27. August 2013

TAG - Life with books

Liebe Leser,

erstmals entschuldige ich mich für die Funkstille auf meinem Blog. Wie angekündigt, fehlt mir hier während meinem Auslandpraktikum die Zeit zum Lesen. Allerdings habe ich nun wieder mal einen TAG für euch. Gesehen habe ich den bei der lieben Janine (BuchlingJanine) und Gwen (The BookLook) und wollte einfach mal mitmachen, weil mir die Fragen gefielen.

--> Video: Youtube Life with Books (mit Gwen und Janine)

Fragen

1. Warst du schon immer lesebegeistert?
Jein. Angefangen hat es, dass mir meine Mutter vorlas. Später habe ich dann selber gelesen. Ich war mal weniger, mal mehr Bücherwurm. Als Teenager hatte ich aber auch eine "jahrelange Leseflaute". Seit einigen Jahren bin ich den Büchern jedoch wieder verfallen.

2. Mit welchen Büchern begann deine Leseleidenschaft?
Ich kenne dank meiner Mutter viele Märchen der Gebrüder Grimm. Selber gelesen habe ich besonders Hanni & Nanni, TKKG und Jugendbücher von Frederico de Cesco. ("der rote Seidenschal" und Fortsetzungen). Später kam Harry Potter und auch Jugendbücher von Michael Ende liebe ich bis heute.

3. In welchen Lebenssituationen liest du besonders viel bzw. wenig?
Wenig: Wenn mich das echte Leben zu sehr beansprucht. Das kann positiv wie negativ sein. Entweder bei Stress, wenn ich effektiv keine Zeit finde. Oder wenn etwas Trauriges in der Familie passiert (was natürlich nicht zu hoffen ist) oder frisch verliebt, auf Reisen bin oder sonst etwas Tolles erlebe.
Viel: Wenn ich in den Ferien / an freien Tagen daheim bleibe. Tendenziell eher im Herbst und Winter, wenn man sich zuhause einkuscheln kann, auf dem Sofa lümmeln, mit Tee oder Kaffee und Keksen.

4. Was hilft dir gegen eine Leseflaute?
Nicht viel. Entweder lasse ich Leseflaute, Leseflaute sein und lese einfach nicht, bis ich wieder Lust dazu habe. Dafür schaue ich vielleicht Filme oder geniesse Zeit mit Freunden. Oder ich lese wirklich nur, was gerade zu meiner Stimmung passt, auch wenn ich dafür ein Buch unterbrechen muss oder eine Neuerscheinung kaufe, auf die ich sonst sparen und warten wollte.

5. Was bedeutet das Lesen für dich?
Ein Zufluchtsort, wenn mich das Leben zu sehr beansprucht oder langweilt. Wenn ich Abwechslung brauche oder mir Zeit und Geld fehlt, um zu reisen, hilft mir ein Buch gedanklich zu reisen.

6. Gibt es etwas, was du dir in Hinsicht auf die Welt mit Büchern wünschen würdest?
Obwohl ich den Preis verstehe, würde ich mich doch freuen, wären die Bücher günstiger. Mir gefallen diese Secondhand-Bücherläden oder Lokale, die Büchertauschregale haben. Das habe ich auf Reisen schon paarmal gesehen, in der Schweiz fehlt es jedoch an solchen Angeboten.

7. Hast du immer ein Buch dabei? Oder nimmst du zu speziellen Ereignissen ein Buch mit? Und wie fühlst du dich, wenn du ohne Buch unterwegs bist?
Ich habe sehr oft ein Buch dabei, daheim im Berufs-/Schulalltag eigentlich immer. Denn ich lese im Zug bzw. Bus oder wenn ich irgendwo warten muss. Wenn ich ohne Buch unterwegs bin, fühlt sich meine Tasche zwar oft etwas leichter an, jedoch ist die Gefahr neue Bücher zu kaufen, auch grösser.

8. Welches Buch hat dir schon  einmal Trost gespendet bzw. dich aufgeheitert?
Dazu fällt mir kein spezifisches Buch ein. Doch ich verbinde mit vielen Büchern Erinnerungen, so in der Art "diese Geschichte habe ich gelesen, als ich in XY in den Ferien war, als ich diese Person traf, als..."
Besonders Reisegeschichten (z.B. "Travelettes", "Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry" oder die Geschichten aus der Reihe von "Malik") heitern mich auf bzw. wecken in mir die Lust, den Rucksack / Koffer zu packen.


Und nun ist jeder eingeladen, die Fragen auch zu beantworten, wer immer Lust dazu hat.

Auf Wiederlesen!
Eure Lese-Echse





22. August 2013

Milena Moser - Möchtegern

Autor: Milena Moser
Titel: Möchtegern


Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-21416-2
Erschienen: 2010
Seiten: 457


 
Schreiben macht glücklich.
 
Die Schweiz sucht den Superstar - und zwar im Schreiben. Zehn Nachwuchstalente mit unterschiedlichsten Motivationen treten gegeneinander an und schreiben sich die Finger wund. Die Jury besteht aus dem bestsellerverliebten Verleger Gianni Wolfensberger, der Literaturkritikerin, Feministin und Vierfachmutter Michelle Schlüpfer und der Autorin Mimosa Mein. Nach ihren frühen Romanerfolgen lebt sie nun, mit fast fünzig, zurückgezogen auf dem Land. Doch ihre neue Rolle als Jurorin wirft sie wieder mitten hinein in ein Literatur- und Medienbetrieb...
 
 
Wir wollen alle das Gleiche: Ein Buch schreiben. Ich schreibe bewusst "wir", weil wir Buchblogger und Vielleser bekanntlich auch gerne selbst einen Roman veröffentlichen wollten. Irgendwie kitzelt es uns doch alle in den Fingern, oder etwa nicht?
 
Milena Moser schuf hiermit einen Roman, der zum einen eine Geschichte bietet über das Schreiben an sich, zum anderen eine Schreibhilfe ist und Anstoss für eigene Texte bietet, aber auch kritisch mit dem Thema Medien umgeht. So ist dieses Buch interaktiv aufgebaut: Nach manchen Kapiteln gibt es eine Schreibaufgabe mit nachfolgend leeren Linien. Aufgaben wie Satzanfänge ("Es war eine regnerische Nacht...") oder Fragen ("Was würde Ihre Figur tun?"). Die Aufgaben sind mit den Kapiteln verstrickt und so kann man eine Figur schaffen, die im gleichen Roman mitspielen könnte. Ein Kandidat der Show, sozusagen. Anfangs habe ich geschrieben, liess später jedoch davon ab, weil ich die Geschichte am Stück lesen wollte. Die Schreibübungen sind sehr toll, unterbrechen allerdings den Lesefluss doch erheblich, was hier einfach erwähnt sein soll.
 
Der Schreibstil von Milena Moser gefiel mir besonders gut. Die Fantasie, die diese Autorin hat, muss ihr Kopfschmerzen bereiten. So viele Ideen schwirren ihr wahrscheinlich durch den Kopf. Sie zeichnet mit vielen Adjektiven wunderbare Bilder, malt mit Worten gekonnt Szenen. Leider hatte ich ab und zu den Eindruck, dass ihr Schreiben doch sehr gezielt ist. Soll heissen: Manchmal merkt man das geschulte, geförderte Schreiben, wie man es in "Kreatives-Schreiben-Kursen" übt und lernt.
 
Die Hauptfigur des Romans ist die Jurorin Mimosa Mein, obwohl auch viel über die einzelnen Kandidaten erzählt wird. So kommt es manchmal zu Blickwinkel-Wechseln, allerdings immer schön in Kapiteln unterteilt, damit kein Durcheinander passiert. Die Kandidaten könnten zudem nicht unterschiedlicher sein. Dabei bedient sich die Autorin zum einen offensichtlich an Klischees, zeichnet jedoch die Feinheiten mit viel Fantasie. Diesen Effekt ist vermutlich gezielt, da der Roman auch kritisch mit den Medien ins Gericht geht. Besonders das Fernsehen und Castingshows, die gerne Images und Kultfiguren schaffen, die dann eben sehr klischeehaft sind. Damit spielt auch Milena Moser (ist übrigens das Namensspiel mit der Hauptperson Mimosa Mein aufgefallen?). Ich denke daher, dass viel persönliche Erfahrung der Autorin in diesem Buch steckt und es deswegen so real wirkt. Das Thema ist zum einen originell neu und gleichzeitig altbekannt, irgendwie keine eindeutige Textsorte (Roman, Kolumne in Buchform, Übungsheft, Kritik...)...aber auf jeden Fall unterhaltsam und mit einer Überraschung am Ende.
 
Ein Roman über das Schreiben und das Fernsehen. Ein Roman, der zum Schreiben anregt, in den Fingern kitzelt, eingepackt in frisch moderner Sprache.
 
 
 
4 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Milena Moser, 1963 in Zürich geboren, ist gelernte Buchhändlerin und Journalistin und zählt zu den erfolgreichsten Autorinnen der Schweiz. Neben Romanen und Sachbüchern veröffentlicht sie auch Kolumnen, Kommentare und Essays. Nach 8 Jahren in San Francisco lebt sie seit 2006 mit ihrer Familie wieder in der Nähe von Zürich und leitet zusammen mit Sybille Berg und Anne Wieser eine Schreibschule.
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