18. Oktober 2013

Natasha Cooper - Niemand hört dich, wenn du schreist

Autor: Natasha Cooper
Titel: Niemand hört dich, wenn du schreist



Verlag: Weltbild
ISBN: 978-3-86800-784-8
Erschienen: 2011
Seiten: 383



 
Ich werde dich finden. Und ich werde dich töten.
 
Er ist reich, sieht gut aus und ist ein guter Redner. Und er ist ein brutaler, sadistischer Vergewaltiger. Doch vor fünf Jahren hat Randall Gyre einen Fehler gemacht, und so wurde er wegen der Vergewaltigung der Studentin Lizzie Fane verhaftet und verurteilt. Jetzt ist seine Haftzeit fast abgelaufen. Die Gerichtspsychologin Karen Taylor ist fest davon überzeugt, dass Gyre wieder zuschlagen wird - und dass er diesmal vor einem Mord nicht zurückschreckt. Sie ist entschlossen, Lizzie und mögliche neue Opfer vor diesem Mann zu schützen. Aber Lizzie ist verschwunden. Und bald nach Gyres Haftentlassung werden die ersten Tatzeugen ermordet.
 
Hat Gyre tatsächlich mit seinem Rachefeldzug begonnen? Oder steckt doch noch jemand anderer hinter diesen Morden? Für Karen Taylor und ihren Freund DCI Charlie Trench beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.
 
 
Zur Abwechslung mal wieder ein Buch, das ich mir wohl nie selbst gekauft hätte, was mir aber doch in die Hände kam und als gut befunden wurde.
 
Ab und zu ein Thriller ist fein. Das Thema diesmal: Ein Vergewaltiger auf freiem Fuss. Die Welt der Ermittler, Polizei und Agents ist nicht meine Welt und das ganze "Criminal-Minds-Geplapper" gehört nicht unbedingt in mein Lieblingsgenre - weder als Buch als im TV. Doch diese Geschichte wird hauptsächlich aus Sicht von Karen Taylor erzählt, der Psychologin, die eher ungewollt in die ganze Polizeiarbeit mit hinein rutscht und mir sehr sympathisch wurde. Abwechslungsweise erfährt man auch mehr über Lizzie und was sie macht, so weiss der Leser immer mehr als die Romanfiguren.
 
Einige Kapitel sind spannender als andere. Ich hatte auch schon spannendere Thriller gelesen, dennoch kann ich diesen Roman empfehlen. Langweilig war es nie, vorhersehbar soweit auch nicht. (Voraussehbar, dass die Autorin den Leser auf die falsche Fährte lotsen möchte, allerdings nicht so vorhersehbar, wohin die Wahrheit tatsächlich führt). So kam es auch zu einem interessanten Sichtwechseln und einem Ereignis, was die ganze Geschichte und vor allem alle Vorahnungen über den Haufen wirft. Das Ende ist der Höhepunkt und fällt trotzdem etwas flach aus leider.
Für einen Thriller hätte ich mir etwas mehr Speed, etwas atemraubendere Spannung gewünscht. Gut gelungen und erschreckend ist allerdings trotzdem, dass die Geschichte nicht künstlich spannend gemacht wird und sehr real bleibt. Eine angedeutete Liebesgeschichte zwischen Karen Taylor und einem Agenten ist keine Überraschung, entwickelt sich aber glücklicherweise nicht vollständig zum Klischee.
 
Der Schreibstil ist, abgesehen von den Polizeiaussagen und Kriminal-Fachsprache, einfach gehalten. Thriller sind ja auch wenig bekannt dafür, poetisch zu sein. Schönheit sucht man deswegen vergebens. Leicht und rasant geschrieben, ist es eher Mittelmass, aber dient genau der Unterhaltung und enthält viel direkter Rede, weniger schöngeschriebene detaillierte Szenen. Aber das ist gut so.
 
 
Ein realitätsnaher Thriller mit sympathischer Hauptfigur, wenn auch kein Bestseller.
 
 
3,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
Natasha Cooper ist gebürtige Londonerin und arbeitete lange in einem Verlag, bevor sie sich ganz dem Schreiben zuwandte. Ausser ihren Romanen schreibt sie auch für zahlreiche Zeitungen und Magazine sowie für den Rundfunk. Sie war Vorsitzende der Crime Writers' Association. 2002 wurde sie für den Dagger in Library nominiert, den Preis für das beliebteste Bibliotheksbuch.
 
Natasha Cooper ist das Pseudonym von Daphne Wright.
 
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7. Oktober 2013

Isabel Allende - das Geisterhaus

Autor: Isabel Allende
Titel: Das Geisterhaus


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518381762
Erschienen: 1989
Seiten: 501




Die junge Alba trifft beim Besuch des Hauses ihrer Ahnen auf den sterbenden Großvater Esteban Trueba. Anhand der Tagebücher ihrer Großmutter Clara beginnen beide, die bewegte Familiengeschichte zu rekonstruieren. Am Anfang der Geschichte steht die Verbindung zwischen dem Großgrundbesitzer Trueba und Clara de Valle, der Schwester der verstorbenen Verlobten Truebas. Er zeigt sich gegenüber seiner Familie und seinen Arbeitern als kompromissloser Patriarch. Ihm gegenüber stehen die Frauen der Familie: die hellseherisch begabte Clara und die Tochter Blanca, die sich in einen Anführer der kommunistischen Partei verliebt und auswandert. Trueba duldet die Beziehung nicht, er selbst kandidiert als Senator der konservativen Partei und unterstützt einen Militärputsch. Erst als seine Enkelin Alba in ein Konzentrationslager gebracht wird, begreift Trueba die Fehler seines Lebens.
 
Ein Debütroman, der bis heute über 30 Neuauflagen hat, in unzählige Sprachen übersetzt wurde, heute noch wie damals ein Muss für alle Leser ist und bleibt, ein Meisterwerk von Allende.
 
Es ist unglaublich, wie viel Geschichte in einen einzigen Roman passt. Im Geisterhaus lernt man die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen kennen. Und obwohl der Roman fiktiv ist, nährt er sich an Wahrheiten, an realen Begebenheiten der Geschichte Chiles und Allendes Leben und Ideen. Nach den ersten Kapiteln hatte ich schon das Gefühl seit einer Ewigkeit zu lesen. Nicht weil es langatmig ist, sondern weil einfach schon so viel passiert ist.
 
Der einzigartige Schreibstil der Autorin erweckt die Figuren sehr authentisch zum Leben. Ich habe mit den Personen gelitten, geliebt, gehasst, gefürchtet, gehofft....gelebt! Wie es normal ist, waren mir nicht immer alle Personen sympathisch. Doch wie auch im wahren Leben wechselt dies immer mal wieder. Es gibt keinen klassischen Bösewicht und gute Leute. Jede Person hat ihre dunklen und hellen Seiten, ihre Ängste und Hoffnungen, gute und schlechte Zeiten.
 
Ganz ehrlich fehlen mir die Worte dieses Buch zu beschreiben.
Mir bleibt nur zu sagen: Es ist ein Klassiker, den man wirklich gelesen haben muss. Ein Klassiker, der nicht langweilig, alt oder trocken ist. Sondern ein Klassiker, den man kennen muss und vor allem selber lesen. Ein Meisterstück von wahrer Schriftstellerei.
 
 
LESEN ! LESEN ! LESEN !
 
 
5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Isabel Allende wurde am 2. August 1942 in der peruanischen Hauptstadt Lima als erstes Kind des chilenischen Diplomaten Tomás Allende – eines Cousins des späteren chilenischen Staatspräsidenten Salvador Allende, geboren. Von ihrem achtzehnten Lebensjahr an arbeitete Isabel Allende als Journalistin und moderierte eine chilenische Fernsehsendung. 1962 vermählte sie sich mit dem Bauingenieur Michael Frías, und im Jahr darauf wurde sie von ihrer Tochter Paula entbunden. Ihr Sohn Nicolás folgte 1966.

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