1. April 2015

Der Märchenerzähler - Antonia Michaelis




Autorin: Antonia Michaelis

Titel: Der Märchenerzähler

Verlag: Friedrich Oetinger
ISBN: 978-3-7891-4289-5
Erschienen: 2011
Seiten: 447



Abel Tannatek der Aussenseiter, der Schulschwänzer, der Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn da gibt es noch einen anderen Abel. Den sanften und traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna nicht mehr loslässt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. 

Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit?
Was, wenn Annas Befürchtungen wahr werden? 
Was, wenn der, den sie liebt, zugleich ihr schlimmster Feind ist?



Ich habe so viele von diesem Buch schwärmen gehört, das Buch wurde regelrecht gehypt eine kurze Zeit. Den Hype finde ich zwar übertrieben, aber empfehlenswert ist es absolut. Denn dieses Märchen für eine erwachsene und erwachsen-werdende Leserschaft lässt jeden aufhorchen.

Die Autorin bzw. Abel Tannatek erschafft mit einem Märchen einen Rückzugsort der besonderen Art, eine Parallelwelt, die man erst entschlüsseln muss und eine wundervolle und zugleich traurige Bühne für diesen Roman. Die unglaubliche Fantasie und Liebe zum Detail haben mich besonders bei diesem Roman begeistert. Ein Blick für das Wesentliche, aber auch für kleine Alltagsfreuden, für kleine Zufälle, für menschliche Beziehungen, für Schicksalschläge und für Hoffnungsschimmer...all dies kann man in diesem Märchen finden, das keines ist.

Ohne spoilern zu wollen, muss ich zumindest alle Fans eines rosaroten Happy Ends nach Disney-Manier enttäuschen, denn das Ende ist nicht 100% nur glücklich. Nach der Lektüre der Geschichte versteht man jedoch, dass dies auch überhaupt nicht gepasst hätte. Es würde mit einem Schlag das ganze Werk an Authentizität verlieren lassen. Aber irgendwie kommt doch alles gut, wie genau das gemeint ist, müsst ihr jedoch selber lesen. Ich fand es jedoch erfrischend, wieder einmal ein Buch ohne kitschiges Happy End zu lesen. 

Der Schreibstil ist abwechslungsreich und unkompliziert. Manchmal mutet er poetisch an, manchmal ist er eher simpel, um den Lesefluss bei spannenden Stellen wohl nicht zu unterbrechen. Ein Merkmal sind auch Ausschnitte von Liedtexten, die zwar sehr gut in die Geschichte passen. Doch ich empfinde Lieder in Romanen immer ein wenig als aufgezwängte Empfehlung des Autores. Zugegeben, hier haben die Texte den Szenen eine tolle Atmosphäre verliehen. Kritikpunkt finde ich jedoch, dass die Texte in Englisch sind, ohne Übersetzung und somit vielleicht nicht für jeden Leser (jedes Wort) zugänglich, womit auch die Wirkung davon verpufft.

Die Hauptfiguren sowie die Märchenfiguren waren wundervoll ausgearbeitet. Man fühlte mit, man begleitete sie im Hier und Jetzt wie auch im Märchen. Einige Nebenfiguren blieben meiner Meinung etwas zweidimensional, was aber wahrscheinlich auch zu viel gewesen wäre und somit so in Ordnung. 

Die Thematik und allgemein die Geschichte war ganz anders als ich es erwartet habe. Es hat mich also überrascht - negativ und positiv. Negativ, weil ich mich viel trauriger, wütender und aufgebrachter fühlte und mit schweren Thematiken konfrontiert wurde. Positiv aber auch aus dem gleichen Grund, auch wenn ich nicht darauf vorbereitet war. Das Buch thematisiert nicht nur eine jugendliche Liebe, sondern Ernsteres und der Roman weckte unterschiedlichste Emotionen bei mir. Schlussendlich aber auch grosse Begeisterung.




4,5 von 5 Lese-Echsen





Antonia Michaelis, Jahrgang 1979, in Norddeutschland geboren, in Süddeutschland aufgewachsen, zog es nach dem Abitur in die weite Welt. Sie arbeitete unter anderem in Südindien, Nepal und Peru. Sie studierte Medizin und begann parallel dazu, Geschichten für Kinder und Jugendliche zu schreiben. Seit einigen Jahren lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe der Insel Usedom. 
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