2. Januar 2016

Barbara Wood - Himmelsfeuer




Autorin: Barbara Wood
Titel: Himmelsfeuer


Verlag: Krüger
ISBN: 978-3-596-16571-7
Erschienen: 2002
Seiten: 495




Ein Erdrutsch in den Hügeln von Los Angeles legt eine Höhle frei - mit uralten Wandmalereien mystischer Sonnenmotive. Die junge Archäologin Erica Tyler entdeckt dort die Mumie einer Indianerin. Aber sie muss um diese Ausgrabung kämpfen: gegen Grundstückseigentümer, New Age-Fanatiker, Kunsträuber und ihren alten Widersacher Jared Black, der die Rechte der Indianer Südkaliforniens vertritt und verlangt, die Schätze der Höhle ihren Nachkommen zu übergeben. Erica findet uralten Indianerschmuck, alte spanische Münzen und ein Blechkruzifix. Was verbirgt sich dahinter? Und warum spürt Erica hier die Präsenz einer langen Ahnenreihe von Frauen - sie, die doch selbst ohne Eltern aufgewachsen ist?
Langsam enthüllt sich die Vergangenheit, aber dann wird ein Anschlag auf Erica verübt, bei dem ausgerechnet Jared sie rettet. Kann sie ihm vertrauen?



Entführt in die Gründungsgeschichte von Los Angeles, bewegt von den Schicksalen der Indianerstämme, gefesselt von Woods Schreibstil und eingesunken in einen dicken Schmöcker. 

Obwohl mir der deutsche Titel weniger gefällt (im Original heisst es "Sacred Ground", also "gesegneter Boden", was ich nach der Lektüre viel treffender fand), konnte mich die Geschichte sehr schnell und tief in sie versinken lassen. Zudem hege ich eigentlich kein besonderes Interesse an Indianern, ich lese lieber über andere indigene Völker. Doch Barbara Wood hat es wieder geschafft, mich trotzdem wieder hervorragend zu unterhalten.

Der Schreibstil ist erzählerisch und mir persönlich sehr angenehm. Es liest sich einfach so weg, obwohl es knapp 500 Seiten sind und am Ende wünschte ich sogar, dass es weiter gehe. Die Geschichte bietet mehrere Spannungsbögen, viele Charaktere in vielen verschiedenen Zeitaltern. Erica und Jared stellen das konstante Jetzt dar. Die Funde in der Höhle sind wiederum verknüpft mit Rückblenden zur gegebenen Zeit, so dass der Leser wie ein Archäologe nach der Entdeckung auf die Geschichte dahinter kommt. Die Rückblenden stellen wieder ganz eigene Erzählungen dar, die jeweils aus der Sicht einer Frau (der Hauptperson dieser Epoche) dargelegt wird. Mit der Zeit beginnen sich die Geschichten zu verknüpfen und die Chronik einer Familie wird sichtbar, mit den jeweiligen Funden und Personen verbunden, vom Indianerstamm bis ins Heute. Diese Zeitabschnitte sind zudem gut recherchiert und zeigen die Wechsel von Herrschern in Los Angeles: die indigenen Stämme, dann kamen die Spanier und gründeten Missionen, später Mexikaner und die Vermischung diverser Nationalitäten in Zeiten der Goldgräber, zuletzt die amerikanische Übernahme. So verwebt die Autorin echte Historie mit einer fiktiven Geschichte, was den Leser hautnah im "Geschichtsunterricht" versinken lässt.

Wer gerne über Indianer liest, wird sich besonders über die erste Hälfte des Romanes freuen, der noch viel mehr in der Vergangenheit spielt. Wer sich unter Indianer nur allerdings eine Wild-West-Story erhofft, muss ich leider enttäuschen. Es geht vielmehr um Traditionen wie das Geschichtenerzählen, die eigene Herkunft und das Zusammenleben mit der Natur, als über Kriege zwischen roten und weissen Männern. Der Roman handelt auch davon, wie die Indianer in den Missionen zur Taufe gezwungen wurden, von europäischen Krankheiten dezimiert wurden und sich untereinander vermischten, um zu überleben. Doch dies alles geschieht in einem relativ faktischen Rahmen und würde nochmals eigene Bücher ergeben, würde die Autorin noch tiefer und genauer darüber berichten.

Ihr Ruf als Liebesromanautorin zeigt sich allerdings auch hier. Ich spoilere wohl kaum, wenn ich so viel sage: Erica und Jared...keine Überraschung. Über die diversen Zeitspannen ist natürlich das eine oder andere Liebespaar anzutreffen, schliesslich basieren darauf Familien, die Kinder der nächsten Generation. Leider kommen auch Klischees vor und so ist der romantische Teil des Romans etwas voraussehbar, wenn auch schön zu lesen. Spannung erzeugt viel mehr die Entdeckungen in der Höhle und die damit verknüpften Geschehnisse in der Vergangenheit. Wie die Autorin über all die einzelnen Geschichten den Überblick nicht verliert und sie am Ende wie ein Puzzle einfach zusammen fügt, kann ich nur sehr loben. Für den Leser bedeutet das zwar viele Namen, weil viele Personen. Als kompliziert würde ich es dennoch nicht beschreiben, da die betroffenen Charaktere in den betreffenden Zeitabschnitte sehr gut organisiert und vorgestellt werden. 

So ist auch das Ende teilweise voraussehbar, umso weiter man mit der Lektüre fortschreitet. Trotzdem ists das Ende eine grosses Auflösung und bietet noch Raum für weitere Antworten, weitere Details und weitere Nebengeschichten. 



4,5 von 5 Lese-Echsen


Die Schriftstellerin Barbara Wood wurde 1947 in Warrington bei Liverpool geboren, wanderte aber 1954 mit den Eltern und ihrem älteren Bruder in die USA aus und wuchs in Südkalifornien auf.

Zu den Schauplätzen ihrer Romane ist sie zumeist vorher für Recherchen mit ihrem Mann George hingereist, um auch Interviews mit den Menschen zu führen. So hat sie bereits die ganze Welt bereist, lebt aber eigentlich immer noch in Santa Barbara.

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