28. Mai 2013

Mari Strachan - Nachts singt die Welt

Titel: Nachts singt die Welt
Autor: Mari Strachan



Verlag: Diana Verlag
ISBN: 978-3-453-35489-0
Erschienen: 2009
Seiten: 349



 
Die zwölfjährige Gwenni Morgan hat rotes Haar, jede Menge Fantasie - und nichts als Unsinn im Kopf. Das findet zumindest ihre Mutter, deren grösste Sorge ist, was die Nachbarn denken. Und was die Nachbarn in einem walisischen Dorf in den Fünfzigerjahren von einem Kind halten, das kein Fleisch essen will, behauptet fliegen zu können und ständig komische Fragen stellt, ist nicht schwer zu erraten. Doch Gwenni hat auch Verbündete: ihren Vater, ihre Schulkameradin Alwenna, ihre Grossmutter und Mrs. Evans, auf deren kleine Töchter sie manchmal aufpasst und die ihr Bücher schenkt. Als Mrs. Evans' Mann eines Tages spurlos verschwindet, will Gwenni ihre Freundin helfen und stellt Nachforschungen an. Sie kann nicht ahnen, welche Lawine sie damit lostreten wird. Denn mit ihren neugierigen Fragen befördert Gwenni Dinge ans Licht, die sowohl die Dorfbewohner als auch ihre eigene Familie lieber weiter totgeschwiegen hätten.
 
 
 
Gwenni, liebe Gwenni...ein bezauberndes Mädchen, das uns in ihre Welt einlädt. Schon der Titel hat mich magisch angezogen, denn ich wollte mir ihr fliegen. Leider wurde es nicht der Höhenflug, den ich mir wünschte, aber dennoch ein unterhaltsamer Ausflug.
 
Die Geschichte wird ausschliesslich aus Gwenni's Sicht erzählt. Der Leser sieht ihre Welt durch ihre Augen, liest ihre Gedanken und hört, was die Leute zu ihr sagen. Auch deswegen denke ich, ist es sehr einfach, sich in die Hauptfigur einzufühlen. Der Schreibstil ist einfach gehalten und liest sich angenehm. Dabei konzentriert sich die Autorin sehr auf Gerüche, Düfte, Klänge und Farben. Diese Eindrücke findet man leider nicht oft in Romanen, doch hier werden sie fast in den Vordergrund gestellt. Gwenni riecht den Regen im Gras, das Blut im Stoff, die Vanillekekse einer Dorfbewohnerin, das Parfüm ihrer Mutter, das Abendessen, welches sie nicht mag...Allerdings fehlten mir dafür die visuellen Beschreibungen. Von einigen örtlichen Angaben abgesehen, ist der Leser sehr frei, sich dieses walisische Dorf vorzustellen. Zu frei, meiner Meinung nach. Wer das Land noch nie bereist hat, wird wohl Schwierigkeiten haben, sich wirklich die Häuser dort in dieser Landschaft und dieser Zeit vorstellen zu können. Diese Schwäche sehe ich jedoch bei der Autorin, da sie sich mehr auf die Kleidung der Leute oder teilweise das Wetter konzentriert, und eben die Düfte und Klänge. Dabei gehen jedoch Informationen zu Häusern, Strassen, etc. vergessen, die auch nur klein am Rande erwähnt hätten werden können.
 
Die erste Hälfte des Buches plätschert ruhig vor sich hin. Ein Bach in einer eher flachen Landschaft, wo die Welt noch in Ordnung ist, die Leute ihr Alltagsleben leben. Gwenni besucht Mrs. Evans und ihre Töchter, geht zur Schule, trifft Alwenna und wird von  ihrer Mutter ausgeschimpft, weil sie sich ihren Rock schmutzig gemacht hat. Erst in der zweiten Hälfte des Buches verwandelt sich der Bach in einen reissenden Fluss, der durch die Höhen und Tiefen von Geheimnissen rauscht und alles mit sich reisst, was man nicht sichert. Wie der Klappentext schon erahnen lässt, sticht Gwenni mit ihren Fragen zu dem verschwundenen Mann in ein Nest, das noch mehr Geschichten beinhaltet.
 
In einer Ortschaft, in der jeder jeden kennt (oder zu kennen glaubt), hat auch jeder seine Geheimnisse. Diese sind meist bekannt und dennoch redet keiner darüber, weil man vor den anderen ja gut dastehen möchte. Doch jeder hat so seine Leichen im Keller....Gwenni muss dabei herausfinden, dass auch ihre Familie Geheimnisse hat, die sogar sie selbst und ihre Schwester, ihre Mutter und ihr Vater betreffen...und sogar mit dem verschwundenen Mann zusammen hängt.
 
Schlussendlich kam ich leider erst gegen Ende richtig in die Geschichte, weil ich anfangs etwas zu lange auf die Spannung warten musste und einige Kleinigkeiten vermisste. Dennoch ist es ein schönes, ruhiges Buch, das mit viel Fantasie gefüllt ist und auch schwierigere Themen (die ich hier nicht verraten möchte, sonst verliert der Roman sowieso an Spannung) angeht.
 
 
 
3,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Mari Strachan lebt mit ihrem Mann in Wales, wo sie einen grossen Teil ihrer Freizeit mit Lesen verbringt. "Nachts singt die Welt" (im Originaltitel übrigens "Die Welt summt in b-Moll", was ich auch sehr hübsch finde) ist ihr erster Roman, der von Presse und Lesern begeistert aufgenommen wurde.
Mehr auf: Mari Strachan

27. Mai 2013

Gewonnen !

Liebe Leser,
 
heute hat mich ein Brief erreicht, den wohl jeden Bücherliebhaber freuen würde.
Was stand in dem Brief?
 
"Sehr geehrte Frau XY, Sie haben an unserem Gewinnspiel teilgenommen und Ihre Antwort war richtig. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie zu den glücklichen Gewinnern von zwei Büchern nach Wahl aus dem Sachbuchprogramm des Orell Füssli Verlages gehören..."
 
Yeah - jippieh - juheeee ! Solche Post bekomme ich gerne =D
Also ging ich gleich auf die Suche und klickte mich durch die Sachbuchabteilung auf der Homepage des Verlages. Leider lese ich ja weniger Sachbücher, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul und schliesslich wurde ich doch fündig in der Kategorie "Kultur". Dort stiess ich nämlich auf zwei Bücher, die mit Reisen zu tun haben, und da ich selber sehr gerne unterwegs bin, freue ich mich nun auf folgende 2 Gewinne:
 
 
Titel: Ein Hotel für jede Stimmung
Autor: Susanna Heim
 
Klappentext
 
Ausgewählte Adressen in Europa für Frauen auf Reisen
 
Allein reisende Frauen wissen: Das passende Hotel zu finden, ist fast so schwierig, wie den Mann fürs Leben. Mal greift man zu hoch, mal zu tief. Mal wird man als Gast ignoriert, mal separiert. Dabei wollen Frauen nur eins: sich wohlfühlen am fremden Ort. Je nach Stimmung im «George V» in Paris oder mit der besten Freundin in einem Wellness-Hotel in den Alpen. Ein gewöhnlicher Hotelführer hilft da nicht weiter. Ein Hotel ist schließlich mehr als ein Bett zum Übernachten. Zum Wohlfühlen braucht es Atmosphäre, Stil und interessante Gäste, mit denen sich die allein reisende Frau unaufdringlich unterhalten kann. Diese Hotels gibt es, zusammengestellt von der Reisejournalistin Susanna Heim. Mit viel Witz, Charme und einer Prise Ironie.
 
 
 
Titel: Wie ich Kannibalen, Taliban und die stärksten Frauen der Welt überlebte
Autor: Christoph Zürcher
 
Klappentext:
 
Ferien bei den Kannibalen. Skirennen in Afghanistan. Neandertaler-Diät in West Virginia. Zu Fuß durch Mexiko City. Marathon im Dschungel des Amazonas. Auf der Suche nach Bin Laden in Pakistan. Stelldichein mit Riesenechsen und Piraten. Flucht vor den stärksten Frauen der Welt. Christoph Zürcher lässt nichts aus. Er überschreitet Grenzen, dass jedem Mallorca-Touristen das Blut in den Adern gefriert. Ganz nach dem Motto: "Probleme lassen sich zuweilen auch dadurch lösen, dass man sich noch grössere Probleme aufhalst." Dabei ist der Autor ein "Don Quijote der Moderne", der schnell an die Grenzen seiner mentalen und körperlichen Möglichkeiten gelangt. Bei all diesen Dramen leidet der Leser qualvoll mit und stellt immer wieder fassungslos fest, dass man auch bei den härtesten Bewährungsproben über sich selbst lachen kann.
 
 
 
Ich freue mich schon aufs Buchpaket - Danke an dieser Stelle nochmals an
 
 

21. Mai 2013

Jacqueline Sheehan - Ein Hauch von Ewigkeit

Autor: Jacqueline Sheehan
Titel: Ein Hauch von Ewigkeit




Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-442-37586-8
Erschienen: 2012
Seiten: 414



 
Manchmal muss man sehr weit reisen, um die Liebe wieder zu finden...
 
Anna O'Shea ist an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, wo die Dinge einfach besser werden müssen, denn schlimmer kann es gar nicht mehr werden. Frisch geschieden landet sie nach einem schrecklichen Rückflug von einem Kurztrip nach Irland wieder in den USA - und erfährt, dass ihr einziger Bruder einen schweren Unfall hatte. Er liegt im Krankenhaus, und sie muss sich um seinen Sohn kümmern. Nachdem sie ihren Joseph unter ihre Fittiche genommen hat, hofft sie auf ein paar Stunden Schlaf, bevor die Familie zu einer Krisensitzung zusammenkommt.
 
Doch alles kommt anders, als sie nachts aufwacht und sieht, wie Joseph in ihrem noch nicht ausgepackten Koffer wühlt und ein Päckchen in Händen hält, das Anna von einer mysteriösen Fremden in Irland überreicht bekommen hat. Anna und Joseph zerren an dem Päckchen, und dann passiert das Unvorstellbare: Sie werden durch Zeit und Raum geschleudert - und erwachen im Irland des 19. Jahrhunderts. Obwohl die Umstände mehr als verstörend sind, entdecken sowohl Anna als auch Joseph für sie vollkommen neue Stärken und Fähigkeiten. Und sie verlieben sich, jeder auf seine Weise, in das Land und seine Menschen. Und welches Geheimnis umgibt Madigan, den irischen Wolfshund, den beide in ihr Herz schliessen?
 
 
 

Anfangs Durchschnitt, in der Mitte langatmig, gegen Ende wieder rasanter. Diese einfache, kurze, etwas traurige Bilanz muss ich nach diesem Roman ziehen.

Trotz eigentlich gutem Schreibstil, konnte mich die Geschichte nicht richtig packen. Zuerst ist es noch spannend, da viele Dinge auf einmal passieren: das Fundament wird gelegt. Anna bekommt ein mysteriöses Päckchen von einer fremden Frau, als sie mit einer Freundin in Irland ein Schloss besichtigt. Zurück in den Staaten erfährt sie vom Unfall, fährt sofort ins Krankenhaus zu ihrem Bruder und trifft dort auf ihre Mutter. Auch erfahren sie, dass Joseph, ihr Neffe, in einem anderen Bundesstaat in Untersuchungshaft sitzt wergen einem Jugendstreich, der ausser Kontrolle geraten ist. Anna holt Joseph und nimmt ihn erstmals zu sich nach Hause und kommt endlich zu etwas Schlaf. Allerdings nur zu wenigen Stunden, weil Joseph aufsteht und wie gesagt, in ihrem Koffer wühlt. Das Päckchen, um welches sie sich dann streiten, zieht sie beide in einen Zeitstrudel, der sie ins Meer wirft und an verschiedenen Orten an Stränden Irlands des Jahres 1844.

Anna und Joseph werden von verschiedenen Leuten gefunden und in unterschiedlichen Häusern aufgenommen. So entstehen 2 unterschiedliche Geschichten, die sich erst wieder auf den letzten Hundert Seiten des Romans treffen - leider. Die Liebesgeschichten entwickeln sich unterschiedlich schnell, wobei aber besonders eine der beiden enormen Einfluss auf die Zukunft hat bzw. das ganze Rätsel der Geschichte auflöst bzw. Ursprung für das ganze Durcheinander ist. Die Zeit scheint zu verschwimmen und die Auflösung wirkt zum Schluss simpel und somit fast logisch.

Ein bitterer Beigeschmack hat jedoch der gesamte Mittelteil. Die Autorin hat zwar viele gute Ideen und scheint alles sehr genau recherchiert zu haben. Leute, die sich für das Irland des 19. Jahrhunderts interessieren, wie man damals gewaschen, Zähne gezogen, gereist, gekocht und Vieh gehalten hat, der ist hier gut bedient. Die Kulisse der Geschichte ist gut gelungen, umso enttäuschender waren dafür die Charakteren.
Anna war mir zwar sympathisch, aber nicht immer. Besonders gegen Schluss verstand ich ihr Verhalten nicht mehr. Auch Joseph's Verhalten fand ich nicht immer authentisch. Beide finden sich erstaunlich schnell mit der neuen Situation ab, leben sich in der Vergangenheit meiner Meinung nach zu gut ein und wollen erst überhaupt nicht zurück in die Zukunft. Zeitweise ist Anna eine starke, selbstständige Anwältin aus dem Amerika unserer Zeit und im nächsten Kapitel ist sie eine hilflose, naive, dreckige Magd, die sich in den starken Mann auf Pferd anhimmelt. Joseph ist in der Zukunft ein typischer "Eltern-sind-mir-egal-ich-bin-erwachsen-und-weiss-es-somit-besser-Teenager" im alten Irland aber erstaunlich gefühlvoll, wird erwachsen. Genauso schwankend ist die Beziehung zwischen den beiden: erst sind sie bloss verwandt, Anna schwelgt in Erinnerungen an den Kleinkind-Joseph, der nun unnahbar wirkt. Am Schluss werden sie als Herz und eine Seele dargestellt. Sympathisch waren mir hingegen die irischen Personen in den Nebenrollen.

Unterm Strich also eine gute Idee, die leider jedoch weniger gut umgesetzt wurde. Ein Roman für Mittelalter-Irland-Fans, für meinen Geschmack aber nichts. Ich hoffe meine Rezi ist nicht allzu verwirrend, doch diesmal war es eine Gefühlssache, die ich nur schwer beschreiben kann. Das Buch hat wohl einfach nicht meinen Nerv getroffen...

 
 
2,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Jacqueline Sheehan wuchs in Neuengland auf und lebt heute in Massachusetts. Sie arbeitet als Autorin und Psychologin. Ausserdem leitet sie verschiedene Schreibseminare. Sie hat bereits zwei Romane und zahlreiche Essays und Artikel veröffentlicht.
 

16. Mai 2013

Eselsohren und Eulenpost

Liebe Leser,
 
vielleicht habt ihr es schon erfahren, falls nicht, möchte ich euch auf eine tolle Aktion von Lovelybooks aufmerksam machen:
 
 
 
Lovelybooks verschickt kostenfreie Lesezeichen mit bebrillten Eseln und süssen Eulen mit dem philosophischen Spruch "Ich lese, also bin ich".

 
Lesezeichen kann man nie genug haben - das ist wohl jedem Buchliebhaber klar.
Wenn ihr also auch solch hübsche Tierchen in euer Buchregal einziehen lassen möchtet, folgt diesem Link:

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Dort könnt ihr euch die gewünschte Anzahl Lesezeichen bestellen, euch darauf freuen (werden innerhalb 2 Wochen versandt) oder auch weiterverschenken.

Ausserdem wird eine HD-Pocket-Videocam von Kodak und ein dickes Buchpaket im Wert von 50 EURO verlost!

 
Viel Spass !
 
Eure Lese-Echse


13. Mai 2013

Sam Savage - Firmin

Autor: Sam Savage
Titel: Firmin - ein Rattenleben



Verlag: List (Ullstein)
ISBN: 978-3-548-60921-8
Erschienen: 2009
Seiten: 204


 
Boston in den 60er Jahren. Im schäbigen Keller der Buchhandlung am Scollay Scare wird Rattenjunge Firmin geboren. Er ist der Kleinste im Wurf und kommt immer zu  kurz. Als der Hunger eines Tages zu schlimm wird, knabbert er die in den Regalen lagernden Bücher an. Eines nach dem anderen wird gefressen, bis Firmin entdeckt, dass auf dem Papier etwas steht, was ihn sein Elend vergessen lässt: Ob Lolita oder Ford Madox Ford, ob Moby Dick oder Cervantes, die Welt der Menschen verspricht Abenteuer und Liebe, Krieg und Frieden, kurz: alles, was eine Ratte nicht hat. Voller Neugier sucht Firmin die Freundschaft zu Buchhändler Norman.
 
 
 
Firmin ist nicht nur eine Leseratte - nein, er ist wortwörtlich eine LESENDE RATTE!
 
Trotz seines niedrigen Standes, in der Hierarchie seiner Familie wie auch im allgemeinen Leben, boxt sich Firmin tapfer durch sein Leben. Er wählt nicht das übliche Schicksal einer Ratte, tagein tagaus nach Futter zu suchen, in der Nacht durch Rinnsale und dunkle Gassen zu huschen, Abfall zu verzehren als wäre es ein Gourmetmenü und blind weiblichen Ratttenhintern hinterherzurennen. Stattdessen zeigt er guten Geschmack in der Buchhandlung - erst beim Kauen grosser Literatur, später beim Lesen davon. Schnell kennt er die Buchhandlung wie seine Westentasche und hat verschiedene Lieblingsplätze, von wo er Norman und die Kundschaft beobachtet.
 
Der Kontakt zu den Menschen kommt zwar zustande, allerdings nicht gleich so, wie der Leser es sich möglicherweise wünscht. Jeden, der nun eine schöne Freundschaftsgeschichte wie im Disneyfilm "Ratatouille" (eine Ratte mit Spitzenkochqualitäten in Paris) erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Dennoch findet Firmin auch einen menschlichen Freund...

Firmin's Schreibstil (denn die Geschichte wird als eine Art Biographie von Firmin selbst erzählt) ist flüssig, oft ungewollt witzig und spiegelt perfekt seinen Charakter: Er erzählt von seinen Schwächen, seiner Hässlichkeit, aber auch seinem Intellekt. Er sucht nach dem Sinn seines Daseins, erlebt Höhen und Tiefen. Und dies alles ist auch der Grund, warum ich mich bedingungslos in diese eher depressive, verkrüppelte (mehr dazu im Buch) und dennoch lebensfrohe Ratte verlieben konnte.
 
Die Kulisse beschränkt sich nicht nur auf die Buchhandlung, sondern betrifft den ganzen Scollay Scare, den es tatsächlich in Boston gab und der Autor dort tatsächlich in einer Buchhandlung ein und aus ging. Auch andere Schauplätze gibt oder gab es wirklich, wie der Autor in einem kurzen Nachwort erzählt. Etwas Geschichte in Form von Krieg und der Zerstörung dieses Platzes gibt dem Buch einen traurigen, grauen Hintergrund, der jedoch angenehm melancholisch wirkt.
 
Zum Schluss möchte ich euch verraten, dass ich ein neues Lieblingszitat habe - aus diesem Buch: "Auf Wiedersehen Reissverschluss".
Dieser Satz brachte mich unglaublich zum Lachen und wird mir auch zukünftig ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wer nun aber wissen will, was dahinter steckt, dem lege ich dieses Buch wärmstens ans Herzen!
 
 
Die Lebensgeschichte einer ganz besonderen Ratte!
 
 
5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Sam Savage wurde in South Carolina geboren und lebt heute in Madison, Wisconsin. Er promovierte in Philosophie, unterrichtete auch kurzfristig, arbeitete als Tischler, Fischer, Drucker und reparierte Fahrräder. Dies ist sein erster Roman.
 
Mehr auf: --> Youtube-Video mit tollen Bildern aus Firmin's Leben
 
 
 
 
 


 

8. Mai 2013

Ann Eriksson - Mehr als ein Sommer

Autor: Ann Eriksson
Titel: Mehr als ein Sommer



Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-16668-8
Erschienen: 2010
Seiten: 281



 
Eine Geschichte voller Liebe, Kojoten und kaputter Traktoren
 
Das hat Trevor gerade noch gefehlt: Ausgerechnet er, der Reisen und fremde Menschen hasst, stolpert auf einem Geschäftstrip in die Arme einer schrulligen alten Dame - und damit geradewegs in ein Abenteuer, das sein geordnetes Leben völlig auf den Kopf stellt. Denn die kauzige Lady reist nicht allein: Im Gepäck hat sie die Asche ihrer drei verstorbenen Ehemänner. Und den Plan, die perfekte Ruhestätte für sie zu finden - um jeden Preis.
 
Zurück in Kanada ist Trevor froh um seinen gewohnten Alltag. Doch die Zeit mit der alten Dame lässt ihn nicht los - und sie hat ihn verändert: Plötzlich begreift er, was es wirklich heisst zu lieben...
 
 

Alles beginnt am Frankfurter Flughafen und endet, nach einer amüsanten aber chaotischen "Pause" in Ägypten, daheim in Kanada. Der Leser begleitet Trevor durch seine wohl komischsten Jahre: Erst auf Reisen mit Constance Ebenezer, einer alten Dame mit ungewöhnlichem Gepäck. Danach durch ein Gefühlschaos auf dem kanadischen Lande mit Angela.

Der Schreibstil ist sehr flüssig. Besonders gefallen hat mir, dass der Roman nicht voller Klischees war. Hier und da vielleicht etwas Bekanntes, doch im grossen Ganzen war es endlich wieder einmal eine Geschichte, die ich so oder ähnlich noch nicht gelesen habe.

Leider reisen Trevor und Constance nicht so lange miteinander als ich es wünschte. Ich hätte liebend gerne Constance weiter auf ihrer Suche nach den besten Ruhestätten ihrer in verkaufsüblichen Blechdosen transportierten Asche ihrer Ehemänner zu finden. Hätte sie gerne weiter zu Land und Luft um den Globus begleitet. Hätte gerne weiter ihrer schrägen, aber wahren Geschichten gelauscht. Doch Trevor reist zurück nach Kanada, wo er sich schwer tut, die Beziehung mit Angela wirklich eine Beziehung zu nennen. Bis er ihre Familie kennenlernt, als er auf ihrer Farm bei der Feldarbeit aushilft. So kommen weitere Figuren: Angelas Eltern, Bruder, Kojoten und Trevors eigener, verschwundener Bruder in die Geschichte. Und sie sind mir alle ans Herz gewachsen.
Die zweite Hälfte des Buches entwickelt sich somit zu einer Sommer-Liebesgeschichte, wobei Constance nur noch in Form von Briefen auftaucht. Sie bzw. ihre Geschichte und Altweiber-Weisheiten geistern Trevor weiter durch den Kopf und durch die Briefe erfahrt er und der Leser, in welche Länder es sie weiter verschlagen hat.

Dieser Roman zeigt meiner Meinung auf lockere, unterhaltsame Art wie eine Begegnung ein ganzes Leben verändern kann. Wie einige Tage mit einem fremden Menschen, den eigenen Alltag umkrempeln kann und wie man durch die Geschichte einer anderen Person selbst sein Leben überdenkt. Diesen ernsteren Kern, Fragen über den Tod und was danach geschieht, Entscheidungen im Leben und wie wertvoll liebende Menschen sind, wurde hier von der Autorin in einen hübschen Sommerroman verpackt.

 
 
4 von 5 Lese-Echsen
 
 
Ann Eriksson stammt wie Trevor aus Kanada und verlebte ihre Kindheit und Jugend in allen drei kanadischen Prärieprovinzen ihres Buches. Neben dem Schreiben ist die überzeugte Umweltschützerin als biologische Beraterin tätig und liebt die Natur und das Reisen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern auf Thetis Island, British Columbia.
Mehr auf: Ann Eriksson

2. Mai 2013

Zuhause in Bibliotheken

Liebe Leser

Kennt ihr das Gefühl, wenn die Uhren in einer Buchhandlung immer schneller als normal laufen? Kennt ihr den Wunsch, am liebsten eine eigene Bibliothek daheim zu besitzen? Kennt ihr die innere Ruhe, wenn ich in alten Bibliotheken durch verstaubte Bücherregale schlendert?
Für diejenigen unter euch, die nicht nur das Lesen, sondern auch Bücher und Büchereien als Gegenstand bzw. Ort lieben, waren die Fragen oben wohl alle mit Ja zu beantworten.

Deswegen möchte ich einmal einen Post nicht den Büchern widmen, sondern ihren schönsten Aufbewahrungsorten. Auf meiner Reise durchs Internet fand ich unzählige Bilder von Bibliotheken: modern oder alt, gross oder klein, mit oder ohne Galerien, mit Holzstühlen oder gepolsterten Sesseln, mit Tischlämpchen oder Kronleuchter, mit grossen Fenstern oder kunstvoll bemalten Decken.... Die Liste ist lang und alle sind sie schön, wenn auch auf verschiedene Art und Weise.

Ich wollte euch hier meine persönlichen Lieblinge zeigen, wobei auffällt, dass ich wohl eher alte Bibliotheken bevorzuge.





Mein absoluter Favorit ist dabei die Livraria Lello in Porto, Portugal, die ich gerne einmal besuchen möchte.