20. Juni 2014

Jane Davis - Wo das Glück wohnt




Autor: Jane Davis
Titel: Wo das Glück wohnt


Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-40790-9
Erschienen: 2011
Seiten: 392



Andrea kann mit vierundzwanzig auf eine glückliche Kindheit zurückblicken und ist zutiefst erschüttert, als ihre geliebten Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Doch die Entdeckung eines alten Fotoalbums wirft dunkle Schatten auf die Idylle früherer Tage: Andreas Mutter war offensichtlich ein zweites Mal schwanger. Was ist mit dem Baby geschehen? Und warum liess man sie glauben, sie wäre ein Einzelkind? Andrea muss erkennen, dass ihre Welt nicht mehr dieselbe ist. Doch unverhofft findet sie zwei Menschen, mit deren Hilfe es ihr gelingt, der neuen Situation ins Auge zu sehen.



Ein liebevoller Roman über eine ziemlich verstrickte Familiengeschichte. Ein Geheimnis der Familie, das irgendwie alle mit sich umhertragen, jeder seine Opfer bringt und nun endlich aufgedeckt wird. Eine Erkenntnis, die Andreas Welt schwer erschüttert, aber doch auch eins beweist: Am Ende ist immer die Familie von grösstem Wert.

Der Schreibstil ist sehr angenehm. Besonders erwähnenswert ist eher die Perspektive, denn nicht nur Andrea schreibt aus der Ich-Sicht, sondern auch Onkel Pete und Tante Faye. Dabei ist Andrea sozusagen die Stimme des heutigen Tages, wobei Pete und Faye Stimmen aus der Vergangenheit sind und dem Leser Einblicke in die vergangene Geschichte geben, mit welcher das Heute verstanden wird. Somit ist der Leser Andrea meist eine kleine Spur voraus, aber meist auch nicht vollständig aufgeklärt. 

Daraus besteht auch hauptsächlich die Spannung: Wer ist das Baby, was passierte mit ihm und wie sind die Familienbande in Wahrheit? Der Ton des Buches ist im Allgemeinen sehr ruhig, obwohl es vor Überraschungen und Kehrtwendungen strotzt. Wer glaubt, nach der Hälfte das Ende zu kennen, wird getäuscht. Denn immer, wenn der Leser glaubt, weiter als Andrea zu sein und mehr zu wissen, kommt wieder ein noch unentdecktes Puzzleteil dazu, was die Sache von Neuem verkompliziert.

Der Klappentext klingt erst nach einem typischen Vertreter dieses Genre. Ein Foto mit einem Baby, das niemand kennt, ein Familiengeheimnis....Doch irgendwie passt der Roman doch nicht in das Klischee. Natürlich werden einige Stereotypen bestätigt, doch ich hatte nie das Gefühl, ein "gut-verkaufendes-seelenloses-Buch" zu lesen und wurde sehr von der Geschichte mitgerissen.

Alle Figuren waren sehr authentisch und mit viel lieben Feingefühl ausgearbeitet. Von einigen Personen hätte ich gerne etwas mehr erfahren, von anderen vielleicht etwas weniger. Doch das ist wohl eine individuelle Vorliebe. Alle Personen haben etwas liebenswertes, alle machen einen oder mehrere Fehler, den sie wieder gut zu machen versuchen, weswegen sie sehr menschlich wirken. 

Unterm Strich ist der Autorin ein wunderbarer Roman über eine Familie gelungen, der weder nach Intrige und Geheimnissen schreit, auch nicht auf traurige Melodramatik macht und auch nicht über verlorene Lieben klagt (obwohl die Geschichte sich hauptsächlich um verlorene, gestohlene, vermisste und unerwiderte wie auch erwiderte Liebe dreht). Dieser Roman erzählt einfach eine Geschichte aus dem Leben. 
Dazu gibt es nur eins zu tun: eine Kanne Tee, es sich bequem machen und die Lektüre geniessen.

Anmerkung: Einzig der Titel der deutschen Übersetzung enttäuscht mich. Mir gefällt der Originaltitel um Längen besser: Half-truths und white lies (also "Halbwahrheiten und Notlügen")



4 von 5 Lese-Echsen



Jane Davis wurde als mittleres von 5 Kindern in London geboren. Sie arbeitete bei einer Versicherung und gab diese Beschäftigung auf, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Ihr Roman "Wo das Glück wohnt" wurde mit dem begehrten Daily Mail First Novel Award für das beste britische Debüt 2009 ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Surrey.

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