein.
 
Anders als bei anderen Safier-Büchern (oder generell Büchern) kamen diesmal kleine Geschichte hinzu, die so eine Art Legende darstellten. So glauben die Kühe an ihre Kuhgöttin Naia und so schrieb der Autor einige Kurzgeschichten über die Entstehung der Kuhwelt, wie der Mond (aus Käse) in den Himmel kommt und über die Milch der Verdammnis hinter den Bäumen am Ende der Welt...Tja, doch diese Kühe blicken über den Tellerrand und entdecken die Welt hinter dem Wald, hinter welchem sie den Tod erwarteten - jedoch nicht fanden. Doch der Autor hat einige Überraschungen bereit für die Kühe und für die Leser.
 
Auch versuchte sich Safier im Reimen und liess die Kühe abwechslungsweise kleine Liedchen trällern. Diese kleinen Verse erinnern meist an bekannte Lieder (man bedenke das Beispiel vom Klappentext: Kuh sera sera...). Trotz meiner Anerkennung, dass er reimen kann und die Strophen ganz witzig, gefiel mir dies weniger, weil es mir irgendwie nicht in die Textsorte passte. Sein Schreibstil war ansonsten flüssig und leicht, wie gewohnt. Einfache Worte mit Witz gepfeffert und auch mit etwas Ironie und Zickenkriegen (Entschuldigung, ich meine Kuhkriegen) verfeinert, die besonders Hilde und Susi miteinander austauschen.
 
Im Grossen und Ganzen ist es wieder mal ein toller Unterhaltungsroman, der mal an einen Kinderfilm errinnert, mal das Verhalten der Kühe an ChickLit grenzt, und mit einer hübschen Erkenntnis zum Schluss: das Glück bedeutet für jeden was anderes und lässt sich auch nicht immer in materiellen Werten finden - oder in einem spezifischen Land.
 
 
Ein kuhles Buch
 
 
 
4 von 5 Lese-Echsen
 


David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der letzten Jahre. Seine ersten beiden Romane "Mieses Karma" und "Jesus liebt mich" erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller. Außerdem arbeitet David Safier als Drehbuchautor. Für seine TV-Serie "Berlin, Berlin" gewann er den Grimme-Preis sowie den International Emmy (den amerikanischen Fernseh-Oscar). David Safier lebt in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.

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David Safier