31. Juli 2014

Julia Zange - Die Anstalt der besseren Mädchen


Autorin: Julia Zange
Titel: Die Anstalt der besseren Mädchen


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-42025-6
Erschienen: 2008
Seiten: 158






Loretta ist Mitte Zwanzig und kein bisschen erwachsen. SIe lebt in ihrer eigenen Blasenwelt aus Mode und Lifestyle. Nachts treibt sie sich in Künstlerkreisen herum, tagsüber bekommt sie ohne die To-do-Zettel ihres Freundes nichts geregelt. Loretta wird schwanger und bringt ein selten hübsches Kind zur Welt. Völlig überfordert mit der Situation, haut sie eines Tages mit ihrer Tochter ab und landet in einem abgelegenen Hof: einem vom Arbeitsamt finanzierten, püppchenhaft-utopischen Mädchencamp mit eigenen Regeln. Tappt Loretta in die nächste liebliche Falle?




Etwas ganz Unerwartetes und irgendwie sehr unübereinstimmend mit meinen Erwartungen. Trotzdem sehr poetisch, entführend und etwas verwirrend.

Der Schreibstil fällt sofort auf. Es ist kein schnell wegzulesender Roman trotz der geringen Seitenzahl. Auch ich machte den Fehler und dachte mir "ein hübschen Büchlein für zwischendurch". Mitnichten. Kleine Gedichte, Reime sind in die relativ kurzen Kapitel eingebettet. Die Geschichte wird aus Sicht von Loretta erzählt, aber nicht von ihr direkt. Die Wortwahl ist sehr bedacht, der Klang und das Zusammenspiel von Sprache scheint im Vordergrund zu stehen und eben wie gesagt kommt das Ganze sehr poetisch über die Bühne. Die Satzstruktur ist etwas eigenwillig, weswegen ich mich erst etwas einlesen musste, um den Lesefluss auf angenehmes Terrain zu bringen.

Die Figuren waren mir grössenteils eher unsympathisch. Dies muss jetzt aber bitte nicht negativ bewertet werden, denn starke Figuren können (oder sind sogar besonders) die bösen oder depressiven oder sonst nicht ganz normalen Persönlichkeiten. Aber eben dies macht diese ja auch aus. Loretta empfand ich als naives, verwöhntes Dings, das vieles erhält ohne Dank, sogar eher mit Gleichgültigkeit, was mich manchmal sogar sehr ärgerte, wenn sie etwas nicht wertschätzte. Ihr Baby steht indirekt im Mittelpunkt, weil es sozusagen der "Gegenstand" ist, der Loretta komplett aus der Bahn wirft. Der Vater des Kindes war mir zwar noch am sympathischsten, aber auch nicht wirklich mein Freund. Ansonsten kommt der Roman mit erstaunlich wenigen Personen zurecht. Hinzu kommen lediglich einige Mädchen aus der Anstalt.

Die Welt des Hofes bzw. der Anstalt ist eine rosa Seifenblase, ein zuckerguss-klebriges Farmleben, ein sommerliches Gemälde....schön anzusehen, aber erschreckend oder unglaubwürdig darin zu leben. Erst wirkt es noch sehr einladend, später ist es "zu schön um wahr zu sein" oder "irgendwas muss daran faul sein". Da ich nun nicht spoilern möchte, lasse ich den Leser entdecken, was es damit auf sich hat. 

Für mich war dieses kleine Buch eine Überraschung, etwas Neues, Ungewohntes, es hat mich entführt, aber ich bin auch froh, ihm wieder entkommen zu sein. Am Schluss liess es mich mit einem Gefühl zurück, als wüsste ich nicht genau, was ich überhaupt davon halten soll.



3 von 5 Lese-Echsen



Julia Zange wurde 1983 in Darmstadt geboren, sie lebt und studiert in Berlin. 2005 gewann sie den Hildesheimer Prosanova-Wettbewerb, 2006 belegte sie zusammen mit zwei weiteren Kandidatinnen den ersten Platz beim open mike Berlin. Dies ist ihr erstes Buch.


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