12. April 2016

John Boyne - Der Junge mit dem Herz aus Holz




Autor: John Boyne

Titel: Der Junge mit dem Herz aus Holz


Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-85477-6
Erschienen: 2010
Seiten: 234



Von einem, der auszog, den Mut zu finden

Noah läuft von zu Hause fort, bevor die Sonne aufgeht, bevor die Hunde erwachen, bevor der Tau aufhört, die Wiesen zu benetzen. Ein einsamer Pfad führt ihn zu einem Spielzeugladen, in dem sich Türen und Treppen verschieben und die hölzernen Marionetten an den Wänden lebendig wirken. Hier trifft Noah den alten Spielzeugmacher, der ihm von seinem Leben erzählt: davon, wie er als schnellster Läufer um die Welt rannte und dabei das Versprechen vergass, das er einst dem Menschen gab, den er am meisten liebte. Und da rührt sich etwas in Noahs Herz...



Einfach zauberhaft, poetisch und lieb, obwohl es eigentlich einen traurigen Kern enthält. Wie ein reifer Pfirsisch: Von aussen süss, doch innen mit einem Stein...oder einem Herzen aus Holz.

Es ist nicht mein erstes Buch von John Boyne und wird wahrscheinlich auch nicht das letzte bleiben, denn sein Schreibstil ist wunderbar und entführt mit sanfter Erzählstimme in reale und fantastische Welten. Auch bei diesem Buch nimmt er die Leser mit auf eine Reise, eine Reise ins Unbekannte, in eine reale Welt, die jedoch viele Fantasien beflügelt und voller Magie steckt. Türen und Uhren mit Namen, die sich bewegen. Ein sprechender Dackel und Esel, der stets hungrig ist. Ein Spielzeugmacher, dessen Spielzeuge mehr Leben haben als man vermutet. Doch die beste Geschichte ist die des Spielzeugmachers selbst.

Ohne spoilern zu wollen, kann ich nicht mehr sagen als folgendes: So herrlich die Abenteuer des Spielzeugmachers klingen, so mutig Noah in die grosse Welt aufbricht, so traurig ist der Hintergrund für ihre Begegnung. Denn beide liefen von etwas davon. Und das regt auch den Leser zum Nachdenken an: Vor was laufen wir davon? Und können wir überhaupt davon weglaufen? Ich denke nicht, auch wenn wir das manchmal gerne würden.

Der Roman scheint zuerst eine Kindergeschichte zu sein, ein Märchen mit Pointe, schliesslich handelt es sich um sprechende Tiere, ein Treffen eines Kindes mit einem erfahrenen Erwachsenen, der vor Lebensgeschichten sprüht und eine Wendung gegen Schluss, die eine moralische Frage beantwortet oder zumindest eine Lösung des "Problems" aufzeigt. Ich garantiere aber, dass es sich nicht nur um ein Märchen für Kinder handelt, sondern sich auch sehr für erwachsene Leser eignet, nein, sogar von Erwachsenen gelesen werden MUSS, denn wir verstehen die Aussage des Buches besser, doch müssen immer mal wieder daran erinnert werden.

Einen kleinen Einblick möchte ich dennoch geben: Es handelt ganz entfernt und doch irgendwie nah von Pinocchio, obwohl die Geschichte ganz anders verläuft, als die weltweit berühmte Erzählung des Jungen aus Holz, der so gerne ein normaler Junge hätte sein wollen. 



4,5 von 5 Lese-Echsen




John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama", der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als "ein kleines Wunder" (The Guardian) gefeiert wurde. 

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