24. Juni 2014

Kat Falls - Das Leuchten



Autorin: Kat Falls
Titel: Das Leuchten


Verlag: Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3-473-40069-0
Erschienen: 2011
Seiten: 320






In der Tiefe des Meeres, 
im Reich der Haie und Wale,
lebt ein Junge mit einer Dunklen Gabe.

Die Meeresspiegel steigen, ganze Städte versinken in eisigen Fluten. Aber die Menschen können sich retten. Sie erschliessen einen neuen Lebensraum: die Tiefsee. Ty ist der erste Junge, der dort unten aufwächst. Seine Haut leuchtet silbern wie bei jedem Meeresmenschen. Eines jedoch unterscheidet ihn von den anderen: seine Dunkle Gabe. Ty weiss, dass er mit niemandem darüber sprechen darf. Sonst wird er alles verlieren, was ihm wichtig it. Vielleicht sogar Gemma, das rätselhafte Mädchen aus der anderen Welt jenseits des Ozeans...




Erst dachte ich an eine Geschichte wie ein umgekehrtes Atlantis, dann dachte ich an Sci-Fi-Filme, doch schlussendlich entwickelt sich der Roman in eine ganz andere Richtung und war deswegen erfrischend neu, anders, ideenreich, abenteuerlustig und so gar nicht 08/15.


Das  Cover ist wunderbar simpel und doch sehr hübsch gestaltet mit der Qualle. Nur wenn man das Buch in Händen hält, entdeckt man leichte Tropfen auf dem Cover als wäre es tatsächlich nass, als hätte tatsächlich etwas darauf getropft. Ein toller Effekt, der mir immer noch sehr gefällt. 

Der Schreibstil ist sehr angenehm. Womöglich auch, weil es sich um ein Jugendbuch handelt. Frisch, fliessend und rasant eben, wie ein Abenteuer für Jungleser sein muss. Auch wird der Leser sehr schnell mit Ty und Gemma bekannt gemacht und gleich in einer abenteuerlichen Einstiegsszene. Die Dunkle Gabe rutscht manchmal etwas in den Hintergrund, spielt aber besonders gegen Ende wieder eine grosse Rolle. Denn eigentlich ist der Roman ein Unterwasser-Abenteuer-Krimi oder Ähnliches, wodurch nicht nur die Fantasy-Elemente zählen, sondern die Spannung aufgrund der Seablite-Gang, einer Art Räuberbande (weiteres verrate ich nicht, ich möchte ja nicht spoilern). 

Die Hauptfiguren waren mir sympathisch und man kann gut mit ihnen mitfühlen. Einige Nebenfiguren bleiben leider etwas zweidimensional und es ist zu offensichtlich, dass sie auch Nebenfiguren sind und bleiben werden. Dafür wird das Meer und die Unterwasserstation sowie Ty's Haus beschrieben. Dabei zeigt die Autorin ein unglaublicher Fantasienreichtum, der wohl aus einigen Wahrheiten besteht (Meeresbiologische Erkenntisse), aber hauptsächlich aus vielen Ideen und Inspirationen besteht. Mir persönlich gefielen besonders die Momente, wenn Ty durchs Meer schwimmt und Gemma sein Zuhause oder Spezielles aus dem Ozean zeigt. Diese Situationen tragen meist wenig zur Haupthandlung hinzu, sind aber schlichtweg zauberhaft, anders kann ich es kaum formulieren.

Mit der Idee, dass der Meeresspiegel steigt und somit der Platz auf der Erde für solch viele Menschen knapp wird, steht am Anfang und Grund für die Welt in "das Leuchten". Dabei kann man durchaus Parallelen zu unserer tatsächlichen aktuellen Welt ziehen und so ist der Roman auch futuristisch thematisiert. Dass uns aber in XY Jahen Kiemen wachsen werden, glaube ich nicht, und das ist damit auch nicht gemeint. Dennoch ist der Autorin gelungen, ein aktuelles Thema als Rahmen einer rein fiktiven Geschichte zu nehmen.

Schlussendlich war es ein kurzweiliges, aber sehr interessantes und unterhaltsames Buch,  dessen 2. Teil ich gerne auch lesen werde: Die Finsternis, das ebenfalls im Meer spielt. 



4 von 5 Lese-Echsen










Kat Falls wurde in Silver Spring, Maryland, geboren und machte ihr Hobby, spannende Geschichten zu erfinden, zum Beruf. Heute lehrt die dreifache Mutter Drehbuchschreiben an der Northwestern University und begeistert die Buch- und Filmbranche mit ihren Ideen.
Mehr auf: Kat Falls


20. Juni 2014

Jane Davis - Wo das Glück wohnt




Autor: Jane Davis
Titel: Wo das Glück wohnt


Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-40790-9
Erschienen: 2011
Seiten: 392



Andrea kann mit vierundzwanzig auf eine glückliche Kindheit zurückblicken und ist zutiefst erschüttert, als ihre geliebten Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Doch die Entdeckung eines alten Fotoalbums wirft dunkle Schatten auf die Idylle früherer Tage: Andreas Mutter war offensichtlich ein zweites Mal schwanger. Was ist mit dem Baby geschehen? Und warum liess man sie glauben, sie wäre ein Einzelkind? Andrea muss erkennen, dass ihre Welt nicht mehr dieselbe ist. Doch unverhofft findet sie zwei Menschen, mit deren Hilfe es ihr gelingt, der neuen Situation ins Auge zu sehen.



Ein liebevoller Roman über eine ziemlich verstrickte Familiengeschichte. Ein Geheimnis der Familie, das irgendwie alle mit sich umhertragen, jeder seine Opfer bringt und nun endlich aufgedeckt wird. Eine Erkenntnis, die Andreas Welt schwer erschüttert, aber doch auch eins beweist: Am Ende ist immer die Familie von grösstem Wert.

Der Schreibstil ist sehr angenehm. Besonders erwähnenswert ist eher die Perspektive, denn nicht nur Andrea schreibt aus der Ich-Sicht, sondern auch Onkel Pete und Tante Faye. Dabei ist Andrea sozusagen die Stimme des heutigen Tages, wobei Pete und Faye Stimmen aus der Vergangenheit sind und dem Leser Einblicke in die vergangene Geschichte geben, mit welcher das Heute verstanden wird. Somit ist der Leser Andrea meist eine kleine Spur voraus, aber meist auch nicht vollständig aufgeklärt. 

Daraus besteht auch hauptsächlich die Spannung: Wer ist das Baby, was passierte mit ihm und wie sind die Familienbande in Wahrheit? Der Ton des Buches ist im Allgemeinen sehr ruhig, obwohl es vor Überraschungen und Kehrtwendungen strotzt. Wer glaubt, nach der Hälfte das Ende zu kennen, wird getäuscht. Denn immer, wenn der Leser glaubt, weiter als Andrea zu sein und mehr zu wissen, kommt wieder ein noch unentdecktes Puzzleteil dazu, was die Sache von Neuem verkompliziert.

Der Klappentext klingt erst nach einem typischen Vertreter dieses Genre. Ein Foto mit einem Baby, das niemand kennt, ein Familiengeheimnis....Doch irgendwie passt der Roman doch nicht in das Klischee. Natürlich werden einige Stereotypen bestätigt, doch ich hatte nie das Gefühl, ein "gut-verkaufendes-seelenloses-Buch" zu lesen und wurde sehr von der Geschichte mitgerissen.

Alle Figuren waren sehr authentisch und mit viel lieben Feingefühl ausgearbeitet. Von einigen Personen hätte ich gerne etwas mehr erfahren, von anderen vielleicht etwas weniger. Doch das ist wohl eine individuelle Vorliebe. Alle Personen haben etwas liebenswertes, alle machen einen oder mehrere Fehler, den sie wieder gut zu machen versuchen, weswegen sie sehr menschlich wirken. 

Unterm Strich ist der Autorin ein wunderbarer Roman über eine Familie gelungen, der weder nach Intrige und Geheimnissen schreit, auch nicht auf traurige Melodramatik macht und auch nicht über verlorene Lieben klagt (obwohl die Geschichte sich hauptsächlich um verlorene, gestohlene, vermisste und unerwiderte wie auch erwiderte Liebe dreht). Dieser Roman erzählt einfach eine Geschichte aus dem Leben. 
Dazu gibt es nur eins zu tun: eine Kanne Tee, es sich bequem machen und die Lektüre geniessen.

Anmerkung: Einzig der Titel der deutschen Übersetzung enttäuscht mich. Mir gefällt der Originaltitel um Längen besser: Half-truths und white lies (also "Halbwahrheiten und Notlügen")



4 von 5 Lese-Echsen



Jane Davis wurde als mittleres von 5 Kindern in London geboren. Sie arbeitete bei einer Versicherung und gab diese Beschäftigung auf, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Ihr Roman "Wo das Glück wohnt" wurde mit dem begehrten Daily Mail First Novel Award für das beste britische Debüt 2009 ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Surrey.

Mehr auf: Jane Davis



16. Juni 2014

Project 10 Books

Hallo zusammen

Heute habe ich ein Projekt für euch, von dem ihr möglicherweise (ziemlich wahrscheinlich) schon gehört / gelesen / selbst mitgemacht habt: das Project 10 Books.

Vielleicht hat der eine oder andere schon gemerkt, dass es letztens etwas ruhiger auf meinem Blog wurde. Dafür möchte ich mich entschuldigen und habe dafür nur eine, altbekannte Entschuldigung: Studium und Job. Und zwar befinde ich mich gerade in den Prüfungswochen und hatte somit letzten Monat wenig Zeit zu bloggen, lesen und allem, was Spass macht, weil ich Arbeiten geschrieben und Prüfungsstoff abgearbeitet habe. Deswegen haben sich bei mir nun auch einige Frust- und Belohnungskäufe angesammelt und mein Buchstapel wächst weiter in die Höhe, ohne dass ich ihn aufhalten könnte. Nun habe ich noch eine Woche vor mir und dann arbeite ich regulär, heisst: Vor und nach der Arbeit, auf dem Arbeitsweg und an freien Tagen habe ich freie Zeit für meine Hobbys und somit fürs Lesen. So kommt mir dieses Projekt sehr gelegen, weil es zum einen Sub-Abbau und zum anderen Kaufverbot ist.

Die Regeln:
Man sucht sich 10 Bücher aus seinem SuB. (ausgenommen sind Rezi-Exemplare). Und dann darf man sich erst wieder Bücher kaufen, wenn man genau diese 10 Bücher gelesen hat.



Ausgesucht habe ich mir zum Teil etwas dicke Wälzer, aber eben gerade weil sie schon etwas lange auf meinem SuB liegen und ich sie nun endlich in Angriff nehme.

1 Margaret Forster - Ich glaube, ich fahre in die Highlands
--> Inhalt

2 Pascal Mercier - Lea
--> Inhalt

3 Asa Hellberg - Sommerfreundinnen
--> Inhalt

4 Morgan Callan Rogers - Rubinrotes Herz, eisblaue See
--> Inhalt

5 Nicole Walter - Wie Sonne und Mond
--> Inhalt

6 Hervé le Tellier - Neun Tage in Lissabon
--> Inhalt

7 Elina Halttunen - alles gut auf der Insel
--> Inhalt

8 Antonia Michaelis - der Märchenerzähler
--> Inhalt

9 Kat Falls - das Leuchten
--> Inhalt

10 Cornelia Funke - Tintentod (3)
--> Inhalt

Mit welchem soll ich denn beginnen? Kennt ihr das Gefühl, wenn man auf alles gleichzeitig Lust hat?
Macht ihr auch bei dem Projekt mit und falls ja, wie viele Bücher habt ihr schon geschafft?

Ich freue mich jetzt schon auf meinen Lesesommer =)

Eure Lese-Echse

13. Juni 2014

Ein buchiges Telefon oder ein telefonisches Buch?

Liebe Leser

Ich habe mir vor einigen Tagen etwas gekauft, dass ich einfach mit euch teilen MUSS !!!
Und zwar hat ein ganz bestimmtes Büchlein meine Aufmerksamkeit erregt: Das BookBook von Twelve South. Nun hat mein Telefon eine ganz besondere Schutzhülle =)



Das BookBook gibt es (leider) nur für Iphone 4 und 5 (sorry für alle anderen Smartphone-Besitzer).
Ausserdem gibt es diese Vintage-Buchschutzhülle auch fürs Ipad und MacBook und in verschiedenen Farbvarianten: Vintage Braun oder Schwarz (mit rotem Detail).

                     


Das BookBook ist aber nicht nur eine Schutzhülle fürs Telefon, sondern bietet zudem auch Platz für Kredit-/Identitätskarte sowie einem kleinem Fach für Papier, Geldnoten oder Ähnlichem. So wird dieses Buch nicht nur zur Schutzhülle, sondern auch schon zur Geldbörse. Denn alles, was man braucht, wenn man das Haus verlässt, sind Schlüssel und das gefüllte BookBook.

  


Auch die Hüllen für das Notebook gefallen mir sehr, sind aber doch teuer. Auch das BookBook ist nicht die günstigste Handyhülle, aber der Preis lohnt sich eben doch. Aus folgenden Gründen:

1. Optik: Welcher Bücherfan kann diesem Assecoire widerstehen?
2. Material: Tolle Qualität dank echtem Leder, das nicht gleich übermorgen kaputt geht.
(Und ich liebe den Geruch von Leder)
3. Auffallen: Nicht jeder hat diese tolle Hülle und so wird man sicher auch darauf angesprochen. (Stolz*)
4. Praktisch: Wie erwähnt, nicht nur Schutzhülle, sondern auch Geldbörse

   


Wer auch so begeistert davon ist, kann sich auf der Website umschauen:  Twelve South
Wer es nicht direkt auf der Site von Twelve South bestellen möchte, kann im Apple Store oder auf Amazon nachschauen oder auch bei einem anderen Elektronikanbieter seines Vertrauens nachfragen.
Preis für ein BookBook bewegt sich um die 60$. 

Ich bin auf jeden Fall total verliebt in mein neues Büchlein <3

Liebe Grüsse,
eure Lese-Echse


Introducing BookBook for Iphone from Twelve South (Youtube)

10. Juni 2014

Kendare Blake - Anna im blutroten Kleid,



Autor: Kendare Blake
Titel: Anna im blutroten Kleid


 Verlag: Random House
ISBN: 978-3-453-31419-1
Erschienen: 2012
Seiten: 382




Der siebzehnjährige Cas Lowood hat von seinem verstorbenen Vater eine dunkle Berufung geerbt: Er spürt Geister auf, jene Geister, die keine Ruhe finden können, und er legt ihnen das Handwerk. Gemeinsam mit seiner Mutter reist er quer durchs Land, immer auf der Spur von lokalen Mythen und Spukgeschichten. In Thunder B ay, einer Kleinstadt in Ontario, Kanada, wartet ein besonders schwerer Fall auf ihn. Im Jahr 1958 wurde die sechszehnjährige Anna ermordet, als sie gerade auf dem Weg zu einem Schulball war. Seitdem lauert sie in einem blutbefleckten Abendkleid jedem auf, der es wagt, die Schwelle des viktorianischen Anwesens, das sie zu Lebzeiten bewohnte, zu übertreten. Die Zahl ihrer Opfer ist gross, sagt man. Er nimmt lieber selbst Kontakt zu den verdammten Seelen auf und um ihn das Früchten zu lehren, braucht es schon mehr als ein bisschen Spuk. Doch da hat er nicht mit Anna gerechnet...



Eine Geistergeschichte, die mehr als nur unterhaltsamer Spuk ist, tiefgründiger, düsterer und dennoch ruhig und sogar mit einem Schuss Romantik. Es schient, ich habe mich in einen Geist verliebt....

Angefangen beim Cover: grau, neblig und düster gehalten, mit Anna im Vordergrund, ihrem blutverschmierten weissen Kleid und ihren schwarzen wallenden Haaren im Wind. Auch die Rückseite wird von diesen Farben beherrscht und war mit ein Grund, warum ich das Buch sofort entdeckte.

Die Geschichte scheint anfangs blutig und eine Art Gruselgeschichte zu werden. Mit der Zeit entwickelt sich jedoch viel mehr Tiefgang, weitere Aspekte werden eingewoben, die Figuren und Ereignisse miteinander verstrickt und schlussendlich ist alles nicht so einfach, wie es anfangs vielleicht scheinen mag. Mit dem Ende hätte ich auf jeden Fall nie gerechnet. Der Leser wird sehr geschickt auf falsche Vorahnungen gelenkt, die sich dann nur teils oder überhaupt nicht bewahrheiten. Besonders die Charakteren verhalten sich erst sehr klischeehaft, im Verlauf des Romanes nehmen sie allerdings tiefere Charakterzüge an, sie werden sehr authentisch und lebensecht. 

Der Schreibstil ist fantasievoll und liest sich sehr flüssig. Ich habe das Buch in jedem Fall trotz stressigen Alltag und eigentlich wenig Zeit zu lesen, geradezu verschlungen und konnte es nicht aus den Händen legen. Die Beschreibungen sind wunderbar, sodass man sich alles sehr lebendig vorstellen kann, aber dennoch nicht zu sehr, um sich in unnötigen Details zu verlieren. Der Leser wird regelrecht in eine andere Welt hineingesogen. Mit Spannung erwartet man das neue Kapitel, nicht aufgrund von Cliffhanger, sondern weil man einfach wissen muss, wie es mit Anna, Cas und den anderen weitergeht. Dabei erzählt Cas aus der Ich-Perspektive, was den Leser nur umso mehr in die Geschichte eintauchen lässt. 

Ausserdem habe ich irgendwo gelesen, dass dies erst der erste Teil einer "Anna-Trilogie" ist und somit steht fest: Ich bin schon sehr auf den zweiten Teil gespannt, den ich einfach lesen MUSS!





5 von 5 Lese-Echsen






Kendare Blake studierte in London Creative Writing, ehe sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Sie lebt und arbeitet in Washington, liebt Tiere aller Art und ist ausserdem von der griechischen Mythologie fasziniert. Anna im blutroten Kleid ist ihr Romandebüt.
Mehr auf: Kendare Blake

3. Juni 2014

Kerstin Gier - Für jede Lösung ein Problem




Autor: Kerstin Gier
Titel: Für jede Lösung ein Problem


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-15614-6
Erschienen: 2007
Seiten: 298




Was wäre, wenn Ihre Familie, Freunde und Bekannte wüssten, was Sie wirklich über sie denken...

Gerri schreibt Abschiedsbriefe an alle, die sie kennt, und sie geht nicht gerade zimperlich mit der Wahrheit um. Nur dummerweise klappt es dann nicht mit den Schlaftabletten und dem Wodka - und Gerris Leben wird von einem Tag auf den anderen so richtig spannend. Denn es ist so eine Sache, mit seinem Mitmenschen klarzukommen, wenn sie wissen, was man wirklich von ihnen hält!



Ein typischer, witziger, sommerlicher Frauenroman.

Gerri, eine junge Frau, mit der man sich super identifizieren kann - nicht (nur?) weil sie Single ist, in einer dunklen und kleinen Dachwohnung bei der nervigen Tante wohnt, keine Modellfigur besitzt und Liebesromane für den Kiosk schreibt, "die kleinen Pornoheftchen, die man unter dem Ladentisch verkauft" wie es so schön genannt wird. Eine verrückte Familie; pingelige Mama, die eigentlich nur ihr Bestes möchte, Schwestern mit zu tollen oder genauso blöden Freunden/Verlobten/Ehemänner und Enkelkinder, die Radau machen, Tanten und Onkel mit ihren ganz eigenen Macken, die nur angeschwipst auszuhalten sind....Kerstin Gier schafft eine vielleicht etwas übertriebene und doch irgendwie realistische Chaostruppe von Figuren, die höchst unterhaltsam sind.

Die Grundidee, Abschiedsbriefe an alle zu schicken und ihnen dort alles an den Kopf zu schlagen, was man schon immer mal gesagt haben möchte (Geständnisse wie "ich war damals diejenige, die dir die Haare zugeklebt hat", deutliche Andeutungen wie "liebe Tante XY, vielleicht ist ja mein Cousin - der einzige in der Familie mit braunen Augen - doch vom Briefträger" und Abrechnungen à la "auch wenn du furchtbar gerne singst: du kannst es leider gar nicht. Lieber eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung als dich einmal "over the rainbow"). Dazu vererbt sie ihren Ipod ans benachteiligte Patenkind, erklärt Missverständnisse aus der Vergangenheit und entschuldigt sich schon mal vorab für die Probleme und Unannehmlichkeiten, die ihr Selbstmord nach sich ziehen werden. Man merkt schnell: Mir haben die Abschiedsbriefe sehr gefallen. Denn sie sind witzig, direkt, hart und ehrlich, manchmal herzlich und manchmal aufklärend. 

Wie es dann mit dem Selbstmord doch nicht hingehauen hat, ist eine unterhaltsame Situation, zu der man nur sagen kann: So spielt das Leben. Zufälle sind manchmal fast zu viele und irgenwie doch logisch. Das Ende hätte besser sein können, bzw. war mir etwas zu offentsichtlich, aber hey....es ist schliesslich ein Frauen-Liebesroman. Etwas Kitsch, etwas Unlogik, viel Romantik und ein (relativ) erwartbares Ende. 

Der Schreibstil von Kerstin Gier ist wie immer fliessend, frisch und frech. Sofort springt der Leser in die Rolle von Gerri, fühlt mir ihr mit und begleitet sie auf allen Geschehnissen, die diese Kettenreaktion nach ihrem Selbstmordversuch nach sich bringen. 



4,5 von 5 Lese-Echsen









Kerstin Gier, Jahrgang 1966, lebt mit ihrer Familie in einem Dorf in der Nähe von Bergisch Gladbach. Sie schreibt mit sensationellem Erfolg Romane. Sie studierte zunächst Germantistik, Musikwissenschaft und Anglizistik, wechselte jedoch und schloss dann als Diplompädagogin erfolgreich ab.

Sie schreibt auch unter den Pseudonymen Jule Brand und Sophie Bérard.


Mehr auf: Kerstin Gier