30. April 2015

David Safier - 28 Tage lang

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Autor: David Safier
Titel: 28 Tage lang


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-463-40640-4
Erschienen: 2014
Seiten: 414



Was für ein Mensch willst du sein?
Die sechzehnjährige Mira schmuggelt Lebensmittel, um im Warschauer Ghetto zu überleben. Als sie erfährt, dass die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden soll, schliesst sich Mira dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. Ganze 28 Tage.

28 Tage, in denen Mira Momente von Verrat, Leid und Glück erlebt.

28 Tage, in denen sie sich entscheiden muss, wem ihr Herz gehört.

28 Tage, um ein ganzes Leben zu leben.

28 Tage, um eine Legende zu werden.




Eine sehr bewegende Geschichte, die leider nicht reine Fiktion ist. Zerstörung, Wut, Hass, Trauer, aber auch Glück, Freude und Liebe...der Leser wird durch eine Achterbahn der Gefühle gejagt, bei ich froh bin, habe ich es "nur" im Buch miterlebt, aber nicht in der Realität.

Mira ist eine fiktive Person, wodurch uns der Autor einen Einblick in das Warschauer Ghetto gibt, um es aus der Sicht der Juden zu erzählen, einen lebendigen Protagonisten zu haben und nicht nur trocken die Fakten herunter zu zählen. Geschichte muss leben und diesem Sog kann sich kein Leser dieses Buches entziehen.

Obwohl Mira und ihre Familie sowie Freunde, Widerstandskämpfer und andere Figuren fiktiv sind, orientiert sich das Buch doch sehr an Fakten, an belegten Zeugenberichten von Überlebenden und Dokumentationen. So durchleiden Mira und die anderen dieses traurige Kapitel der Menschheit wie es echte Personen damals leider mussten. Begebenheiten wie Überfälle, einzelne Figuren, Kämpfe, Regelungen der Deutschen, etc. sind belegt und wurden vom Autor nicht verfälscht, wenn auch manchmal nur teilweise erzählt, um den Lesefluss des Romanes zu gewähren. Mira steht stellvertretend für alle traurigen Seelen, die ihr Leben im Ghetto, in den Konzentrationslagern oder auf dem Weg dorthin verloren haben.

Der Roman ist packend, mitreissend, spannend, brutal und aufrütteln. Was für ein Mensch möchte man sein? Jemand, der aufgibt? Jemand, der kämpft? Jemand, der sich möglichst lange versteckt? Jemand, der andere Menschen fürs eigene Überleben tötet oder verrät? Jemand, der an der Seite von geliebten Personen sterben möchte, obwohl man noch eine winzige Chance hätte? Kann man andere zurücklassen oder mittragen? Wie weit geht man für das eigene Überleben? Wie wahnsinnig wird man in einer solchen Situation? Was bleibt einem im Leben noch wichtig? Was ist das Wichtigste überhaupt? So viele Fragen, die dieser Roman aufwirft und nur teilweise beantwortet. Zu grosse Fragen für ein Leben oder Fragen, die man hoffentlich nie beantworten muss, meiner Meinung nach. Und dennoch wird man im Warschauer Ghetto dazu gezwungen - der Leser zum Glück nur noch rhetorisch. Kein Leben hängt von unseren Antworten ab, aber dennoch...
Auch der Autor gibt in einem Epilog Antwort auf einige Fragen über den Roman und die Fakten betreffend dem Widerstand, der tatsächlich 28 Tage lang im Warschauer Ghetto überlebte. In einem Gespräch mit Michael Töteberg erklärt Safier, wie er zu diesem Romanthema fand, wie er es umsetzen wollte, wie er mit den Fakten umging und was er mit der Geschichte von Mira erzählen wollte. 

David Safier war für mich immer der Lustige, der mit den orangen Covern, der mit dem miesen Karma und den sprechenden Kühen, den komischen Verwandlungen, dem unverwechselbaren Humor...Dieser Roman ist ganz anders als alles, was ich von ihm kenne und erstaunlicherweise muss ich sagen, dass es wohl mein Lieblingsbuch von ihm ist (auch wenn ich "Mieses Karma" noch immer auch liebe), aber "28 Tage lang" ist einfach zu kraftvoll. Die Grosseltern von David Safier überlebten den Holocaust nicht; einer der Gründe, warum er schon länger darüber schreiben wollte und es nun tat. Wie der Autor selbst auf dem Klappenumschlag schreibt:
"Dieses Buch soll eine Brücke zwischen Generationen schlagen. Ich möchte mit ihm auch Menschen erreichen, die normalerweise nicht so ohne weiteres zu einem Roman über den Holocaust greifen würden. Deswegen habe ich 28 Tage lang mit den Mitteln des Spannungsromans geschrieben."

Mit dieser Geschichte schrieb Safier keine leichte Lektüre, nichts Witziges, aber etwas Wertvolles und Aussagekräftiges. 
Absolut empfehlenswert.



5 von 5 Lese-Echsen





David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der letzten Jahre. Seine ersten beiden Romane "Mieses Karma" und "Jesus liebt mich" erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller. Ausserdem arbeitet David Safier als Drehbuchautor. Für seine TV-Serie, "Berlin, Berlin" gewann er den Grimme-Preis sowie den International Emmy (den amerikanischen Fernseh-Oscar). David Safier lebt in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.

Mehr auf: David Safier



24. April 2015

A. Lee Martinez - Der Mond ist nicht genug




Autor: A. Lee Martinez
Titel: Der Mond ist nicht genug


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-26882-0
Erschienen: 2013
Seiten: 398





Einmal das Universum bitte - geschüttelt, nicht gerührt!

Diana hat endlich eine neue Wohnung gefunden: Top Lage, super Preis, diverse Extras. Zum Beispiel eine Jukebox mit all ihren Lieblingssongs. Und ein Monster im Schrank. Von dem hatte Diana allerdings keine Ahnung. Jetzt hat sie nicht nur den haarigen und vor allem hungrigen Vorm am Hals - nein, plötzlich obliegt es auch noch ihr, die Erde zu retten! Denn Vorm ist nicht das einzige Monster auf der Welt, und schon gar nicht das mit dem grössten Appetit...




Sieht so aus als hätte hier ein Autor eine Überdosis Fantasie mit einer Prise Wahnsinn erhalten, gut geschüttelt mit Humor und mit tollem Schreibtalent garniert. Denn Vorm ist nicht das einzige Monster, das ich auf unerwartete Weise lieben gelernt habe und der Mond ist definitiv nicht genug.

Zuerst fand ich einfach das Cover und den Titel witzig. Auch nach dem Klappentext dachte ich: Könnte einmal etwas anderes sein. Nach der Lektüre denke ich: Es ist definitiv und sowas von sicher etwas anderes! Ganz anders als erwartet, sehr unterhaltsam und ich kann es kaum in ein Genre einordnen. Wahrscheinlich eine fantastische Komödie mit schwarzem Humor und einer Ladung skurriler Figuren.

Der Schreibstil sagte mir sehr zu. Trotz sehr wirrer Beschreibungen einer bekannten und doch ganz anderen Welt, führen vor allem auch viele Gespräche mit Diana durch das Buch. Sie stellt zum Beispiel viele Fragen an West, den Hausvermieter und Hüter anderer unerklärlicher Aufgaben. Auseinandersetzungen mit Vorm, weil er seinen schrecklichen Hunger nicht nur auf Esswaren beschränkt, nein auch mal gerne Möbel, den Nachbarn, die Welt, Diana...ja eigentlich immer alles. Die neuen Freunde, die sie gewinnen: Zap, Pogo, Smorgaz, Chuck, das Stacey- und das Peter-Wesen, Sharon und Calvin und viele mehr, die mehr oder weniger Sinn in diesem ganzen Tumult machen. 

Ehrlich gesagt, geht die "Jagd nach dem Mond" fast etwas unter und so fand ich die Schlussszene etwas verwirrend. Nachdem die Geschichte jedoch mit solch vielen unerklärlichen und nicht voraussehbaren Dingen vollgestopft wurde, war der Schluss auch nicht mehr verwunderlich. Die Alltags-Abenteuer der bunten Truppe um Diana ist einfach urkomisch und irgendwie nicht so ganz von dieser Welt...und doch irgendwie schon. 

Der Roman ist im Ganzen so anders als fast alles, was ich bisher gelesen habe, dass ich es kaum beschreiben kann, ohne zu viel davon zu verraten. Ich kann es bloss empfehlen: Taucht in diese Verrücktheiten ein, es lohnt sich. Der Autor leistet mit immer neuen Idee ein Laufband an Situationskomik, Überraschung und unaufhörlicher Unterhaltung, die man nicht bezeichnen, sondern einfach nur geniessen sollte. 

Ein ganz ulkiges Buch, bei dem man ganz schräge, gestörte, aber liebe Monster und ihre Galaxien kennen lernen darf.





4,5 von 5 Lese-Echsen





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A. Lee Martinez wurde mit seinen phantastischen Romanen zum neuen Star der humorvollen Fantasy. Er lebt in Dallas, Texas, wo er schreibt, jongliert, Videospiele spielt und Zeitreisen unternimmt. Vielleicht ist er ein Geheimzauberer (das wäre allerdings gehei), und es könnte sein, dass er Gartenarbeit mag. Sicher ist jedoch, dass er Lebensläufe nicht ausstehen kann. Und eigentlich hat er auch keinen Spass an Gartenarbeit. Alles andere an dieser Biografie ist aber absolut korrekt. 

Mehr auf: A. Lee Martinez

19. April 2015

Martha Sophie Marcus - Rabenherz & Elternseele




Autorin: Martha Sophie Marcus
Titel: Rabenherz & Elternseele


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-8339-0181-2
Erschienen: 2013
Seiten: 302



Auf Vogelschwingen ins Abenteuer

Die Sommerferien haben angefangen, doch die 12-jährige Pia ist verzweifelt, denn seit Wochen ist ihre geliebte Grossmutter verschwunden. Als sie noch einmal in Omas Haus auf Spurensuche geht, trifft sie dort auf ein seltsames Mädchen: Jorinde, die angeblich zu den Vogelmenschen gehört. Bald werden Pia und ihre neuen Freunde in einen Kampf gegen ihre schlimmsten Feinde verwickelt. Und dann findet Pia etwas über sich heraus, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt...



Ein Vogelabenteuer für junge Leser: Pia wie auch ihre Oma und ihre Freunde haben wohl einen Vogel, oder besser gesagt: Sind manchmal sogar Vögel. Und um es gleich von Anfang an zu sagen: Mir waren es persönlich zu viele Vögel in diesem Buch. Natürlich ist das dank Klappentext und Cover klar, dass Vögel die Hauptrolle waren, aber ganz so fanatisch bin ich dann doch nicht über das Federvieh.

Ganz ehrlich hat mich das Cover einfach verzaubert. Das Mädchen mit dem wehenden Kleid, der skizzierte Hintergrund mit Burg, Bäumen und Vögeln, die Schrift und die Prägung, sodass man mit dem Finger über den Buchdeckel streicheln kann und die Strümpfe des Mädchens und die Titelschrift spürt. Auch im Buch drin ist die Gestaltung weiterhin mit Vögeln fortgesetzt und ganz zauberhaft verschönert. Nur schon deswegen lohnt sich hier der Kauf des Hardcovers.

Zur Geschichte muss ich leider sagen, dass es mich dann doch nicht so entzücken konnte wie seine äussere Schale. Es ist tatsächlich ein tolles Abenteuer, das zwar in unserer Welt spielt, aber etwas "Magie" und Andersartigkeit zeigt, nämlich die Vogelmenschen. Die Grundidee hat mir gefallen und ich wurde neugierig auf das Geheimnis, in welches auch Pia eingeweiht wird. 

Man kommt auch sehr schnell in die Geschichte, die Handlung nimmt recht schnell Fahrt auf, doch wird die Geschichte etwas abrupt in zwei Teile eingeteilt. Es sind sozusagen 2 Abenteuer darin versteckt, wobei das 2. ohne das 1. nicht verständlich wäre. Der erste Teil hat mir dabei wesentlich besser gefallen als der zweite Teil, obwohl auch nochmals Freunde hinzukommen. Die Hintergrundgeschichte der sogenannten Vogelmenschen fand ich auch hübsch und kann mir sogar vorstellen, wo oder wie sich die Autorin sich dazu inspirierte. Die Handlung selbst fand ich teilweise jedoch absehbar, wie auch schon auf dem Klappentext das "Und dann findet Pia etwas über sich heraus, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt..." Da schreit es regelrecht in meinem Kopf: Vogelmensch!!! (sorry, sollte kein Spoiler sein, aber es ist echt offensichtlich, oder nicht?)

Der Schreibstil gefiel mir grundsätzlichsehr gut . Aber wie schon bei der Handlung muss ich sagen, dass es sich eindeutig um ein Jugendbuch handelt. Denn mir waren einige Reaktionen, die Wortwahl oder Geschehnisse einfach zu kindisch oder irgendwie komisch. So hat Pia typische Eltern, die besorgt um sie sind, obwohl sie nicht wissen, was Pia gemacht hat, aber dann nicht einmal danach fragen. Sie wundern sich über Kleinigkeiten, sind dann aber unauthentischerweise völlig gelassen, als sie erfahren, dass sie sich in einen Vogel verwandeln könne? Auch tauchen Gegenstände plötzlich auf, woher wird nicht erklärt. Oder kleine Ungereimtheiten, die in einem Roman für junge Leser anscheinend weniger im Fokus stehen...ich als schon "nicht-mehr-Teenager" und geübte Leserin blieb mit einigen Stirnrunzeln sitzen. Dennoch war die Haupthandlung, das Abenteuer, in sich durchdacht und abgeschlossen.

Das Ende war für mich nicht ganz logisch und hat mir deshalb auch nicht sonderlich gefallen, aber das ist sicher auch Geschmackssache. Die Figuren waren allesamt nett und abgesehen einiger mir komisch erscheinenden Reaktionen sehr sympathisch und wohl altersgerecht. 

Eigentlich ist der Roman sehr hübsch, innerlich wie äusserlich, nur musste ich für mich entdecken, dass ich anscheinend nicht in die passende Leserschaft dafür gehöre. Junge Leser im Alter von Pia stürzen sich sicher gerne mit ihr und ihren Freunden in das Vogelabenteuer und denen wünsche ich viel Spass dabei!




3 von 5 Lese-Echsen






Martha Sophie Marcus wurde 1972 im Landkreis Schaumburg geboren und verbrachte dort ihre Kindheit zwischen zahllosen Haustieren und Büchern.
Bildergebnis für martha sophie marcusDie Autorin studierte in Hannover Germanistik, Pädagogik und Soziologie mit dem Schwerpunkt auf geschichtlichen Aspekten. Anschließend lebte sie zwei Jahre lang in Cambridge, UK, und genoss die malerische historische Kulisse.
Heute wohnt Martha mit ihrem Partner, zwei Kindern, Katz und Hund in Lüneburg und ist Vollzeit-Schriftstellerin.