2. Mai 2016

Rolf Lappert - Pampa Blues





Autor: Rolf Lappert
Titel: Pampa Blues


Verlag: Carl Hanser
ISBN: 978-3-446-23895-4
Erschienen: 2012
Seiten: 252







Der 16-jährige Ben sitzt in dem verschlafenen Nest Wingroden fest, wo es nichts gibt als eine alte Tankstelle, die gut besuchte Dorfkneipe, den Baggersee und die schöne Friseurin Anna. Ben träumt davon, irgendwann nach Afrika abzuhauen und vielleicht wäre er auch schon längst weg, wenn seine Mutter nicht als Jazzmusikerin durch die Welt tingeln würde. Bis sie zurück ist, macht er den VW-Bus flott, kümmert sich um seinen Grossvater und debattiert mit Maslow, dem Ideenstifter, Finanzier und Visionär der Gemeinde. Maslow will Wingroden zu einer Touristenattraktion machen, mit Vergnügungspark und Golfplatz. Seine jüngste Idee ist es, Nachrichten von einem gestrandeten Raumschiff zu verbreiten, um den Ort in eine Pilgerstätte der Ufo-Gläubigen zu verwandeln. Als die junge Lena mit ihrer Kamera aufkreuzt, scheint der Plan zu funktionieren. Doch dann treibt Maslow selbst gebasteltes Ufo in den Nachbarort ab. 



Eine sehr kuriose Idee, die ganz witzig sein könnte. Doch leider wurde es nicht so toll umgesetzt, wie ich mir erhofft hatte. Spannung kommt fast nie auf, Wingroden wirkt tatsächlich sehr langweilig und ganz allgemein war ich am Schluss leider der Meinung: Was drauf steht, steckt auch drin, Pampa Blues eben.

Der Schreibstil ist eigentlich noch das Beste des Romanes. Es liest sich nicht nur angenehm, sondern ist lebhafter als die Figuren selbst. Die wenigen Personen, die darin vorkommen, sind anfangs viele Namen, doch man hat schnell den Überblick. Eine Handvoll versoffener Männer, die sich täglich in der Dorfkneipe treffen und sozusagen das grosse Publikum für Maslows Ideen sind. Ein Hund, der ebenfalls Bier trinkt und sonst unter dem Tisch schläft. Ben und sein Grossvater, der recht stumm, aber sonst lieb ist. Allgemein habe ich Karl, den Grossvater, am schnellsten und tiefsten ins Herzen geschlossen. Maslow und seine Schnapsideen waren wohl der unterhaltsamste Charakter von allen, während Ben mich eher an einen verschlafenen, tendenziell schlecht gelaunten Jugendlichen denken liess. Lena war da schon quierliger, allerdings fand ich ihre Handlungen nicht sehr authentisch oder ich verstand sie einfach nicht.

Schade ist vor allem, dass der relativ kurze Roman sehr viel Aufbauzeit benötigt und bis zur Hälfte recht wenig passiert. Man lernt die Personen kennen, bekommt ein Gefühl für Wingroden, aber irgendwie eiert die Geschichte so daher und man wartet auf den grossen Knall. Erst gegen Ende passiert endlich etwas mit dem selbstgebastelten Ufo, man erfährt mehr über die Geschichte von Lena, die man meiner Meinung viel mehr ausbauen konnte und auch in Ben kommt mehr Bewegung. Hinzu kommt ein Mordfall, der aber nur kurz erwähnt wird und dann ganz am Schluss schnell erklärt und aufgeklärt wird, aber sonst eine Randnotiz bleibt. 

Unterm Strich bleibt Pampa Blues leider Pampa Blues, eine Geschichte im Nirgendwo, wo alle ihr langweiliges Leben bejammern oder Unwichtigkeiten bequatschen und wenn mal etwas passiert, war es Falschalarm oder zu spät. Für mich ging die Geschichte erst richtig los, als der Roman zu seinem Ende kam. Schade.




2,5 von 5 Lese-Echsen



Der Schweizer Autor, der auch Drehbücher schreibt, besitzt sämtliche Tugenden eines wirklich guten Handwerkers. Er hat jede Menge skurrile Einfälle, die er durch eine starke Handlung im Zaum hält.

Image result for rolf lappertRolf Lappert, 1958 in Zürich geboren, lebt in der Schweiz. Er absolvierte eine Ausbildung zum Grafiker, war Mitbegründer eines Jazz-Clubs und arbeitete viele Jahre als Drehbuchautor u.a. für eine Serie des Schweizer Fernsehens. Bei Hanser erschienen die Romane "nach Hause schwimmen" (2008), der mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, und "auf den Inseln des letzten Lichts" (2010).
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