23. September 2015

Waldtraut Lewin - Columbus




Autorin: Waldtraut Lewin
Titel: Columbus


Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-30320-7
Erschienen: 2006
Seiten: 282








Wer war Columbus wirklich?

Christoph Columbus? Der grosse Entdecker Amerikas! Doch jenseits seiner Reisen gibt es wenige gesicherte Erkenntnisse über den grossen Seefahrer, denn kaum einer war verschwiegener als er. Waldtraut Lewin hat dem Menschen Columbus nachgespürt und sein Leben - und seine grosse Liebe zu der Hofdame Beatrix de Bobadilla - in einer dokumentarisch-fiktiven Montagetechnik wie ein Puzzle zusammengesetzt.

Eine abenteuerliche Schnitzeljagd auf den Spuren einer noch weitgehend unentdeckten Persönlichkeit.





Dokumentarisch: Gut recherchiert, aber nichts Besonderes. 
Fiktiv: Leider nicht mein Geschmack.

Als Liebhaber von Kolumbus-Geschichten, ob dokumentarisch oder fiktiv, musste dieses Taschenbuch bei einem Mängelexemplartisch einfach mit. Gelesen habe ich es dann auch, regelrecht verschlungen, aber leider nicht deshalb, weil es mich so sehr fesselte. Die Seiten sind mit einer sehr angenehmen Schriftgrösse bedruckt und der Schreibstil liest sich äussert flüssig.

Über die Geschichte um Kolumbus konnte mir dieser Roman aber nicht mehr verraten, als was ich schon in der Schule oder anderer Lektüre kannte. Die Frage nach seiner wahren Herkunft, die Vorbereitungen seiner Expedition (Kolumbus bzw. seine Ideen wurden als grössenwahnsinnig und sogar ketzerisch betrachtet), sein langes Warten bis er die spanischen Könige überzeugen konnte ihm die Expedition zu erlauben und finanzieren, die Reise ins Ungewisse, die gefundenen Inseln, die Rückkehr, Meuterei, Intrigen....das alles war mir in dieser oder anderer Form schon bekannt. Trotzdem lese ich Historik gerne in Romanform, weil ich es interessant finde, sich in die Persönlichkeit hineinversetzen oder zumindest begleiten zu können und nicht nur trockene Fakten präsentiert zu bekommen. Was die Autorin jedoch hier fiktiv gestaltet, erinnert mich eher an Fanfiction. Eine Historikerin, die sich schon lange gerne der Persönlichkeit Kolumbus widmet und ihn inzwischen als alten Bekannten betrachtet. Eine Frau, die meiner Meinung gerne historische Liebesromane (sorry, mir persönlich zu kitschig, aber das ist Geschmackssache) liest. Und so gestaltet sie die Erzählung um Kolumbus angeblich grosse Liebe des Lebens, wobei seine Entdeckung Amerikas zwar nicht in den Hintergrund tritt, aber doch "nur den Rahmen", die Kulisse, zu bilden scheint. 

Allgemein stiess mir die Leserführung auf. Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich, aber mir persönlich gefiel die Gangart bei dieser Erzählung überhaupt nicht. Die Autorin scheint den Leser mit auf eine Schnitzeljagd zu nehmen, wie es auch auf dem Klappentext heisst. Anstatt es jedoch spannend zu machen und verschiedene Möglichkeiten zu entdecken, fühlte ich mich wie von einer Besserwisserin an der Hand genommen, die mir im Labyrinth zwar die einzelnen Wege zeigt, aber für mich bestimmt, welchen Weg wir gehen. Dieses explizite "diese Hypothese gibt es zwar, der schenke ich aber nicht viel Glauben, wir wählen also diese Fährte" Geplapper liess mich nicht in die eigentliche Geschichte abtauchen und schmälerte mein Lesevergnügen. 

Ein Dorn im Auge waren mir auch gewisse Diskurse - besonders zwischen Kolumbus und seiner liebsten Beatrix. Obwohl die Autorin immer wieder betont, dass wenig über seine Persönlichkeit und privates Leben bekannt ist, legt sie im Worte in den Mund, die zwar in einer fiktiven Geschichte durchaus legitim sind, die ich jedoch unnötig schmalzig, grossspurig oder mal aufgebauscht fand. 

Im Grossen und Ganzen liest sich die Erzählung gut und auch die zeitliche Übersicht am Schluss, die grössere Ereignisse mit Jahreszahlen chronologisch darstellt, ist positiv zu bewerten. Die Umsetzung des fiktiven Teils sowie die explizite (und ungefragte) Leserführung traf absolut nicht meinen Geschmack, weswegen ich leider etwas enttäuscht wurde.




2,5 von 5 Lese-Echsen




Waldtraut Lewin
Waldtraut Lewin, geboren 1937, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Berlin und arbeitete als Opernübersetzerin, Dramaturgin und Regisseurin zunächst am Landestheater Halle und dann am Volkstheater Rostock. Seit 1978 lebt sie als freischaffende Autorin von Romanen, Hörspielen und Drehbüchern, für die sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt. In den letzten Jahren hat sie sich aufs Schreiben für Jugendliche spezialisiert.

Mehr auf: Waldtraut Lewin

18. September 2015

Anna Herzig - Er & Sie - Anatomie einer Liebe




Autorin: Anna Herzig
Titel: Er & Sie - Anatomie einer Liebe


Verlag: Forever Ullstein
ISBN: 978-3-9581-8051-2
Erschienen: 2015
Seiten: 224






ER ist ein erfolgreicher, ungarischer Schriftsteller, gelangweilt vom Leben und der Liebe. SIE ist eine junge, rastlose Malerin auf der Suche nach Inspiration und einem Neuanfang. Etwas scheint sie zu verbinden, eine Anziehung, die sich nicht leugnen lässt. Die beiden gehen einander nicht mehr aus dem Kopf. Zwei Menschen, die Tür an Tür wohnen und auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Bis das Schicksal zuschlägt.





Ein etwas anderer Liebesroman, der sehr gefühlvoll ist, obwohl sich das Liebespaar sehr schwer damit tut, sich zu verlieben. Zwei toll gezeichnete Persönlichkeiten, eine unerwartete Wendung und eine Prise Erotik. Eine kurze Geschichte, schaut man auf die Seitenzahl, doch eine lange Geschichte, bedenkt man ihre Intensität.

Der Schreibstil der jungen Autorin ist äusserst poetisch. Dies kann den Lesefluss manchmal leicht hindern, weil es nicht unbedingt einer natürlichen Wortwahl gleicht. Es gibt aber auch viele Stellen, an denen diese Poesie einen wunderbaren Rhythmus erschafft, wie eine kleine Erzählmelodie, der man gerne bei einer Tasse Kaffee oder Tee zuhört. Ausserdem experimentierte die Autorin mit Textsorten und fügte der Geschichte zwei grössere Gedichte hinzu, die mir persönlich sehr gefielen.

Die Geschichte ist aus zweierlei Sicht geschrieben: von IHM und IHR, also Samuel und Helena. Der ungarische Schriftsteller und die talentierte Malerin sind Nachbarn. Doch das ist nicht die einzige Nähe, die die beiden verbindet. Ihre Erzählungen sind aufgeteilt in Tagebuchform, jeweils mit Datum und Zeit versehen. Diese mal längeren und kürzeren Abschnitte eignen sich hervorragend für die Lektüre unterwegs, da man nicht mittendrin aufhören muss, wenn man aus dem Bus oder Zug steigen muss. Gegen Ende kommt sogar noch eine weitere Geschichte hinzu!

Diese zweite Geschichte war für mich erst ein sehr harter Bruch und ich verstand nicht wirklich, weswegen die Autorin eine scheinbar zusammenhanglose Erzählung integrierte. Ausserdem kamen viele neue Namen hinzu, die man erst einmal mit den neu vorgestellten Persönlichkeiten verbinden muss. Im Verlauf der Geschichte tauchen allerdings Details auf, erst kaum bemerkt, dann immer offensichtlicher, bis die Autorin die beiden Geschichten explizit miteinander verwebt. Das war eine Überraschung und gab dem Ganzen einen komplett unerwarteten Hintergrund.

Leider haben sich im zweiten Buch der Autorin, wie es mir scheint, mehr Tippfehler und kleine „Wort-Verdreher“ eingeschlichen. Das ist meist nicht weiter schlimm, doch wenn sie sich häufen, finde ich es doch schade. Allgemein im Vergleich hat mir ihr erster Roman „Zeit für die Liebe“ besser gefallen, weil er mich irgendwie mehr mitreissen konnte.


Dennoch möchte ich mich ganz herzlich bei der Autorin bedanken, dass sie mir ihren Roman zur Verfügung stellte und meine Meinung erfahren möchte. Beide Liebesgeschichten haben mich sehr gut unterhalten und ihr Schreibstil finde ich sehr lyrisch und schön und hoffe, dass sie ihn behält, weil er sich von der grossen Masse abhebt.





4 von 5 Lese-Echsen







Anna Herzig wurde 1987 als Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin in Wien geboren. Ihre Begeisterung für Literatur zeigte sich sehr früh. Nach unzähligen gelesenen Büchern beschloss sie bereits im Alter von 14 Jahren, ein eigenes Buch zu schreiben. 2005 erschien ihr erster Roman, der Thriller "Der Tod kann warten". Die junge Österreicherin nahm daraufhin unter anderem an der Kriminacht in Wien teil. SEit 2007 widmet sie sich einem neuen Genre, der Liebesgeschichte. Im Sommer 2013 schloss sie "Zeit für die Liebe" ab. Die Autorin lebt in Wien und arbeitet im Recruiting-Bereich. 




15. September 2015

Rachel Joyce - Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry




Autorin: Rachel Joyce
Titel: Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry


Verlag: Fischer 
ISBN: 978-3-8105-2198-9
Erschienen: 2014
Seiten: 397







Wer ist die Frau, zu der Harold Fry 1000 Kilometer läuft?


Als Queenie Hennessy erfährt, dass ihr früherer Kollege Harold Fry auf ihren Abschiedsbrief hin durch ganz England zu ihr ins Hospiz läuft, reagiert sie schockiert: Er bittet sie, auf ihn zu warten. Aber wie soll sie denn warten? Sie ist schliesslich todkrank. Doch dann beginnt Queenie, einen weiteren Brief an Harold Fry zu schreiben. Während er auf seiner Wanderung ist, wird sie ihm ihre Geschichte erzählen. Und die Wahrheit, die er nicht kennt.




Eine berührende, tiefgehende und traurig-schöne Geschichte, um die andere Sicht dieser Pilgerreise und das Leben von Queenie Hennessy kennen zu lernen. Tatsächlich verband sie nicht nur eine kurzweilige Freundschaft und eine Zeit als Arbeitskollegen, sondern beide hingen ihr Leben lang den Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit nach. Beide fühlen sich dem anderen etwas schuldig, möchten endlich die Wahrheit erzählen, die sie so lange in sich tragen und die sie innerlich zu erdrücken scheint. Harold Fry ist losgelaufen... und Queenie Hennessy hat ein letztes Mal zum Stift gegriffen.

Der Schreibstil der Autorin ist wie ein Sog. Mit wenig Kitsch und sorgfältiger Wortwahl schafft sie es, unglaublich gefühlsgewaltige Situationen zu schaffen, egal ob Trauer, Freude, Wut oder Sehnsucht. Sie schreibt aus der Sicht von Queenie Hennessy, wie sie ihre Tage im Hospiz wahrnimmt und welche Gedanken sie beschäftigen. Unterbrochen wird die Geschichte im Heute von Erinnerungen aus Damals, die Geschichte von Harold und Queenie aus ihrer Sicht, Verknüpfungen, von denen Harold und auch wir Leser im ersten Buch noch wenig ahnten, Begegnungen, die sie wieder auferstehen lässt. Der nie abgeschickte Liebesbrief ist nicht nur ein Liebesbrief, sondern eine Lebensgeschichte, ein Gelübde und irgendwie erreicht ihn Harold doch.

Leider habe ich die Bücher in zu grossen Abständen gelesen. Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry begeisterte mich 2012 so sehr, dass ich das Geheimnis der Queenie Hennessy kaum erwarten konnte. Während der Lektüre musste ich jedoch feststellen, dass ich viele Kleinigkeiten nicht mehr präsent hatte, vergessen oder nur schemenhaft in Erinnerung. Ich fand es schade, weil ich so die Bedeutung von Schlüsselmomenten und essentiellen Vergangenheitsstücke zwar spürte, mir aber immer ein kleines Etwas zu fehlen schien. So las ich nach diesem Roman auch nochmals das Ende des ersten Buches, um den Schlussakt aus beiden Seiten betrachten zu können. Denn nur mit dem Blick von Harold, aber auch dem Blick von Queenie ist das Ende - in beiden Büchern - so bedeutungsvoll und schön, obwohl es traurig ist.

Ganz allgemein ist das zweite Buch stiller, trauriger und eindeutig von einer Person, die vor ihrem Tod sich an ein ganzes Leben erinnert und abschliessen möchte. Dieser triste Nebel zieht sich ganz fein durch den ganzen Roman und schafft somit eine Atmosphäre der Nachdenklichkeit. Trotzdem glitzern Hoffnung, Liebe und Freude wie verlorene Perlen auf, die gerade deswegen umso mehr glänzen. Wieder zeichnet die Autorin liebevolle Persönlichkeiten: Die Nonnen des Hospiz, die sich um Queenie sorgen, Mitbewohner und andere Patienten, die zu Queenies engsten Freunden werden, David, der Sohn von Harold und auch Maureen, seine Frau, kommen wieder vor...

Zwei Schätze im Bücherregal, die meiner Meinung so nahe wie möglich nacheinander gelesen werden sollten, um sich gegenseitig zu vervollständigen!




4,5 von 5 Lese-Echsen





Rachel Joyce hat über 20 Original-Hörspiele für die BBC verfasst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Daneben hat sie Stoffe fürs Fernsehen bearbeitet und auch selbst als Schauspielerin für Theater und Film gearbeitet. 
Dies ist ihr erster Roman, der in über 30 Sprachen auf der ganzen Welt gelesen wird.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Cloucestershire auf dem Land.

Mehr auf: Rachel Joyce - Harold Fry



Rezension zu Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

3. September 2015

TAG - Bücher machen unseren Sommer

Der Sommer ist fast vorbei, doch ich möchte ihn noch nicht gehen lassen. Der Herbst wartet schon, schaut schüchtern um die Ecke, doch einen TAG habe ich noch für den Spätsommer.


BÜCHER MACHEN UNSEREN SOMMER - TAG



Wie immer ist jeder eingeladen, der mitmachen möchte. Welche Bücher verbindet ihr mit Sommer?

Die Fragen

Image result for barfuss hilderbrand


1. Tschüss Frühling: Ein Buch, das dich in den Sommer schickt

-> Bücher mit bunten Covers wie z.B. Barfuss (E. Hilderbrand) und einer lockeren Geschichte.







Image result for eat pray love
2. Ein Tag im Schwimmbad: In welches Buch konntest du so richtig abtauchen?

-> Also ein Sommerschmöcker, da fällt mir sofort Eat Pray Love (E. Gilbert) ein.





Image result for für jede lösung ein problem

3. Besuch deiner Eisdiele: 2 Bücher in den Farben deiner 2 liebsten Eissorten:

Image result for zeit der gespenster--> Ich liebe Fruchteis, besonders Beeren wie Erdbeere, Himbeere, Heidelbeere, etc. Ein rosa oder violettes Buch ist selten in meinem Buchregal, aber ich wurde fündig: Für jede Lösung ein Problem (K. Gier).

--> Erfrischend finde ich aber auch Joghurt-Eis oder Stracciatella. Dazu ein Buch mit weissem Cover: Zeit der Gespenster (J. Picoult), eines meiner Lieblingsromane!




Image result for flüstern der stille
4. Das Sommergewitter: In welchem Buch erwartet einen Hochspannung?

-> Sehr gefallen und auf Trab gehalten hat mich das Flüstern der Stille (H. Gudenkauf).








Image result for sommer in dem es zu schneien begannImage result for landkarte der liebe5. Die Sommerferien: Welches Buch sollte niemals zu Ende gehen?

--> Ganz klar! Bücher von Lucy Clarke !











6. Urlaub auf Balkonien: 3 Bücher, die dich in den Kurzurlaub schicken
(wenn möglich in 3 verschiedene Länder)

--> Da ich reisen und Romane über ferne Länder sehr mag, ist das relativ einfach.
Kann denn Fado fade sein (C. Zacker)  = Portugal
Der Duft der Mondblume (D. Morrissey) = Hawai
Tanz der Maori (E. Temple) = Neuseeland

Image result for kann fado fade sein Image result for duft der mondblume 


Image result for eisfestung stroud

7. Nichtendende Hitzewelle: Buch, in dem es um Schnee, Eis oder Kälte geht, um dich gedanklich abzukühlen:

--> Ein toller Jugendroman ist die Eisfestung (J. Stroud)







Image result for life of pi
Image result for gute geister

8.  Die laue Partynacht: Welches Buch hatte ein Ende, das du gefeiert hast?

--> Zwei unglaubliche Geschichten mit tollen Ende: Gute Geister (K. Stockett) und Life of Pi (Y. Martel)






Image result for der grosse trip strayed

9. Planen im Reisebüro: Welches Buch wirst du diesen Sommer auf jeden Fall lesen?

--> Ich habe mir diesen Sommer der grosse Trip (C. Strayed) vorgenommen und das Buch wie auch den Film geliebt!






10. Tagge weitere Sommerliebhaber

--> Da der Sommer schon fast vorbei ist und ausserdem viele den TAG schon gemacht haben, lade ich einfach jeden ein, der gerne seine Sommerbücher zeigen möchte!


Liebe Grüsse
Eure Lese-Echse Mona