12. Mai 2016

Anna Levin - das Korallenhaus




Autorin: Anna Levin
Titel: das Korallenhaus


Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-442-38096-1
Erschienen: 2014
Seiten: 384





Eine Liebe, so unendlich wie das Meer

Als die Meeresbiologin Nina in einem Haus bei Tazacorte ein altes Tagebuch und eine Kette aus schwarzen Korallen findet, ahnt sie nicht, dass dieser Fund ihr Leben für immer verändern wird. Sie kam nach La Palma, um bedrohte Korallenarten zu studieren, doch die Geshcichte der Korallentaucherin Serena, die den Freitod im Meer suchte und von dem Hirten Mateo gerettet wurde, schlägt sie in ihren Bann. Denn sie erzählt von einer Liebe, wie Nina selbst sie sich immer erträumt hat. Woher aber kommen die Parallelen im Leben beider Frauen? Und wem ist Ninas Forscherteam ein Dorn im Auge?





Ein wunderbares Cover voller Farben, ein Haus mit Meersicht, Blüten einer kanarischen Insel, zwei Liebesgeschichten in zwei verschiedenen Zeiten und eine Mission: die schöne Unterwasserwelt schützen, besonders die rote und schwarze Koralle.

Der Roman macht Lust auf Sommer, auf La Palma und teilweise sogar aufs Tauchen. Die Beschreibungen sind sehr geschmückt, detailliert aber nicht überladen und geben ein sehr authentisches Bild der Insel und der Geschehnisse wider. Man merkt, dass die Autorin selbst die verschiedenen Örtlichkeiten besucht hat, in La Palma sogar an diesem Buch geschrieben hat und vor Ort recherchierte. Dies wird auch im Nachwort erwähnt, wo ein kleines Glossar zu den spanischen Bezeichnungen und eine kurze Erklärungen der Autorin zu finden sind, bezüglich welche Teile fiktiv sind und welche auf wahren Begebenheiten oder Legenden beruhen. So ist auch die Situation mit der Verschmutzung der Meere und den Schmugglern von geschützten Meerestieren gut recherchiert und wahrheitsgetreu. Leider werden mit der Fischerei und dem Tourismus Riffe beschädigt, vom Aussterben bedrohte Tierarten weiter wegen Profitgier ausgerottet und unter anderem mit Korallen auf dem Schwarzmarkt gehandelt. 

Die Autorin versteht es, den Leser auf eine Reise mitzunehmen, mit uns in die Tiefe abzutauchen, um Delfine, Schildkröten und bunte Fische zu besuchen. Sie nimmt uns mit in verschiedene Dörfer auf der kanarischen Insel, lässt uns Wetterumbrüche und emotionale Momente spüren. Die Hauptperson Nina war mir schnell sympathisch und ich verfolgte ihre Wege sehr gerne. Ihre Begegnung mit Fabio, einem Apnoetaucher ihres Forscherteams, war wenig überraschend und sehr voraussehbar. Das typische Klischee: Auf dem Klappentext und Anfangs sind sie sich unsympathisch, aber er sieht saugut aus, dann kommen sie sich näher, sie will es nicht wahrhaben, er scheint ein Frauenheld, dann stellt sich aber heraus, dass er ein ganz lieber ist und echt in sie verknallt und sie eigentlich auch et voilà, am Ende kommt eine Liebesgeschichte dabei heraus. Ich denke nicht, dass ich damit spoilere, denn es ist doch sehr einfach zu erahnen. Ebenfalls voraussehbar war leider ein wenig eine weitere Geschichte über kriminelle Machenschaften. Wem ist das Forscherteam ein Dorn im Auge? Das hat mich dann doch überrascht, wer es schliesslich war. Allerdings entwickelt sich im Verlauf der Lektüre so eine Vorahnung und Idee.

Enttäuscht war ich lediglich von dem Tagebuch. Ich mochte die Geschichte von Serena und Mateo sehr. Die Parallelen zu Nina und Fabio fand ich aber etwas gewollt und konstruiert. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich dieses Genre gerne lese und deshalb gut kenne und sich solche Geschichten immer ein wenig wiederholen. Was mich aber extrem störte, war der Schreibstil des Tagebuches. Die Einträge glichen mehr Erzählungen wie der Rest des Romanes, mit direkter Rede und einigen Ungereimtheiten. Schriebe ich ein Tagebuch, würde ich nicht über die Gedanken und Gefühle anderer Personen schreiben, weil die mir ja verborgen blieben und ich die überhaupt nicht kenne. Die ganze Form der Tagebucheinträge war im Gegensatz zum restlichen Roman sehr unauthentisch, obwohl sonst unterhaltsam. 

Wer sich zudem fürs Tauchen interessiert, der kommt hier auch nicht zu kurz, denn auch das hat die Autorin vor Ort recherchiert und einen guten Teil der Geschichte spielt unter Wasser. Wer sich weniger dafür interessiert, der erfreut sich einfach an den Begegnungen mit Delfinen und das gefühls-chaotische Hin und Her zwischen Nina und Fabio. Das Ende könnte für manche leicht kitschig sein, für mich ging es gerade noch so. Trotz einiger Reaktionen von Nina, die ich nicht immer nachvollziehen konnte, konnte ich mit ihr mitfühlen und genoss die Reise. Unterm Strich ein schöner Sommerroman, Lektüre für Balkonien, Strand oder Garten und trotz einigen Abstrichen, wahrscheinlich nicht mein letztes Buch dieser Autorin.




4,5 von 5 Lese-Echsen





Anna Levin schreibt Geschichten, seit sie denken kann. Bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte, war sie im medizinischen Bereich tätig. Seit vielen Jahren treibt sie ihre Neugier und Sehnsucht immer wieder in ferne Länder, wo sie sich besonders für andere Kulturen und deren prähistorische Vergangenheit interessieret. Ausserdem schreibt sie unter einem anderen Pseudonym erfolgreich historische Romane. Sie lebt mit ihrer Familie im Norden Deutschlands.

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