18. Dezember 2016

Markus Ridder - Das Messias-Projekt



Autor: Markus Ridder
Titel: Das Messias-Projekt



Verlag: Books on Demand
ISBN: 9-783-739-24507-2
Erschienen: 2016
Seiten: 326





Craig erwacht mit einem schrecklichen Kater. Der 40-Jährige ist vollkommen orientierungslos, weiß noch nicht mal, wo er ist. Doch langsam dämmert es ihm: Er ist in Zürich, und es sind nur noch wenige Minuten, bis ein wichtiger Vortrag beginnt. Ein Vortrag, den er selbst halten muss. In aller Windeseile zieht er sich an und hastet zum Veranstaltungsort. Dort angekommen wundern sich die Leute: Craig kommt fast auf den Tag genau ein Jahr zu spät. Und keiner weiß, was er in diesem einen Jahr gemacht hat. Auch Craig nicht. Er setzt alles daran, herauszufinden was passiert ist. Doch nicht alle haben ein Interesse an der Wahrheit.




Tolles Cover, interessante Grundidee und durchaus Psychothriller, aber irgendwie doch nicht so überraschend spannend wie erhofft.

Anfangs kam ich nicht wirklich in Lesefluss, weil der Schreibstil sich wehrte. Meist sehr schnörkellos, wirkte er an manchen Stellen sogar leicht gekünstelt, überdacht, ja irgendwie zu redigiert auf mich. Nicht als hätte der Autor den Text fliessend niedergeschrieben, mit natürlichem Fluss eben, sondern eher übereditiert, mehrmals überarbeitet. Oder der Schreibstil dieses Autors ist meiner inneren Lesestimme zu fremd und wollte sich nicht anpassen.


Als ich mich an die Erzählstimme gewöhnte, konnte mich die Geschichte nur bedingt mitreissen. Sie war trotz spannender Grundidee, die gemäss Vorwort sogar teils auf wahren Begebenheiten basiert (zumindest das Grundgerüst eines Jahres ohne Erinnerung), einfach nicht spannend genug. Denn nicht nur Craig möchte herausfinden, was mit ihm geschah und was in diesem verlorenen Jahr vorgefallen ist und warum er das überhaupt vergass. Natürlich wundert sich auch der Leser. Das ist ja der Hauptschlüssel des Plots hier und sollte schon Neugierde wecken. Das tat es auch zumindest beim Kauf des Buches, doch die Erzählung bot mir einfach nicht genügend Anreiz.


Lag es daran, dass mir die Hauptfigur so unsympathisch war? Dass seine Ideale überhaupt nicht mit meinen vereinbar waren, ja kaum sich kreuzen? Lag es daran, dass mir die beschriebenen Welten eines Unternehmens für Gentechnik komplett fremd waren und mich nicht weiter interessierten? Und doch kenne ich zumindest einige wahre Schauplätze wie z.B. Zürich. Und so erkannte ich auch sorgfältig umschriebene Marken und Orte, die man hübsch anonymisiert hat und wusste auch, dass eine Schale in der Schweiz ein Milchkaffee bedeutet. Details, natürlich. Aber eben hier ein Detail und da eine Kleinigkeit und diese vielen kleinen Teile machen das grosse Ganze aus... Vielleicht waren es mir dann zu viele unwichtige Details, in der sich der Autor gerne verliert: Marken jedes Kleidungsstückes, konsequent Augen- und Haarfarbe jeder Frau, die Craig trifft oder auch genaue Strassennamen. Ganz ehrlich, was bringt das dem Leser, der die Stadt nicht kennt? Selbst wenn man die Stadt und respektiven Strassen kennt, brachte mir dies absolut keinen Mehrwert. Welchen Sinn hat also diese Information?


Nachdem ich in der ersten Hälfte immer mal wieder das Interesse verlor, wurde es in der zweiten Hälfte leider noch dazu vorhersehbar. Wie schade! Endlich werde ich mit der Geschichte ein wenig warm, es kommt Tempo auf, erste Erkenntnisse, Spuren und Erinnerungen... und dann bleibt noch immer dieser bittere Nachgeschmack des schon verlorenen Interesses und eine Vorahnung, die sich dann (leider?) bewahrheitet.


Der Roman sollte mich allerdings doch noch eines Besseren belehren, denn gegen Ende war es trotz Vorahnung plötzlich mitreissend, schwungvoll geschrieben und so las ich die letzten ca. 50 Seiten in einem Rutsch durch. Und dann wünschte ich mir, der ganze Roman hätte mich so gut unterhalten wie das grosse Finale. Obwohl ich Mitte des Buches die Fährte gerochen hatte, interessierte mich brennend wo, wieso und wie Craig das angestellt hatte? Was führte vom einen zu anderen und wie kommt Craig selber wieder zu dieser Erinnerung? Welche Rolle spielen die Frauen und eine im ganz Besonderen?


Könnte ich Teilnoten vergeben, bekäme der Anfang wohl bloss eine lasche 2, die letzten 50 Seiten allerdings eine gute 4+. Schade, so viel Potenzial, das sich erst am Ende richtig entfaltet und deshalb zu schnell verpufft. Oder war es einfach nichts für mich?






3 von 5 Lese-Echsen





Bildergebnis für markus ridderMarkus Ridder ist Schriftsteller und Kommunikationsberater in München. Zuvor arbeitete er als Journalist und schrieb unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", "die Zeit", "Horizont" und "abenteuer & reisen". Schreiben ist seit frühen Kindheitstagen seine Leidenschaft, und mit "die drei!!!" (in Anlehnung an "Die drei???") verfasste er schon mit 12 JAhren seinen ersten "Krimi".
Wenn Markus Ridder Zeit hat, ist er gerne mit dem Rucksack in Asien oder Lateinamerika unterwegs. Während einer Reise nach Buenos Aires verlor Ridder kurzzeitig das Gedächtnis. Er hat bis heute keine Ahnung, was in der Zeit geschah, als er "weg" war.


Mehr auf: Markus Ridder




10. Dezember 2016

Findet mich auf BlogLovin'

Follow my blog with Bloglovin

Liebe Bücherfreunde,

 Kurze und knackige Durchsage, die auch überhaupt nicht weh tut und sich etwas wichtiger nimmt als sie tatsächlich ist... aaaber ich bin nun auch auf BlogLovin' zu finden. Fügt mich hinzu und bleibt immer auf dem aktuellsten Stand meiner Posts: Follow my blog with Bloglovin

 Zu meinem Bedauern wurde es auf diesem Blog immer leiser und obwohl ich weiterhin gerne und viel lese, wurden die Rezensionen weniger und für andere Posts fehlten mir meist Zeit und Fantasie. Muss ich leider gestehen... Schande über mein Haupt. Für das neue Jahr habe ich mir jedoch eine Umgestaltung für meinen Blog vorgenommen! Ich habe neue Ideen für einen schöneren Banner, ich arbeite an einem neuen Farbkonzept und versuche interessante Beiträge rund ums Buch zu recherchieren. Lasst euch also überraschen... aber habt noch ein wenig Geduld mit mir. Die Vorsätze für 2017 sind gelistet, bald kommt Stück für Stück die Umsetzung ;)

 Buchige Grüsse, eure Lese-Echse Mona

9. Dezember 2016

Jodi Picoult - Solange du bei uns bist





Autorin: Jodi Picoult
Titel: Solange du bei uns bist


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-785-72502-3
Erschienen: 2014
Seiten: 464




Edward Warren hat keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, seit er wegen eines heftigen Streites nach Thailand ausgewandert ist. Eine schreckliche Nachricht führt ihn zurück in die USA: Sein Vater, Wolfsforscher, liegt nach einem Unfall im Koma, die Chancen auf Genesung sind minimal. Während seine Schwester Cara auf ein Wunder hofft, will Edward den Vater sterben lassen und seine Organe spenden. 

Wird er von Nächstenliebe oder von Rachegedanken angetrieben?
Und wie weit wird Cara gehen, um das Leben ihres Vaters zu erhalten?



Der mit den Wölfen lebt... liegt nach einem Unfall im Koma und die Familie bricht alte Wunden auf. Ein interessanter Roman über das Thema Sterbehilfe, Organspende und Zusammenhalt in der Familie. Auch wenn ich andere Romane von Jodi Picoult schon besser fand, ist dieser wieder ein tolles Werk und absolut empfehlenswert.

Die Geschichte bietet mehrere Knackpunkte, denn es geht nicht ausschliesslich um den Vater im Krankenbett, sondern um jedes einzelne Mitglied der Familie. Und jeder hat seine Probleme, Ansichten und Meinungen und jeder verfügt über eigene Erfahrungen und Einzelheiten, die das Puzzle komplett machen und nur im Ganzen verstanden werden können. Edward ging nach einem heftigen Streit mit seinem Vater nach Thailand und kehrt nun zurück, als seine Mutter Georgie (Ex-Frau von Luke, dem Wolfsforscher) ihn anruft und über den Unfall informiert. Georgie glaubt den Inhalt dieses Streites zu kennen und fühlt sich schuldig, muss aber verstellen, dass sie sich jahrelang geirrt hat. Edward hat sich von seinem Vater entfremdet aufgrund der Zeit im Ausland, ist nun allerdings der nächste Verwandte, der darüber bestimmen soll, ob die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt werden oder nicht. Cara, seine Schwester, lebte mit ihrem Vater Luke und den Wölfen und wurde ebenfalls im Unfall verletzt. Auch sie fühlt sich schuldig und ist auf ihren Bruder wütend, weil er damals einfach abgehauen hat und die Familie auseinander gerissen hat. Ausserdem hat sie - obwohl die am nahestehenste Person von Luke - keine Stimme über sein Schicksal im Krankenhaus, weil sie noch nicht volljährig ist. Georgie ist mittlerweilen verheiratet zu einem Anwalt, der nicht nur ein guter Freund von Cara ist, sondern später Edward vor Gericht vertritt. Und so verstricken sich die einzelnen Familienmitglieder immer mehr und komplizierter. 

Die Geschichte wird aus diversen Sichten erzählt und ist deshalb besonders gut gestaltet. Grosse Teile führt Edward durch seine Geschichte, aber auch Cara erzählt viel über ihr Situation und dazwischen sind immer wieder Abschnitte von Luke und sein Leben mit den Wölfen. Einzelne kleinere Kapitel werden aus Georgies Sicht oder von Nebenfiguren erzählt. Ich fand dies nicht nur interessant, sondern wichtig oder sogar ausschlaggebend, um sich ein Urteil über die ganze Situation zu bilden. Denn kennt man bloss eine Sicht, kennt man nicht die ganze Geschichte und schliesslich geht es um eine Entscheidung über Leben und Tod.

Das Thema ist offensichtlich keine leichte Lektüre und stimmt nachdenklich. Wie würde man selbst in solch einer Situation reagieren? Wie würde man entscheiden, würde dies einer unserer Familienmitglieder (hoffe ich natürlich für niemanden!) treffen? Jodi Picoult informierte sich tief über die Rechtslage (in dem amerikanischen Staat, wo die Geschichte spielt) betreffend Organspende und Komapatienten. Auch über Wölfe und ihr Verhalten wird sehr detailreich berichtet und so lernt man als Leser reichlich dazu. Ist eben wie schon andere Romane der Autorin nicht nur Unterhaltung, sondern auch lehrreich. Einer der Gründe, warum sie zu meiner Lieblingsautoren zählt.

Der Schreibstil ist jedoch diesmal etwas zäher. Trotz spannenden Elementen, packendem Thema und wie immer toll ausgearbeiteten Persönlichkeiten, wirken manche Passagen etwas lange. Wer sich für die Wölfe nicht begeistern mag und die medizinischen und juristischen Anteile etwas kompliziert findet, könnte sich an einigen Kapiteln stören oder gar langweilen. Doch ich muss sagen, dass ich mich ursprünglich auch kaum für Wölfe interessierte, mich das Rudel und die Erfahrungen von Luke begeistert in die Wildnis entführten. 



4 von 5 Lese-Echsen



Jodi Picoult wurde 1967 in Long Island, New York, geboren. Sie studierte zunächst in Princeton Kreatives Schreiben, später machte sie in Harvard einen Masterabschluss in Pädagogik. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Texterin und Lehrerin.

Bereits in Princeton lernte Jodi Picoult ihren Ehemann Tim van Leer kennen. Die beiden heirateten und während sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, schreib sie auch ihren ersten Roman, der 1992 veröffentlicht wurde. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im idyllischen Hanover, New Hampshire. Jodie Picoult schreibt ihre Bücher in ihrem Büro im Dachgeschoss ihres Hauses, wo sie mit grosser Disziplin so oft wie möglich schreibt und nur von ihren Kindern unterbrochen wird.

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25. November 2016

Mary Rickert - Sommergeister




Autorin: Mary Rickert
Titel: Sommergeister


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-97409-7
Erschienen: 2016
Seiten: 352





Jeder hat Geheimnisse. Doch dies ist grösser als alle anderen.

Die 15-jährige Bay Singer weiss, was sie im Dorf sagen: Ihre Mutter sei eine Hexe. Sie habe eine dunkle Vergangenheit. Furchtbares sei Jahrzehnte zuvor geschehen, das niemand erfahren dürfe. Bay leidet unter den Gerüchten und will sie nicht glauben. Doch etwas in ihr weiss es besser. Tatsächlich ahnte sie schon immer, dass ihre Mutter ihr etwas verschweigt. Und je weiter sie nachforscht, desto grösser werden die Geheimnisse, auf die sie stösst - warum kann Bay auf einmal Geister sehen? Welchen jahrzehntealten Bund schloss ihre Mutter mit zwei weiteren, mysteriösen Frauen? Und welche Rolle spielt Bay selbst in den Ereignissen, die bis heute nachwirken? 

In einem magischen Sommer treffen alte Feinde und neue Freunde aufeinander. Und Bay entdeckt die unvorstellbare Wahrheit, die das Leben aller für immer bestimmen wird...



Ein paar verrückte Tanten, ein ahnungsloses Mädchen, ein Garten voller Kräuter - oder in diesem Falle Blumen, die in Schuhe gepflanzt wurden - eine brodelnde Gerüchteküche im Dorf und der ein oder andere Todesfall, der noch immer Fragen aufwirft. Und fertig ist die Hexengeschichte. Doch leider ist der Klappentext ziemlich dick aufgetragen, um nicht sogar zu sagen: Spannender als das Buch selbst.

Einfache Zutaten, aber das Süppchen war dann doch ein anderes als erwartet. Obwohl es ziemlich offensichtlich um Hexen geht, wurde dies nie tatsächlich und definitiv behauptet. Vielleicht handelt es sich bei den älteren Damen (Bay's Mutter ist schon eher im Alter einer Grossmutter und adoptierte Bay damals) eher um eine Gruppe verrückter Hühner, Freundinnen seit Kindheit mit einem dunklen Geheimnis. Die Sprache ist jedoch von Geistern, von Todesfällen in der Vergangenheit, die nicht ganz aufgeklärt wurden oder sich eben nicht ganz so ereigneten, wie es protokolliert wurde. 

Nach einer eher schleichenden ersten Hälfte wurde es gegen Ende deutlich besser und spannender. Ich wage jedoch zu behaupten, dass nicht jeder Leser bis dahin durchhält, sondern das Buch gelangweilt und/oder enttäuscht schon früher zur Seite legte. Den hingegen dem Klappentext, ist es nicht die Geschichte, die auch ich erhofft hatte, sondern leider ein gutes Stück weniger magisch, weniger fantasievoll und weniger über Hexen und Hokuspokus. Trotz Geheimnis in der Vergangenheit, trotz Geister, trotz Gerüchteküche und Bays Nachforschungen, was alles wie im Klappentext versprochen auch vorhanden ist, entpuppt es sich als heisse Luft, als Spannungsanheizer, der sein Versprechen nicht halten kann. Wie eine grosse, runde, bunte Seifenblase, die dann klammheimlich verpufft und verschwindet. 

Sehr informativ und interessant fand ich dafür die Erklärungen zu diversen Kräutern und Blumen zu Anfang jedes Kapitels. So steht der Kürbis beispielsweise für die Spirale des Lebens (Die Ernte bringt den Tod, doch aus den Samen wird neues Leben geboren, Seite 7). Der Lavendel wird mit Liebe und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht und schützt angeblich gegen das Böse. Der Mohn hingegen ist "die Blume des Vergessens" und wird mit Schlaf und Tod assoziiert. Das jeweilige Kraut oder Blümchen kommt dann auch im folgenden Kapitel vor oder es geschieht etwas, dass damit symbolisch verbunden ist. Das Ganze gipfelt in einem bunten Abendessen, dem sogenannten Blütenschmaus, bei dem Rosmarinbrötchen, Artischokenherzen, Geissblatt und weitere Gartenschätze kredenzt werden und zu unterhaltsamen Diskursen führt. 

Der Schreibstil verliert sich in allerlei Beschreibungen und wird mit der Zeit etwas ermüdend, auch wenn man sich irgendwann daran gewöhnt. Der Text fliesst zwar, alelrdings hatte ich das Gefühl, die Erzählung kommt nicht mehr auf den Punkt. Schlussendlich werden die Rätsel der Vergangenheit und Gegenwart gelöst, werfen aber teilweise neue Fragen auf oder bleiben verschwommen, mystisch und nicht ganz deutlich, was wiederum enttäuscht. Einige Nebenfiguren versprachen mehr Spannung, mehr Geheimnisse und Details, wirkten als Druckmittel und Anheizer, aber trugen am Ende nur auch zum allgemeinen Chaos von Geschichten und Namen bei. Die Geschichte hätte wirklich Potential, wäre grundsätzlich spannend, doch die Umsetzung bräuchte leider eine rechte Überarbeitung, um das Gesamtbild abzurunden, lesbarer zu gestalten und Feinheiten auszuarbeiten (z.B. Zeitformen: Manchmal wusste ich nicht recht, ob ich nun in der Vergangenheit oder Gegenwart bin).

Meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen. Nicht wegen meiner Enttäuschung darüber, dass sich eine andere Geschichte als erwartet entwickelte, sondern weil die Erzählung einen komplett anderen Fokus und anderes Ambiente zeigte, war mich nur gering begeistern konnte. 




2,5 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für M. RickertMary Rickert (*1959) studierte am Vermont College of Fine Arts und veröffentlichte zahlreiche hochkarätige Novellen und Erzählungen. Ihr erster Roman, Sommergeister, gewann 2015 den renommierten Locus Award für das beste Debüt. Sie lebt heute in Wisconsin.
Mehr auf: Mary Rickert

18. November 2016

Nancy Salchow - Das Leben, Zimmer 18 und du

Das Leben Zimmer 18 und du von Nancy Salchow




Autorin: Nancy Salchow
Titel: Das Leben, Zimmer 18 und du



Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-60421-6
Erschienen: 2017
Seiten: 312





Für Nancy Salchow bricht eine Welt zusammen, als binnen kürzerster Zeit sowohl ihr Zwillingsbruder als auch ihre Mutter an Krebs sterben. Geschüttelt von Panikattacken, sieht sie keinen anderen Ausweg, als sich schliesslich in eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen. Hier nimmt ihr Schicksal eine entscheidende Wende: Sie begegnet ihrer grossen Liebe, die ihr die Kraft gibt, aus dem Burnout und der Depression herauszufinden. Ein Buch, das Mut macht und zeigt, dass das hellste Licht manchmal erst dann sichtbar wird, wenn man die Dunkelheit gesehen hat. 




Gleich zwei schwere Schicksalsschläge und dann zeitlich so nah beieinander, das haut auch die kräftigsten Gemüter aus den Schuhen. Nicht nur Trauer, auch schlimme Angstzustände, Antriebslosigkeit, Vorwürfe und Unsicherheit machen Nancy den Alltag schwer. Der Aufenthalt in einer Klinik scheint ihr gut zu tun, Beruhigungstabletten helfen ihr, diese schwere Zeit zu überstehen... und dann taucht ER auf! In der Depressionsrunde ein neues Gesicht: Auch ein geplagter Geist, auch ein Tierfreund, auch gesprächig gerade über die gemeinsame Krankheit. Mit ihm kann sie sich austauschen, mit ihm hat sie einen Draht und auf einmal einen Grund aufzustehen, einen Grund zu lächeln, einen Weg aus der Depression.

Die Geschichte basiert auf dem eigenen Leben der Autorin und ist somit autobiografisch. Auch weitere E-Books stammen aus der Feder von Nancy Salchow, die mich allerdings thematisch überhaupt nicht ansprechen und komplett anders sind als dieser Roman. Dieses Buch fiel mir zufällig in die Hände und es hat mich nachdenklich gestimmt. Was der Autorin widerfahren ist, wünscht man niemanden und so hatte ich während der Lektüre eine Mischung aus Mitleid und Verständnis für ihre Gemütslage. 

Was allerdings den Schreibstil betrifft, bin ich eher enttäuscht. Er liest sich zwar angenehm, ist jedoch nichts Spezielles und zeichnet sich durch nichts Auffallendes aus. Trotz gefühlvollen Beschreibungen und den Blick für Details, konnte mich die Geschichte nicht packen. Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Erzählung, die vor Spannung und grosser Ereignissen strotzt, sondern ist eine ruhige Geschichte über einen ziemlich reduzierten Alltag voller Routine und sich drehender Gedanken. Kleinigkeiten stehen im Mittelpunkt, der Kaffeeautomat im Korridor, die Treffen mit einer Psychologin, das gemeinsame Mittagessen mit anderen, meist recht wortkargen, Mitmenschen in der Klinik. Und trotzdem... mich packten zwar die Ereignisse, aber nicht die Erzählung. Der Roman schildert diverse Gefühle und ist gefühlvoll verfasst und dennoch konnte ich nur bedingt mitfühlen.

Unter dem Strich wünsche ich der Autorin alles Gute für die Zukunft und gebe den Roman als Lese-Empfehlung für alle, die sich mit dem Thema Depressionen befassen möchten oder sogar darunter leiden. Für alle anderen ist es möglicherweise nur von kleinem Unterhaltungswert.




3 von 5 Lese-Echsen





Bildergebnis für nancy salchowNancy Salchow, geboren 1981, hat seit ihrer Kindheit den Traum, Schriftstellerin zu werden. Als sie sich 2011 mit ihren Werken erstmals an die Öffentlichkeit wagt, gewinnt sie direkt einen bundesweiten Literaturwettbewerb. Seitdem hat sie mehrere Bücher veröffentlicht, vorwiegend Liebesromane.
Sie lebt mit ihrem Partner, drei Hunden, vier Katzen, einigen Hühnern und Enten in der Nähe von Wismar. 

Mehr auf: Nancy Salchow


17. November 2016

Anita Shreve - Die Frau des Piloten

Ähnliches Foto



Autorin: Anita Shreve
Titel: Die Frau des Piloten


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-95927-8
Erschienen: 2010
Seiten: 196 ( E-Book)







Kathryn Lyon führt mit Jack, einem erfahrenen Piloten der amerikanischen Vision Airlines eine gute Ehe. Zusammen mit ihrer 15-jährigen Tochter Mattie lebt die Familie in einem Haus am Meer, das Jack seiner Frau als Körnung ihrer Liebe geschenkt hat. Diese Idyllel wird durch den plötzlichen, tragischen Tod Jacks radikal zerstört. Die verstörte Ehefrau muss sich neben ihrem Schmerz mit den Ermittlungsbehörden auseinandersetzen, die den Flugzeugabsturz untersuchen. 

Eine rätselhafte Telefonnummer, die Kathryn in Jacks Kleidung findet, lassen sie Nachforschungen anstellen, die sie zu einer bitteren Wahrheit führen. Zu Robert Hart, einem Ermittler der Gewerkschaft, fass sie Vertrauen. Er weicht nicht von Kathryns Seite und unterstützt sie bei ihren Recherchen um die mysteriösen Notizen, die sie in den Sachen ihres verstorbenen Ehemannes findet. 




Ein trauriges Ereignis als Mittelpunkt einer Geschichte, die ganz leise anfängt und dann immer spannender wird, unerwartet und nicht zum Guten für die Protagonisten, jedoch unterhaltsam für die Leser.

Das Thema im Mittelpunkt scheint erst die Trauer einer Frau und ihrer Tochter über den Verlust des Ehemannes beziehungsweise des Vaters, der bei einem Flugzeugabsturz sein Leben verlor. Höchst interessant und daher der Grund, weshalb ich zu diesem Roman griff, fand ich vor allem die Tatsache, dass einmal die andere Seite beleuchtet wird. Ein Flugzeug stürzt ab, alle Insassen und die Piloten sterben dabei. Was führte zum Absturz, wo lag der Fehler wie geht man weiter vor? Die Untersuchungen laufen sofort heiss, Gründe werden gesucht, eine Erklärung für die Ereignisse zusammen geflickt. Aber wann hört man mal die Frage: Und wie geht es den nächsten Familienmitglieder in dieser Situation? Wie gehen die Angehörigen damit um? Und inwiefern verändert dies ihr Leben? Nicht nur der Verlust einer geliebten Person zu verkraften, aber auch den Rummel über den Absturz, die aufdringliche Presse und die Öffentlichkeit zu überstehen, die nach Antworten verlangen. Dieser Roman erzählt die Sicht der Frau des Piloten und deren gemeinsamer Tochter. Kathryn in ihrer Mutterrolle möchte die Mattie in dieser schweren Zeit beschützen, obwohl sie selbst in ihrer Trauer versinkt. Und dann kommen noch Erkenntnisse hinzu, die zur einer grossen Frage führen: Kannte sie ihren Mann überhaupt?

Sind wir diejenigen, die wir vorgeben zu sein? Wie gut kennen wir unsere Familienmitglieder, unsere Partner wirklich? Wie leicht lässt sich ein Doppelleben verstecken und wie und wieso ist dies überhaupt möglich? Kleine Entdeckungen, wie eine Telefonnummer in Jacks Kleidung, führen zu brisanten Infos und bringen Schwung in die Geschichte. Obwohl anfangs der Erzählrhythmus noch eher langatmig daher kommt, gewinnt die Sache an Spannung und Schwung erst in der zweiten Romanhälfte. Die Stimmung bleibt düster, traurig, manchmal wütend und hoffnungslos. Aber überall gibt es einen Lichtglanz am Horizont, eine Prise Hoffnung, die die Erzählung würzt, die Finsternis aufhellt und Schatten wirft. Graunuancen, die einer Geschichte Charakter verleihen und hier sind das zum einen Robert Hart, zum anderen eine Person, die ich hier nicht spoilern möchte.

Mit Blick auf den Schreibstil, genauer gesagt gewisse Beschreibungen, vermute ich eigene Trauererfahrungen der Autorin hinter dieser fiktiver Geschichte. Ich glaube kaum, dass geschilderte Details oder eine gewisse Sicht auf spezifische Dinge einer Person auffallen, die (bisher) niemanden verlor. Ein solcher Roman ernährt sich von eigener Erfahrung, um den richtigen Ton zu finden und die Authentizität sicher zu stellen. Und so schafft es die Autorin, dass man sich gut in die Hauptprotagonistin fühlen kann, ihre Reaktionen und Handlung versteht, obwohl man selbst in einer vergleichbaren Situation vielleicht anders handeln würde. Doch wer weiss das schon? Führen uns nicht Extremsituationen an Grenzen, die wir uns selbst nicht zutrauten? Lassen Extremsituationen uns nicht das wahre Gesicht erkennen? Denn ich glaube, dass jeder unterschiedlich damit umgehen würde. Dieser Roman zeigt eine Variante einer sehr schwierigen Traurerverarbeitung, die ich keinem wünsche, aber sehr lesenswert (im Sinne des Unterhaltungswertes) fand. 





4 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für anita shreveAnita Shreve ist 1946 in den USA geboren und selbst Tochter eines Piloten. Sie schloss die deham High School ab und studierte an der Tufts University. Mit dem Schreiben begann sie, während sie als Lehrerin in Reading, Massachusetts tätig war.
Neben anderen Jobs arbeitete Shreve drei Jahre lang als Journalistin in Nairobi, Kenia. In den 1990er-Jahren lehrte sie kreatives Schreiben am Amherst College. Der Roman "die Frau des Piloten" wurde im März 1999 in Oprah's Book Club als Buch des Monats vorgestellt. Seither wurden ihre Romane millionenfach verkauft.
Shreve lebt heute in Longmeadow, Massachusetts.

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2. November 2016

Ronald Malfi - Die Treppe im See

Ich lese:



Autor: Ronald Malfi
Titel: Die Treppe im See



Verlag: Voodoo Press
ISBN: 978-3-902802-51-4
Erschienen: 2012
Seiten: 323 (E-Book)





Für Travis und Jodie Glasgow scheint das Haus in der idyllischen Kleinstadt perfekt. Die umliegenden Wälder und der See gleichen dem Bild einer Postkarte. Doch kaum ziehen sie ein, fangen die Dinge an, sich yu verändern.

Fremde Stimmen wecken Travis Nacht für Nacht. Geister plagen seine Träume. Gestalten huschen durch die dunklen Flure - erschreckende Formen, die Ähnlichkeit mit einem kleinen Jungen haben. Und unerklärlich sind auch die Treppen, die sich aus den Tiefen des Sees erheben. Je mehr Nachforschungen Travis anstellt, je mehr er über das Haus und dessen gewaltsame und tragische Vergangenheit erfährt, desto weiter taucht er in die Geheimnisse ein, die unter der Oberfläche lauern. 




Pünktlich zu halloween hatte ich Lust auf eine Geistergeschichte und habe mit diesem Roman genau das Richtige gefunden. Schaurig-schön und düster liegt das Haus mit dem dunklen See dahinter, der scheinbar ein traurig-tödliches Schicksal kennt. Emotional mitreissend und spannend bis zum Ende, erzählt der Autor eine Geschichte aus der Vergangenheit und eine in der Gegenwart, die so einige Parallelen aufweisen und doch nicht gleich sind.

Besonders ausgearbeitet sind die Figuren, ob gut oder böse, ich konnte mich absolut in jede Person versetzen, mit ihr mitfühlen und hatte fast das Gefühl sie persönlich zu kennen. Nicht nur die Hauptfigur und Erzähler Travis, der Schriftsteller von Horrorromanen, bei dem scheinbar Wirklichkeit und Fiktion, eigene Vergangenheit und fremde Schicksalschläge sich vermischen und er bald als Verrückter gilt. Seine Frau, eher Randfigur, sowie sein Bruder, der sich ebenfalls grosse Sorgen um Travis' mentalen wie körperlichen Zustand macht, konnte ich mir sehr lebhaft vorstellen. Auch alle weiteren Persönlichkeiten waren zum Anfassen real und allgemein wird mir die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes noch weiter im Kopf herum geistern.

Das Schicksal des Jungen, die wahre Geschichte zu der Tragödie im See, was dazu führte und was seither passierte, involvierte Familienmitglieder und Aussagen von Nachbaren... das alles lässt ein wenig auf sich warten. Der Autor spielt gekonnt mit dem Leser, er weiss, was er noch erzählen wil lund muss, aber lässt uns noch zappeln, ein nicht unangenehmes Kribbeln spüren. 

Es mangelt zwar nicht an Klischees aus dem Genre Schauergeschichte, doch diese wirken nie aufgesetzt. Knarrende Holztreppen, klopfende Heizungen, Luftzüge bewegen Vorhänge, eiskalte Böden und Winde, ein Geheimnis im Keller, dunkle Wälder, Lücken im Polizeibericht, schweigende Anwohner eines kleinen Städtchens, ein Friedhog etwas ausserhalb gelegen und der See. Dieser See mit der Treppe, so tief und dunkel wie die Nacht, ein nasses Grab für alte Geschichten. Nicht nur, weil ich das buch zufällig an einem ziemlich regenerischen Tag mit Wind und wenig Licht verschlungen habe, schauderte es mich immer mal wieder kalt den Rücken hinunter. Schatten, die ich nicht gleich zuordnen konnte, entwischen dem Roman an meine Wand, die Temperatur schien auch in meinem Zimmer zu sinken und beinahe konnte ich ein Flüstern des toten Jungen hören... dabei war ich es selbst unbewusst, in der spannenden Lektüre verloren, wie ich den eigenen Fuss über den Boden schob, was ein kratzendes Geräusch verursachte. Das ist das Zeug für einen echten Gruselroman.

Der Schreibstil mutet  manchmal fast poetisch an, auf jeden Fall wortgewandt und vielerlei Beschreibungen. Dennoch leist es sich leicht und unkompliziert und in meinem Fall ziemlich schnell, sicherlich auch aufgrund der Spannung. Die Kapitel sind nicht ausserordentlich lang, aber auch nie zu kurz. Einziges Ärgernis war, dass ich auf meinem E-Reader zwischen Kapiteln manchmal eine weisse Seite hatte. Sicherlich ein Problem mit dem Format. Dem Lesegenuss steht dies aber garantiert nicht im Weg.

Auf jeden Fall werde ich noch einen Roman dieses Autors lesen, denn wie sein Hauptprotagonist Travis, schreibt Ronald Malfi auch hauptsächlich in diesem Genre und ich habe eine Schwäche für gute Geistergeschichten.




5 von 5 Lese-Echsen





Image resultRonald Malfi ist der preisgekrönte Autor der Romane The Ascent, Snow, Passenger und einigen andreen. 2009 erhielt er den IPPY Award für seinen Roman Shamrock Alley, einem Thriller, basierend auf wahren Begebenheiten seines Vaters, einem pensionierten Secret Service Agent. Sein Roman Floating Staircase (die Treppe im See) wurde 2011 für den Bram Stocker Award als bester Roman nominiert.
Malfi ist für seinen eindringlichen, literarischen Stil und seine unvergesslichen Charaktere bekannt. Seine düstere Fiktion findet bei Lesern aller Genres grossen Anklang. Derzeit lebt Malfi mit seiner Familie in Maryland. 

Mehr auf: Ronald Malfi





1. November 2016

Mona Kasten - Schattentraum 3: Vor dem Lichtglanz





Autorin: Mona Kasten
Titel: Schattentraum 3 
- Vor dem Lichtglanz


Verlag: neobooks
ISBN: 978-3-7380-6079-9
Erschienen: 2016
Seiten: 220 (E-book)




Seit Wochen trainiert Emma nun schon mit Belials Anhängern, um die Dunkelheit in ihrem Inneren zu kontrollieren - vergeblich. Währenddessen übt der Dunkelhof einen bedrohlichen Einfluss auf Gabriel aus. Um ihm das Leben zu retten, muss Emma ausgerechnet ihrem ärgsten Feind vertrauen. Doch auch der König der Finsternis verfolgt seine eigenen Ziele, vor allem, als der Dunkelhof von einem mächtigen Feind angegriffen wird. Bald steht Emma vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens und muss sich der Frage stellen: Wer ist der wahre Feind?




Der krönende Abschluss der Trilogie, der Kampf zwischen Licht und Finsternis, eine komische Art von "Dreiecksbeziehung", traurige und glückliche Schicksale, Liebe und Hass. Mona gibt bei Band 3 nochmal alles.

Wieder kommen zu altbekannten Figuren auch neue hinzu, einige davon waren mir sympathisch, andere überhaupt nicht. Auch Grams ist wieder mehr im Mittelpunkt des Geschehens, was mich besonders freute, sie wieder anzutreffen... und dann auch wieder nicht freute, aber ich möchte nicht spoilern hier. Meggie hingegen wird immer mehr zur Randfigur, denn im letzten Teil spielt sich die Geschichte fast hauptsächlich in der Schattenwelt ab. Emma stellt sich einer neuen Aufgabe, hin und her gerissen zwischen Gabriel und Belial, zwischen dunklen Gefühlen und Hoffnungsschimmer. Sie nimmt die Rolle der Kämpferin an und erinnert mich bei kleinen Textpassagen an Katniss Everdeen aus Panem. Und doch scheint die Geschichte zwar von anderen Romanen dieses Genres inspiriert, jedoch nicht einfach kopiert und bleibt etwas ganz eigenes.

Interessant finde ich die Tatsache, dass mehr aus der Perspektive des Dunkelhofes erzählt wird. Wie einfach ist es doch, eine Geschichte zwischen Gut und Böse mit Licht und Finsternis gleichzusetzen und dabei den Guten das Licht und den Bösen die Dunkelheit zuzuordnen. Doch genau das trifft bei der Schatten-Trilogie nicht zu, was mich ungemein begeistert. Denn wie Belial schon sagte: Es gibt eben nicht bloss Schwarz und Weiss, sondern auch diverse Graustufen. Und genauso ist nicht alles und jeder böse am Dunkelhof, sowie umgekehrt nicht alles und jeder liebevoll am Lichthof ist. Auch wenn ich anfangs über die vielen Klischees meckerte, so ehrlich begeistert bin ich über dieses "Anti-Klischee" im abschliessenden Band.

Zudem empfand ich den Schreibstil wieder verbessert, der sich immer flüssiger und angenehmer liest. Weniger gewollt und konstruiert, viel natürlicher und geübter wirkt die Sprache mittlerweilen - und diese Steigerung bei nur 3 Büchern. Die Figuren werden lebendiger und die Hauptprotagonisten scheinen nach der kompletten Trilogie sowieso schon wie alte Freunde.

Eine grosse Überraschung war zu Ende eine Playlist mit 25 Liedern, die Mona während des Schreibprozesses begleitet haben und sie mit uns Lesern teilen möchte. Ich finde die Idee grossartig, neben den Büchern auch visuell mit Bild-Inspirationen (Monas Pinterest) und sogar audio anhand einer Soundtrack-Liste in die Schattenwelt abzutauchen. Einige Lieder kannte ich davon zwar schon, mochte sie schon davor und habe meine eigenen Erinnerungen dazu. Und trotzdem gewinnen die Melodien noch eine neue Farbe, eine weitere Erinnerung. Ein sehr persönlicher Einblick der Autorin auf ihr Werk, ihre Figuren, deren Welt und ihrem Schreiben. 

Als Mona-Fan gab ich den Büchern eine Chance, obwohl mich der Klappentext und das Genre nur wenig reizte. Doch Mona konnte mich absolut überzeugen und nun bin ich auch Schattenwelt-Fan. 





4 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für mona kastenMona Kasten wurde 1992 in Norddeutschland geboren und ist dort auch immer noch zu Hause. Wenn sie ausnahmsweise mal nicht in der Uni sitzt (oder vielleicht gerade dann), denkt sie sich Geschichten aus, in denen junge Protagonisten grosse und kleine Probleme bewältigen müssen. 
Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Katzen sowie unendlich vielen Büchern, liebt Koffein in jeglicher Form, lange Waldspaziergänge und Tage, an denen sie nur schreiben kann.

Mehr auf: Mona Kasten
Ihr Youtube-Kanal: Mona