21. Dezember 2014

Walter Moers - Das Labyrinth der Träumenden Bücher




Autor: Walter Moers
Titel: Das Labyrinth der Träumenden Bücher



Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-74617-0
Erschienen: 2013
Seiten: 429





Hildegunst von Mythenmetz, der grösste Schriftsteller Zamoniens, suhlt sich auf der Lindwurmfeste in seinem Erfolg. da erreicht ihn ein mysteriöses Schreiben, das ihn verlockt, dem Wohlleben Adieu zu sagen und nach Buchhaim, der "Stadt der Träumenden Bücher", zurückzukehren. Dort trifft er auf eine neuerbaute Stadt, die vor Leben rund um das Buch nur so vibriert. Und er begegnet alten Freunden, wie dem Lindwurm Ovidios und den Antiquaren Hachmed Ben Kibitzer und Inazea Anazazi, aber auch neuen Phänomenen und Wundern der Stadt.




Ein weiteres Meisterwerk aus der Feder von Moers - ach nein, ich korrigiere: Mythenmetz.

Und wieder werden wir nach Buchhaim mitgenommen, wo sich inzwischen einiges verändert hat. Dabei beweist der Autor wieder sein unglaubliches Talent für Ideen, detailreiche Beschreibungen von fantastischen Lebewesen, buchtastischer Architektur und tolle Erlebnisse. Hildegunst läuft staunend durch die neuen Strassen von Buchhaim - und wir mit ihm. Denn diese Stadt wurde nochmals komplett neu und doch altbekannt erfunden, als sie schon im ersten Buch geschaffen wurde.

Der Schreibstil ist intelligent, humorvoll, abwechslungsreich und doch flüssig zu lesen. Noch besser sind wiederum die wunderbaren Illustrationen, die diese Bücher ebenfalls zu etwas Besonderem machen. So treffen wir wieder auf die Schreckse Inazea, die mir irgendwie immer sympathischer, wenn auch komischer wird. Aber auch andere alte und neue Freunde kreuzen die Wege, einige höchst sympathisch, andere etwas rüpelhafte Wesen und sicherlich haben sich wieder falsche Freunde eingeschlichen, doch das erfährt man noch nicht jetzt. 

Denn dieser Roman schliesst (leider?) mit einem Cliffhanger. Das macht die Geschichte zwar unglaublich spannend, aber wie soll ich das bitte bis Oktober 2015 aushalten?! Ich muss jetzt sofort weiterlesen, muss wissen wie es weitergeht, so kann es noch nicht enden - auch nicht zwischenzeitlich. Auch wenn sich der "Übersetzer" Walter Moers dafür nett entschuldigt, dass wir uns noch gedulden müssen, kann ich es dennoch kaum erwarten, auch das "Schloss der Träumenden Bücher" zu lesen und mich in dessen Seiten zu verlieren.

Ein wahres Highlight ist das Theater. Ich möchte hier jedoch nicht spoilern, weswegen ich dazu nichts Genaueres schreiben möchte. Aber soviel muss ich erwähnen: LEST ES! Es ist einfach grandios und wohl meine Lieblingskapitel in diesem Buch. Im Gegenteil fand ich kleine Passagen über den Puppetismus (die dazugehörige "Puppenkultur") etwas langatmig erzählt, obwohl inhaltlich eigentlich auch interessant. Das dürfte aber wohl der einzige kleine Abzug sein. Ausserdem kamen diesmal die Buchlinge meiner Meinung etwas zu kurz und ich hoffe auf ein grosses Treffen mit ihnen im nächsten Band - ich vermisse sie schon!

Auf jeden Fall ist der 2. Roman von Mythenmetz / Moers wieder eine tolle Entführung nach Buchhaim, eine herrliche Realitätsflucht in das "Bücherliebe-Land" und macht ungeheuer Lust auf Abenteuer und auf den 3. Teil.

Ein fantastischer Schmöker eines höchst talentierten Schreibers und Illustrators!



4,5 von 5 Lese-Echsen




Walter Moers, 1957 in Mönchengladbach geboren, ist der Erfinder des "Käpt'n Blaubär" und hatte einen weiteren grossen Erfolg mit den Bpchern um die Figur "das kleine Arschloch". "Die Stadt der träumenden Bücher" wurde mit dem Phantastik-Preis 2005 der Stadt Wetzlar ausgezeichnet.
Mehr auf: Zamonien



20. Dezember 2014

Hervé Le Tellier - Neun Tage in Lissabon



Autor: Hervé Le Tellier
Titel: Neun Tage in Lissabon


Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-24968-3
Erschienen: 2013
Seiten: 277





 
Lissabon, 1985: Vincent Balmer, Korrespondent einer französischen Zeitung, soll gemeinsam mit seinem Freund António Flores, einem Pressefotografen, über den Prozess gegen einen Serienmörder berichten. Doch interessiert die beiden Männer vor allem ihr privates Lebensglück, in der Gegenwart wie auch in der Erinnerung.

António hat Erfolg bei Frauen und ist zudem in Vincents Ex-Freundin Irène verliebt. Seine grosse Liebe hatte er einst in der jungen Pata gefunden. Doch damals herrschte Salazar, die Moralregeln waren streng und Pata plötzlich verschwunden. Vincent scheint kein Talent für das Leben zu haben; was er sich vornimmt, gelingt meist nicht. Er übersetzt zum Zeitvertreib Texte des portugiesischen Dichters Montestrela und täuscht António gegenüber eine neue Liebschaft vor. Er kommt auf die Idee - ohne dass António davon weiss -, Pata in Lissabon aufzuspüren.


 
Lissabon, eine meiner Lieblingshauptstädte Europas, in die ich immer wieder gerne reise und immer wieder Neues entdecke. Dieser Roman sollte mich dorthin entführen, wenn ich daheim bleiben muss und hat es leider nur teilweise geschafft.
 
Die Figuren sind fein ausgearbeitet, aber nicht sehr sympathisch. Vincent und António sind sehr verschieden und verstehen sich mal gut, mal weniger gut. Der Roman wird aber hauptsächlich aus Vincents Sicht erzählt, womit er auch im Fokus steht. Seine Art rief einmal Mitgefühl, mal Mitleid, mal Kopfschütteln und mal Verwirrtheit bei mir hervor. Irgendwie hat er wirklich kein Talent für das Leben. Schade finde ich, das sein Charakter dann etwas einseitig beschrieben wird, denn er hat sicherlich auch gute Seiten. Das Gleiche gilt für António, der mal sehr tiefgehend charakterisiert wird, dann aber als Nebenfigur etwas zweidimensional bleibt.
 
Die Gespräche oder Gedankengänge sind sehr klug oder wirken zumindest so. Der Roman ist allgemein um einiges nachdenklicher und ruhiger als ich es erwartete. Der Serienmörder, über den sie berichten sollen, bleibt im Hintergrund und wird lediglich in 1-2 Kapiteln in den Fokus gerückt, da es schliesslich der Grund für den Aufenthalt von Vincent und António ist.
 
Der Schreibstil liest sich gut und hat eine, finde ich, gute Balance zwischen Beschreibungen und direkter Sprache. Ausserdem sind die Kapitel relativ kurz oder innerhalb der Kapitel die Szenenwechsel mit gut markierten Absätzen untertrennt. Deshalb liest sich das Buch auch gut unterwegs, weil es eben immer wieder Stellen gibt, an denen man gut unterbrechen kann.
Dennoch würde ich empfehlen, den Roman möglichst an einem Stück zu lesen, weil dann der rote Faden der Geschichte viel angenehmer und logischer ist.
 
Lissabon als "Bühne" der Erzählung ist sehr gelungen. Der Leser erhält genaue Informationen über Plätze, Strassen und Kleinigkeiten im Alltag. So hat der Autor seinen Blick für Details bewiesen, was mich sehr erfreute, da ich einige Schauplätze, an denen ich schon war, sehr gut in Erinnerung hatte. Wer sich allerdings Informationen über Sehenswürdigkeiten erhofft, findet mit diesem Roman keinen Reiseführer, obwohl einige sehr sehenswerte Orte und Gebäude genannt werden.
 
Was mich etwas irritierte war die Zeit. Die Geschichte spielt in 1985, was manchmal betont wird (z.B. mit Autos der damaligen Zeit oder explizit mit der Jahreszahl), andererseits aber in gewissen Szenen wohl vergessen wurde (denn ich bezweifle, dass Vincent 1985 in einem Strassencafé einfach sein MacBook auf dem Tisch für Notizen auspackt). Der grösste Aufreger für mich persönlich war jedoch der Fluss! So heisst der Fluss, der aus Spanien kommt und in Portugal bei Lissabon ins Meer mündet: Tejo. Was mich grausam ärgerte, jedes mal wenn ich darüber gelesen habe. Der Autor (bzw. Übersetzer) entschied sich jedoch für den spanischen Namen des Flusses und schrieb jeweils Tajo. Was ich anfänglich für einen bösen Patzer hielt, habe ich nach kurzer Internetrecherche akzeptiert. Da der Roman jedoch in Portugal / Lissabon spielt, verstehe ich die Wahl des spanischen Namens dennoch nicht.
 
Alles in Allem ein schöner Roman, der zwar meine Erwartungen nicht ganz erfüllte, aber auch nicht als Schlecht zu bezeichnen ist.
 
 
 
3 von 5 Lese-Echsen
 
 

Hervé Le Tellier wurde 1957 in Paris geboren, wo er noch heute lebt. Er veröffentlichte viele sehr originelle Bücher, Romane, Erzählungen, Gedichte und Kolumnen. Seit 1992 ist er Mitglied der Autorengruppe OuLiPo. Le Tellier ist ein "multipler" Autor zumeist "kleiner" Formen (Novelle, Fabel), mit denen er teils experimentiert, die er aber zum großen Teil selbst entwickelt oder weiterentwickelt. Er ist ausserdem Sprachwissenschaftler und täglicher Kolumnist der Online-Ausgabe von Le Monde.


30. November 2014

Pete Nelson - Ich lass dich nicht allein





Autor: Pete Nelson
Titel: Ich lass dich nicht allein


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47479-0
Erschienen: 2011
Seiten: 316







Keiner tröstet dich besser als deinn Hund - besonders wenn deine Freundin dich für einen anderen verlässt.

Das Leben meint es nicht gut mit Paul Gustavson: Er hat Probleme im Beruf, sein Bruder verzockt das Geld der gesamten Familie und seine neue Freundin Tamsen entscheidet sich für einen anderen. Doch Paul hat Stella. Die betagte Labrador-Schäferhund-Dame kennt Paul besser als er sich selbst - und sie hilft ihm in allen Lebenslagen. Stella glaubt, dass Tamsen die richtige Frau für Paul ist - schliesslich ist Tamsen eine Hundeversteherin. Aber findet Paul mit Stellas Hilfe wirklich aus der Krise? Und kann er Tamsen zurückgewinnen?




Leider wahr, aber mit dem Klappentext ist eigentlich schon alles erzählt. Es passiert zwar noch etwas anderes und natürlich durchläuft der Leser mit Paul dies verschiedenen Phasen in diesen Situationen, aber Überraschungen sucht man vergebens.

Die Geschichte plätschert leise vor sich hin, wie ein kleiner Bach, der seinen Weg durch den Wald sucht, aber eigentlich interessiert es niemanden. Ich kann nicht schlecht über den Roman sprechen, der Schreibstil ist sehr angenehm und liest sich flüssig und schnell. Doch genau auch deswegen fehlt das Salz in der Geschichte. Das physische Buch hat mehr Ecken und Kanten als der darin gedruckte Roman. Und irgendwie fehlen die Anreize.

Natürlich geht es um eine Lebensphase von Paul, in der nicht alles glatt läuft und er jauchzend durch die Welt hüpft. Es geht um Trauer, Traurigkeit und Trost, aber auch um Liebe, Hoffnung und die kleinen Wunderlichkeiten. Atmosphärisch passt der Roman hervorragend in den November, in den Herbst oder sogar schon in die Adventszeit (auch wenn Weihnachten nur nebenbei einer der Schauplätze ist). Die Geschichte ist ruhig, nachdenklich, liebevoll, aber eben melancholisch. Paul meint, er sei ein Versager und widmet sich lange nur Stella und seinem Glas Bourbon. Die Dreiecksgeschichte mit Tamsen ist verzwickt, wird aber leider nicht tiefgehend behandelt. Seine Ex-Frau taucht auch nur ab und zu auf und irgendwie bleiben viele Nebenfiguren auch etwas zweidimensional. Auch die Familiengeschichte von Paul wird angeschnitten, dann aber doch nicht so vertieft wie erhofft...oder mit anderen Worten: ich persönlich hätte mir mehr gewünscht.

Stella ist ein absolut liebenswerter Hund und man merkt sehr einfach, dass der Autor selbst Hundebesitzer und Hundeliebhaber ist. Somit eignet sich der Roman auch sehr für hundeliebende Leser und Leserinnen. Stella wird sehr vermenschlicht und so führt Paul viele Gespräche mit ihr, wobei ich mich immer selbst erinnern musste, das Stella ein Hund ist (das fällt nämlich an der Schreibweise nicht auf, ausser Kleinigkeiten wie "sie leckte ihre Pfote und antwortete..."). Man muss sie einfach lieb gewinnen. Auch mit Paul kann man sich gut hineinfühlen, auch wenn er nicht der fröhlichste Genosse ist. Die beiden machen ein tolles Hauptfiguren-Paar.

Ich würde das Buch allen empfehlen, die selber nicht gerade in einer grauen und traurigen Lebensphase sind, um sich nicht weiter in den Sog hinunter ziehen zu lassen. Und an alle Leser, die Hunde lieb haben und vielleicht ebenfalls mit ihrem Haustier über Ernstes diskutieren. 




3 von 5 Lese-Echsen





Pete Nelson ist Journalist und Autor zahlreicher preisgekrönter Jugendromane und -sachbücher. Als Liedermacher verfügt er über eine treue Fangemeinde. Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in Westchester, New York.



22. November 2014

Schreib-TAG

Oh wei oh wei....wo ist denn die Zeit geblieben? Es tut mir echt leid, dass es auf meinem Blog in letzter Zeit so still ist. Ich komme aufgrund meines Studiums nur wenig zum Lesen (zumindest "nicht-Schullektüre") und somit auch mit Rezensionen in Verzug. Bitte verzeiht mir das.

Dafür habe ich euch einen TAG, den die Scherbenschreiberin ins Leben gerufen hat und der auf Youtube vor einigen Monaten schon fleissig die Runde machte.

Hier also ihre Fragen und meine Antworten:

1. Was schreibst du? (Geschichten, Gedichte, etc.)
Früher habe ich kurze Reime gebastelt, die zu Gedichten gewachsen sind. Heute schreibe ich an mehreren noch unbeendeten Romanen, die mir schon länger im Kopf schwirren.

2. In welchen Genres / Über welche Themen schreibst du?
Unterschiedlich. Ich lasse mich gerne im eigenen Alltag inspirieren, schreibe aber über Verschiedenes. Das eine ist eine Art Geistergeschichte, das andere eher ChickLit, dann eine Geschichte auf und über Reisen, dann wieder eine Kurzgeschichte über einen Keks...

3. Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
In der Schulzeit mochte ich es immer besonders, wenn wir Aufsätze schreiben mussten. Damals probierte ich mich auch, wie gesagt, an Gedichten und Kurzgeschichten. Als Jugendlicher hatte ich dann lange eine Schreibpause, bis ich aktuell wieder angefangen habe.

4. Deine Texte...ein Beispiel?
Entschuldigt, aber dies möchte ich aus folgenden 2 Gründen hier nicht beantworten. Zum einen aus Urheberrechtsgründen. Zum anderen, weil ich einfach wenig Repräsentierbares hätte... Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse.

5. Dein Schreibprozess...spontan oder mit Storyline?
Wenn mich eine Idee packt, notiere ich mir alles, was mir dazu einfällt. Das ist dann meist schon der Plot bzw. eine Storyline oder zumindest einen Teil davon. Ich behalte gerne den roten Faden und arbeite deswegen gerne mit einer Storyline, die allerdings am Anfang noch ziemlich "roh" ist. Beispielsweise weiss ich, welche Personen, was tun und welches grössere Ereignis dann zur Geschichte führt. Das Ende weiss ich jedoch selten...das formt sich erst während dem Schreibprozess.

6. Wann und wo schreibst du?
Wenn ich Zeit finde, daheim am Laptop, tendenziell morgens nach dem Aufstehen oder abends. Meist ist es aber so, dass mich die Idee irgendwo unterwegs überfallen und ich somit Notizen im Zug und Bus unleserlich in der Kurve kritzle oder hastig in der Schulstunde in einem Word-Document speichere. 

7. Wie inspirierst du dich?
Am liebsten auf Reisen, aber auch sonst im Alltag: unterwegs, Spaziergänge, Bücher, Filme, Gespräche, Musik...in allen Ecken lauert die Inspiration und ich laufe einfach umher, in der Hoffnung von ihr überfallen und gebissen zu werden =)

8. Hast du schon Bücher beendet? Wenn ja, wie viele?
Bücher nicht, aber Kurzgeschichten. Eine kleine Geschichte, die ich in der Schulzeit schrieb, finde ich leider nicht mehr. Meine Gedichte habe ich säuberlich in einem Büchlein niedergeschrieben. Und aktuelle Geschichten sind alle angefangen und auf meinem Computer gespeichert...

9. Willst du versuchen etwas zu veröffentlichen / Hast du bereits etwas veröffentlicht? Wenn ja, wo, per Selfpublishing, Verlag, etc?
Irgendwann möchte ich gerne meine Geschichten beenden (das wär ja schon ein Anfang). Sie dann zu veröffentlichen und mich Autorin zu nennen, ist wohl der Traum von vielen Leseratten und somit auch meiner. Abgesehen von 2 Gedichten in der Dorfzeitung, wurde aber noch nichts von mir publiziert. 

10. Noch Tipps?
Man sollte nicht aus den falschen Gründen ein Buch veröffentlichen. Es gibt leider einige, die gerne Autor wären, aber nicht gerne dafür schreiben. Die echten Autoren sind jedoch diejenige, die schreiben, weil sie das Schreiben lieben. Also fragt euch bitte: Für wen schreibt ihr? Möchtet ihr Schriftsteller sein oder möchtet ihr schreiben?


Wer von euch schreibt denn auch? Ich tagge somit jeden, der mitmachen möchte. Ich bin gespannt über eure Schreibprojekte zu lesen.

Liebe Grüsse,
eure Lese-Echse Mona

2. November 2014

DIY - Literarische Tischlichter

Liebe Leser und Leserinnen,

Heute möchte ich euch einmal ein Do-it-yourself zeigen, das ganz schnell geht.

Diese kleinen Tischlampen sind einfach und schnell gebastelt und eignen sich besonders als literarischer Hingucker, wenn ihr zum Beispiel zum Abendessen  eingeladen habt und den Tisch dekorieren, aber auch sanft beleuchten möchtet. Die Lichter machen sich jedoch auch super auf Kommoden, Beistelltischen und Fenstersimsen und können sehr individuell gestaltet werden.

Dann möchte ich euch die Bastelanleitung nicht weiter vorenthalten... Achtung, fertig, los!


Was ihr dafür benötigt:
- mit Text bedruckte Seiten (z.B. Kopien von Buchseiten)
- Schere
- Bleistift
- Klebestreifen und/oder Klebestift
- Weingläser (oder Trinkgläser mit ähnlicher Form)
- Teelichter

Schritt 1
Wählt einen oder mehrere Texte aus, die ihr später auf dem Lampenschirmen lesen möchtet. Es spielt dabei keine Rolle, ob Gedicht, Roman oder Klappentext, bedenkt bloss, dass sich der Text durch die Form des Lampenschirmes leicht verschieben wird und an den Ecken Satzenden verlieren könnte. Die Texte könnt ihr einfach ausdrucken oder wie ich es gemacht habe: aus Büchern kopieren. (Gleich die Buchseiten verwenden, würde zwar auch gehen, tut allerdings jedem Buchliebhaber in der Seele weh). Ich entschied mich für einen Ausschnitt aus "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" von Rachel Joyce.

Bei der Wahl der Gläser ist wichtig, dass ihr entweder Weingläser verwendet oder andere Gläser mit ähnlicher "Sanduhr-Form". Die Grösse spielt keine Rolle und bleibt eure Entscheidung, ob ihr lieber grazile hohe Gläser mögt oder die bauchigen, kleineren Gläser.


Schritt 2
Legt ein Blatt Papier um den Kopf des Glases und wählt die Form eures Lampenschirmes. Dafür könnt ihr auch ein weisses Blatt nehmen, weil dies später die Musterform für die Lampenschirme gibt und ihr euch somit noch Fehler erlauben könnt ohne eine Textseite zu zerschneiden. Wenn ihr euren gewünschten Lampenschirm gefunden habt, fixiert das Papier, wo es zusammentrifft (mit Büroklammer oder kleinem Klebestreifen) und malt mit dem Bleistift die ungefähre Form aufs Papier. Beachtet dabei, dass ihr lieber noch zu wenig Papier wegschneidet als zuviel. Nachschneiden kann man immer, Papier wieder ankleben wird schwieriger...

Schneidet nun euren Bleistiftlinien nach, um eine Musterform für die Lampenschirme zu bekommen. Ihr könnt das Papier immer wieder ans Glas legen, um zu schauen, wie sehr ihr den Lampenschirm allenfalls kürzen wollt. Wichtig: Schneidet auch die obere Kante des Lampenschirms etwas zurück, damit die Öffnung des Glases nicht bedeckt wird.


Schritt 3
Habt ihr eure Lampenschirm-Form ausgeschnitten, könnt ihr sie als Muster verwenden. Legt sie dafür auf die Textseiten und zeichnet sie mit eurem Bleistift nach. Je nach Grösse des Lampenschirmes passen 1-2 Formen auf ein A4-Blatt.

Danach schneidet ihr die Formen aus und habt somit den grössten Teil schon geschafft.


Schritt 4
Legt die Lampenschirme um die Gläser und fixiert die Papierenden mittels Kleber. Dazu könnt ihr entweder Klebeband verwenden, das schnell geht und direkt am Glas. Allerdings ist es auch sichtbar und deswegen weniger hübsch. Eine andere Variante ist, das Papier ans Glas zu halten und wiederum mit dem Bleistift zu markieren, wo man es später übereinander legt. Dann nimmt man es vom Glas weg und klebt die Papierenden mit Klebestift übereinander.

Zur Verzierung eurer Lampenschirme könnt ihr zusätzliche Motive ausschneiden (Schriftzüge, Blumen, Tiere, etc.), die ihr beispielsweise vom Buchcover kopiert. Ihr könnt aber auch Sticker verwenden oder selber mit Buntstiften etwas aufmalen. Ganz nach eurem Geschmack! Ich habe mich für schwarz-weisse Kopien der Texte entschieden, weil ich dass schön klassisch (und klassisch schön) finde. Auch bei den Motiven verwendete ich keine Farbe und kopierte die Schuhe von Harold Fry, seinen Namen und den Raben vom Buchcover. Die Verzierungen eignen sich besonders, um die unschöne Schnittstelle zu überdecken. Ausserdem sind sie der kleine Hingucker auf dem Lampenschirm.



Schritt 5
Zündet eine kleine Kerze (Teelicht) an und legt sie in ein Glas. Danach stülpt ihr nur noch den Lampenschirm darüber und fertig ist die kleine Tischlampe.






Die fertigen Lampenschirme



PS: Auch Landkarten machen sich super als Lampenschirme (Glas hinten, Mitte)



1. November 2014

Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind




Autor: Daniel Glattauer

Titel: Gut gegen Nordwind


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47801-9
Erschienen: 2012
Seiten: 223






"Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf."

Emmi möchte ihr Abo bei "Like" kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre E-Mails bei Leo Leike. Es beginnt ein aussergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher - bis sie sich der Frage stellen müssen: Werden die gesendeten und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und wenn ja - was dann?



Eine tolle Idee, eine leichte Lektüre, aber irgendwie verläuft es sich gegen Ende immer mehr im Sand...

Emmi und Leo sind beide sympathische Figuren, die man schnell ins Herzen schliesst. Auch finde ich es erstaunlich, wie wenig Schauplätze und Personen es braucht, um eine tolle Geschichte zu erzählen. Nichts, das ablenkt, es geht eben nur um Emmi und Leo. Um ihre unerwartete Begegnung, die spontane Weiterführung, ein langsamen Kennenlernen, bis eben zu dem Punkt, ob man sich trifft oder nicht. Dies alles gibt dem Roman besonders zu Anfang die Prise Pfeffer. Gegen Ende verliert das Ganze jedoch leider seinen Reiz, das Prickelnde des Unbekannten verfliegt und man möchte wissen, wie es weiter geht, aber irgendwie verläuft es harmlos. 

Das Ende enttäuscht, weil es höchst abrupt ist. Ob als Cliffhanger gedacht oder nicht, mir gefiel es einfach nicht. Da ich schon "alle sieben Wellen" daheim habe und somit weiss, dass es weitergeht, bin ich insofern beruhigt. Dennoch scheint das Ende eher so, als hätte der Autor kein Papier mehr gehabt, die Anzahl Seiten war definiert und erreicht, wehe ihm weiterzuschreiben. Sehr schade.

Wunderbar fand ich hingegen den Schreibstil. Selten habe ich solch spritzige, zugleich nachdenkliche, dann wieder freche, aber auch intelligente Dialoge per E-Mail gelesen und beneide deshalb Emmi und Leo ein wenig. In meinem Posteingang befinden sich hauptsächlich Newsletter und dergleichen. Dank dem Mail-Format liest es sich schnell weg und die Lektüre ist wunderbar leicht, um beispielsweise unterwegs zu lesen. 

Schlussendlich kann ich den Hype um das Buch nicht ganz verstehen, aber als schlecht bezeichnen möchte ich es auch nicht. Ich habe mich sehr gut damit unterhalten, auch wenn es gegen Ende leider abnahm (und das Ende nicht wirklich ein Ende war). Trotzdem besticht es durch die Idee, die nicht schon tausendfach im Buchhandel erhältlich ist.




3,5+ von 5 Lese-Echsen



Daniel Glattauer wurde 1960 in Wien geboren und ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig. Bekannt wurde Glattauer vor allem durch seine Kolumnen, die im so genannten "Einserkastl" auf dem Titelblatt des Standard erscheinen. Der Durchbruch zum Bestsellerautor gelang ihm mit dem Roman "Gut gegen Nordwind", der für den Deutschen Buchpreis nominiert, in zahlreiche Sprachen übersetzt und auc hals Hörspiel, Theaterstück und Hörbuch adaptiert wurde.

Mehr auf: Daniel Glattauer


25. Oktober 2014

Stephen King - Dolores




Autor: Stephen King
Titel: Dolores


Verlag: Weltbild
ISBN: 9-783-45343-576-6
Erschienen: 2005
Seiten: 288





"Und nun seht euch an, was diese gottverdammte alte Hexe mir angetan hat!"

Dreissig Jahre lang war Dolores Haushälterin bie einer riechen, rücksichtslosen Witwe. Sie hat ihre Grausamektien ertragen, ihren Wahnsinn. Jetzt soll Dolores sie umgebracht haben. Ein Leben in Unterdrückung, ein Leben im Schatten - Dolores ist eine Frau mit einem düsteren Geheimnis...




Ein Glücksgriff auf dem Mängelexemplar-Tisch. Zurecht steht der Name Stephen King für Grusel, Horror und Spannung, denn er ist einfach der Meister seines Handwerkes. 

Die Geschichte erzählt Dolores selbst und somit aus ihrer Perspektive. Dabei rollt sie alte Geschichten auf, denn es geht in diesem Roman nicht ausschliesslich um den Tod von Vera Donovan, für die Dolores jahrelang die Haushälterin war und nun vor Gericht steht, sie getötet zu haben. Nein, das Übel liegt tiefer in der Vergangenheit und irgendwann kommt alles ans Licht. Misery loves company, Unglück kommt nie allein, ein wie ich finde schöner Spruch für eine eigentlich negative Sache und die in diesem Fall wie Deckel auf Topf passt.

Irgendwie ist das Buch eine Art Biographie von Dolores, oder zumindest der letzten 20 Jahre ihres Lebens. Und die haben es in sich. Dank King's fantastischem Schreibstil wird man sofort in die Geschichte gesogen, viele Fragen werden gestellt und Spannung aufgebaut. Bei jedem Kapitel möchte man wissen: Wie geht es nun weiter? Dank der Erzählperspektive von Dolores hat der Leser immer das Gefühl, mehr zu wissen, den Figuren ein Stückchen zuvor zu sein, ein allwissendes Auge über die ganze Geschichte zu haben. Und doch bleibt auch der Leser im Dunkeln und erfährt nur Stück für Stück, welches Geheimnis Dolores immer verschwieg. 

Das Buch hat sogar lustige Abschnitte trotz der düsteren Atmosphäre. Die zu Ende recht verrückte Vera und Dolores streiten sich in einer liebevollen Art, die grausam ist und zugleich sehr erheiternd. Und schliesslich haben sie mehr gemeinsam, als man anfangs glaubt, aber ich möchte ja nicht zuviel verraten.

Erst während der Lektüre erfuhr ich, dass der Roman verfilmt wurde. Aber schon nach dem Trailer zu urteilen, weicht der Film in der Erzählform und in Details vom Buch ab. Dennoch scheint auch der Film sehr interessant und gut gemacht. Also muss ich mir den wohl irgendwann auch noch zu Gemüte führen.

Ich kenne erst wenige Stephen-King-Bücher, war aber bisher immer begeistert. Und auch diesmal wird es wohl nicht mein letzter Roman gewesen sein aus dieser talentierten Schreibfeder...



5 von 5 Lese-Echsen




Stephen Edwin King ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er schrieb auch unter Pseudonymen, 1972 als John Swithen und zwischen 1977 und 1985 als Richard Bachman. Er ist vor allem bekannt für seine Horror-Romane, die ihn zu einem der meistgelesenen und kommerziell erfolgreichsten Autoren der Gegenwart machen. Bis heute hat Stephen King als Autor über 400 Millionen Bücher verkauft, die in insgesamt 40 Sprachen übersetzt wurden.

Mehr auf: Stephen King


Youtube-Trailer zu Dolores Claiborne



15. Oktober 2014

Anna Herzig - Zeit für die Liebe




Autorin: Anna Herzig
Titel: Zeit für die Liebe


Verlag: Forever Ullstein
ISBN: 978-3-95818-009-3
Erschienen: 2014
Seiten: 192 (epub)






Zuerst gibt es für Sophie nur Christopher. Dann kommt Adrian und fühlt sich so viel richtiger an. Doch für Adrian ist in Sophies Leben kein Platz. Eine verpasste Chance, eine unglückliche Ehe und fünfundzwanzig Jahre später befindet sich Sophie erneut an einer Kreuzung. Plötzlich steht Adrian in ihrer Küche und von nun an mitten in ihrem Leben. Viel später, kurz vor ihrem achtzigsten Geburtstag, lässt Sophie die Vergangenheit Revue passieren, und es wird klar: Das Schicksal kennt kein Alter.

Eine Geschichte über das Erwachsen- und Älterwerden, über die Liebe und deren Stiefschwester, die unglückliche Liebe, und über eine essentielle Frage des Lebens: Was braucht es, um glücklich zu sein?






Ein schriftstellerisches Zuckerstück, das ganz spontan zu mir kam. Eine kurzweilige, aber tiefgründige Geschichte über Liebe und Entscheidungen im Leben. Über die eine grosse Liebe und doch erstaunlich kitschfrei.

Der Schreibstil der Autorin lädt den Leser ab der ersten Seite dazu ein, sich ein heisses Getränk zu holen und der Geschichte einer älteren Frau über ihre junge Liebe zuzuhören. Ihre Erinnerungen hüllen den Leser in die kuschelige Decke der Vergangenheit, die sehr lebensnah erzählt wird und doch wie durch einen feinen Dunstschleier wirkt. Kurzzeitig erinnerte mich die Erzählform an eine Mischung aus "Zwei an einem Tag" von David Nicholls (wer liebt nicht Emma und Dexter?) und "Wie ein einziger Tag" von Nicholas Sparks. 

Diese angenehme Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Roman, als könne man die ältere Sophie tatsächlich über ihr Leben erzählen hören, als würde sie dem Leser ganz privat die Geschichte ins Ohr flüstern, eingelullt durch die schönen Worte dank dem poetischen Schreibstil der Autorin. Überhaupt zeugt der Schreibstil von einem reichen Wortschatz, liebevoller und kluger Wortwahl und Gespür für "Buchstabenkunst", obwohl die Autorin schwere Tendenz zu langen Sätzen zeigt. Dennoch stört das den Lesefluss überhaupt nicht.

Die Charaktere sind mit Feingefühl gemalt, wobei besonders Sophie als Hauptfigur und Erzählerin hervorsticht. Da sie jedoch nicht aus der Ich-Perspektive erzählt, grenzt sie sich nicht ganz so stark von den anderen Figuren ab. Etwas verwirrend waren anfangs die Anzahl Namen, weil die Geschichte 2 Zeitperioden hat: die Sophie im Jetzt, die u.a. ihrem Sohn über ihre verlossene Liebe erzählt, zum anderen die junge Sophie mit Christopher und Adrian sowie weiteren Randfiguren, die mal mehr, ma weniger in den Vordergrund treten. Allerdings bekommt man schnell den Überblick, da die Zeitsprünge auch durch (Halb-)Kapitel getrennt sind. Die Idee der Halbkapitel (also z.B. 3 ½ geschrieben) fand ich irgendwie witzig, weil es für mich neu war.

Ein Fragezeichen kam mir im Epilog, wo es heisst:
"Es war der vierundzwanzigste September zweitausendfünfundsechzig um genau dreiundzwanzig Uhr..." Also mal abgesehen davon, dass ich solch lange Zahlen lieber als Ziffern lese, habe ich die Jahreszahl wohl 5x gelesen, um sicher zu sein. Am 24. September 2065 um 11 Uhr abends? Das versetzte die liebliche Erinnerungsgeschichte schlagartig in die Zukunft, was mich irgendwie aus dem Konzept brachte. Natürlich stelle ich die künstlerische Freiheit der Autoren nicht in Frage, aber den Grund hinter dieser Entscheidung verstehe ich wirklich nicht... Es war eine echt unerwartete Überraschung, könnte man sagen.

Davon abgesehen ist es ein wunderbarer, ruhiger Liebesroman, der sich ein wenig an Stereotypen orientiert, aber nicht kitschig wirkt und von Weisheiten über die Liebe erzählt, die gelesen absolut logisch erscheinen, sich im wahren Leben aber immer so kompliziert darstellen.

Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an die Autorin persönlich, die mich mit ihrer Anfrage geehrt hat, diesen Roman lesen und rezensieren zu dürfen. Eine empfehlenswerte Geschichte, die ich gerne noch weiter gelesen hätte....aber auch ein kurzes Vergnügen, bleibt ein Vergnügen.





4 von 5 Lese-Echsen




Anna Herzig wurde 1987 als Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin in Wien 
geboren. Ihre Begeisterung für Literatur zeigte sich sehr früh. Nach unzähligen gelesenen Büchern beschloss sie bereits im Alter von 14 Jahren, ein eigenes Buch zu schreiben. 2005 erschien ihr erster Roman, der Thriller "Der Tod kann warten". Die junge Österreicherin nahm daraufhin unter anderem an der Kriminacht in Wien teil. Seit 2007 widmet sie sich einem neuen Genre, der Liebesgeschichte. Im Sommer 2013 schloss sie "Zeit für die Liebe" ab und schreibt nun bereits an einer neuen Liebesgeschichte – die eigentlich gar keine ist. Die Autorin lebt in Wien und arbeitet im Recruiting-Bereich.




10. Oktober 2014

Joanne Fedler - Heisshunger




Autorin: Joanne Fedler
Titel: Heisshunger


Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-65251-0
Erschienen: 2011
Seiten: 461




Zwei Jahre Zeit, 24 Kilos zu viel und 14 Fusilli am Abend

14 Fusilli - damit wärmt Joanne sonst ihre Kaumuskeln auf. In den mageren Zeiten ihrer Diät nennt sich das nun großspurig "Abendessen". Und da soll eine Frau nicht schwach werden? Doch eine Stabheuchschrecke im Minirock, auch Ernährungsberaterin genannt, ihr Ehemann und zwei Kinder, die sie auf Trab halten, werden zu Joannes Verbündeten...



Eine kleine (Ent-)Täuschung, weil nicht wirklich drin ist, was drauf steht. Denn erwartet habe ich einen witzigen Frauenroman über eine Hauptfigur, die mit ihrem nicht so perfekten Körper kämpft (à la Bridget Jones oder so). Schlussendlich entpuppte es sich jedoch als Autobiografie von Joanne Fedler und erzählt nicht nur ihre Geschichte bezüglich Gewichtsabnahme, sondern auch ihre Auswanderung von Südafrika nach Australien.

Ein lobenswerter Punkt ist sicherlich ihr Schreibstil. Die Autorin schreibt sehr metaphorisch auf eine Art, die mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberte (indem sie beispielsweise Pizza als falscher Freund und Lieblingskrimineller beschreibt, der sich mit gesund wirkendem Gemüse in falschen Federn kleidet und gnadenlos mit hinterhältigen Versprechungen verführt). Damit malt die Autorin unglaubliche Bilder ins Gedächtnis des Lesers, was dazu führt, dass sich tatsächlich ein Film vor dem inneren Auge abspielt - ganz automatisch. 

So beschreibt Joanne auch ihre Reise von Südafrika nach Australien: Wie sie ihr Leben in einen Container packt, ihre kleinen Kinder an der Hand, mit Ängsten im Nacken und dem Ehemann im Vormarsch. Sie stellt ihre Diät und ihre Auswanderung sehr geschickt gegenüber und so laufen beide Geschichten parallel. Bei beidem lernt sie, sich von etwas zu verabschieden, dafür anderes wieder mehr wert zu schätzen und sich selbst neu kennen zu lernen. 

Also ist der Roman nicht einfach ein witziger Frauenroman, sondern eine wahre Geschichte, ein Lebensausschnitt der Autorin mit viel Witz erzählt, aber auch mit dunklen Kapiteln. 

Ein gelungenes, unerwartet mehrgängiges Essen, gemischt aus Humor und schweren Entscheidungen, gesalzen mit Frechheit, gesüsst mit Freundschaft, eine Prise Philosophie und Glaube und einer grossen Portion Hoffnung. Ein toller Roman, der leider komplett verkehrt vermarktet wird...



3 von 5 Lese-Echsen



Joanne Fedler studierte Jura und engagierte sich in ihrer Heimat Südafrika für Frauenrechte. Sie emigrierte mit ihrer Familie nach Australien, wo sie heute noch lebt. Neben Sachbüchern schrieb Joanne Fedler mehrere erfolgreiche Romane.

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