21. August 2015

M. L. Stedman / Das Licht zwischen den Meeren




Autorin: M. L. Stedman
TItel: Das Licht zwischen den Meeren


Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-442-38400-6
Erschienen: 2014
Seiten: 444




Ob richtig oder falsch - manchmal muss man seinem Herzen folgen...

Australien, 1920. Als Tom Isabel Graysmark zum ersten Mal sieht, ahnt er noch nicht, dass sie sein Schicksal verändern wird. Doch er weiss, dass er für diese Frau alles tun würde.

Sechs Jahre später - die beiden sind nun glücklich verheiratet und leben auf der einsamen Insel Janus Rock - strandet an der Küste ein Ruderboot. An Bord: Die Leiche eines Mannes - und ein zappelndes Baby. Sofort schliesst Isabel das kleine Mädchen in ihr Herz, und gegen Toms anfängliche Bedenken nehmen sie das Kind als ihr eigenes an. Doch als sie aufs Festlad zurückkehren, müssen sie erkennen, dass ihre Entscheidung das Leben eines anderen Menschen zerstört hat...



Ein sehr gefühlvoller Roman mit mehreren grossen Fragen bezüglich Moral, Liebe, Verantwortung und die Konsequenzen unser täglicher Entscheidungen. Eine Geschichte mit zwei Seiten wie der Umschlag: Sterne am Himmel und ein Licht im Dunkeln oder nur die Umrisse einer Zeichnung, ein Bild der Vergangenheit, das langsam verblasst..oder eben nicht.

Tom und Isabel leben alleine auf einer Insel, monatelang abgeschnitten von der Welt voller Leute, Geschäften und Chaos. Zurückgezogen bauen sie sich ihr Leben auf, sind die Hüter und Pfleger des Leuchtturmes für auf See in Not geratene Personen, bis das Meer ihnen ein Boot anschwemmt, dass sie selbst in Not geraten lässt. Woher kommt der Mann und das Baby? Wieso ist er tot und wie hat das Kind überlebt? Wo ist die Mutter? Was müssen Isabel und Tom tun und was können sie tun? Nicht immer sind Entscheidungen darüber, was wir tun, sondern auch Taten, die wir uns entscheiden, eben gerade nicht zu tun, wegweisend für die Zukunft und nicht nur für die eigene.

Trotz schlechtem Gewissen und Ungewissheit gegenüber ihrer Zukunft, behalten sie das Baby und ziehen es als ihr eigenes auf, schenken ihm ein Leben und viel Liebe. Erst scheinbar zu spät erfahren sie, dass während dieser glücklichen Jahre ihrer kleinen neuen Familie, die totgeglaubte Mutter Qualen unvorstellbarer Art gelitten hat. Wieder werden sie vor eine Entscheidung gestellt: Tun sie das Richtige? Geben sie das Kind an dessen Mutter zurück oder spielen sie weiter ihr Täuschungsspiel? Mit diesem Buch hat es die Autorin geschafft, dem Leser aufzuzeigen, dass es als Aussenstehende/r immer einfach ist, darüber zu entscheiden, was richtig und was falsch ist. Doch was ist richtig? Was ist falsch? Die gleiche Sache kann für jemanden richtig, aber für eine andere Person falsch sein. Informationsmangel, unterschiedliche Blickwinkel, verzwickte Situationen, Moral, Regeln und eigene Wünsche bilden ein Potpourri der Gefühle und Gedanken, mit denen es schwierig ist, richtig und falsch zu unterscheiden. So straucheln auch Tom und Isabel damit, was richtig und falsch für wen in dieser Situation ist?

Der Schreibstil fesselt von der ersten Seite und ist wunderbar beschreibend, sodass unschwer die Südwestküste Australiens, Janus Rock und der Leuchtturm im Kopfkino Farbe annehmen. Man taucht wortwörtlich in die Wellen dieser stürmischen See, hält Ausschau nach dem Licht des Leuchtturmes und kämpft gegen die anrollende Übelkeit der Wellen, die diese Geschichte schlagen. Obwohl es in der Mitte und gegen Ende meiner Meinung auch etwas länger gezogen wirkte, liest sich der Roman sauber durch - ein wahrer Pageturner. Die Wendungen sind mal mehr mal weniger vorraussehbar. Manchmal hat man das Gefühl als sähe man Licht am Ende des Tunnels, doch dann kommt wieder eine Kurve, die scheinbar den Weg wieder ändert, nur um im Moment einer Ahnung wieder die Richtung zu wechseln. 

Das Ende hätte ich mir anders ausgemalt, bin aber auch sehr mit diesem Ende zufrieden. Schlussendlich ist das Ende einer solchen Geschichte sehr individuell und so wird es sicherlich Leser geben, denen es überhaupt nicht gefällt und andere, denen es sehr zuspricht. Persönlich, finde ich wichtig zu verstehen, dass jedes Ende für den ein oder anderen (Leser oder Tom/Isabel, das Kind oder dessen wahre Mutter sowie alle anderen Beteiligten) richtig oder falsch, schön oder traurig, glücklich oder schmerzhaft ausfallen muss und man es nicht allen Recht machen kann bzw. ein Happy End schenken kann.

Unter dem Strich ein höchst empfehlenswerter Roman für Liebhaber von Familiengeschichten, Australien Anfang 20. Jahrhundert, Leuchttürme und das Meer. Eine etwas düstere, traurige, nachdenkliche und schwierige Geschichte, die aber durchaus auch viele wundervolle, glückliche und lustige Seiten bietet. Zum Schluss hatte ich eine Träne im Auge, aber auch ein Lächeln auf den Lippen. Es steht fest, dass mich die Geschichte noch beschäftigen wird, aber genau das sollte doch ein gutes Buch!




4,5 von 5 Lese-Echsen





Image result for m.l. stedmanM. L. Stedman ist im Westen Australiens geboren und aufgewachsen. Zur Zeit lebt sie in London. Das Licht zwischen den Meeren ist ihr Debütroman, der international für Furore sorgte und in 35 Sprachen übersetzt wurde. 







1 Kommentar:

Martina hat gesagt…

Ich fand das Buch sehr gut und es hat mich auch länger beschäftigt. Obwohl es schon länger her ist, erinnere ich mich noch sehr gut an den Inhalt. Ich empfehle es immer gerne weiter!
LIebe Grüße
Martina