3. Juni 2014

Kerstin Gier - Für jede Lösung ein Problem




Autor: Kerstin Gier
Titel: Für jede Lösung ein Problem


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-15614-6
Erschienen: 2007
Seiten: 298




Was wäre, wenn Ihre Familie, Freunde und Bekannte wüssten, was Sie wirklich über sie denken...

Gerri schreibt Abschiedsbriefe an alle, die sie kennt, und sie geht nicht gerade zimperlich mit der Wahrheit um. Nur dummerweise klappt es dann nicht mit den Schlaftabletten und dem Wodka - und Gerris Leben wird von einem Tag auf den anderen so richtig spannend. Denn es ist so eine Sache, mit seinem Mitmenschen klarzukommen, wenn sie wissen, was man wirklich von ihnen hält!



Ein typischer, witziger, sommerlicher Frauenroman.

Gerri, eine junge Frau, mit der man sich super identifizieren kann - nicht (nur?) weil sie Single ist, in einer dunklen und kleinen Dachwohnung bei der nervigen Tante wohnt, keine Modellfigur besitzt und Liebesromane für den Kiosk schreibt, "die kleinen Pornoheftchen, die man unter dem Ladentisch verkauft" wie es so schön genannt wird. Eine verrückte Familie; pingelige Mama, die eigentlich nur ihr Bestes möchte, Schwestern mit zu tollen oder genauso blöden Freunden/Verlobten/Ehemänner und Enkelkinder, die Radau machen, Tanten und Onkel mit ihren ganz eigenen Macken, die nur angeschwipst auszuhalten sind....Kerstin Gier schafft eine vielleicht etwas übertriebene und doch irgendwie realistische Chaostruppe von Figuren, die höchst unterhaltsam sind.

Die Grundidee, Abschiedsbriefe an alle zu schicken und ihnen dort alles an den Kopf zu schlagen, was man schon immer mal gesagt haben möchte (Geständnisse wie "ich war damals diejenige, die dir die Haare zugeklebt hat", deutliche Andeutungen wie "liebe Tante XY, vielleicht ist ja mein Cousin - der einzige in der Familie mit braunen Augen - doch vom Briefträger" und Abrechnungen à la "auch wenn du furchtbar gerne singst: du kannst es leider gar nicht. Lieber eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung als dich einmal "over the rainbow"). Dazu vererbt sie ihren Ipod ans benachteiligte Patenkind, erklärt Missverständnisse aus der Vergangenheit und entschuldigt sich schon mal vorab für die Probleme und Unannehmlichkeiten, die ihr Selbstmord nach sich ziehen werden. Man merkt schnell: Mir haben die Abschiedsbriefe sehr gefallen. Denn sie sind witzig, direkt, hart und ehrlich, manchmal herzlich und manchmal aufklärend. 

Wie es dann mit dem Selbstmord doch nicht hingehauen hat, ist eine unterhaltsame Situation, zu der man nur sagen kann: So spielt das Leben. Zufälle sind manchmal fast zu viele und irgenwie doch logisch. Das Ende hätte besser sein können, bzw. war mir etwas zu offentsichtlich, aber hey....es ist schliesslich ein Frauen-Liebesroman. Etwas Kitsch, etwas Unlogik, viel Romantik und ein (relativ) erwartbares Ende. 

Der Schreibstil von Kerstin Gier ist wie immer fliessend, frisch und frech. Sofort springt der Leser in die Rolle von Gerri, fühlt mir ihr mit und begleitet sie auf allen Geschehnissen, die diese Kettenreaktion nach ihrem Selbstmordversuch nach sich bringen. 



4,5 von 5 Lese-Echsen









Kerstin Gier, Jahrgang 1966, lebt mit ihrer Familie in einem Dorf in der Nähe von Bergisch Gladbach. Sie schreibt mit sensationellem Erfolg Romane. Sie studierte zunächst Germantistik, Musikwissenschaft und Anglizistik, wechselte jedoch und schloss dann als Diplompädagogin erfolgreich ab.

Sie schreibt auch unter den Pseudonymen Jule Brand und Sophie Bérard.


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