1. März 2014

Christoph Zürcher - Wie ich Kannibalen, Taliban und die stärksten Frauen der Welt überlebte

Autor: Christoph Zürcher
Titel: Wie ich Kannibalen, Taliban und die stärksten Frauen der Welt überlebte



Verlag: Orell Füssli
ISBN: 978-3-280-05493-2
Erschienen: 2013
Seiten: 219



 
Geht Christoph Zürcher auf Reisen, dass wird es garantiert schnell unangenehm. Leichtfertig stürzt er sich in Abenteuer, die jedem Mallorca-Touristen das Blut in den Adern gefrieren lassen. Er lässt sich in Ostafrika mit Piraten ein und verirrt sich in Indonesien zu Menschenfressern. Er misst sich an Himalaya-Riesen, tummelt sich in Pakistan im verbotenen Nachtleben, erduldet in China die Herrschaft der stärksten Frauen der Welt und bleibt bei einem Marathon durch den Dschungel des Amazonas fast auf der Strecke. Alles nach dem Motto: "Probleme lassen sich zuweilen auch dadurch lösen, indem man sich noch grössere Probleme aufhalst." Dabei ist er als ein Don Quijote der Moderne, weder mit einer besonders robusten Körperkonstitution, noch mit übermässigem Gleichmut ausgestattet. Umso mehr beweist er, dass, wenn alle Stricke reissen, nicht so viel Wert hat, wie Humor und Selbstironie.
 
 
 
 
 
Seine gesammelten Geschichten sind tatsächlich nichts für Strandurlauber, sondern erinnern eher mal an Krimi oder sogar Thriller, getarnt als Reiseliteratur. Dieses eher dünne Buch hält eine gewaltige Ladung Abenteuer in sich verborgen, die man ihm erst gar nicht zutraut.
 
Die Kapitel sind mal länger, mal kürzer und immer von einem Foto aus dem bereisten Land, einer Reisebekanntschaft oder dem Autor selbst, eingeleitet. Die Bilder nehmen jeweils eine ganze Seite ein und sind schwarzweiss, obwohl sie in Farbe existieren, aber deswegen verlieren sie nicht an Aussagekraft. Ob ein Portrait einer der stärksten Frauen mit Hund, ein Murmeltier-bratender Mongole, chinesische Köche, ein eindrücklicher Berg, eine Strasse Mexikos oder die ersten Afghanen auf Skiern. Die Auswahl ist bunt - wenn auch nicht wortwörtlich. Zudem werden die Kapitel in Buchteile eingeteilt und damit thematisch etwas eingeordnet: "Angst und Schrecken", "Sünden und Laster" oder auch "Blut, Schweiss und Tränen".
 
Seine Reiseberichte erschienen tatsächlich in den Jahren 2005 bis 2012 in einer Schweizer Zeitung (NZZ) und wurden für das Buch ausgearbeitet. Schon im Vorwort erklärt der Autor, wie es zu seinen wahnsinnigen Reisen kam. Denn eigentlich wollte er als kleiner Junge noch nicht Indiana Jones werden, sondern wurde später aus beruflichen Gründen in ein Flugzeug gesetzt. Es folgten diverse Autos, Motorräder, Eselskarren, Pferde und viel zu Fuss. Ob zu Lande, in der Luft oder unter Wasser - der Autor ist rumgekommen und hat Geschichten auf Lager, die über die Badeferien meiner Verwandten hinausgehen und eindeutig interessanter sind. Man lernt Unwichtiges und Wichtiges über fremde Kulturen, staunt über kulturelle Unterschiede und mehrmals fragte ich mich: Wieso stürzt sich dieser Typ immer wieder in solche Abenteuer, welche normale Personen schon fast als Suizidversuch ansehen würden? Doch er hat alles überlebt und mich nun mit seinen Höhen und Tiefen sehr unterhalten.
 
Reiselust kommt zwar nicht immer auf, denn nicht jeder möchte eine Dschungelführung von Kannibalen, Bin Laden persönlich suchen, in höchst radioaktiven Thermalbädern schwimmen oder von Riesenechsen gefressen werden. Doch etwas Lust mal aus seinem grauen Alltag zu flüchten und einmal komplett irre sein, etwas wagen...dazu bekommt man doch vielleicht etwas Lust.
 
Sehr hervorheben möchte ich zuletzt sein Schreibstil: Interessant, spannend, intelligent und höchst humorvoll. Schwarzer Humor und Selbstironie sind dabei an erster Stelle. Doch ohne Humor würde man auch nicht solche, und solch viele, Abenteuer überstehen! Das Schreibtalent im Rucksack und neue verrückte Ideen für Recherchereisen, liegt der Autor wahrscheinlich immer noch nicht im gemütlichen Bett, sondern im nächsten Sportgeschäft einen Taucheranzug kaufen, um mit Haien zu schwimmen....wer weiss, was als nächstes kommt. Wahrscheinlich nicht mal er selbst. Doch eine tolle Geschichte wird es bestimmt.
 
 
 
 
4,5 von 5 Lese-Echsen
 
 
 
Seit über 10 Jahren versucht man Christoph Zürcher als Ressortleiter der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) am Sonntag wieder loszuwerden, indem man ihn an die ungemütlichsten Orte der Welt entsendet. Im Zuge seiner mehr als 80 Reisen in über 30 Ländern entging er einmal nur knapp dem Erfrierungstod, mehrmals wurde er schiffbrüchig und mit Schusswaffen bedroht.




Keine Kommentare: