10. Mai 2015

Daniel Glattauer - Alle sieben Wellen




Autor: Daniel Glattauer
Titel: Alle sieben Wellen


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47244-4
Erschienen: 2009
Seiten: 222




1.) Sie kennen Emmi Rothner und Leo Leike? Dann haben Sie also "Gut gegen Nordwind" gelesen, jene ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der sich zwei Menschen, die einander nie gesehen haben, per E-Mail rettungslos verlieben.

2.) Für Sie ist die Geschichte von Emmi und Leo abgeschlossen. Mag sein. Aber nicht für Emmi und Leo!

3.) Sie sind der Ansicht, dass die Liebenden zumindest eine einzige wirkliche Begegnung und der Roman eine zweite Chance auf ein anderes Ende verdient hätten? Bitte, hier haben Sie's!

4.) Sie haben keine Ahnung, wovon hier die Rede ist? Sie steigen ohne Nordwind-Kenntnisse in "alle sieben Wellen" ein? Kein Problem. Sie erfahren alles...



1.) Ja, ich kenne Emmi und Leo und fand ihren E-Mail-Austausch höchst unterhaltsam. 2.) Die Geschichte hätte zwar so enden können, aber ich konnte dennoch nicht genug davon bekommen. 3.) Darauf ist es doch hinausgelaufen! Es musste ja so kommen...doch die Auswirkungen waren zugleich absehbar und unvorhersehbar. 4.) Banause! In diesem Roman erfährt man zwar alles, aber es lohnt sich eindeutig, auch "Gut gegen Nordwind" - und vor allem zuerst - zu lesen.


Daniel Glattauer spielt wieder mit Witz und Charme, beleidigter Leberwurst, stiller Post, Aufgewühltheit, Verliebtsein, Warterei und Gehässigkeit....einfach solch einer tollen Palette an Emotionen und Nicht-emotionen. Ein Meer von Gefühlen und wie man damit umgeht, sie interpretiert, welchen Gefühlen man eine Chance gibt, welche man verpasst, und eigentlich warten wir doch alle nur auf die siebte Welle. 

Ein einzigartiger Schreibstil, so dass ich mir fast wünsche, mit dem Autor eine E-Mail-Freundschaft zu haben. Nicht aus persönlichem Interesse an der Person, aber einfach um weiterhin solch tolle Diskurse lesen zu dürfen. Die Wortwahl: fein säuberlich, exquisit, galant, unnachahmlich. Die E-Mails: mal kurz, mal lang, aber immer unterhaltsam. Die Diskurse: facettenreich.

Emmi und Leo sind mir weiterhin sehr sympathisch. Allerdings schaue ich ihnen lieber zu, als mich in sie hinein zu fühlen. Das auf und ab ihrer Gespräche, ihrer verwirrten Gefühlslage...das ist ihr Ding. Das kennt jeder. Da müssen wir nicht auch noch die Achterbahn fremder Leute mitreiten. Doch es war selten so unterhaltsam wie bei Emmi und Leo. Man wünscht sich fast, dass es nie ein Ende nimmt, dass sie niemals zusammenkommen, sich aber auch nie verlieren. Dieser virtuelle Briefaustausch ist zu gut und sollte unendlich sein (auch wenn das höchst anstrengend für die Schreibenden sein dürfte). Das Ende...ja das Ende...war...ach ich verrate nichts. Aber man sollte sich die beiden Romane von Anfang bis Schluss durchlesen und sich an jedem Wort ergötzen, den Verlauf mit einem schrägen Grinsen beiwohnen und die Bücher geniessen. Denn diese Schreibqualität findet man leider nicht sehr alltäglich und somit ist es ein kleines Schmuckstück im Regal. 

Zwei unscheinbare Romane mit unscheinbaren Covern, mit kryptischen Klappentext, aber höchst witziger Ausgangslage. Stille Wasser gründen tief. Doch hinter DIESEN schlichten blauen Covern versteckt sich ein sehr tiefes Gewässer voller Überraschungen, die man entdecken sollte!




4,5 von 5 Lese-Echsen




Daniel Glattauer wurde 1960 in Wien geboren und ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig. Bekannt wurde Glattauer vor allem durch seine Kolumnen, die ihm so genannten "Einserkastl" auf dem Titelblatt des Standard erscheinen. Der Durchbruch zum Bestsellerautor gelang ihm mit dem Roman "Gut gegen Nordwind", der für den Deutschen Buchpreis nominiert, in zahlreiche Sprachen übersetzt und auch als Hörspiel, Theaterstück und Hörbuch adaptiert wurde.
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