15. Oktober 2014

Anna Herzig - Zeit für die Liebe




Autorin: Anna Herzig
Titel: Zeit für die Liebe


Verlag: Forever Ullstein
ISBN: 978-3-95818-009-3
Erschienen: 2014
Seiten: 192 (epub)






Zuerst gibt es für Sophie nur Christopher. Dann kommt Adrian und fühlt sich so viel richtiger an. Doch für Adrian ist in Sophies Leben kein Platz. Eine verpasste Chance, eine unglückliche Ehe und fünfundzwanzig Jahre später befindet sich Sophie erneut an einer Kreuzung. Plötzlich steht Adrian in ihrer Küche und von nun an mitten in ihrem Leben. Viel später, kurz vor ihrem achtzigsten Geburtstag, lässt Sophie die Vergangenheit Revue passieren, und es wird klar: Das Schicksal kennt kein Alter.

Eine Geschichte über das Erwachsen- und Älterwerden, über die Liebe und deren Stiefschwester, die unglückliche Liebe, und über eine essentielle Frage des Lebens: Was braucht es, um glücklich zu sein?






Ein schriftstellerisches Zuckerstück, das ganz spontan zu mir kam. Eine kurzweilige, aber tiefgründige Geschichte über Liebe und Entscheidungen im Leben. Über die eine grosse Liebe und doch erstaunlich kitschfrei.

Der Schreibstil der Autorin lädt den Leser ab der ersten Seite dazu ein, sich ein heisses Getränk zu holen und der Geschichte einer älteren Frau über ihre junge Liebe zuzuhören. Ihre Erinnerungen hüllen den Leser in die kuschelige Decke der Vergangenheit, die sehr lebensnah erzählt wird und doch wie durch einen feinen Dunstschleier wirkt. Kurzzeitig erinnerte mich die Erzählform an eine Mischung aus "Zwei an einem Tag" von David Nicholls (wer liebt nicht Emma und Dexter?) und "Wie ein einziger Tag" von Nicholas Sparks. 

Diese angenehme Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Roman, als könne man die ältere Sophie tatsächlich über ihr Leben erzählen hören, als würde sie dem Leser ganz privat die Geschichte ins Ohr flüstern, eingelullt durch die schönen Worte dank dem poetischen Schreibstil der Autorin. Überhaupt zeugt der Schreibstil von einem reichen Wortschatz, liebevoller und kluger Wortwahl und Gespür für "Buchstabenkunst", obwohl die Autorin schwere Tendenz zu langen Sätzen zeigt. Dennoch stört das den Lesefluss überhaupt nicht.

Die Charaktere sind mit Feingefühl gemalt, wobei besonders Sophie als Hauptfigur und Erzählerin hervorsticht. Da sie jedoch nicht aus der Ich-Perspektive erzählt, grenzt sie sich nicht ganz so stark von den anderen Figuren ab. Etwas verwirrend waren anfangs die Anzahl Namen, weil die Geschichte 2 Zeitperioden hat: die Sophie im Jetzt, die u.a. ihrem Sohn über ihre verlossene Liebe erzählt, zum anderen die junge Sophie mit Christopher und Adrian sowie weiteren Randfiguren, die mal mehr, ma weniger in den Vordergrund treten. Allerdings bekommt man schnell den Überblick, da die Zeitsprünge auch durch (Halb-)Kapitel getrennt sind. Die Idee der Halbkapitel (also z.B. 3 ½ geschrieben) fand ich irgendwie witzig, weil es für mich neu war.

Ein Fragezeichen kam mir im Epilog, wo es heisst:
"Es war der vierundzwanzigste September zweitausendfünfundsechzig um genau dreiundzwanzig Uhr..." Also mal abgesehen davon, dass ich solch lange Zahlen lieber als Ziffern lese, habe ich die Jahreszahl wohl 5x gelesen, um sicher zu sein. Am 24. September 2065 um 11 Uhr abends? Das versetzte die liebliche Erinnerungsgeschichte schlagartig in die Zukunft, was mich irgendwie aus dem Konzept brachte. Natürlich stelle ich die künstlerische Freiheit der Autoren nicht in Frage, aber den Grund hinter dieser Entscheidung verstehe ich wirklich nicht... Es war eine echt unerwartete Überraschung, könnte man sagen.

Davon abgesehen ist es ein wunderbarer, ruhiger Liebesroman, der sich ein wenig an Stereotypen orientiert, aber nicht kitschig wirkt und von Weisheiten über die Liebe erzählt, die gelesen absolut logisch erscheinen, sich im wahren Leben aber immer so kompliziert darstellen.

Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an die Autorin persönlich, die mich mit ihrer Anfrage geehrt hat, diesen Roman lesen und rezensieren zu dürfen. Eine empfehlenswerte Geschichte, die ich gerne noch weiter gelesen hätte....aber auch ein kurzes Vergnügen, bleibt ein Vergnügen.





4 von 5 Lese-Echsen




Anna Herzig wurde 1987 als Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin in Wien 
geboren. Ihre Begeisterung für Literatur zeigte sich sehr früh. Nach unzähligen gelesenen Büchern beschloss sie bereits im Alter von 14 Jahren, ein eigenes Buch zu schreiben. 2005 erschien ihr erster Roman, der Thriller "Der Tod kann warten". Die junge Österreicherin nahm daraufhin unter anderem an der Kriminacht in Wien teil. Seit 2007 widmet sie sich einem neuen Genre, der Liebesgeschichte. Im Sommer 2013 schloss sie "Zeit für die Liebe" ab und schreibt nun bereits an einer neuen Liebesgeschichte – die eigentlich gar keine ist. Die Autorin lebt in Wien und arbeitet im Recruiting-Bereich.




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