25. Oktober 2014

Stephen King - Dolores




Autor: Stephen King
Titel: Dolores


Verlag: Weltbild
ISBN: 9-783-45343-576-6
Erschienen: 2005
Seiten: 288





"Und nun seht euch an, was diese gottverdammte alte Hexe mir angetan hat!"

Dreissig Jahre lang war Dolores Haushälterin bie einer riechen, rücksichtslosen Witwe. Sie hat ihre Grausamektien ertragen, ihren Wahnsinn. Jetzt soll Dolores sie umgebracht haben. Ein Leben in Unterdrückung, ein Leben im Schatten - Dolores ist eine Frau mit einem düsteren Geheimnis...




Ein Glücksgriff auf dem Mängelexemplar-Tisch. Zurecht steht der Name Stephen King für Grusel, Horror und Spannung, denn er ist einfach der Meister seines Handwerkes. 

Die Geschichte erzählt Dolores selbst und somit aus ihrer Perspektive. Dabei rollt sie alte Geschichten auf, denn es geht in diesem Roman nicht ausschliesslich um den Tod von Vera Donovan, für die Dolores jahrelang die Haushälterin war und nun vor Gericht steht, sie getötet zu haben. Nein, das Übel liegt tiefer in der Vergangenheit und irgendwann kommt alles ans Licht. Misery loves company, Unglück kommt nie allein, ein wie ich finde schöner Spruch für eine eigentlich negative Sache und die in diesem Fall wie Deckel auf Topf passt.

Irgendwie ist das Buch eine Art Biographie von Dolores, oder zumindest der letzten 20 Jahre ihres Lebens. Und die haben es in sich. Dank King's fantastischem Schreibstil wird man sofort in die Geschichte gesogen, viele Fragen werden gestellt und Spannung aufgebaut. Bei jedem Kapitel möchte man wissen: Wie geht es nun weiter? Dank der Erzählperspektive von Dolores hat der Leser immer das Gefühl, mehr zu wissen, den Figuren ein Stückchen zuvor zu sein, ein allwissendes Auge über die ganze Geschichte zu haben. Und doch bleibt auch der Leser im Dunkeln und erfährt nur Stück für Stück, welches Geheimnis Dolores immer verschwieg. 

Das Buch hat sogar lustige Abschnitte trotz der düsteren Atmosphäre. Die zu Ende recht verrückte Vera und Dolores streiten sich in einer liebevollen Art, die grausam ist und zugleich sehr erheiternd. Und schliesslich haben sie mehr gemeinsam, als man anfangs glaubt, aber ich möchte ja nicht zuviel verraten.

Erst während der Lektüre erfuhr ich, dass der Roman verfilmt wurde. Aber schon nach dem Trailer zu urteilen, weicht der Film in der Erzählform und in Details vom Buch ab. Dennoch scheint auch der Film sehr interessant und gut gemacht. Also muss ich mir den wohl irgendwann auch noch zu Gemüte führen.

Ich kenne erst wenige Stephen-King-Bücher, war aber bisher immer begeistert. Und auch diesmal wird es wohl nicht mein letzter Roman gewesen sein aus dieser talentierten Schreibfeder...



5 von 5 Lese-Echsen




Stephen Edwin King ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er schrieb auch unter Pseudonymen, 1972 als John Swithen und zwischen 1977 und 1985 als Richard Bachman. Er ist vor allem bekannt für seine Horror-Romane, die ihn zu einem der meistgelesenen und kommerziell erfolgreichsten Autoren der Gegenwart machen. Bis heute hat Stephen King als Autor über 400 Millionen Bücher verkauft, die in insgesamt 40 Sprachen übersetzt wurden.

Mehr auf: Stephen King


Youtube-Trailer zu Dolores Claiborne



15. Oktober 2014

Anna Herzig - Zeit für die Liebe




Autorin: Anna Herzig
Titel: Zeit für die Liebe


Verlag: Forever Ullstein
ISBN: 978-3-95818-009-3
Erschienen: 2014
Seiten: 192 (epub)






Zuerst gibt es für Sophie nur Christopher. Dann kommt Adrian und fühlt sich so viel richtiger an. Doch für Adrian ist in Sophies Leben kein Platz. Eine verpasste Chance, eine unglückliche Ehe und fünfundzwanzig Jahre später befindet sich Sophie erneut an einer Kreuzung. Plötzlich steht Adrian in ihrer Küche und von nun an mitten in ihrem Leben. Viel später, kurz vor ihrem achtzigsten Geburtstag, lässt Sophie die Vergangenheit Revue passieren, und es wird klar: Das Schicksal kennt kein Alter.

Eine Geschichte über das Erwachsen- und Älterwerden, über die Liebe und deren Stiefschwester, die unglückliche Liebe, und über eine essentielle Frage des Lebens: Was braucht es, um glücklich zu sein?






Ein schriftstellerisches Zuckerstück, das ganz spontan zu mir kam. Eine kurzweilige, aber tiefgründige Geschichte über Liebe und Entscheidungen im Leben. Über die eine grosse Liebe und doch erstaunlich kitschfrei.

Der Schreibstil der Autorin lädt den Leser ab der ersten Seite dazu ein, sich ein heisses Getränk zu holen und der Geschichte einer älteren Frau über ihre junge Liebe zuzuhören. Ihre Erinnerungen hüllen den Leser in die kuschelige Decke der Vergangenheit, die sehr lebensnah erzählt wird und doch wie durch einen feinen Dunstschleier wirkt. Kurzzeitig erinnerte mich die Erzählform an eine Mischung aus "Zwei an einem Tag" von David Nicholls (wer liebt nicht Emma und Dexter?) und "Wie ein einziger Tag" von Nicholas Sparks. 

Diese angenehme Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Roman, als könne man die ältere Sophie tatsächlich über ihr Leben erzählen hören, als würde sie dem Leser ganz privat die Geschichte ins Ohr flüstern, eingelullt durch die schönen Worte dank dem poetischen Schreibstil der Autorin. Überhaupt zeugt der Schreibstil von einem reichen Wortschatz, liebevoller und kluger Wortwahl und Gespür für "Buchstabenkunst", obwohl die Autorin schwere Tendenz zu langen Sätzen zeigt. Dennoch stört das den Lesefluss überhaupt nicht.

Die Charaktere sind mit Feingefühl gemalt, wobei besonders Sophie als Hauptfigur und Erzählerin hervorsticht. Da sie jedoch nicht aus der Ich-Perspektive erzählt, grenzt sie sich nicht ganz so stark von den anderen Figuren ab. Etwas verwirrend waren anfangs die Anzahl Namen, weil die Geschichte 2 Zeitperioden hat: die Sophie im Jetzt, die u.a. ihrem Sohn über ihre verlossene Liebe erzählt, zum anderen die junge Sophie mit Christopher und Adrian sowie weiteren Randfiguren, die mal mehr, ma weniger in den Vordergrund treten. Allerdings bekommt man schnell den Überblick, da die Zeitsprünge auch durch (Halb-)Kapitel getrennt sind. Die Idee der Halbkapitel (also z.B. 3 ½ geschrieben) fand ich irgendwie witzig, weil es für mich neu war.

Ein Fragezeichen kam mir im Epilog, wo es heisst:
"Es war der vierundzwanzigste September zweitausendfünfundsechzig um genau dreiundzwanzig Uhr..." Also mal abgesehen davon, dass ich solch lange Zahlen lieber als Ziffern lese, habe ich die Jahreszahl wohl 5x gelesen, um sicher zu sein. Am 24. September 2065 um 11 Uhr abends? Das versetzte die liebliche Erinnerungsgeschichte schlagartig in die Zukunft, was mich irgendwie aus dem Konzept brachte. Natürlich stelle ich die künstlerische Freiheit der Autoren nicht in Frage, aber den Grund hinter dieser Entscheidung verstehe ich wirklich nicht... Es war eine echt unerwartete Überraschung, könnte man sagen.

Davon abgesehen ist es ein wunderbarer, ruhiger Liebesroman, der sich ein wenig an Stereotypen orientiert, aber nicht kitschig wirkt und von Weisheiten über die Liebe erzählt, die gelesen absolut logisch erscheinen, sich im wahren Leben aber immer so kompliziert darstellen.

Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an die Autorin persönlich, die mich mit ihrer Anfrage geehrt hat, diesen Roman lesen und rezensieren zu dürfen. Eine empfehlenswerte Geschichte, die ich gerne noch weiter gelesen hätte....aber auch ein kurzes Vergnügen, bleibt ein Vergnügen.





4 von 5 Lese-Echsen




Anna Herzig wurde 1987 als Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin in Wien 
geboren. Ihre Begeisterung für Literatur zeigte sich sehr früh. Nach unzähligen gelesenen Büchern beschloss sie bereits im Alter von 14 Jahren, ein eigenes Buch zu schreiben. 2005 erschien ihr erster Roman, der Thriller "Der Tod kann warten". Die junge Österreicherin nahm daraufhin unter anderem an der Kriminacht in Wien teil. Seit 2007 widmet sie sich einem neuen Genre, der Liebesgeschichte. Im Sommer 2013 schloss sie "Zeit für die Liebe" ab und schreibt nun bereits an einer neuen Liebesgeschichte – die eigentlich gar keine ist. Die Autorin lebt in Wien und arbeitet im Recruiting-Bereich.




10. Oktober 2014

Joanne Fedler - Heisshunger




Autorin: Joanne Fedler
Titel: Heisshunger


Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-65251-0
Erschienen: 2011
Seiten: 461




Zwei Jahre Zeit, 24 Kilos zu viel und 14 Fusilli am Abend

14 Fusilli - damit wärmt Joanne sonst ihre Kaumuskeln auf. In den mageren Zeiten ihrer Diät nennt sich das nun großspurig "Abendessen". Und da soll eine Frau nicht schwach werden? Doch eine Stabheuchschrecke im Minirock, auch Ernährungsberaterin genannt, ihr Ehemann und zwei Kinder, die sie auf Trab halten, werden zu Joannes Verbündeten...



Eine kleine (Ent-)Täuschung, weil nicht wirklich drin ist, was drauf steht. Denn erwartet habe ich einen witzigen Frauenroman über eine Hauptfigur, die mit ihrem nicht so perfekten Körper kämpft (à la Bridget Jones oder so). Schlussendlich entpuppte es sich jedoch als Autobiografie von Joanne Fedler und erzählt nicht nur ihre Geschichte bezüglich Gewichtsabnahme, sondern auch ihre Auswanderung von Südafrika nach Australien.

Ein lobenswerter Punkt ist sicherlich ihr Schreibstil. Die Autorin schreibt sehr metaphorisch auf eine Art, die mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberte (indem sie beispielsweise Pizza als falscher Freund und Lieblingskrimineller beschreibt, der sich mit gesund wirkendem Gemüse in falschen Federn kleidet und gnadenlos mit hinterhältigen Versprechungen verführt). Damit malt die Autorin unglaubliche Bilder ins Gedächtnis des Lesers, was dazu führt, dass sich tatsächlich ein Film vor dem inneren Auge abspielt - ganz automatisch. 

So beschreibt Joanne auch ihre Reise von Südafrika nach Australien: Wie sie ihr Leben in einen Container packt, ihre kleinen Kinder an der Hand, mit Ängsten im Nacken und dem Ehemann im Vormarsch. Sie stellt ihre Diät und ihre Auswanderung sehr geschickt gegenüber und so laufen beide Geschichten parallel. Bei beidem lernt sie, sich von etwas zu verabschieden, dafür anderes wieder mehr wert zu schätzen und sich selbst neu kennen zu lernen. 

Also ist der Roman nicht einfach ein witziger Frauenroman, sondern eine wahre Geschichte, ein Lebensausschnitt der Autorin mit viel Witz erzählt, aber auch mit dunklen Kapiteln. 

Ein gelungenes, unerwartet mehrgängiges Essen, gemischt aus Humor und schweren Entscheidungen, gesalzen mit Frechheit, gesüsst mit Freundschaft, eine Prise Philosophie und Glaube und einer grossen Portion Hoffnung. Ein toller Roman, der leider komplett verkehrt vermarktet wird...



3 von 5 Lese-Echsen



Joanne Fedler studierte Jura und engagierte sich in ihrer Heimat Südafrika für Frauenrechte. Sie emigrierte mit ihrer Familie nach Australien, wo sie heute noch lebt. Neben Sachbüchern schrieb Joanne Fedler mehrere erfolgreiche Romane.

Mehr auf: Joanne Fedler




1. Oktober 2014

Nachtrag zum Liebster-Award

Etwas verspätet, aber doch noch Zeit gefunden, habe ich für die Fragen von Tom's Lesewelt bezüglich des Liebster-Awards. DANKE an dieser Stelle nochmals herzlich für den Award !
Da ich allerdings den Award zuvor schon von Mila Shou bekam, habe ich dazu schon einen Post erfasst (Klick *HIER*)

Ich möchte hier jedoch einen kleinen Nachtrag erstellen und auch Toms Fragen beantworten.
Seine Fragen:

1. Welches Buch, das du gelesen hast, hat dich am meisten beeindruckt?
- Spontan fällt mir "sie nannten mich Es" ein,  "die unwahrscheinliche Pilgerreise von Harold Fry" ein, aber auch "beim Leben meiner Schwester" von Jodie Picoult, oder die Biographie von Nelson Mandela...und eigentlich noch viele mehr. Grundsätzlich kann ich wohl sagen: Bücher basierend auf wahrer Geschichte und tatsächlichen Schicksalen

2. Was ist dir am liebsten - Buch, Hörbuch oder eBook?
- Ganz klar das Buch. Hörbücher habe ich kaum bzw. früher als Kind. Ausserdem besitze ich keinen eReader, da ich den Gegenstand "Buch" einfach viel lieber habe, auch wenn ich einige Vorteile im eBook sehe (z.B. bei Reisen)

3. Hörbücher am liebsten gekürzt oder ungekürzt?
- Lasse ich unbeantwortet, weil ich kaum Hörbücher höre...siehe Frage 2

4. Welches sind deine Top-3-Autoren bzw. -Autorinnen?
-Es tut fast körperlich weh nur 3 auszuwählen (etwa wie die Frage: Welches ist dein Lieblingsbuch? Als könnten Bücherwürmer sich nur für 1 Buch entscheiden könnten!). Langjährige Favoriten sind jedoch Carlos Ruiz Zafón, Kate Morton, Jodie Picoult

5. Bevorzugst du Buchreihen oder liest du lieber Einzeltitel?
- Sagen wir so: Ich mag den Hype um Buchreihen nicht. Ich finde es schade, dass es scheinbar nur noch Fortsetzungen von Bestseller gibt, dabei gibt es solch viele Einzeltitel-Schätze! Grundsätzlich lese ich gerne Einzelbände bis Trilogien. Ab 4 Bücher und mehr, muss es mich wirklich genug interessieren.

6. Von welchem Autor/in finden wir die meisten Titel in deinem Bücherregal?
Von meinen Lieblingsautoren: Zafón, Morton, Picoult...aber auch Paulo Coelho, Paolo Nutini, J.K. Rowling, also eigentlich Autoren von Reihen / Trilogien (macht Sinn, oder? ;) )

7. Welches Genre werden wir nie in deinem Bücherregal finden?
- Sag niemals nie...aber am ehesten wohl kaum Biographien von Celebrities, Ratgeber, Erotik-Fantasy (z.B. all diese "sexy Vampire") , SciFi-Romane und Ähnliches und Mangas

8. Welches Buch hast du am schnellsten verschlungen?
- einige Harry Potter Bücher (v.a. Teil 3), Zwei an einem Tag (D. Nicholls), der verborgene Garten (K. Morton) und der Gefangene des Himmels (C. Zafon)

9. Nach welchen Kriterien suchst du dir ein neues Buch aus?
- Inspiriert oft von anderen Bloggern bzw. Booktubern, aber auch in der Buchhandlung lasse ich mich zugegebenermassen schnell vom Cover anziehen. Kaufkriterium ist dann jedoch der Klappentext (also Inhalt / Geschichte). Genre-Vorlieben und Autoren können ins Gewicht fallen, sind jedoch nicht primär bei der Entscheidung.

10. Gibt es Autoren, mit denen du schon persönlich Kontakt hattest? Mit wem?
- Ich hatte einen kurzen Briefwechsel mit Christina Zacker (Muss den Fado fade sein), um mein Buch signiert zu bekommen und weil sie in meiner "zweiten Heimat" lebt (worüber sie im Buch auch schreibt). Ausserdem hatte ich das grosse Vergnügen, Carlos Ruiz Zafon in Zürich an einer Lesung zu sehen und meine Bücher signiert zu bekommen, ebenfalls war ich schon in einer Lesung von Jussi Adler-Olsen mit anschliessender Signierstunde. Dazu kommen Autoren, die ich an der Buchmesse Leipzig 2013 traf (sofern man das Kontakt nennen kann): Gabriella Engelmann, Antje Szillat, Ursula Poznanski, Maggie Stiefvater, Josephin Angelini, Janet Clark, Joshua Sauer, die Hohlbeins und Jorge Gonzáles. Mein Post über die Leipziger Buchmesse findet ihr *hier*

11. Wo liest du am liebsten, hast du einen ganz speziellen "Leseort"?
- Am liebsten lese ich im Bett oder auf dem Sofa, aus Zeitgründen lese ich aber oft im Zug und Bus. Meinen Leseort würde ich den öffentlichen Transport aber nicht nennen. Lieblingsort wäre (zumindest im Sommer) im Garten/auf Balkon/im Stadtpark/am Flussufer