30. November 2014

Pete Nelson - Ich lass dich nicht allein





Autor: Pete Nelson
Titel: Ich lass dich nicht allein


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47479-0
Erschienen: 2011
Seiten: 316







Keiner tröstet dich besser als deinn Hund - besonders wenn deine Freundin dich für einen anderen verlässt.

Das Leben meint es nicht gut mit Paul Gustavson: Er hat Probleme im Beruf, sein Bruder verzockt das Geld der gesamten Familie und seine neue Freundin Tamsen entscheidet sich für einen anderen. Doch Paul hat Stella. Die betagte Labrador-Schäferhund-Dame kennt Paul besser als er sich selbst - und sie hilft ihm in allen Lebenslagen. Stella glaubt, dass Tamsen die richtige Frau für Paul ist - schliesslich ist Tamsen eine Hundeversteherin. Aber findet Paul mit Stellas Hilfe wirklich aus der Krise? Und kann er Tamsen zurückgewinnen?




Leider wahr, aber mit dem Klappentext ist eigentlich schon alles erzählt. Es passiert zwar noch etwas anderes und natürlich durchläuft der Leser mit Paul dies verschiedenen Phasen in diesen Situationen, aber Überraschungen sucht man vergebens.

Die Geschichte plätschert leise vor sich hin, wie ein kleiner Bach, der seinen Weg durch den Wald sucht, aber eigentlich interessiert es niemanden. Ich kann nicht schlecht über den Roman sprechen, der Schreibstil ist sehr angenehm und liest sich flüssig und schnell. Doch genau auch deswegen fehlt das Salz in der Geschichte. Das physische Buch hat mehr Ecken und Kanten als der darin gedruckte Roman. Und irgendwie fehlen die Anreize.

Natürlich geht es um eine Lebensphase von Paul, in der nicht alles glatt läuft und er jauchzend durch die Welt hüpft. Es geht um Trauer, Traurigkeit und Trost, aber auch um Liebe, Hoffnung und die kleinen Wunderlichkeiten. Atmosphärisch passt der Roman hervorragend in den November, in den Herbst oder sogar schon in die Adventszeit (auch wenn Weihnachten nur nebenbei einer der Schauplätze ist). Die Geschichte ist ruhig, nachdenklich, liebevoll, aber eben melancholisch. Paul meint, er sei ein Versager und widmet sich lange nur Stella und seinem Glas Bourbon. Die Dreiecksgeschichte mit Tamsen ist verzwickt, wird aber leider nicht tiefgehend behandelt. Seine Ex-Frau taucht auch nur ab und zu auf und irgendwie bleiben viele Nebenfiguren auch etwas zweidimensional. Auch die Familiengeschichte von Paul wird angeschnitten, dann aber doch nicht so vertieft wie erhofft...oder mit anderen Worten: ich persönlich hätte mir mehr gewünscht.

Stella ist ein absolut liebenswerter Hund und man merkt sehr einfach, dass der Autor selbst Hundebesitzer und Hundeliebhaber ist. Somit eignet sich der Roman auch sehr für hundeliebende Leser und Leserinnen. Stella wird sehr vermenschlicht und so führt Paul viele Gespräche mit ihr, wobei ich mich immer selbst erinnern musste, das Stella ein Hund ist (das fällt nämlich an der Schreibweise nicht auf, ausser Kleinigkeiten wie "sie leckte ihre Pfote und antwortete..."). Man muss sie einfach lieb gewinnen. Auch mit Paul kann man sich gut hineinfühlen, auch wenn er nicht der fröhlichste Genosse ist. Die beiden machen ein tolles Hauptfiguren-Paar.

Ich würde das Buch allen empfehlen, die selber nicht gerade in einer grauen und traurigen Lebensphase sind, um sich nicht weiter in den Sog hinunter ziehen zu lassen. Und an alle Leser, die Hunde lieb haben und vielleicht ebenfalls mit ihrem Haustier über Ernstes diskutieren. 




3 von 5 Lese-Echsen





Pete Nelson ist Journalist und Autor zahlreicher preisgekrönter Jugendromane und -sachbücher. Als Liedermacher verfügt er über eine treue Fangemeinde. Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in Westchester, New York.



22. November 2014

Schreib-TAG

Oh wei oh wei....wo ist denn die Zeit geblieben? Es tut mir echt leid, dass es auf meinem Blog in letzter Zeit so still ist. Ich komme aufgrund meines Studiums nur wenig zum Lesen (zumindest "nicht-Schullektüre") und somit auch mit Rezensionen in Verzug. Bitte verzeiht mir das.

Dafür habe ich euch einen TAG, den die Scherbenschreiberin ins Leben gerufen hat und der auf Youtube vor einigen Monaten schon fleissig die Runde machte.

Hier also ihre Fragen und meine Antworten:

1. Was schreibst du? (Geschichten, Gedichte, etc.)
Früher habe ich kurze Reime gebastelt, die zu Gedichten gewachsen sind. Heute schreibe ich an mehreren noch unbeendeten Romanen, die mir schon länger im Kopf schwirren.

2. In welchen Genres / Über welche Themen schreibst du?
Unterschiedlich. Ich lasse mich gerne im eigenen Alltag inspirieren, schreibe aber über Verschiedenes. Das eine ist eine Art Geistergeschichte, das andere eher ChickLit, dann eine Geschichte auf und über Reisen, dann wieder eine Kurzgeschichte über einen Keks...

3. Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
In der Schulzeit mochte ich es immer besonders, wenn wir Aufsätze schreiben mussten. Damals probierte ich mich auch, wie gesagt, an Gedichten und Kurzgeschichten. Als Jugendlicher hatte ich dann lange eine Schreibpause, bis ich aktuell wieder angefangen habe.

4. Deine Texte...ein Beispiel?
Entschuldigt, aber dies möchte ich aus folgenden 2 Gründen hier nicht beantworten. Zum einen aus Urheberrechtsgründen. Zum anderen, weil ich einfach wenig Repräsentierbares hätte... Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse.

5. Dein Schreibprozess...spontan oder mit Storyline?
Wenn mich eine Idee packt, notiere ich mir alles, was mir dazu einfällt. Das ist dann meist schon der Plot bzw. eine Storyline oder zumindest einen Teil davon. Ich behalte gerne den roten Faden und arbeite deswegen gerne mit einer Storyline, die allerdings am Anfang noch ziemlich "roh" ist. Beispielsweise weiss ich, welche Personen, was tun und welches grössere Ereignis dann zur Geschichte führt. Das Ende weiss ich jedoch selten...das formt sich erst während dem Schreibprozess.

6. Wann und wo schreibst du?
Wenn ich Zeit finde, daheim am Laptop, tendenziell morgens nach dem Aufstehen oder abends. Meist ist es aber so, dass mich die Idee irgendwo unterwegs überfallen und ich somit Notizen im Zug und Bus unleserlich in der Kurve kritzle oder hastig in der Schulstunde in einem Word-Document speichere. 

7. Wie inspirierst du dich?
Am liebsten auf Reisen, aber auch sonst im Alltag: unterwegs, Spaziergänge, Bücher, Filme, Gespräche, Musik...in allen Ecken lauert die Inspiration und ich laufe einfach umher, in der Hoffnung von ihr überfallen und gebissen zu werden =)

8. Hast du schon Bücher beendet? Wenn ja, wie viele?
Bücher nicht, aber Kurzgeschichten. Eine kleine Geschichte, die ich in der Schulzeit schrieb, finde ich leider nicht mehr. Meine Gedichte habe ich säuberlich in einem Büchlein niedergeschrieben. Und aktuelle Geschichten sind alle angefangen und auf meinem Computer gespeichert...

9. Willst du versuchen etwas zu veröffentlichen / Hast du bereits etwas veröffentlicht? Wenn ja, wo, per Selfpublishing, Verlag, etc?
Irgendwann möchte ich gerne meine Geschichten beenden (das wär ja schon ein Anfang). Sie dann zu veröffentlichen und mich Autorin zu nennen, ist wohl der Traum von vielen Leseratten und somit auch meiner. Abgesehen von 2 Gedichten in der Dorfzeitung, wurde aber noch nichts von mir publiziert. 

10. Noch Tipps?
Man sollte nicht aus den falschen Gründen ein Buch veröffentlichen. Es gibt leider einige, die gerne Autor wären, aber nicht gerne dafür schreiben. Die echten Autoren sind jedoch diejenige, die schreiben, weil sie das Schreiben lieben. Also fragt euch bitte: Für wen schreibt ihr? Möchtet ihr Schriftsteller sein oder möchtet ihr schreiben?


Wer von euch schreibt denn auch? Ich tagge somit jeden, der mitmachen möchte. Ich bin gespannt über eure Schreibprojekte zu lesen.

Liebe Grüsse,
eure Lese-Echse Mona

2. November 2014

DIY - Literarische Tischlichter

Liebe Leser und Leserinnen,

Heute möchte ich euch einmal ein Do-it-yourself zeigen, das ganz schnell geht.

Diese kleinen Tischlampen sind einfach und schnell gebastelt und eignen sich besonders als literarischer Hingucker, wenn ihr zum Beispiel zum Abendessen  eingeladen habt und den Tisch dekorieren, aber auch sanft beleuchten möchtet. Die Lichter machen sich jedoch auch super auf Kommoden, Beistelltischen und Fenstersimsen und können sehr individuell gestaltet werden.

Dann möchte ich euch die Bastelanleitung nicht weiter vorenthalten... Achtung, fertig, los!


Was ihr dafür benötigt:
- mit Text bedruckte Seiten (z.B. Kopien von Buchseiten)
- Schere
- Bleistift
- Klebestreifen und/oder Klebestift
- Weingläser (oder Trinkgläser mit ähnlicher Form)
- Teelichter

Schritt 1
Wählt einen oder mehrere Texte aus, die ihr später auf dem Lampenschirmen lesen möchtet. Es spielt dabei keine Rolle, ob Gedicht, Roman oder Klappentext, bedenkt bloss, dass sich der Text durch die Form des Lampenschirmes leicht verschieben wird und an den Ecken Satzenden verlieren könnte. Die Texte könnt ihr einfach ausdrucken oder wie ich es gemacht habe: aus Büchern kopieren. (Gleich die Buchseiten verwenden, würde zwar auch gehen, tut allerdings jedem Buchliebhaber in der Seele weh). Ich entschied mich für einen Ausschnitt aus "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" von Rachel Joyce.

Bei der Wahl der Gläser ist wichtig, dass ihr entweder Weingläser verwendet oder andere Gläser mit ähnlicher "Sanduhr-Form". Die Grösse spielt keine Rolle und bleibt eure Entscheidung, ob ihr lieber grazile hohe Gläser mögt oder die bauchigen, kleineren Gläser.


Schritt 2
Legt ein Blatt Papier um den Kopf des Glases und wählt die Form eures Lampenschirmes. Dafür könnt ihr auch ein weisses Blatt nehmen, weil dies später die Musterform für die Lampenschirme gibt und ihr euch somit noch Fehler erlauben könnt ohne eine Textseite zu zerschneiden. Wenn ihr euren gewünschten Lampenschirm gefunden habt, fixiert das Papier, wo es zusammentrifft (mit Büroklammer oder kleinem Klebestreifen) und malt mit dem Bleistift die ungefähre Form aufs Papier. Beachtet dabei, dass ihr lieber noch zu wenig Papier wegschneidet als zuviel. Nachschneiden kann man immer, Papier wieder ankleben wird schwieriger...

Schneidet nun euren Bleistiftlinien nach, um eine Musterform für die Lampenschirme zu bekommen. Ihr könnt das Papier immer wieder ans Glas legen, um zu schauen, wie sehr ihr den Lampenschirm allenfalls kürzen wollt. Wichtig: Schneidet auch die obere Kante des Lampenschirms etwas zurück, damit die Öffnung des Glases nicht bedeckt wird.


Schritt 3
Habt ihr eure Lampenschirm-Form ausgeschnitten, könnt ihr sie als Muster verwenden. Legt sie dafür auf die Textseiten und zeichnet sie mit eurem Bleistift nach. Je nach Grösse des Lampenschirmes passen 1-2 Formen auf ein A4-Blatt.

Danach schneidet ihr die Formen aus und habt somit den grössten Teil schon geschafft.


Schritt 4
Legt die Lampenschirme um die Gläser und fixiert die Papierenden mittels Kleber. Dazu könnt ihr entweder Klebeband verwenden, das schnell geht und direkt am Glas. Allerdings ist es auch sichtbar und deswegen weniger hübsch. Eine andere Variante ist, das Papier ans Glas zu halten und wiederum mit dem Bleistift zu markieren, wo man es später übereinander legt. Dann nimmt man es vom Glas weg und klebt die Papierenden mit Klebestift übereinander.

Zur Verzierung eurer Lampenschirme könnt ihr zusätzliche Motive ausschneiden (Schriftzüge, Blumen, Tiere, etc.), die ihr beispielsweise vom Buchcover kopiert. Ihr könnt aber auch Sticker verwenden oder selber mit Buntstiften etwas aufmalen. Ganz nach eurem Geschmack! Ich habe mich für schwarz-weisse Kopien der Texte entschieden, weil ich dass schön klassisch (und klassisch schön) finde. Auch bei den Motiven verwendete ich keine Farbe und kopierte die Schuhe von Harold Fry, seinen Namen und den Raben vom Buchcover. Die Verzierungen eignen sich besonders, um die unschöne Schnittstelle zu überdecken. Ausserdem sind sie der kleine Hingucker auf dem Lampenschirm.



Schritt 5
Zündet eine kleine Kerze (Teelicht) an und legt sie in ein Glas. Danach stülpt ihr nur noch den Lampenschirm darüber und fertig ist die kleine Tischlampe.






Die fertigen Lampenschirme



PS: Auch Landkarten machen sich super als Lampenschirme (Glas hinten, Mitte)



1. November 2014

Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind




Autor: Daniel Glattauer

Titel: Gut gegen Nordwind


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47801-9
Erschienen: 2012
Seiten: 223






"Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf."

Emmi möchte ihr Abo bei "Like" kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre E-Mails bei Leo Leike. Es beginnt ein aussergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher - bis sie sich der Frage stellen müssen: Werden die gesendeten und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und wenn ja - was dann?



Eine tolle Idee, eine leichte Lektüre, aber irgendwie verläuft es sich gegen Ende immer mehr im Sand...

Emmi und Leo sind beide sympathische Figuren, die man schnell ins Herzen schliesst. Auch finde ich es erstaunlich, wie wenig Schauplätze und Personen es braucht, um eine tolle Geschichte zu erzählen. Nichts, das ablenkt, es geht eben nur um Emmi und Leo. Um ihre unerwartete Begegnung, die spontane Weiterführung, ein langsamen Kennenlernen, bis eben zu dem Punkt, ob man sich trifft oder nicht. Dies alles gibt dem Roman besonders zu Anfang die Prise Pfeffer. Gegen Ende verliert das Ganze jedoch leider seinen Reiz, das Prickelnde des Unbekannten verfliegt und man möchte wissen, wie es weiter geht, aber irgendwie verläuft es harmlos. 

Das Ende enttäuscht, weil es höchst abrupt ist. Ob als Cliffhanger gedacht oder nicht, mir gefiel es einfach nicht. Da ich schon "alle sieben Wellen" daheim habe und somit weiss, dass es weitergeht, bin ich insofern beruhigt. Dennoch scheint das Ende eher so, als hätte der Autor kein Papier mehr gehabt, die Anzahl Seiten war definiert und erreicht, wehe ihm weiterzuschreiben. Sehr schade.

Wunderbar fand ich hingegen den Schreibstil. Selten habe ich solch spritzige, zugleich nachdenkliche, dann wieder freche, aber auch intelligente Dialoge per E-Mail gelesen und beneide deshalb Emmi und Leo ein wenig. In meinem Posteingang befinden sich hauptsächlich Newsletter und dergleichen. Dank dem Mail-Format liest es sich schnell weg und die Lektüre ist wunderbar leicht, um beispielsweise unterwegs zu lesen. 

Schlussendlich kann ich den Hype um das Buch nicht ganz verstehen, aber als schlecht bezeichnen möchte ich es auch nicht. Ich habe mich sehr gut damit unterhalten, auch wenn es gegen Ende leider abnahm (und das Ende nicht wirklich ein Ende war). Trotzdem besticht es durch die Idee, die nicht schon tausendfach im Buchhandel erhältlich ist.




3,5+ von 5 Lese-Echsen



Daniel Glattauer wurde 1960 in Wien geboren und ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig. Bekannt wurde Glattauer vor allem durch seine Kolumnen, die im so genannten "Einserkastl" auf dem Titelblatt des Standard erscheinen. Der Durchbruch zum Bestsellerautor gelang ihm mit dem Roman "Gut gegen Nordwind", der für den Deutschen Buchpreis nominiert, in zahlreiche Sprachen übersetzt und auc hals Hörspiel, Theaterstück und Hörbuch adaptiert wurde.

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